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letzter Beitrag von Beorn am

Möglicherweise Gifthäubling?

  • Hallo liebe Pilzfreunde,
    gestern fand ich auf meiner Runde durch den Wald diese Pilze auf einem am Boden liegenden Ast. Das Holz sah nach Eichenholz aus. Ich dachte zuerst an einen Schwefelkopf aber zu Hause fiel mir auf, das die keinen Stielring haben. Die Pilze waren etwa 10cm hoch und anscheinend noch jung. Ein kleines Stück habe ich in den Mund genommen und gleich wieder ausgespuckt. Der Geschmack war etwas mehling aber mild (nicht bitter). Der Stielring ist dunkelbraun und die Lamellen auch.
    Könnte es sein, das ich hier einen Gifthäubling gefunden habe oder ist es etwas anderes? Gifthäubling wäre für mich ein Erstfund.


    Viele Grüsse
    Plejades



  • Hallo Plejades,


    nur mal vorab: Vielleicht solltest du etwas vorsichtiger sein mit dem, was du in den Mund nimmst (auch nur kurz). Ich weiß zwar nicht wie kritisch das beim Gifthäubling und ähnlichen Amatoxin-haltigen Fruchtkörpern ist, aber gesund ist das bei den Arten sicherlich nicht.


    Ich bin mir aber fast sicher, dass es sich bei den gezeigten Fruchtkörpern nicht um Gifthäublinge handelt. Passt meiner Meinung nach vom Gesamtbild her nicht. Weiß aber auch nicht, was sonst in Frage kommt. Da müssen wohl die Experten ran ;)

    Ich gebe KEINE Freigabe zum Essen von Pilzen! Für Essbarkeitsfragen bitte an den lokalen Pilzverein bzw. Pilzsachverständigen wenden.

    Einmal editiert, zuletzt von MycoAlex ()

  • Hallo zusammen,


    für mich schon eine Art aus dem Formenkreis des Gifthäublings (Galerina marginata). Die Pilze sind ja wasserzügig und in diesm Fall halt mal fast ausgetrocknet, deshalb recht hell. Bei einem der jungen Fruchtkörpern sieht man am Rand aber noch eine braune Zone, die zeigt, dass die Pilze auch dunkler sein können.


    Mit Pablo zusammen haben wir mal noch viel größere Fruchtkörper gefunden, die sich nach mikroskopischer Untersuchung am Ende als Galerinas aus dem Umkreis von GM entpuppten.

  • Hallo,
    vielen Dank für Eure Anmerkungen.


    MycoAlex
    Ich esse natürlich keine Pilze, die ich nicht hundertprozentig identifzieren kann aber ich denke, wenn man nur ein kleines Stück zerkaut und anschließend alles vollständig wieder ausspuckt kann eigentlich nichts passieren. Ist hier auch schon ein paar Mal Thema gewesen. Die einen sagen, man soll lieber vorsichtig sein und die meisten Fachleute sagen es sei kein Problem.


    Boletus1
    Ob der Südliche Ackerling hier passt kann ich nicht wirklich beurteilen. Bei ihm scheint der Stielring etwas heller zu sein so wie ich das auf den Bildern dieser Art bislang gesehen habe


    @Naan
    Beim Gifthäubling irritiert mich etwas die ziemlich massige Stielbasis. Daher bin ich mir hier auch nicht ganz sicher.


    Vielen Dank für Eure Hilfe soweit. Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der auf diese holzbewohnenden, kleinen Lamellenpilze spezialisiert ist.


    Grüsse
    Plejades

  • Hallo Plejades!



    @Naan
    Beim Gifthäubling irritiert mich etwas die ziemlich massige Stielbasis. Daher bin ich mir hier auch nicht ganz sicher.


    Gerade junge Gifthäublinge haben gerne mal einen recht stämmigen Stiel:



    Und da ich schon mal 10-cm-Stockschwämmchenhüte und fußgroße sparrige Schüpplinge gefunden habe, gebe ich auf die Soll-Größe von Pilzen nicht mehr allzu viel - sie halten sich ja doch nicht an die Angaben in den Büchern. ;)


    Hier noch ein Bild von dem Fund gemeinsam mit Pablo, der sich am Ende auch als Galerina entpuppte:


  • Hallo!


    Wow... das die Gifthäublinge so stämmig werden können, war mir auch neu. Die auf den ersten Bildern hätte ich auch kaum für welche gehalten. Allerdings sind das auch welche, die ich noch nie selbst gefunden hat, und auf Bildern werden eben oft nur die typischen Exemplare abgebildet...


    Danke für die schönen Vergleichsbilder, Anna!


    Also: doppelte Vorsicht!

  • Hallo.


