Ein Jahr in den oberösterreichischen Kalkalpen

Es gibt 46 Antworten in diesem Thema, welches 4.747 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von FlorianK.

  • Grüß euch,


    eigentlich hatte ich ja einen etwas gehaltvolleren Beitrag versprochen, aber die geplante Primärwald-Exkursion am Wochenende mussten wir leider wegen multipler Termin-Kollisionen bei verschiedenen Teilnehmern absagen.

    Anstatt Urwald-Schwammerl und -Käfern gibt's also heute wieder einen bunten Mix der letzten Tage, diesmal aber recht Insekten-lastig.


    Zuerst zu den aktuellen Bewirtschaftungstätigkeiten...


    Zuerst möchte ich euch mal zwei Vergleichsbilder zeigen aus meinen Weideflächen für die Mutterschaf-Herde. Diese Weidefläche (ca. 6ha) wurde über 15 Jahre nur sporadisch mit Rindern bestoßen und war zum Zeitpunkt der Übernahme zu 30% mit Brombeeren verbuscht. Durch das schwere Weidevieh wurde auch der Boden stark in Mitleidenschaft gezogen.

    Ende 2020, als bereits feststand, dass ich die Fläche übernehmen würde, habe ich dort zum ersten Mal die Wiesenpilze kartiert und bis auf einige Exemplare von Hygrocybe chlorophana, H. citrinovirens und Cuphophyllus virgineus konnte ich trotz guter Witterungsbedingungen nichts finden.

    Nach zwei Jahren der Standortangepassten Beweidung mit leichten Schafen konnte ich 2022 bereits 11 Arten Hygrocybe s.l. beobachten, darunter auch "bessere" Arten wie H. intermedia, N. pseudoingrata oder C. flavipes und zusätzlich Clavulinopsis fusiformis und Ramariopsis robusta.

    Flächige Brombeergestrüppe wurden seit der Übernahme beseitigt (natürlich nicht komplett, einzelne Inseln dürfen als Bruthabitate stehen bleiben), die alten Obstbäume und Weißdornsträucher wurden wieder freigestellt und ab jetzt dürfen die Schafe die weitere Gestaltung übernehmen.

    2021

    2023


    auch mit der Mahd geht es langsam los, zumindest in den zweimahdigen Wiesen in Talnähe. Wir setzen hierzu auf leichtes Gerät und eine möglichst schonende Bewirtschaftung. Auf allen Flächen sind nicht nur Düngung, sondern auch destruktive Geräte wie Trommel- und Scheibenmähwerke oder schwere Traktoren tabu.

    Seit dieser Saison haben wir auch einen neuen Mäher im Einsatz, der nicht nur extrem geländegängig ist, sondern in flachen Flächen durch Selbstfahrfunktion, 2,60m Balkenbreite und Mähgeschwindigkeiten von über 10km/h auch extrem schlagkräftig ist. Bei passendem Gelände kann hierdurch eine Flächenleistung von etwa 1,5ha/h erreicht werden.


    Letztens hab ich auch einem Kollegen einen Besuch abgestattet, der gerade am Nachtfalter kartieren war. Sensationelles war nix dabei, aber ein paar schöne Arten konnte ich doch fotografieren.

    Acronicta alni

    Calliteara pudibunda

    Sphinx pinastri

    Arctia matronula

    Stauropus fagi

    Dendrolimus pini

    ... und auch sonst gab es immer mal wieder schöne Erlebnisse während der Arbeit


    diese Wiese kannte ich bisher nur aus dem Herbst vom Wiesenschwammerl kartieren, aber auch im Frühsommer, wenn hier hunderte Exemplare von Anacamtips pyramidalis und diversen anderen Orchideen blühen, hat die Fläche definitiv ihren Reiz

    die Fläche hab ich heute besucht, hier wird nur im Spätherbst/Winter beweidet um den halboffenen Charakter dieses Hangs zu erhalten (Größe ca. 150ha). Das gesamte Gebiet wurde über die letzten Jahrhunderte zwar zur Gewinnung von Einstreu bewirtschaftet, war jedoch immer zu etwa 30% überschirmt und blieb forstwirtschaftlich +-ungenutzt, weil die Holzbringung zu aufwändig gewesen wäre.

