Täublingshilfe?

Es gibt 16 Antworten in diesem Thema, welches 2.893 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Schwammerlsucher.

  • Guten Abend,


    Bin vorhin aus dem Wald gekommen mit einer Handvoll Täublingen. Habe jetzt alle mal angeknuspert und dachte auch, dass sie alle mild und damit essbar sind. Erst nach 5 Minuten hatte ich dann das Gefühl, dass sich in meinem Mund so ein bisschen ein bitterer Geschmack breit macht. Nun, nach 20 bis 30 Minuten, würde ich sagen, das ist sogar ziemlich bitter.


    Ich bin jetzt etwas verwirrt, weil ich trotz ausgiebiger Recherche nichts gefunden habe, das so wie mein Fund aussieht und trotzdem (offenbar) ungenießbar ist. Hat vielleicht jemand eine Idee, was ich mir da eingehandelt haben könnte? :) Danke!


    PS: Das Kunstlicht ist natürlich nicht ideal, da auf den Bildern alles bräunlicher aussieht.

  • Moin


    auf jedenfalls brauchen wir neue Bilder


    am besten jetzt morgens im Schatten Bilder machen. Denn kommen die Farben meist am besten rüber


    und mach ruhig ein paar mehr Bilder

    Und schreib auch was dazu ... was für Bäume dort wAren.


    an deinem Fund interessiert mich vor allem dieser hier



    Alex

  • Erst mal danke für die Antworten. Nachdem die Farben auf den Nachtfotos total verfälscht sind, hätte ich die Pilze wahrscheinlich besser beschreiben sollen. :)


    Die Pilze auf dem Bild, wo du den kleinen Pilz markiert hast, haben einen eindeutigen Violett-Stich und sind NICHT rötlich, wie es auf dem Foto den Anschein hat. Die Pilze auf dem anderen Foto sind bräunlicher (mit verschiedenen Untertönen, aber weitgehend bräunlich).


    Leider ist mein Kameraakku leer und mit der Farbwiedergabe meiner Handy-Kamera bin ich nicht zufrieden, also muss ich jetzt erst mal warten bis der Akku etwas Saft hat und reiche die Bilder dann nach.


    Bestehen anhand der Form der Pilze irgendwelche Zweifel daran, dass es sich um Täublinge handelt? Das sind nämlich die ersten Pilze dieser Art, die ich nach Hause bringe (bisheriges Repertoire sind diverse Röhrlinge, Parasole, Pfifferlinge, Boviste und Semmelstoppelpilze). Würde nun gerne Täublinge dazunehmen (war auch das einzige, was sich momentan im Wald findet), aber wenn sich der erste Fund als nicht essbar erweist und ich nicht zweifelsfrei herausfinde, woran es gelegen hat, werde ich von vermeintlich essbaren Täublingen wohl in Zukunft die Finger lassen (und das wäre natürlich schade - also nicht um die vermeintlichen Täublinge, aber um die essbaren).


    Gibt es denn auch bräunliche/violette Täublinge in deutschen Wäldern, die bitter schmecken und die daher ungenießbar sind?


    Außerdem hatte ich gestern über eine halbe Stunde hinweg ein winziges Pilzstückchen im Mund (ist mir erst später aufgefallen, habe es wohl unbewusst mit der Zunge hin und her geschoben). Wäre es möglich, dass auch die essbaren Täublinge bis zu einem gewissen Grad solche Bitterstoffe enthalten, und dass auch der Frauentäubling (oder ein an sich genießbarer Verwandter) irgendwann anfängt, bitter zu schmecken, wenn man nur lange genug darauf herumlutscht?


    PS: Ach so, und gefunden im Mischwald. Bin kein Baumexperte, aber auf dem Boden lagen Bucheckern, und ich glaube es gab auch Eichenblätter. Nadelbäume gab es auch, aber da stammen die nicht her (die 9 Pilze haben wir über eine halbe Stunde hinweg gefunden). Wenn ich mich recht entsinne, gab es im selben Abschnitt letztes Jahr auch Rotfußröhrlinge.

  • Hallo Schwammerlsucher,

    bitte habe dafür Verständnis, dass man aufgrund solcher Fotos überhaupt keine Urteile irgendwelcher Art abgeben kann, es sei denn, man handelt fahrlässig. Du willst ja die Leute sicher nicht zu fahrlässigen Urteilen treiben.

