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letzter Beitrag von Maria am

Welcher Erdstern? Geastrum elegans?

  • Hallo Ihr Lieben,


    bei diesen Erdsternen dachte ich bisher, dass dies ebenfalls die Kleinen Nesterdsterne sind, aber gestern erkannte Ulla, dass dies nicht sein kann. (hier nachzulesen) Natürlich bin ich da heute noch einmal hin und habe die zwei Exemplare geholt - da stehen noch mehr. Also wenn dies wirklich G. elegans ist, dann wäre dies ja ein Ding - die gelten, so habe ich mehrfach gelesen, in Bayern seit Jahren als verschollen! (Wobei es allerdings eine Eintragung aus 2006 in Pilze Deutschland gibt?)
    Heute einmal ein paar ausführlichere Angaben zu den Pilzen:

    Größe Pilz insgesamt: Pilz rechts 1,5 cm im Durchmesser, 1,5 cm hoch / Pilz links 2 cm lang, 1,5 cm breit, 1,5 cm hoch

    Größe Endoperidie: 0,7 - 0,8 cm

    Pilz rechts: 4 Lappen, Pilz links 6 Lappen


    Ökologie: Frankenalp - Heumöderntal, auf ca. 500 Metern Höhe, sehr kalkhaltiges Gestein mit dünner Humusschicht.
    An sich Mischwald mit überwiegend Rotbuchen. Am Fundort ein fast reiner Fichtenforst zwischen Laubmischwald mit eben überwiegend Rotbuchen. Fast reiner Fichtenforst deswegen, da ich heute zu meinem Erstaunen feststellte, dass dort, nur 2 Meter neben den Pilzen, auch einige, sehr wenige, Kiefern wachsen.


    Ansonsten wachsen dort, in diesem eigentlich recht kleinem Forst, unter anderem die Gewimperten Erdsterne, die Kleinen Nest-Erdsterne, die Kamm-Erdsterne, die Orangefarbenen Wurzelbecherlinge (Sowerbyella imperalis), usw., munter neben- und durcheinander.


    Die Fotos von heute konnte ich nur mit Blitz machen - es war heute Nachmittag einfach schon zu dunkel. Die reellen Farben der Pilze sind einen Takt dunkler!




    lamproderma , Beorn Liebe Ulla, lieber Pablo, könntet Ihr bitte noch einmal einen Blick darauf werfen? Und wem soll ich die heute mitgenommenen Exemplare zusenden?


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    Ulla kennts ich da halt auch gut aus (besser als ich), wäre also nur mein Angebot gewesen, wenn Ulla keine Zeit hätte. Dieter kannst du natürlich auch gleich mal direkt anschreiben, deinen Pilz hätte ich sowieso an ihn weitergegeben nach dem angucken (und eventuell ein paar Mikrobildchen).



    LG; Pablo.

  • Hallo Sabine, Holger und Pablo,


    wie lieb von Euch HoBi ! Vielen, vielen Dank.


    Beorn Pablo, Dich und Ulla "kenne" ich, neben den "Hobis" :) Und ich denke, dass ich bei Euch mehr als gut aufgehoben bin! Und ich bin mir absolut sicher, dass ihr beide, falls dies überhaupt notwendig sein sollte, noch glaube ich ja nicht an solch einen speziellen Fund, dass ihr dies dann sowieso entsprechend weiterleitet. (Ich wüsste jetzt sowieso nicht wie ich mit dem Dieter ? / Pfalzpilz Kontakt aufnehmen könnte.)

    Also, die Pilze lasse ich jetzt trocknen und würde sie dann, an wen auch immer, herzlich gerne verschicken. Ich bin echt gespannt was dies nun wieder ist :)


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo, Maria!


    Kommt Zeit, kommt Bestimmung, wie man so schön sagt. :gzwinkern:

    Mit Dieter war ich schon ein paar Mal unterwegs, Pilze beobachten, und wir sind auch im selben Verein. Erdsterne oder eigentlich: So ziemlich alle Bauchpilze aus der Ecke sind so sein Steckenpferd; darum für mich der erste Ansprechpartner, wenn mir mal ein komischer Erdstern oder Stielbovist oder so in die Hände fällt.
    So wie du das jetzt gemacht hast, müsste er eigentlich eine automatsiche Benachrichttigung zu dem Thema bekommen, wenn er wieder angemeldet ist (was aber im Vorweihnachtsgedudel mal dauern kann).


    LG; Pablo.

  • Hallo, Maria!


    Kommt Zeit, kommt Bestimmung, wie man so schön sagt. :gzwinkern:

    Hallo Pablo,


    genau dies habe ich ungeduldiger Mensch mittlerweile mit den Pilzen gelernt :)


    Ich lasse die Pilze jetzt trocknen und wenn sich in den nächsten Tagen niemand der Spezialisten für Erdsterne meldet erhältst Du ein Päckchen mit zwei komplett verschiedene Pilzen.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Ihr Alle


    Nachdem die Pilze auf dem zweiten Anlauf glücklich bei Ulla angekommen sind wissen wir nun Dank lamproderma (Danke auch auf diesem Wege noch einmal Ulla) was es ist. Und es ist tatsächlich Geastrum elegans!