    Cephalanthera rubra

    dies kommt vor allem den unzähligen xylobionten Käfern zu gute, die hier ein perfektes Habitat vorfinden

    Monochamus sutor

    Rosalia alpina

    Peltis grossa (hier muss ich etwas schummeln... das Bild ist vom letzten Jahr, leider hat sich das heute gefundene Exemplar ins Laub fallen lassen bevor ich zum fotografieren gekommen bin)

    zusätzlich hatte ich heute auch mehrfach Prostomis mandibularis, die ist aber einfach zu klein und zu agil um ein anständiges Bild mit dem Handy hinzubekommen


    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    auch heute gibt's wieder eine bunte Mischung der letzten Tage (und sogar mal ein Schwammerl)


    Wegen der anhaltenden Trockenheit im Juni is bei den Schwammerl noch fast nix los, aber in den letzten Tagen hatten wir zumindest einige leichte Regenfälle und seit gestern Nachmittag schüttet's aber aus Kübeln... vielleicht kommen also in nächster Zeit endlich mal ein paar interessante Pilzfotos dazu


    Pluteus umbrosus



    den Käfern hat das Wetter allerdings besser gefallen und ich konnte zwei persönliche Erstfunde verzeichnen die mich ziemlich gefreut haben. Die Bilder sind zwar ziemlich besch...eiden aber halbwegs erkennen kann man sie doch


    Dicerca berolinensis

    Dircaea australis



    eigentlich auch schon stark gefährdet und nur noch selten anzutreffen, in unseren halboffenen Weidehabitaten jedoch noch sehr häufig


    Lopinga achine



    und natürlich hatte ich auch wieder einige schöne Pflanzen


    Cephalanthera rubra

    Epipactis atrorubens

    Epipactis palustris

    Gymnadenia odoratissima

    Gladiolus palustris

    die letzten drei wuchsen dicht an dicht




    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    die letzten Wochen war's etwas stressig und für spannende Exkursionen gab es auch kaum Zeit. Vor allem war ich mit heuen beschäftigt und nebenbei musste ich 2,5km neue Umzäunungen aufbauen. Die vielen Regentage waren vor allem von haufenweise Büroarbeit geprägt um etwas vorzuarbeiten, damit ich mich im Herbst wieder intensiver der mykologischen Kartierungsarbeit widmen kann.


    Einige Impressionen vom letzten Wochenende möchte ich noch mit euch teilen...

    In einer größeren Gruppe haben wir eine der letzten großen Bergmähwiesen Oberösterreichs gemäht und abgeräumt. Diese etwa 4ha große Wiese wird seit 2016, nachdem siemehrere Jahrzehnte brach gelgen ist, wieder bewirtschaftet. Die Fläche beginnt in einer Höhe von über 1000m und erstreckt sich bis auf knapp 1300m.


    Beim abräumen sind mir auch schon die ersten Exemplare von H. conica und einige Leptonien untergekommen.


    Heute hab ich ein Moorrenaturierungsprojekt im Grenzgebiet Oberösterreich/Steiermark besucht, um die Zuständigen bezüglich der zukünftigen Bewirtschaftung der angrenzenden Feuchtwiesen zu beraten. Natürlich konnte ich da nicht aus und hab mir noch eine Stunde Zeit genommen um zu schauen ob's in den intakten Bereichen des Moores nicht ein paar interessante Schwammerl zu sehen gibt. Sonderlich ertragreich is es zwar nicht gewesen, aber zumindest ein paar nette Funde waren dann doch dabei.


    Die alten Drainagegräben wurden erst in den letzten Wochen wieder verschlossen, inzwischen sieht man jedoch schon einen schönen Effekt der neu angelgten Spundwände.


    Neben Galerina tibiicystis, Entoloma mougeotii, E. conferndum und Hygrocybe coccineocrenata hab ich noch folgende drei Kollektionen eingepackt, allerdings hab ich gerade weder Zeit noch Energie mich mit den Rötlingen näher zu beschäftigen, deshalb sind sie mal auf den Trockner gewandert...


    Geoglossum simile

    Entoloma cf. jubatum

    Entoloma sp.