    Allgemein gilt ja, dass mild schmeckende Täublinge essbar sind. Diese Regel ist insofern gut, als dass jemand, der bei einem milden Täubling Schärfe oder Bitterkeit schmeckt, diesen eben nicht verzehrt. Ein selbstregulierender Kreislauf sozusagen. Schmeckt dir der Täubling, tut er dir gut, schmeckt er dir nicht, hast du dein Warnsignal bekommen.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hier jetzt endlich die Tageslichtbilder.


    Oehrling: Wie du weißt, bin ich Neuling in diesem Forum und daher für alles dankbar. Ich möchte trotzdem höflich anmerken dass ich deine Meinung nicht teile: In gewisser Weise kann eine Antwort eben nur so gut sein wie die Frage - wo die Frage unscharf (oder schlecht belichtet ;) ist, trifft das auch auf die Antwort zu. Fahrlässig handelt meiner Ansicht nach nur der, der behauptet, dass er trotz mangelhafter Informationen eine glasklare Antwort liefern kann. Aber auch eine unscharfe Antwort kann ja in vielen Fällen hilfreich sein, weil sie dem Fragesteller zusätzliche Ideen liefert.


    Die Probleme noch einmal aus meiner Sicht zusammengefasst: Das Warnsignal "Bitterkeit" sollte mir doch sagen, dass einer der Pilze nicht das ist, was ich dachte. Klar kann ich den Pilz dann weglassen, aber richtig nützlich ist diese Info doch erst, wenn ich den falschen Pilz identifiziere, die Ursache für meine Fahrlässigkeit entdecke und Sorge trage, dass mir so etwas nie wieder passiert. Diesem Lernprozess stehen aber momentan etliche Dinge im Weg:


    Nachdem die Bitterkeit erst nach 10-20 Minuten auftrat, kann ich den konkreten Pilz nicht identifizieren. Ich könnte jetzt alle neun Pilze noch einmal durchprobieren, wäre dann aber zweieinhalb Stunden beschäftigt und höchstwahrscheinlich keinen Schritt weiter. Denn ich habe ja bereits recherchiert, welcher Pilz den gefundenen ähnlich sieht und einen bitteren Geschmack auslöst, wurde dabei aber nicht fündig. Die andere Sache ist, dass ich auch noch nirgendwo gelesen habe, dass man nach dem Probieren eines Pilzes eine Viertelstunde warten muss. Auch das macht mich etwas ratlos, und ich versuche auch hier den Gründen auf die Spur zu kommen.


    (Großschrift stammt nicht von mir, das hat die Eingabemaske automatisch gemacht.)

  • Hallo Schwammerlsucher,

    bei den Teilen würde ich auch in Betracht ziehen, dass die deshalb bitter schmecken, weil sie verdorben sind.

    Ich hatte letztes Jahr Buckeltäublinge, die von einem Hyphomyceten, befallen waren und die schmeckten ebenfalls extrem bitter.

    Bei einem Exemplar sah man das damals deutlich, es schmeckten aber auch diejenigen fürchterlich bitter, bei denen man das nicht sah.

    Ich kann das auf Grund der Bilder nicht wirklich beurteilen, aber bei einigen der gezeigten Objekte würde ich schon wegen der Optik vom Verzehr abraten.

    Täublinge mit bräunlich verfärbten Lamellen, da klingeln bei mir alle Alarmglocken.

    Gruß,

    Marcel

  • Hallo Schwammerlsucher,


    deine neuen Bilder sind sehr gut und für die Anfrage zielführend. Die gezeigten Pilze sind alles Täublinge. Es sind den Bildern nach Frauentäublinge (R. cyanoxantha), Taubentäublinge (R. grisea), Papageientäublinge (R. ionochlora) oder Blaue Reiftäublinge (R. parazurea), vielleicht auch eine Mischung aus alledem. Die exakte Artbestimmung geht in diesem Formenkreis nur durch chemische oder mikroskopische Untersuchung jedes einzelnen Exemplares. Leute, die Täublinge zum Verzehr sammeln, können sich ohnehin an die Regel halten, dass Täublinge mit blauen Hüten immer ungiftig sind, so dass es der exakten Artbestimmung nicht bedarf.


    Was man freilich immer machen kann, ist Sporenabwürfe sammeln. Man schneidet den Hut vom Stiel und legt den Hut mit den Lamellen nach unten auf ein reinweißes Blatt (z. B. Druckerpapier). Das Ganze deckt man z. B. mit einer großen Kunststoffschüssel ab und lässt alles über Nacht liegen. Danach kratzt man das ausgefallene Sporenpulver mit einer Rasierklinge zu einem kleinen Häufchen zusammen. Man weiß dann zumindest aufgrund der einzelnen Sporenpulverfarben, ob alles die gleiche Art ist oder ob es sich um unterschiedliche Arten handelt. Im Falle deiner Pilze solltest du dazu einen besonders lilafarbigen Hut, einen blaugrünen, in der Mitte grünen Hut sowie einen blaugrauen, in der Mitte ockerfarbigen Hut nehmen (von den dreien denke ich, dass es unterschiedliche Arten sein können).


