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letzter Beitrag von Beorn am

Unbekanntes Hallimasch-Imitat aus dem Schrebergarten

  • Hallo liebe Pilzfreunde,

    ich habe gestern in einem Düsseldorfer Schrebergarten den folgenden Pilz gefunden.

    Vielleicht kann mich Jemand auf die Spur bringen, mir fällt erstmal nichts dazu ein.


    Hut ca. 15mm Durchmesser, mittelocker mit eingerolltem Rand, dieser weiss, Huthaut glatt.

    Lamellen fast weiss, etwas ockerlich, eng, ausgebuchtet angewachsen.

    Velum partiale, bleibt beim Aufschirmen als flatteriger Ringrest am Stiel.

    Stiel ca. 70 mm lang ca. 8mm Durchmesser, weiss mit gelben Schüppchen, Basis etwas knollig verdickt mit Mycelresten, Spitze hohl.

    Geruch angenehm pilzig.

    Sporenpulver unbekannt..

    Fleisch weiss, im Anschnitt nach 15 min. unverändert.

    Fundort im Gras, in der Nähe Holunder und Pfirsich, vergrabenes Holz möglich.


    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


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  • Hallo, Hans!


    Das könnte gut ein Ackerling (Agrocybe spec.) sein.

    Es gibt allerhand komische Formen von Agrocybe praecox s.l. (da steckt wohl mehr als nur die eine Art drin, ist aber wohl noch nicht ordentlich aufgedröselt). Aber auch zB ein rissiger Ackerling (Agrocybe dura) wäre möglich, wobei mir da der Hut eigentlich schon zu stark pigmentiert wäre und die gelben Flöckchen am Stiel unten wunderlich aussehen.
    Es gibt noch einige weitere, tendenziell eher unberringte Arten in der Gattung, die man hier auch vergleichen müsste, weil die Velumverhältnisse schon auch oft etwas variabel sind innerhalb der einzelnen Arten. Wird jedenfalls nicht so ganz einfach, mit der genauen Art.
    Agrocybe praecox s.l. dürfte die einzige sein, die unverletzt leicht kakaoartig und zerkrümelt rettichartig riecht (wie manche Fälblinge).



    LG, Pablo.

  • Danke Pablo. Den schaue ich mir mal näher an in meinem Bücherschrank.

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


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  • Hi,


    ich denke hier auch an einen Ackerling. Ich hatte noch kurz Stropharia semiglobata im Sinn, allerdings hat der schon jung einen anderen Lamellenstand, scheidet also aus.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus beinand,


    Protostropharia semiglobata fällt wegen vieler Punkte weg - Hut müsste schleimig sein, wächst an Dung (und frisst da wohl Nematoden), Velum wäre etwas schleimig (aber zumindest durchaus gelblich...), Ring wäre häutig...


    Agrocybe praecox s.l. glaube ich auch nicht. Im Moment sind das vier Arten, die sich nicht miteinander kreuzen lassen, aber klassisch (noch) nicht sauber bestimmen lassen. Ich kenne aber kein gelbes Velum universale in dem Aggregat.


    Die Fruchtkörper sind ja auch noch jung, da fällt Bldbestimmung eh schwer in dieser komplizierten Gattung (Agrocybe). Agrocybe dura wäre aber eine gute Idee, wie ich finde. Dazu passt der Ring, der sich jetzt schon auflöst - und man findet im Netz auch Kollektionen mit gelblichem Velum universale (wenn die Bilder richtig bestimmt sind).


    Mehr als ein "cf." wird man aber eh nicht sagen können, fürchte ich. Oder ganz einfach: Agrocybe spec.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Danke für die Anstösse auch an Kletterstefan und Christoph.

    Evtl. habe ich Gelegenheit, die Kameraden wiederzusehen oder fotografieren źu lassen.

    Dann hake ich nochmal nach.

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
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    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


    260113-18-jpg

  • Hallo zusammen,

    also meiner Meinung nach riechen verletzte Voreilende Ackerlinge nicht rettich-, sondern mehl- (d. h. ritterlings-)artig.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • also meiner Meinung nach riechen verletzte Voreilende Ackerlinge nicht rettich-, sondern mehl- (d. h. ritterlings-)artig.