    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    jetzt meld ich mich hier auch mal wieder um euch einen kurzen Einblick in die letzten beiden Monate zu geben. Insgesamt war's recht unspektakulär, Schwammerl hat's noch kaum welche gegeben, hoffentlich kommt bald mal wirklich herbstliches Wetter auf, bisher war es einfach noch zu trocken und warm. Bis auf wenige interessante Exkursionen war ich hauptsächlich am arbeiten, aber der eine oder andere interessante Fund ist mir doch schon gelungen.


    Im August haben wir uns einige Tage zum kartieren getroffen, allerdings mal nicht in den Kalkalpen sondern in der böhmischen Masse auf Granit. Auch hier ist kaum was gewachsen, einige gute Funde gab's aber trotzdem.


    Leucoagaricus americanus

    Bulgaria inquinans

    erste Saftlinge am Straßenrand...

    Hygrocybe acutoconica

    einige Moorflächen haben wir uns auch angesehen, zumindest da gab's dann auch schon recht interessante Funde

    Bovista paludosa

    Entoloma formosum

    das Highlight des Wochenendes war dann ein Soldatenfriedhof, den wir im vorbeifahren von der Straße aus gesehen haben... wunderschöne kurzrasige Magerstandorte, in großen Teilen dominiert von Hieracium pilosella. Im Oktober sind wir nochmal in der Gegend, da ist dann hoffentlich schon mehr los.


    Entoloma neglectum

    Entoloma exile

    Entoloma lividocyanulum



    zurück in den Alpen war ich mitte August für ein paar Tage in Salzburg, in den Wäldern war recht viel los, aber wenig spannendes. Die Wiesen waren auch in höheren Lagen noch nicht ergibig, aber in einem schönen, totholzreichen Bu-Ta-Fi-Mischwald gab's dann zumindest folgende Schönheit


    Resinoporia cretacea



    Anfang September stand dann eine lange erwartete Exkursion an, zu einem großen Primärwaldrest. Bis dorthin haben wir's aber leider nicht geschafft, weil der alte Jagdsteig teilweise nicht mehr passierbar ist. Trotzdem eine spannende kleine Wanderung in beeindruckende Gebiete.


    Nach etwa 2 Stunden Aufstieg endlich den alten Steig gefunden, der sich durch das Geröll zwischen Latschen und Felswänden dahinzieht.

    Leider war hier Schluss, weil der Weg abgebrochen war, aber zumindet einen besseren Blick auf das Gebiet konnte ich mal werfen. Eine mögliche Alternativroute gäb's noch, über die werden wir's wohl diesen Herbst nochmal versuchen.

    Auf dem Plateau hinter den Latschen erstreckt sich ein 17ha großer Urwald, oben und unten von Felswänden geschützt, der angeblich durchsetzt ist mit jahrhunderte alten Fichten, Tannen, Buchen und Lärchen... da warten sicher noch zahlreiche interessante Sachen.



    Letzte Woche waren wir dann nochmal ein paar Tage zum kartieren unterwegs, wieder in den oö. Kalkalpen, aber in einer Region die ich kaum kenne. Leider war ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen und konnte nur bei einigen Exkursionen mitgehen. Insgesamt wieder sehr wenig Schwammerl, aber schöne, neue Gebiete und auch der eine oder andere gute Fund.


    Alnicola eschnarioides

    Entoloma incanum

    Flavophlebia sulfureoisabellina

    Cystostereum murrayi

    Hericium flagellum



    Ich hoffe euch hat's gefallen... vielleicht kommt ja in nächster Zeit doch noch mal mehr, aber momentan ist es einfach viel zu warm und trocken für die Jahreszeit.


    Liebe Grüße

  • GriasDi Florian,

    tolle Gegend in der ihr da unterwegs wart.

    Ein besonderes Hilight für mich: Die gelungenen Fotos von dem toll nach Kokos riechenden Cystostereum murrayi. Hab ich erst ein mal in der Kernzone Nationalpark Bayrischer Wald sehen und riechen dürfen.

    Danke für den schönen Bericht.

    An liabn Gruaß

    Werner

  • Servus Werner,


    die Cystostereum ist bei uns zum Glück noch regelmäßig anzutreffen, vor allem im NP Kalkalpen ist sie ein treuer Begleiter. Dort ist sie dank der Wind- und Käferschäden der letzten Jahrzehnte inzwischen selbst in den ehemaligen Wirtschaftswäldern teilweise wieder zu finden (natürlich nur bei entsprechendem Bestandsalter)

    So schöne Fruchtkörper wie oben gezeigt seh ich aber auch nur selten. Zogen sich etwa 5-6m am Stamm dieser mächtigen Tanne entlang.