    Noch einmal zur Frage des Geschmacks. Meines Wissens wird in keiner Literaturstelle erwähnt, dass Täublingsstücke der genannten vier Arten (eine laut Literatur bittere Art ist in deiner Sammlung nicht dabei, so weit lehne ich mich mal aus dem Fenster) mit der Zeit im Mund bitter werden. Ich pflichte dir bei, dass wenn du bei einer Art Bitterkeit schmeckst, die laut Literatur nicht bitter ist, ein Problem hast. Über die Ursachen wurde hier ja schon spekuliert. Aber bezüglich des Verzehrs gilt: wenn an deinen Pilzen etwas bitter schmecken sollte, sollte dies ein Warnsignal sein, diese Pilze nicht zu verzehren, egal was genau der Grund ist. Aus meiner Beratersicht sind etliche der gezeigten Pilze schon deutlich über dem Zenit.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo


    Zumindest Frauentäublinge könnte man anhand der schmierigen und biegsamen Lamellen auch makroskopisch gut erkennen. Wenn ich mir die Bilder anschaue, da können nicht viele Frauentäublinge dabei sein. Wenn überhaupt.


    LG Matthias

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    Ohne den Pilz selbst in der Hand gehabt zu haben, ist eine 100%ige Bestimmung nie möglich. Keine Verzehrfreigabe übers Internet. Die gibt es nur beim Pilzsachverständigen/-berater/-kontrolleur vor Ort.

  • Hallo Werner,

    der Buckeltäubling ist ein guter Speisepilz. Buckeltäublinge, die keinen Befall haben, schmecken ausschließlich in der Huthaut bitter.

    Von demselben Myzel, das letztes Jahr den Befall hatte, verspeise ich die seit Jahren und das sind mit die besten Täublinge.

    Ich ziehe auch nicht - wie manchmal empfohlen - die Huthaut ab. Nach Zubereitung ist da nichts mehr bitter. Da bleibt ein angenehm würziger Geschmack.

    Der Geschmackseindruck von der rohen Huthaut ist übrigens deutlich harmloser als bei solch bitteren Speisen wie zum Beispiel Endiviensalat.

    (Es gibt ja auch Leute, die den überbrühen, um ihn genießbar zu machen)

    Den Befall beim Buckeltäubling erkannte ich übrigens bei einem Fruchtkörper an einem auffälligen Belag auf den Lamellen.

    Der Buckeltäubling steht bei einigen Autoren als ungenießbar in den Büchern, diejenigen die sorgfältiger gearbeitet haben, wissen, dass er wohlschmeckend ist.

    Ich habe übrigens sowohl den Rohgeschmack als auch den zubereiteten auch von anderen Menschen prüfen lassen.

    Böse Menschen behaupten darum, mein sonntäglicher Lauftreff sein eigentlich eine pilzkundliche Führung.

    Gruß,

    Marcel

  • bei den Teilen, würde ich auch in Betracht ziehen, dass die deshalb bitter schmecken, weil sie verdorben sind.

    Guten Morgen,

    also ich habe diese Woche einen trockenen Frauentäubling probiert, den ich gefunden habe, um genau das zu prüfen. Ich wollte wissen, ob es allgemein möglich ist, dass sich der Geschmack im Alter oder im Trockenzustand bei Täublingen verändert. Kurz gesagt: Ich habe es direkt bereut, dass ich probiert habe... Der schmeckte zwar nicht bitter aber wirklich widerlich :D

    Ich könnte mir also auch vorstellen, dass da eine Bitterkeit rauskommt, gerade wenn man so lange darauf rumkaut.


    LG Phillip

  • Genau, und so was verzehrt man dann eben nicht. Egal wo die Bitterkeit nun herkommt. Auf das wollte ich hinaus. Richtig mitreden kann ich freilich nicht, da ich beim Kosten das Täublingsstück normalerweise nur maximal eine Minute im Mund behalte und auch nur auf mild/scharf achte. Aber ich werde das auch mal ausprobieren. Manche Täublingsfreaks unterscheiden ja beim Geschmack auch "nussig-mild" (= süßlich, lecker?) und "fade-mild" (= unlecker?), was ich persönlich (mangels verfeinerten Geschmackssinnes?) nicht wirklich nachvollziehen kann.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Oehrling,

    ich würde deinem längeren Beitrag in allem zustimmen, zum kürzeren hätte ich noch Anmerkungen:

    "nussig-mild" heißt nicht süßlich, sondern Geschmack nach Nüssen, genaugenommen nach Haselnüssen.