    Ja, dieser Formenkreis Gifthäubling...
    Bei den ziemlich gewaltigen Gesellen, die Anna und ich mal gefunden hatten, kommt man (Makro-wie Mikroskopisch) nach Bon zu Galerina autumnalis. Dann wäre die Huthaut übrigens gelatinös und zumindest in größeren Teilen gut abziehbar.
    Ich denke also auch, daß das oben Gifthäublinge im weuteren Sinn sind.


    Um zu den Kauproben was zu sagen: Wenn die fach- und kunstgerecht durchgeführt (und wieder ausgespuckt!) werden, sind auch solche Amanitin - haltigen Arten nicht gefährlich. Aber es wäre besser, das dennoch nicht auszuprobieren.
    Faustregel zu Kauproben: Die machen nur Sinn, wo sie eben auch bestimmungsrelevant sind.
    Das sind zunächst mal:
    - Gelbporige Röhrlinge (bei Rotporern ist der Geschmack nicht bestimmungsrelevant, also keine Probe zu nehmen)
    - Täublinge
    - Milchlinge
    für Fortgeschrittene (mit guter Gattungs- und Formenkenntnis):
    - Schwefelköpfe (nur Unterscheidung Grünblättrig vs. Rauchblättrig)
    - Ritterlinge
    - Porlinge
    - Schleierlinge (nur manche Arten aus einzelnen Untergattungen!)
    - Rötelritterlinge
    - Saftlinge
    und ein paar Weitere, wo das aber nur punktuell wichtig ist und ebenfalls eine gute Formenkenntnis voraussetzt.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,
    danke für Deine Bestätigung. Vor Ort ging ich noch von einem Schwefelkopf aus. Wenn ich gewußt hätte was das ist hätte ich wohl auch auf eine Kauprobe verzichtet. Aber wie Du schon sagtest, wenn man es richtig macht, kann eigentlich nichts passieren.


    Viele Grüsse
    Plejades

  • Hallo, Plejades!


    Tja, und bei Schwefelköpfen würde ja eine Kauprobe schon wieder Sinn machen.
    Was man hier mitnehmen kann: Pilze auf Holz mit häutigem Ring am Stiel sind niemals Schwefelköpfe. Also ein Bereich, wo man dann auf Kauproben verzichten kann. :)



    LG, Pablo.


  • Hallo Pablo,


    deine Aussage ist mir zu gefährlich, was bitte ist fach- und kunstgerecht?


    Ich kann nur vor jeglicher Kostprobe bei Gallerina-Arten abraten.



    VG Jorge

    Genieße jeden Tag, aber nicht jeden Pilz, es könnte sonst Dein Letzter sein

    100 Pilzchips

    Einmal editiert, zuletzt von Jorge ()

  • Hallo, Jorge!


    Na, eben so wie man sonst auch die Kauproben bei zu bestimmenden Pilzen durchzuführen hat: Erbsengroßes Stück in den Mund und durchkauen, einspeicheln, umherbewegen. Während des Vroganges nicht schlucken und möglichst nicht sprechen. Letzteres funktioniert nur, wenn man alleine unterwegs ist. Auf Exkursionen merken alle Teilnehmer das sofort, wenn man eine Kauprobe nimmt, müssen einen dann also zwingend sofort ansprechen.
    Je nach Artengruppe nach einer bis drei Minuten wieder ausspucken. Anschließend Mund ausspülen.



    Ich kann nur vor jeglicher Kostprobe bei Gallerina-Arten abraten.


    Ich auch:



    Aber es wäre besser, das dennoch nicht auszuprobieren.


    Obwohl Gallerina hier begrifflich nicht ganz passt, einen Gallengeschmack konnte ich da noch nicht wahrnehmen. ;)


    Natürlich nimmt man bei einer solchen Kauprobe Giftstoffe auf. Allerdings habe ich noch nie davon gehört, daß Amanitine über die Mundschleimhäute in den kreislauf gelangen können. Soweit ich weiß, geht das nur über den Darm. und da sind die aufgenommenen Giftmengen bei einer fach- und kunstgerecht durchgeführten Kauprobe einfach zu gering, um einen messbaren Schaden an der Leber zu verursachen.


    Ich betone es dennoch noch einmal:
    Geschmacksproben / Kauproben sollte man nur da durchführen, wo man sicher alle stark giftigen Arten (auch mit anderen Giftstoffen) schon vorher ausschließen kann!
    Und zudem nur da, wo sie auch Sinn machen, also bestimmungsrelevant sind. Nur ist hier ja davon ausgegangen worden, daß es sich bei dem gekosteten Pilz um einen Schwefelkopf handelt. Wichtig war also, da nochmal die Unterschiede (Ring!) durchzugehen, damit eben das nicht passiert.
    Der Rest diente lediglich dazu, daß nun keine Panik ausbricht (hilfe, tödlich giftiger Pilz im Mund), denn die ist hier auch nicht nötig. :)



    LG, Pablo.

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