    Geruchlich gehört die Art für mich zu den spannendsten Pilzen. Bei passenden Bedingungen (gut durchfeuchtetes Substrat welches gerade in der Sonne erwärmt wird) kann man die oft schon aus deutlich über 10m riechen!


    Als Indikator für naturnahe Waldgebiete (zumindest im montanen Bu-Ta-Fi-Wald) ist sie auch sehr gut geeignet, weil sie bei passenden Bedingungen zu den häufigeren Naturnähezeigern gehört, jedoch nach meiner Erfahrung ausnahmslos in mykologisch höchstwertigen Habitaten anzutreffen ist.

    Mir zumindest fällt kein Standort von C.murrayi ein, wo nicht in direkter Umgebung auch diverse weitere Raritäten zu finden sind.


    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    in einer normalen Saison hätt ich zur heutigen Tour nur "das war wohl nix" sagen können, aber die Ansprüche haben sich doch schon verändert. Zumindest einige vereinzelte Saftlinge und Rötlinge hab ich gefunden und es sieht fast so aus als ob doch noch was kommen könnte.

    Die letzten Beiden Tage hatten wir doch etwas Regen und die Temperaturen sollten die nächsten Tage auch noch passen, aber mal schauen.


    Obwohl meist nur mit wenigen Fruchtkörpern vertreten sind doch ein paar Funde zusammengekommen, davon was in der Wiese eigentlich gerade abgehen sollte sind wir aber sehr weit entfernt.


    Cuphophyllus virgineus

    Entoloma bloxamii agg.

    Entoloma prunuloides agg.

    Hygrocybe citrinovirens

    Hygrocybe glutinipes

    Hygrocybe intermedia

    Lepiota oreadiformis

    Neohygrocybe ingrata

    Pseudoporpoloma pes-caprae

    Pseudotricholoma metapodium



    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    nachdem wir in den letzten Tagen doch noch etwas Regen abbekommen haben und auch der Frost noch auf sich warten lässt, geht's jetzt endlich los in den Wiesen. Die aktuell noch viel zu warmen Temperaturen haben mich sogar schon zum nachdenken gebracht, ob ich nicht doch noch eine Exkursion zur einen oder anderen höher gelegenen Alm machen sollte.


    Ich war heute nochmal in der gleichen Fläche, die ich vor 10 Tagen schon besucht hab und es war schon deutlich mehr los... manche Arten gab es sogar in recht großer Zahl und teils in perfektem Zustand.


    Das Habitat ist übrigens eine einmähdige Wiese in Tallage (gerade mal auf 550m) und wohl weit und breit eine der letzten leicht bewirtschaftbaren Flächen die nie nennenswerte negative Eingriffe wie Düngung oder ähnliches durchmachen musste.

    Mit inzwischen 24 Saftlingsarten und etlichen anderen Raritäten auf nur knapp 3ha sicher eines der besten bekannten Wiesenhabitate Österreichs.


    Schon nach wenigen Metern war zu sehen, dass es heute schon deutlich besser werden würde... im Gegensatz zur letzten Begehung waren viele der häufigeren Arten schon in annähernd gewohnter Menge zu finden.


    Hygrocybe citrinovirens

    Clavaria fragilis

    Hygrocybe chloropana

    Gliophorus psittacinus

    Hygrocybe intermedia

    Hygrocybe coccinea


    Leptonien gab's auch einige, allerdings hab ich dafür gerade keine Zeit... da muss ich mich im Winter mal in Ruhe dazusetzen


    Entoloma sp.


    natürlich musste ich dann natürlich die ganze Fläche begehen und insgesamt war's ganz ergiebig, inklusive einer neuen Ellerlings-Art (C. collemanianus) für die Fläche


    Entoloma cf. luteobasis

    Clavulinopsis fusiformis

    Pseudoporpoloma pes-caprae - die war heute wieder massenweise anzutreffen, teilweise in großen gruppen mit bis zu 30+ Fruchtkörpern

