Der Traum von meiner eigenen Trüffelplantage ...

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 482 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von frank2507.

  • ... soll möglichst bald im Landkreis Gießen Realität werden.


    Auf so eine Schnapsidee kann man nur kommen, wenn man berauscht oder verzweifelt ist. Letzteres war bei mir 2020 der Fall, Pandemie-bedingt war ich praktisch arbeitslos und es war einfach kein Licht am Ende des Pandemie-Tunnels sichtbar.


    Um die Freizeit sinnvoll zu nutzen, habe ich mich meinen seit Jahren brach liegenden landwirtschaftlichen Flächen zugewendet. Eine Obst- und Nussplantage anlegen wäre doch eine feine Sache, Selbstversorgung wird ja in letzter Zeit groß geschrieben. Das lässt sich doch kombinieren? Also wird die Baum-Hasel Corylus colurna beschafft, und zwar Setzlinge aus Frankreich.


    An der Südseite wird das Ganze mit einer Reihe Elsbeeren Sorbus torminalis und Flaum-Eichen Quercus pubescens begrenzt, die als licht- und wärmebedürftige Arten mit den trockenheißen Sommern der kommenden Jahrzehnte zurecht kommen sollten. Ob die Elsbeere als mykologisch interessanter Partner für die Gattung Tuber in Frage kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Interessant ist sie jedenfalls auch als Obstlieferant für z.B. hochwertige Obstbrände oder einfach als Vogelnährgehölz.


    Auch hier habe ich auf die Herkunft geachtet: die Flaum-Eichensetzlinge stammen aus der Toscana.


    Jetzt habe ich insgesamt um die 300 Bäumchen gepflanzt und brauche seeehr viel Geduld und noch ein gaaanz langes Leben, um vielleicht im Jahr 2050 , wenn ich mit dem Rollator über meine Plantage krieche, die ersten Exemplare in meinen Händen zu halten.


    Millionen Menschen spielen Lotto - ich spiele Trüffel!


    Beste Grüße,


    Frank


    Übersichtsfoto:


    Baum-Hasel, drei Jahre alt:



    Flaum-Eiche aus der Toscana:


    Elsbeere:



    Zum Abschluss noch ein Fernblick auf das Gießener Becken und den Dünsberg am Horizont, im Vordergrund ein Speierling Sorbus domestica nebst meinem Hauptwerkzeug:

  • Hallo Frank,


    wenn deine Bäumchen bereits mit Trüffelmyzel beimpft wurden, stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass du irgendwann ernten wirst - auf jeden Fall Nüsse. ;)


    Freundliche Grüße

    Peter


    PS: Welche Trüffeln sollen es denn werden?

  • Hallo Peter!

    Da die Setzlinge aus Italien bzw. Frankreich stammen, besteht zumindest die Möglichkeit eines "mitgelieferten" Mycels. Begünstigen könnte ich das Wachstum möglicherweise noch durch eine Anhebung des pH-Wertes mittels Kalk. Ich habe mehrfach gesehen bzw. gelesen, dass das gemacht wird. Allerdings muss ich erst noch den pH-Wert meiner Flächen bestimmen, denn auch da gilt das richtige Maß finden. Viel hilft nicht immer viel ...


    Bezüglich der Trüffelart lasse ich mich überraschen ...


    Gruß,


    Frank

  • Hallo Frank,

    zunächst wünsche ich dir viel Glück mit deiner Trüffelplantage. Das oberflächliche Ausbringen von Kalk hat allerdings nur sehr überschaubare Wirkung, stattdessen sollte der Boden selber bis in die Tiefe kalkig-lehmig sein. Ob es in der Gießener Gegend einen solchen Boden gibt weiß ich nicht, wahrscheinlich muss man sehr lange danach suchen. Die auf deinen Fotos gezeigte Landschaft sieht so was von überhaupt nicht trüffelträchtig aus, ich war schon öfters Trüffeln kratzen, aber da würde ich einfach vorbeilaufen.

    Wusstest du eigentlich schon, dass die allermeisten in Deutschland wachsenden Trüffeln (z. B. Tuber aestivum oder Tuber rufum) gar nicht "nach Trüffel", sondern banal nussig oder auch nach gar nichts schmecken, für kommerzielle Zwecke ziemlich ungeeignet sind und höchstens die potenzielle Kundschaft enttäuschen und verärgern? Darauf bezog sich wohl Peters Frage. Die kommerziellen Arten Tuber magnatum und Tuber melanosporum (die aromatischen) jedenfalls hat in Deutschland bisher noch niemand geschafft, erfolgreich zu kultivieren.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo und Danke für die Ausführungen. Es ist seit einigen Jahren sehr schwierig und teuer geworden, als nicht-Landwirt landwirtschaftliche Flächen zu erwerben. Mit anderen Worten kann ich froh sein, überhaupt Eigentümer von knapp zwei Hektar Grund und Boden zu sein, auf dem ich solche Experimente machen kann.


    Ich habe von meinen Flächen die beiden Flurstücke mit insgesamt knapp 8.000 qm ausgesucht, die aus meiner laienhaften Einschätzung noch am ehesten dafür geeignet sind. Lehmboden ist vorhanden, allerdings nicht über die gesamten 8000 qm tiefgründig genug. Grundgestein ist verwitterter Basalt, daher sollte der pH-Wert eher basisch als sauer sein. Ob nur der pH-Wert stimmen muss oder tatsächlich freier Kalk in Form von Calciumcarbonat vorhanden sein muss, würde mich doch sehr interessieren. Wenn man silikatarmes Ergussgestein hat, kann man ja auch ohne freien Kalkstein in den schwach basischen Bereich kommen:


    Basalt – Wikipedia
    de.wikipedia.org



    Londorf ist nur wenige Kilometer von meinen Plantagen entfernt. Insgesamt befindet sich das in den Ausläufern des Vogelsberg, einem erloschenen Vulkan:


    Vogelsberg – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    An sowas wie Vermarktung denke ich nicht, es ist eher ein experimentelles Feld. Auf drei anderen Ackerflächen experimentiere ich mit Paulownia tomentosa und P. elongata (Blauglockenbaum) für die Energieholzgewinnung/Kurzumtrieb sowie einer ganzen Palette von Juglandaceae für die Nussproduktion (Carya laciniosa, C. ovata, C. illinoiensis, Juglans nigra, J. microcarpa, J.major, J. ailantifolia sowie diverse Hybride).


    Eine dieser drei Flächen wurde früher als Mistlagerplatz benutzt, ist sehr stickstoffhaltig und gut wasserversorgt, die Brennesseln wuchern dort extrem. In den vergangenen zwei Jahren habe ich dort massenhaft überreife Schopftintlinge und Riesenboviste verteilt, damit dürfte ich eher Glück haben ...


    Beste Grüße,


    Frank