    Das stimmt sowohl mit meiner Erinnerung als auch mit allen Quellen, die ich gerade verfügbar habe, überein. Wollte ich nur noch einmal bekräftigen, da es nebenan auch gerade durcheinandergeht mit Rettich und Mehl/Gurke.

  • Servus beinand,


    wie gesagt: "der" Voreilende ist ein Artenaggregat. Die Gattung ist eh schwierig. Was nicht nach Mehl riecht, muss m.E. mikroskopiert werden (Sporengröße), denn Agrocybe dura ist recht häufig und oft nicht erkannt. Die Art kann man (nach aktuellem Stand) auf die Art bestimmen. Agrocybe praecox ist im Moment unbestimmbar (vier Arten). Falls dann mal was mit Gerüchen gehen sollte, wäre das allerings spannend.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Moin Christoph,


    mir (und vermutlich auch Oehrling) ging es eher um die Aussage, dass das ganze Artenaggregat nach Rettich statt nach Mail Mehl (besten Dank, Wutzi!) riechen würde.

    Agrocybe praecox s.l. dürfte die einzige sein, die unverletzt leicht kakaoartig und zerkrümelt rettichartig riecht (wie manche Fälblinge).

    Wer weiß, vielleicht variiert es ja tatsächlich?


    LG, Craterelle

  • ...., dass das ganze Artenaggregat nach Rettich statt nach Mail riechen würde.

    Donnerwetter Cratie, eine völlig neue Duftrichtung! Bin sehr daran interessiert die kennenzulernen. Meine Mails sind nämlich völlig geruchlos:grofl:.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

  • Genau. Dass man die vier Arten des Voreilenden Ackerlings nicht bestimmt bekommt (war wohl hoffentlich nicht das Ziel der Artenspalter ;)), hatte ich von Christoph schon irgendwann mal gehört. Trotzdem darf man meiner Meinung nach zu solchen Pilzen Voreilender Ackerling sagen und geht damit dem Benennungsproblem relativ elegant aus dem Weg. Ohnehin finde ich es wichtiger, dass man den Voreilenden Ackerling als solchen erkennt und nicht mit dem Mairitterling verwechselt, wie in dem verlinkten Forum fast geschehen. Dann wäre es freilich kein Wunder, dass ein Maipilzgericht nicht gut schmeckt, wie ja oft zu lesen ist.

    Wie auch immer: ich finde den Geruch des Voreilenden Ackerlings dermaßen prägnant, dass ich ihn mit verbundenen Augen nur durch Tasten und Riechen erraten könnte. Aber Rettich habe ich für meinen Teil noch nie damit assoziieren können, und ich habe schon oft an Voreilenden Ackerlingen gerochen. Wer hingegen Rettich assoziiert und sich auch nicht daran stört, dass in der Literatur mehlartig steht - nun gut.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Servus Oehrling,


    völlig klar - mit dem deutschen Namen ist das ganze Aggregat gemeint. Mir ging es mehr um den Punkt Mehlgeruch ja oder nein, denn da wird immer wieder diskutiert - und da habe ich eben Verwechslungen mit Agrocybe dura im Verdacht, der für mich auch auf deutsch kein Voreilender Ackerling ist. Deshalb meinte ich, dass das, was eben nicht nach Mehl riecht, mikroskopiert werden sollte.


    Ganz allgemein kurz zu dem anderen Forum:

    Eine Verwechslung mit dem Maipilz ist für mich dermaßen abwegig... schon allein das vorhandene, häutige Velum ist ein komplettes Ausschlusskriterium, auch ohne Sporenpulver. Und den Maipilz nur wegen des Geruchs anzusprechen... und dann wegen eines Geruchswechsels erst stuzig zu werden...

    Die extrem schmalen, dicht stehenden Lamellen bei dickem Hutfleisch sind sowas von deutlich als Merkmal. Daher konnte ich auch nie nachvollziehen, wie man Ziegelrote Risspilze als Maipilze einsammeln kann. Dabei passiert das selbst heutzutage noch - grob fahrlässig... Dass in dem verlinkten Forum der Maipilz als Möglichkeit angesehen wurde (mit Velum...) zeigt diese mangelnde Bereitschaft, auf Details bei der Pilzbestimmung zu achten. Das ist weit verbreitet und ebnet dann leider manchmal auch den Weg ins Krankenhaus, wenn das dann am Ende gegessen würde (was hier ja nicht der Fall ist).