    Cuphophyllus flavipes

    Cuphophyllus berkeleyi

    Cuphophyllus colemannianus

    Porpolomopsis calyptriformis

    Entoloma atromadidum - regelmäßig zu finden, allerdings bei jedem Mycel nur 1-2 Fruchtkörper... E. bloxamii s. str. war allerdings nicht zu finden

    Hygrocybe punicea - zum Abschluss der zweistündigen Regen"wanderung" gab's dann noch diese beiden Prachtkerle, der größere mit etwa 12cm Hutdurchmesser


    ich hoffe euch hat's gefallen


    Liebe Grüße

  • Grüß euch,


    gestern hab ich mich also doch nochmal aufgemacht mit dem Plan eine Alm zu besuchen die zwischen 1100-1400m liegt. Wegen der tief hängenden Wolken ist mir allerdings leider nicht aufgefallen, wie weit es in der Nacht runtergeschneit hat. Oben angekommen hatte ich dann 60ha weiße Almwiesen vor mir.

    Nach dem einen oder anderen leisen bis mittellauten Fluch hab ich mich wieder ins Auto gesetzt und bin zu einer anderen Alm gefahren... zwar ein extremes Kälteloch, aber fast 400m tiefer gelegen, also hatte ich doch die Hoffnung auf etwas bessere Bedingungen.


    Zwischen den beiden Flächen sind wir kurz bei einem absolut sehenswerten Lungenflechten-Vorkommen stehen geblieben... fast jeder etwas größere Laubbaum entlang des Bachs ist in dem Gebiet besiedelt.


    Lobaria pulmonaria

    Dann ging es weiter ins Ausweichgebiet und erfreulicherweise waren nur etwa 20% der Fläche weiß und im Rest lagen nur unbedeutende Schneemengen und so hatte ich zumindest Hoffnung auf den einen oder anderen Fund.

    Insgesamt war es ziemlich mager und nur häufige Arten waren in nennenswerten Mengen zu finden, etwa C. virginea, H. chlorophana oder Entoloma sericeum.


    Cuphophyllus fuscescens - an den bekannten Stellen, allerdings teilweise mit ungewöhnlich vielen Fruchtkörpern

    Porpolomopsis calyptriformis - schon nach kurzer Zeit an einer Wegböschung welche zu den interessantesten Teilgebieten der Fläche zählt. Abgesehen von den oben genannten Arten und einigen alten Exemplaren von C. flavipes gab's in der Umgebung nicht viel. Der Fund ist allerdings besonders erfreulich, weil mir der Rosenrote aus der Alm noch nicht bekannt war, obwohl ich sie schon seit 2019 untersuche

    Clavulinopsis laeticolor - ganze drei Keulchen in gleich vielen Stunden

    Cuphophyllus colemannianus - gab es an einigen Stellen in typischer Größe und Statur...

    ...an zwei weiteren Stellen allerdings auch in winzig. Mit einer Sporenbreite von 5-6µm wüsste ich nicht was es sonst sein sollte, obwohl alle Fruchtkörper eher den Habitus schmächtiger C. virgineus-Fruchtkörper hatten.

    Geastrum minimum - auf den überwucherten Kalkfelsen immer mal wieder zu finden... ich finde die einfach immer wieder schön

    und zum Abschluss noch eine Kollektion bei der ich momentan gar nicht weiterkomme. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, ansonsten versuch ich sie nachher nochmal durchzuschlüsseln und bei Bedarf stell ich später noch eine extra Bestimmungsanfrage.

    Die gleiche Art hatte ich unweit des gestrigen Fundorts (und an zweiweiteren Stellen auf der gleichen Alm) auch bei einer der ersten Begehungen vor einigen Jahren. Schon damals bin ich zu keinem Ergebnis gekommen, allerdings haben da einige mitgesammelte Maden die Kollektion vernichtet bevor ich sie anständig untersuchen konnte.


