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letzter Beitrag von Chorknabe am

Hygrophoropsis.. aber dann?

  • Hallo,


    ich möchte hier einen Fund vom heutigen Tag vorstellen. Fundort war saurer Nadelwald auf Sand mit vornehmlich Kiefern, Fichten, Lärchen, viel Blaubeerkraut.


    Die Pilze wuchsen gesellig auf dem Boden, häufig direkt neben Falschen Pfifferlingen. Aufgrund des Habitus waren wir sofort bei Hygrophoropsis - die äußerlichen Ähnlichkeiten des Wuchses, Konsistenz, Geruch (eher unauffällig) etc. zum ordinären Falschen Pfifferling springen einem förmlich ins Auge. Auf der anderen Seite sind die Unterschiede ebenso auffällig: Hutfarbe nicht orange sondern eher kühles ocker, in der Hutmitte dunkler, manchmal fast dunkelbraun. Hutrand meist sehr hell. Die Lamellen waren sehr hell - ich würde den Farbton als Creme bezeichnen. Die Stiele waren dagegen sehr dunkel, fast schwarzbraun, wobei sie nicht allmählich zur Stielspitze dunkler wurden, sondern recht apprupt kurz unterhalb des Lamellenansatzes.


    Ich kenne den Falschen Pfiffi als eine durchaus sehr variable Art - aber selbst bei eher blässlichen Funden war immer ein kräftiger Schuss orange in der Hut- und vor allem Lamellenfarbe vorhanden. Ganz anders jedoch unsere Funde - daher der Gedanke: das MUSS doch was Besonderes sein.. :P Zu Hause in die Bücher geschaut landet man bei Hygrophoropsis pallida bzw. Hygrophoropsis aurantiaca var. pallida. Die verschiedenen Autoren sind sich nicht ganz einig: Gröger führt H. pallida als eigene Art, FN, GPBaWü und Ludwig nur als Varietät. Ludwig hat zumindest einen Fruchkörper gemalt der unseren Funden sehr nahe kommt.


    Daher hier zunächst die Frage: würdet Ihr mit der Arbeitshypothese H. aurantiaca var. pallida. bzw. H. pallida mitgehen? Und gibt es aktuelle Literatur zu diesem Artenkomplex, in der man sich etwas Klarheit verschaffen kann?





    P.S.: Mehr Bilder haben wir leider nicht gemacht. Ich hatte ein Kind auf den Bauch umgeschnallt (was das Bücken schwierig gemacht hat) und es war saukalt.. :| Erwähnenswert dazu ist, dass die Fruchkörper mit großer Sicherheit mindestens zwei, vielleicht auch drei Nächte komplett durchgefroren und tagsüber wieder aufgetaut waren.

  • Hallo Pablo, danke für Deine Antwort. Die FN habe ich ja selbst, den Artikel von Kibby kenne ich allerdings noch nicht. Mal sehen ob ich da ran komme. Aber nochmal (wegen der bislang übersichtlichen Reaktion auf meine Anfrage) noch einmal keck in die Runde gefragt: hattet Ihr schon mal Funde die den unsrigen optisch geähnelt haben? Und wie könnte man sie deuten?

  • Servus Thomas,


    ich habe leider die Gattung Hygrophoropsis längere Zeit sträflich vernachlässigt. Daher kann ich leider ohne Mikroskopie auch nichts exaktes sagen. Von den Weißlamelligen Afterleistlinge wurden jedenfalls mehrere Taxa beschrieben, die erstmal geklärt werden müssten (was ist alles Synonym, was sind nur Farbmutanten).

    Das, was du abbildest, dürfte das sein, was Ludwig als Hygrophoropsis aurantiaca fm. albida abbildet. Er zeigt da einen blassen, gelbhütigen Afterleistling mit relativ dunklem Stiel. Davor zeigt Ludwig einen schwarzstieligen, der aber keibne weißen Lamellen hat als H. aurantiacus fm. nigripes - dieser Name ist nach Mycobank aber Craterellus lutescens (dort npch als Cantharellus), was das Wirrwarr schon gut zeigt.

    Ich werde in Zukunft auch mehr auf solche interessanten Aufsammlungen achten. Zumindest Hygrophoropsis rufa meine ich jetzt für mich im Griff zu haben und damit auch H. fuscosquamula, der sich deutlich unterscheidet (und der eben auch blasse Lamellen hat).


    Kurz gesagt: deinen Pilz "kenne" ich, kann aber den korrekten Namen nicht nennen - habe das früher aber nicht weiter beachtet gehabt, da ich dummerweise von reinen Farbformen des Falschen Pfifferlings ausging und mich eben wie gesagt nur am Rande mit der Gattung beschäftigt habe.


    Im Moment passt als Etikett zumindest "H. aurantiaca fm. albida ss. Ludwig" - ohne damit zu sagen, dass diese Namenszuordnung passt noch die Rangstufe passen muss.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • ich habe leider die Gattung Hygrophoropsis längere Zeit sträflich vernachlässigt. Daher kann ich leider ohne Mikroskopie auch nichts exaktes sagen. Von den Weißlamelligen Afterleistlinge wurden jedenfalls mehrere Taxa beschrieben, die erstmal geklärt werden müssten (was ist alles Synonym, was sind nur Farbmutanten).

    Das, was du abbildest, dürfte das sein, was Ludwig als Hygrophoropsis aurantiaca fm. albida abbildet. Er zeigt da einen blassen, gelbhütigen Afterleistling mit relativ dunklem Stiel. Davor zeigt Ludwig einen schwarzstieligen, der aber keibne weißen Lamellen hat als H. aurantiacus fm. nigripes - dieser Name ist nach Mycobank aber Craterellus lutescens (dort npch als Cantharellus), was das Wirrwarr schon gut zeigt.


    Im Moment passt als Etikett zumindest "H. aurantiaca fm. albida ss. Ludwig" - ohne damit zu sagen, dass diese Namenszuordnung passt noch die Rangstufe passen muss.

    Hallo Christoph,


    danke Dir für Deinen Beitrag. Mittlerweile konnte ich dank eines netten Forenten (danke nochmal!) mal in den Artikel The Hygrophoropsis aurantiaca complex von Kibby reinlesen. Er schreibt im Grunde genau das was Du auch dargelegt hast - bei den hellen Aftleistlingen, bzw. denen mit weißlichen Lamellen, herrscht noch Unklarheit bzw. Uneinigkeit. Er hebt H. fuscosquamula und H. macrospora auf die Artenebene (ebenso wie H. rufa). Keine der Artbeschreibungen trifft aber so recht auf meinen Fund zu. H. pallida erwähnt er am Rande und legt dort sehr schön dar, dass sich bestimmte Funde auch in das von ihm genutzte Artkonzept nicht so recht einordnen lassen.


    Mit Deinem Etikett "H. aurantiaca fm. albida ss. Ludwig" kann ich zunächst gut leben. Ich werde mal an dem Thema dran bleiben und künftig Afterleistlinge nicht achtlos links liegen lassen :)

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