    Also ich bin gerade total baff und auch irgendwie richtig glücklich :)

    Und dabei bin ich über ein Jahr an diesen Pilzen vorbei gelaufen und dachte immer, dass dies auch die Kleinen Nesterdsterne sind - ich möchte nicht wissen wie viele interessante Pilze einfach nicht gesehen und/oder erkannt werden.

    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Ihr Alle


    Nachdem die Pilze auf dem zweiten Anlauf glücklich bei Ulla angekommen sind wissen wir nun Dank lamproderma (Danke auch auf diesem Wege noch einmal Ulla) was es ist. Und es ist tatsächlich Geastrum elegans!

    Liebe Maria

    Herzlichen Glückwunsch, Geastrum elegans habe ich noch nie selber gesehen.

    LG Harzi

  • Hallo zusammen


    Geastrum badium/elegans kenne ich nur von einem Fund. Dazu habe ich im Tintling Nr.2 von 2018 ausführlich berichtet.

    Was ich hier sehe, könnte schon G.badium sein. Was mich daran stört ist der Fund in Fichtennadelstreu. Dies wäre typisch für G.quadrifidum, wo ich sie häufig mit in der Nähe stehenden Kamm-, Kragen- und gewimperten Erdsternen finde.G. nanum sieht ähnlich aus, hat jedoch im getrocknetem Zustand einen kurzen Stiel, wobei bei G.badium die Endoperidie direkt auf der Exoperidie aufsitzt. G.badium und G.nanum sind sehr wärmeliebend. Eine detailiertere Standortbeschreibung wäre schon hilfreich


    Ich schlage folgendes vor:

    1. Grabt mal 1 Exemplar ganz vorsichtig aus und prüft ob an den Spitzen der Exoperidie noch ein Nest, bzw. Teile davon anhängen. Das wäre dann G.quadrifidum mit seltsam ausehendem Peristom. Ich fand von dieser Art schon Exemplare mit mehr als 4 Stelzen.

    2. Legt mal das ausgegrabene Exemplar 1-2 Tage in einem Teller auf einen Heizkörper. Wenn sich ein kurzer Stiel zeigt, dann wird es wohl G. nanum sein. Schneidet ihn mit einer Rasierklinge ganz vorsichtig in der Mitte durch, dann kann man in den Hälften einen Stiel besser beurteilen

    3. Wenn 1 und 2 nicht zutrifft würde ich das Teil zur Absicherung sequenzieren lassen, das wäre der Fund (auch wen es G.nanum wäre) schon wert. Kostet in Spanien nur etwa 20 Euro. Eine Sequenz von G.badium könnte ich zum Vergleich zur Verfügung stellen. Wenn sich G.badium bestätigt wäre das schon ein ganz toller Fund.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Pfalz

    Dieter

  • Hallo zusammen,

    gerade eben habe ich mit Dieter telefoniert und den Fund besprochen.

    Sein Vorschlag Nr. 1 fällt völlig raus - Peristom ist eindeutig gerieft (pektinat) und es gibt auch kein Nest.

    Vorschlag 2: Pilz ist eindeutig ungestielt - deshalb auch kein G. nanum.

    Vorschlag 3: ist gut - sobald wir wieder was zum Sequenzieren schicken, geht der Fund mit. Das wird allerdings noch etwas dauern.

    Worin wir uns einig sind, ist allerdings, daß das Habitat wo der Erdstern gefunden wurde etwas ungewöhnlich ist - aber: es gibt so wenig Funde, daß es möglicherweise nicht vollens bekannt ist, welche Ansprüche G. elegans/badium hat.

    Es ist auf jeden Fall ein toller Fund!

    LG Ulla

  • Hallo Dieter, Hallo Ulla,


    zuerst einmal vielen Dank. Und es bleibt also spannend :)


    Leider habe ich den Tintling nicht. Dieter ( Pfalzpilz ) ich bin jetzt einfach einmal frech - würdest Du mir Deinen Artikel zur Verfügung stellen? Es interessiert mich sehr!


    Auch verstehe ich nicht wirklich warum das Habitat ungewöhnlich ist. In der Roten Liste gefährdeter Großpilze Bayern lese ich z.B.

    " ... sowohl im Offenland (Heiden, steppenartige Vegetation, Sanddünen) als auch im Wald (trockene, lichte Nadelwälder), gerne auf kalkhaltigen, aber nährstoffarmen Böden. Die Art ist seit vielen Jahrzehnten verschollen und konnte trotz teils intensiver Suche nicht mehr nachgewiesen werden.... " Die Pilze wachsen in so einem trockenem, lichtem Nadelwald mit sehr kalkhaltigem und kargem Boden. Würdet Ihr mir daher bitte erklären warum Ihr Euch wundert?