    Standort: immer an trockenen, extrem mageren Stellen die auch viele andere Arten beherbergen; seichtgründig; moosig; über Kalk

    Hut: bis 20mm; in allen Altersstadien diese zarte, blau-violette Färbung; stark hygrophan (Foto ist nach 16h Dauerregen entstanden)

    Stiel: etwas heller als der ut mit leichtem braunstich, stark silbrig überfasert

    Lamellen: hutfarben; dicht stehend; wachsig-weich und relativ gut vom Hut ablösbar

    Geruch + Geschmack: unbedeutend

    Spp.: +- (breit) ellipsoid, 4,75-6,25x 3-3,5, warzig


    Liebe Grüße

  • Servus Werner,


    danke dir für den Vorschlag... die einzig sinnvolle Gattung die mir dazu einfällt ist auch Lepista, darunter wiederum ist die einzige Art die mir halbwegs passen würde L. sordida.

    Die Färbung scheint allerdings doch außergewöhnlich und ist mir von anderen L. sordida-Funden so nicht bekannt. Die kleinen Sporen schließen für mich L. sordida eindeutig aus.


    Nachdem ich ursprünglich genau die gleiche Vermutung hatte hab ich sogar extra die folgende sordida-Kollektion eingepackt und die Sporen direkt verglichen. Hatte nicht mal eine Überschneidung in der Sporenlänge!


    L. sordida

    Spp.: 6,5-9x3,25-4(4,5)


    Liebe Grüße

  • Hallo zusammen,


    ich habe gerade mal in den Gröger geschaut. Dort wird beim Schlüsselschritt bzgl. violetter Farben auch direkt Sporen >6 µm abgefragt. Es wird aber als Fußnote auf L. pseudoectypa verwiesen, die kleine Sporen von 4,5-6 µm und lila-rote Farben hat. Ich kenne die Art selber nicht (laut Gröger subarktisch-alpin), aber das wäre zumindest etwas mit dem man vergleichen könnte.


    Björn

  • Grüß euch,


    nachdem das letzte Jahr doch in vieler Hinsicht nur mäßig spannend war, einerseits weil die Schwammerl ziemlich ausgelassen haben, andererseits weil ich doch arbeitstechnisch mehr eingespannt war als erwartet, werd ich hier auch noch ein weiteres Jahr anhängen.


    Viel spannendes aus den letzten Monaten gibt's nicht vorzuzeigen, aber das eine oder andere interessante hab ich doch immer wieder gesehen. Nachfolgend also ein Potpourrie aus den letzten Monaten.


    Sarcodontia crocea ex Sorbus aria

    Arrhenia rickenii

    Resinoporia cretacea

    Phellinus tremaulae

    Ostoma ferruginea

    Crepidotus crocophyllus

    Peltis grossa

    Neotinea ustulata

    Anacamptis pyramidalis

    Gladiolus palustris

    Skutellinia crinita

    in einem der vorangegangenen Beiträge hab ich ja schon von unserem fehlgeschlagenen Versuch berichtet, eines der bisher unerforschten Urwaldgebiete im Nationalpark Kalkalpen zu erreichen. Bei einem weitern Versuch hat's schlussendlich geklappt und wir konnten einen halbwegs sicheren Zustieg finden. Das ganze hat doch seine Zeit gedauert, weshalb nur wenig Zeit für die Kartierung blieb, aber weitere Exkursionen in das Gebiet werden diese Saison noch folgen.


    Zustieg

    Camarops tubulina und Antrodiella citrinella

    Gyromitra gigas

    Primula clusiana

    Hericium flagellum

    Phelopillus nigrolimitatus

    Cystostereum murrayi



    Liebe Grüße

  • ... und es geht gleich weiter...


    die letzten vier Tage war ich mit einigen Kollegen zum Kartieren unterwegs, erst drei Tage Schwammerl, dann noch einen Tag xylobionte Käfer. Insgesamt ein paar wirklich gelungenen Tage, mit einigen Überraschungen die im Juni nicht gerade zu erwarten waren.


    Am ersten Tag haben wir es mal auf gut Glück auf den Almflächen im NP Kalkalpen versucht. Die Witterung der letzten Wochen hat uns zumindes gewisse Hoffnungen gemacht, dass schon der eine oder andere Wiesenpilz zu finden sein könnte, das Ergebnis hat allerdings alle Erwartungen bei weitem übertroffen... 15 Arten Hygrocybe s.l., 2 x Porpoloma s.l., erste Erdzungen, einige Rötlinge und auch eine ganze Reihe schöner Orchideen


