Hallo,
Ciboria betulicola ist eine nordamerikanische Art, die in Deutschland bisher nicht nachgewiesen ist. Sie scheint aber recht ähnlich zu sein auf den ersten Blick, habe mich noch nicht genauer darum gekümmert.
Bei uns gibt es dagegen Ciboria betulae, die aber auf Birkensamen wächst. Dazu noch eine Ciboria seminiphila seminicola (= C. alni illeg., C. lentiformis comb. nud.), die auf Erlensamen wächst. Beide sind möglicherweise identisch, und beide haben warzig-raue Sporen! Nicht immer einfach zu sehen! Die Sporengröße ist allerdings eher bei der von coryli, also oberhalb von 12 µm anzusiedeln. Ferner hat Ciboria betulae keine Haken. Ob die bei Schumacher beschriebene Ciboria alni mit C. seminiphila seminicola identisch ist, ist nicht restlos geklärt, u.a. da Schumacher bei alni keine rauen Sporenwände beschreibt, während er das bei betulae tut.
Jedenfalls hat dieser Komplex der Samen bewohnenden Ciborien raue bis warzig Sporen und ist damit klar unterscheidbar.
Ich hänge mal den Schlüssel aus Schumacher (1978) hier an. Die ganze Arbeit ist über Research Gate frei verfügbar downloadbar.
In etwa entspricht der Schlüssel in Nordic Macromycetes vol. 1 dieser Arbeit - kein Wunder, denn für die Nord. Myc. hat die Sclerotiniaceae ja Schmuacher bearbeitet.
Die bei Schumacher praktizierte Unterteilung von Ciboria caucus in 3 "formae speciales" wird heute nicht mehr so akzeptiert, es wird eine caucus ss.str. auf Weide/Pappel mit robusteren, dunkleren Apothezien und etwas größeren Sporen von einer amentacea auf Erle/Hasel(/?Birke??) mit helleren, weiß gezähnelt berandeten Apothezien mit etwas kleineren Sporen unterschieden - das hat ja Christoph oben schön dargestellt.
Die C. coryli ist durch die deutlich größeren Sporen mit zwei statt einem Kern gut unterscheidbar, die auf Weide/Pappel vorkommende C. acerina durch nur 4-sporige Asci ebenfalls.
Und der Vollständigkeit halber sei noch die eher olivlich-gelbgrünliche C. viridifusca erwähnt, die im Herbst auf Erlenzapfen wächst.
Was noch zu klären bliebe meiner Ansicht nach ist der Status dieser amerikanischen Ciboria betulicola. Schumacher (1978, 2000) führt sie auf, trennt allerdings lediglich über das Substrat Birkenkätzchen von caucus s.l.. Die Sporen werden etwas kleiner angegeben und sollen schon bei 5,5 µm Länge und 3 µm Breite losgehen. Fund(e) dieser Art in den Nordic Countries werden nur für Finnland angegeben.
Dann mal los! Die Arten sind meist nicht selten, derzeit gut aufzuspüren, relativ einfach zu mikroskopieren und eigentlich auch gut bestimmbar.
beste Grüße,
Andreas