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letzter Beitrag von :)seph* am

Rohgenuss (ohne Heilwirkungen)

  • Nachdem der alte Thread mehr und mehr den Bezug zum ursprünglichen Thema verloren hat, fasse ich hier nochmal meinen Kenntnisstand bzgl. roh essbarer Pilzarten zusammen.

    Immer wieder genannt und/oder vielfach roh verzehrt:
    Kaiserling
    Trüffel
    Zuchtchampignon
    Fichtensteinpilz

    Sommersteinpilz

    Mohrenkopfmilchling
    Brätling
    Hexenei der Stinkmorchel
    Zitterzahn
    Rötlicher Gallerttrichter


    Häufiger wird außerdem von der Praxis berichtet, Parasol-Ringe roh zu essen.


    Beim Brätling steht dem Rohverzehr evtl. entgegen, dass er in Experimenten vereinzelt hämolytische Wirkung auf menschliches Blut gezeigt hat (in 1 von 5 Proben). Ähnliches gilt für Parasol (2 von 9) und Sommersteinpilz (1 von 2). Die anderen genannten Arten wurden nicht untersucht [1].



    Nur einzelne Quellen oder Rohverzehr regional üblich:

    Südlicher Ackerling [2]

    Leberreischling [3]
    Schopftintling (Griechenland)
    Edelreizker (Russland)

    Frauentäubling

    Fleischroter Speisetäubling

    Grüngefelderter Täubling [4]
    Judasohr [5]

    LG, Craterelle

    __________________________________________

    1: Seeger R. & Wiedmann R. (1972): Zum Vorkommen von Hämolysinen und Agglutininen in höheren Pilzen (Basidiomyceten)


    2: Info auf Züchter-Webseiten, u.a.

    Pioppino - Pilzmännchen

    Samthaube | Pilzgarten


    3: J. Guthmann, R. Reichel, C. Hahn: Taschenlexikon der Pilze Deutschlands (2010)


    4: Russula virescens - Wikipedia mit Referenz auf Schunko C, Vogl CR (2010)


    5: In der spanischen, französischen und italienischen Wikipedia, ohne Quellenangabe:

    Auricularia auricula-judae - Wikipedia, la enciclopedia libre

    Oreille de Judas — Wikipédia

    Auricularia auricula-judae - Wikipedia

    In der englischen dagegen als nicht roh essbar bezeichnet, mit Referenz auf Acton and Sandler 2001:

    Auricularia auricula-judae - Wikipedia

  • Hallo Craterelle,


    Danke für die Zusammenfassung ==Gnolm8

    So hat man alles nochmal auf einen Blick.


    Liebe Grüße

    Rotfüßchen

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

  • Hallo Rudi,


    das hatte ich auch schon überlegt, aber ich zweifle immer noch, ob wirklich in anderen Teilen des Pilzes etwas Unbekömmliches enthalten sein kann, was im Ring komplett fehlt? Eine An- oder Abreicherung könnte ich mir gerade noch vorstellen.


    Oder vielleicht macht es doch nur die Menge, und man könnte mit gleicher Wirkung ein wenig an den Lamellen knabbern, nur eben nicht zuviel?


    LG, Craterelle

  • Geh mal davon aus daß ein Fruchtkörper im Ganzen Giftstoffe enthält.

    Lediglich die Konzentration ist verschieden verteilt und, wenn ich mich recht erinnere, im Hutbereich, sozusagen dem Zenit des Wachstums, am stärksten vertreten, bis hinein zu den Sporen.

    Sofern das Gift vor Fressfeinden schützen soll und der sensibelste Bereich jener ist, der für die Fortpflanzung relevant ist, so ergibt das natürlich auch einen Sinn.

    Das mit der Giftkonzentration habe ich mal irgendwo gelesen. Ob das nun auch für jede Pilzart so gelten kann, das weiß ich freilich nicht.


    Was ich letztlich aber sagen wollte, auch in dem Ring sollte ein Gift noch vorhanden sein, wenngleich wahrscheinlich nicht viel.

  • Hexenei der Stinkmorchel. 💀 Ein Mutprobe auf alle Fälle. Ich komme mir da früher als ich ein, zwei Exemplare aufschnitt wie ein Mörder vor. Es hat so was Embryonales.


    Da esse ich noch wesentlich lieber Schopfttintling mariniert. Der Zitterzahn ist bei superselten, also ich lass ihn stehen, aber das kann mir noch eher vorstellen.

  • Hallo Craterelle,


    das ist schon möglich, daß im Ring eines Parasoles ein Stoff enthalten ist, der beim Verzehr großer Mengen (20 Ringe?) giftig wirkt. Die Dosis macht, wie fast immer das Gift. Ich meine nur, dass eine Rohgenussliste auch der Praxis genügen sollte. Und der Ring wird halt relativ oft (nebenwirkungsfrei) verzehrt. Von gesundheitlichen Auswirkungen hab ich noch nix gehört (, was aber natürlich nicht repräsentativ sein muss). Was ich allerdings, auch schon in diesem Forum, gelesen habe, sind Probleme beim Genuss zu vieler Steinpilze (roh und/oder gekocht?!). Pilze sind (im Besonderen roh) recht schwer zu verdauen. Aber auch hier: beim Genuss eines einzelnen Steinpilz-/Kaiserling-/Schopftintlingscarpaccios wird halt nichts passieren. Beim Verzehr von 10 Portionen wäre ich aber schon sehr skeptisch. Selbst bei einer 20g Trüffel gehe ich von langen Klobelegzeiten aus.