    Hygrocybe calciphila

    Coronella austriaca

    Neohygrocybe ingrata

    Pseudotricholoma metapodium

    Pseudoorchis albida

    Coleoglossum viride

    Nigritella cf. austriaca

    noch (immer) namenlos

    Geoglossum fallax

    Tag zwei war eher Arbeit... hatten noch einige Kartierungsgebiete abzuarbeiten die erwartungsgemäß eher unspannend waren


    Antrodia sinuosa

    Helvella elestica

    Epichloe typhina

    Anguis fragilis

    Tag drei war dann wieder im NP Kalkalpen, diesmal ging's allerdings mal wieder in einen Urwaldrest


    Phellopilus nigrolimitatus

    Camarops tubulina

    Mycena laevigata

    Cystostereum murrayi

    Phellinuns hartigii

    Salamandra atra

    Dactylorhiza majalis

    Kuehneromyces lignicola

    und am vierten Tag war ich dann in einem unserer regionalen Naturschutzgebiete unterwegs, wo ich gerade eine erste Kartierung der xylobionten Käfer mache... nach dem Regen der letzten Woche war am ersten richtig warmen Tag gleich einiges los und zumindest zwei Urwaldreliktarten konnte ich auch halbwegs brauchbar ablichten.


    Rosalia alpina

    Peltis grossa

    Cephalanthera rubra


    Ich hoffe euch hat's wieder gefallen und wenn das Wetter so weitergeht sollte bald der nächste Beitrag folgen.


    Liebe Grüße und bis bald

  • GriasDi Florian,

    und wie's gefallen hat!!

    Danke für die tollen Berichte.🙂

    Hast Du den Phellinus tremulae auch mit Ph. populicola verglichen?

    Ph. tremulae ist eigentlich dafür bekannt, dass die Fruchtkörper unmittelbar am Ansatz abgestorbener Äste entspringen und da neben konsolenartigen Fruchtkörpern unterhalb der Astreste oft auch sog. Astläufer produziert, die die Astunterseiten entlang wachsen.

    Makroskopisch würd ich Deinen Fund deshalb eher Ph. populicola zuordnen.

    An liabn Gruaß

    Werner

  • Servus Werner,


    mit P. populicola hab ich nicht speziell verglichen, ich vermute allerdings trotzdem eher, dass es sich auch bei diesen Fruchtkörpern um P. tremulae handelt.

    Das Bild ist aus einem größeren Espen-Bestand und dort wachsen hunderte Phellinus-FK, meist genau wie du beschreibst am Ansatz abgestorbener Äste. Ich vermute eher, dass bei diesen schon recht großen Fruchtkörpern der ehemalige Astansatz nicht mehr zu sehen ist, das geht meist doch recht schnell bei den jungen und noch recht vitalen Espen, vA wenn es sich um die fingerdicken Ästchen im unteren Stammbereich handelt.


    Ausschließen kann ich es aber natürlich nicht, dass dort beide Arten vorkommen und beim nächsten Mal wenn ich vorbeikomme werd ich mir das nochmal genauer anschauen. P. populicola würde ich eh gerne mal live sehen


    Liebe Grüße

  • Hallo FlorianK,

    das macht ja mal neidisch...


    Der noch immer namenlose Wiesenpilz nach der Nigritella sollte eine Dermoloma aus dem cuneifolium-Aggregat sein. Weiter geht's wohl nur mit DNA, die Gruppe ist unübersichtlich.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo,


    es gibt da eine noch unbeschriebene Art die der Lamelloclavaria petersenii nahe steht. Die käme makroskopisch ganz gut hin. An Dermoloma mag ich nicht so recht glauben, dafür sind mir die Lamellen nicht bauchig genug und auch zu weiß.

    Gibt es denn Mikrodaten bzw. einen Beleg?


    LG,

    Alex

  • Servus Wolfgang, servus Alexander,


    vermutlich hat Alexander recht, bzw. wäre das auch unsere Einschätzung gewesen (ist nicht der erste Nachweis aus der Region)... Beleg gibt's natürlich und sequenziert wird die Kollektion auch in Kürze...

    ich halte euch auf dem laufenden


    Liebe Grüße

  • war erst letztes Wochenende, den ersten Fund dieser Art hatten wir aber schon 2022, auf einer anderen Alm nur wenige Kilometer entfernt

    Hier hab ich auch schon ein Bild vom damaligen Fund reingestellt


    Liebe Grüße