    Nachfolgend noch ein paar Fotos und weitere Informationen.


    Zum Habitat:

    Südliche Frankenalp - Heumöderntal, auf ca. 500 Metern Höhe, sehr kalkhaltiges Gestein mit dünner Humusschicht, eher karger Boden. An sich Mischwald mit überwiegend Rotbuchen, am Fundort ein fast reiner Fichtenforst in dem sporadisch einige wenige Kiefern wachsen.

    Von den Nabelerdsternen sah ich bestimmt 30 Exemplare, wenn nicht mehr, an drei verschiedenen Stellen innerhalb dieses kleinen Gebietes. Jedes Mal stand in unmittelbarer Nähe eine der wenigen Kiefern unter den Fichten. Ferner ist mir aufgefallen, dass die Nabelerdsterne im Gegensatz zu den Kleinen Nesterdsternen, nicht mitten in dem Forst wachsen sondern immer am Rand, also neben einer Harvester-Spur oder am Rande der kleinen Lichtung oder neben bzw. mitten auf dem Weg.

    In allen Richtungen geht es an der Fundstelle bergab und obwohl die gleichen Bäume etc. rundherum wachsen, hören in allen Richtungen die diversen Erdsterne, sobald man etwas nach unten geht, auf einmal auf zu wachsen. Vielleicht spielt die Höhe eine Rolle.


    Insgesamt dürften in dem doch recht kleinem Gebiet weit über 100 Erdsterne wachsen (Gewimperte Erdsterne, Kleine Nest-Erdsterne, Kamm-Erdsterne und eben Nabel-Erdsterne) - man muss stellenweise aufpassen wohin man tritt.






    Wenn ich noch irgend etwas tun kann, irgendwelche Informationen liefern kann, dann mache ich dies natürlich gerne.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Maria,

    eine Waldlichtung auf einer Kuppe, also viel Sonne und wenig Wasser, ist doch schon was ganz anderes als Deine erste Standortbeschreibung "im Mischwald".

    Wenn Du den Hang 'runtergehst, wird die Wasserversorgung besser, und andere Pilzarten verdrängen die Trockenheits-Spezialisten.


    Glückwunsch zu dem seltenen Fund - vielleicht ist das ein Gewinner der Klimaerwärmung, und er wird uns künftig häufiger begegnen?

    Ich kenne die Art aus der Kiefern-Waldsteppe, die an den Mainzer Sand angrenzt.


    Hast Du noch einen Längsschnitt, damit man den wirklich fehlenden Stiel sehen kann?


    Viele Grüße,



    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    einen Längsschnitt habe ich leider nicht gemacht. Und ob dies bei dem getrockneten Exemplar funktioniert welches ich vorsichtshalber aufgehoben habe weiß ich nicht. Aber in diesem Jahr, ich denke, dass die ja wieder wachsen werden, kann ich gerne solche Fotos machen.


    Nur vorsichtshalber - die Pilze wachsen nicht auf der Lichtung sondern in dem Wald der hinter der Lichtung beginnt. Was man in der Bildmitte im Fichten-Forst sieht sind die Harvester-Trassen die im letzten Winter entstanden sind und der Fichtenforst dort war vor der Bearbeitung natürlich auch dichter. Am Rand einer der Trassen, also eigentlich mitten im ursprünglichen Wald, fand ich eine Stelle mit diesen Erdsternen. Eine weitere Stelle befindet sich ganz rechts im Foto, da wo der Wald bereits begonnen hat mitten auf einem schmalen Weg (diese Fundstelle hatte ich als am Rande der Lichtung benannte befindet sich aber eigentlich nicht auf der Lichtung). Eine weitere Fundstelle entdeckte ich dann noch, ebenfalls mitten im Wald in der Bildmitte, neben einem schmalen Pfad. Besser kann ich es leider nicht beschreiben.


    Vielen Dank für die Erklärung mit der Wasserversorgung. Das ist sehr logisch und einleuchtend.


    Ob dies an der Klimaerwärmung liegt? Keine Ahnung. Ich denke allerdings, dass vielleicht viele Pilze nicht gesehen werden und/oder nicht erkannt werden. Diese Erdsterne z. B. sind so klein, dass ich mir gut vorstellen kann, dass viele Spaziergänger etc. die gar nicht sehen. Und wenn sie dann gesehen werden, dann werden sie vielleicht nicht bestimmt oder auch falsch bestimmt. Ich z. B. fand die ja auch schon in 2017, dachte aber, dass es Kleine Nesterdsterne sind und habe sie als solche abgelegt, genau so in 2018.

    Wenn Ulla ( lamproderma ) diese Pilze in einem ganz anderen Zusammenhang auf einem Foto nicht erkannt hätte und dann untersucht hätte würden die Fotos heute noch im Ordner bei den Kleinen Nesterdsternen liegen :)


    Liebe Grüße


    Maria

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