    Mein Fazit: Manche Pilze roh genossen sind in geringen Mengen lekka und unschädlich. In großen Mengen ist nicht mal dem Zuchtschampi nicht zu trauen.


    Grüßle

    RudiS


  • ...denn aber auch den Sommersteinpilz...

    (von den anderen Steinpilzarten weiß ich's nicht sicher)


    LG

    Malone

  • Hallo zusammen,

    der Edelreizker (Lactarius deliciosus) soll wohl auch gehen, wie mir mal berichtet wurde. Auch der Frauentäubling und der Fleischrote Speisetäubling wurden angeblich ohne Probleme verzehrt (Huthaut wurde vor dem Verzehr abgezogen).

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Oehrling,


    der Edelreizker steht oben schon drin. Alex hatte anderswo berichtet, es sei in Russland nicht unüblich, den schon roh im Wald zu verzehren. Ansonsten hatte ich dort bisher nur Pilze aufgeführt, für die mindestens eine Literaturquelle angibt, die Art sei roh genießbar. Wenn ich Zeit habe, ergänze ich die Quellen gelegentlich noch. Und die beiden Täublingsarten dann ggf. ohne Quellenangabe, oder ist dir da etwas bekannt?


    LG, Craterelle

  • Hallo Oehrling,


    der Edelreizker steht oben schon drin. Alex hatte anderswo berichtet, es sei in Russland nicht unüblich, den schon roh im Wald zu verzehren. Ansonsten hatte ich dort bisher nur Pilze aufgeführt, für die mindestens eine Literaturquelle angibt, die Art sei roh genießbar. Wenn ich Zeit habe, ergänze ich die Quellen gelegentlich noch. Und die beiden Täublingsarten dann ggf. ohne Quellenangabe, oder ist dir da etwas bekannt?


    LG, Craterelle

    Hallo Craterelle,


    Daumen hoch für dieses Thema! :thumbup::thumbup::thumbup: Super dass Du auch die Quellen angibst.


    Wegen Reizker - im Ernst, ich dachte bis vor kurzem dass es allgemein bekannt ist dass man sie roh essen kann.


    Mir persönlich ist bei solchen Themen wichtig dass es hier nicht darum geht Pilze in Unmengen roh zu essen. Es geht um die Essbarkeit grundsätzlich. Reizker sind eine wahre Delikatesse. Man isst vielleicht ein, zwei rohe Reizker, nicht mehr. Pur mit Salz oder im Salat vielleicht. Der Geschmack ist auch sehr speziell, den muss man mögen.


    Als Quelle kann ich gerne dazu Literatur auf Russisch angeben. Das ist wahrscheinlich das wichtigste Buch der Gegenwart für die russischen Pilzfreunde:

    Wishnevskij M.V, "Nastol'naja kniga nachinajushhego gribnika",2008 (im Original: Вишневский М.В "Настольная книга начинающего грибника",2008), ISBN: 978-5-17-052809-7. Sowas wir Gmidner's "Handbuch für Pilzsammler".

    Wishnevskij beschreibt folgende Arten als roh essbar: manche Täublinge, Reizker, Champignons, Steinpilz, Pfifferlinge.


    Russische Rezepte für ein Salat mit rohen Pfifferlingen habe ich auch schon gesehen und ein mal auch verkostet. Fand ich OK, aber kein Vergleich mit gebrateten Pfiifferlingen. Und auch hier gilt: nicht kiloweise essen und nicht jeder Magen kann es vertragen.

  • Aaaaaalso, ich habe heute unerwartet, oder doch, mit einem gewissen Gespür für meine Schopftintlinge alle frisch erwischt - einen ganzen Korb voll. Das Problem: die wachsen natürlich am Weg, auf einer Route, wo das Wild zum Futter sucht, und ich habe schon einen gewissen Respekt vor dem Fuchsbandwurm oder einfach nur Problemen mit dem Darm. Sie waren superfrisch - nicht schwarz an den Lamellen, da und dort klebte etwas Erde. Ich würde sie nie roh essen. Ich wüsste nicht, wo ich sie finden müsste, dass mir das alles egal wäre, mit den Erregern, den Bakterien usw....... - ein bisschen viel Olivenöl erwischt, aber eines meiner Lieblingspilzgerichte. Schopftintlinge nicht roh, mit Mehl-Einbrenn ohne Butter und frischer Petersilie, auch mitgebraten. Aber ich bin ein Phobiker.



  • Hallo seph,


    es gibt keinen einzigen dokumentierten Fall, dass durch Pilzgenuss der Fuchsbandwurm übertragen wurde. Bei gekauften frischen Beeren hättest Du übrigens das gleiche Problem, weil die wachsen ja nicht im Supermarkt, sondern da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.


    Grüßle

    RudiS

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