    Zurück zum Thema: Übrigens, der robuste Voreilende Ackerling auf Rindenmulch ist nicht Agrocybe praecox s.str., nur scheint der Rindenmulchackerling auch aus zwei Arten zu bestehen, weshalb da noch nichts neu beschrieben wurde.

    Dass es vier Arten in dem Komplex sind, kam über Kreuzungstests raus. Die Autoren wollten ihn nicht unbestimmbar machen, sondern wollten prüfen, ob die großen robusten auch mit den schmächtigen kreuzbar sind - und kamen dann eben auf vier. Der Versuch, dann Merkmale zu korrelieren scheiterte großteils.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen

    Meine eigenen Funde von A. dura sind immer jung weiß, wogegen ich A. praecox (für sehr kurze Zeit) jung dunkelbbraun kenne.



    Die Frk. blassen extrem schnell aus


    Die Fabrtöne entspreche etwa denen am Hutrand im Bild oben, weshalb ich nach meinen Beobaschtungen A. dura ausschließe.
    Interessant finde ich die Feststellung von Christoph, dass A. dura häufig und oft nicht erkannt sein soll, was regional ja durchaus möglich ist. In meiner Gegend ist das völlig anders und ich habe ungezählte Funde von A. praecox mikroskopiert und wurde immer wieder enttäuscht. Früher habe ich mich besonders von dem Namen "Rissisger Ackerling" narren lassen.
    Hier ein weitere Bild von A, praecox


    A. dura jung weiß und erst im Alter (durch Sonneneinstrahlung?) etwas gefärbt.


    Mir erscheint auch das Partilavelum von A. dura nicht so häutig dünn wie bei A. praecox.
    Hier noch ein für mich typischer Frk. von A. dura


    LG Karl

    PS. Die Bilder sind teilweise von meinem verstorbenen Pilzfreund und Mentor Manfred Meusers, dessen Nachlass nebst ca. 5000 Exsikkaten ich übernommen habe und der auf diese Art noch einen sinnvolle Verwendung findet.

  • Servus Karl,


    die Häufigkeit ist wohl wirklich regional unterschiedlich. Agrocybe dura s.str. ist hier im Süden im Offenland nicht selten. Es ist mehr ein Wiesenbewohner, während ich Agrocybe praecox s.l. im Wald finde (abgesehen von den ruderalen Rindenmulchfunden).


    Hier ein Beispiel für einen "typischen" Agrocybe praecox - hier aus dem Naturwaldreservat Schönwald nördlich vom Ammersee.



    Die Rissigkeit des Hutes sagt wirklich nichts aus...


    Ach ja, wer den Artikel über die vier Arten sucht - der ist schon aus dem Jahr 1990 - hier das Zitat:


    Flynn T. & Miller O.K. Jr. (1990): Biosystematics of Agrocybe molesta and sibling species allied to Agvocybe praecox in North America and Europe. Mycol. Res. 94(8): 1103-1110.


    Flynn & Miller sprechen nur von "species I, species II, species III und species IV". Jetzt, fast 30 Jahre später, ist man keinen Schritt weiter, weil sich wohl niemand mehr des Themas angenommen hat.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • MoinMoin!


    Auch im Oberrheingebiet: Agrocybe dura ist hier alles andere als selten. Auf so ziemlich allen gängigen Wiesenflächen, teils auch auf Grünflächen mitten in der Stadt.


    Geruchstechnisch: Guter Hinweis auf's Nachbarforum. :thumbup:

    Also für euch mehlartig? Für meine Nase ist das anscheinend einer der Pilze, wo irgendein schaltkreis im Gehirn mit der Trennung von Rettich und Mehl nicht klar kommt. Jedenfalls riecht der Voreilende (zerkrümelt) für mich anders als die typischen Mykologenmehlpilze (Grünling, Maipilz). Aber eben auch nicht so wie die Rettichhelmlinge um pura und rosea, bei denen habe ich immer gleich das Radieschen vor Augen, beim Voreilenden nicht ganz, aber eher das als eben einen Maipilz.

    Aber wie gesagt, da habe ich ein individuelles Problem mit der Geruchszuordnung.



    LG; Pablo.

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