    "fade-mild" heißt: schmeckt nach nichts

    Es gäbe da noch:

    mild - war aber mal scharf - hat aber so viel Sonne abbekommen, dass man nur noch einen Bittergeschmack wahrnimmt und der ist bei den vormals verzögert scharfen, nun noch verzögert bitter.

    Ich fand aber auf den gezeigten Bildern nichts, was dafür in Frage kam. Geschmeckt habe ich das bisher nur bei stark ausgeblassten - fast weißen - Exemplaren.

    Das mit dem Nachvollziehen hat vielleicht auch damit zu tun, dass Du eine politisch korrekte Geschmacksprobe mit Ausspucken machst.

    Wie jeder Weintrinker weiß, ist der Abgang ein ganz wesentlicher Teil des Geschmackseindrucks.

    Ich schlucke bei allen Täublingen und Röhrlingen, wenn ich eine Geschmacksprobe mache, immer auch das kleine Stückchen mit runter.

    Ich habe das auch einmal bei einem Albatrellus gemacht. Der überraschte mich dann mit einem süßen Abgang, nachdem vorher der Geschmack nussig war.

    Von dem Albatrellus wird ja auch berichtet, dass er roh Vergiftungen erzeuge, aber ich hatte da keine Probleme.

    Gruß,

    Marcel


    Nachtrag:

    Das Haselnussaroma wird von dem Stoff Filberton erzeugt.

    5-Methyl-2-hepten-4-on – Wikipedia

  • Hallo Karl,

    leider nein.

    Meine einzige Quelle für die Inhaltsstoffe von Pilzen ist der Römpp und den haben ich leider nur in der letzten Papierausgabe.

    Die Firma bietet für Privatleute leider keinen bezahlbaren Zugang auf die Online Version an.

    Der Meixner bietet ein bisschen was für die Farbreaktionen, die natürlich auch ein Hinweis auf Inhaltsstoffe bieten, aber leider nur auf ausgewählte.

    Es gibt da wohl auch Literatur für die Inhaltsstoffe von Pilzen, aber da habe ich keinen Zugriff drauf.

    Man Hinweis auf das Haselnussaroma bezieht sich auf Haselnüsse und stammt aus dem Römpp.

    Ich nehme den Aromastoff zum Beispiel im Frauentäubling genau so wahr, wenn man also wissen will, was ich da schmecke, sollte man sich das Aroma besorgen.

    Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind solche Aromen normalerweise eineindeutig bestimmten Chemikalien zuzuweisen, z.B. Geruch beim Stachelbeertäubling, aber im konkreten Fall kann ich das nicht beweisen.

    Gruß,

    Marcel


    Nachtrag: Wie ich gerade gefunden habe ist der Geschmacksschwellenwert in Wasser von Filberton:

    0,00005 ppm = Teile pro Million, da wird wohl auch die beste chemische Analytik an ihre Grenzen kommen.

    Die Literatursuche kann man sich sparen.

  • Noch mal vielen Dank für die netten und konstruktiven Antworten!


    Ich habe inzwischen fünf der neun Pilze, die mir optisch absolut einwandfrei schienen, noch einmal kollektiv angeknabbert, ohne dabei einen bitteren Geschmack festzustellen. Die fünf wanderten dann in eine Pastasauce, die anderen vier in die Mülltonne. Einzige Nebenwirkung, die ich bislang feststellen konnte, war ein leckeres Abendessen. :)


    Aus diesem Thread werde ich mir mitnehmen, mit älteren, von Tieren angeknabberten oder sonstwie in Mitleidenschaft gezogenen Pilzen sorgsamer umzugehen. Die Versuchung ist halt gerade bei einer mageren Ausbeute groß, beim Zustand auch mal ein Auge zuzudrücken und so aus einem Imbiss eine Mahlzeit zu machen, aber ich schreibe mir hiermit ins Stammbuch, dass das Risiko bei Pilzen einfach nicht lohnt.


    Oehrling: Super, dass du anhand der Fotos von drei verschiedenen Arten ausgehst - das war jedenfalls auch mein Eindruck.