Beiträge von Chorknabe

    Deine Nummer 7 sieht meiner gestrigen Kollektion sehr ähnlich:


    Cortinarie mit sehr dunklen Lamellen


    Daher würde mich interessieren, ob deine Exemplare auch einen nur schwach bitten Geschmack haben und der Geruch würzig-angenehm (etwas holzartig) ist. NaOH war bei meinen Exemplaren am Stiel nach einiger Zeit orangegelb, auf dem Hut zunächst türkis, dann aber orangegelb wie auf dem Stiel.

    Meine Exemplare waren heftig bitter.

    Die Nr. 6 ist C.anserinus, der Buchenklumpfuss

    Ockergelber Hut, blauer Stiel, rundlich geruandete Knolle, ockergelbes Velum, bittere Huthaut

    Hallo Uwe,


    vielen Dank für Deine Expertise und die Bestätigung! Über Nr. 6 ärgere ich mich etwas - ich bin beim Schlüsseln mehrfach über C.anserinus gestolpert und dachte immer: "Ne, den kennst Du - das ist er nicht". Hätte ich doch mal gleich am Hut geknabbert, dann wär mir die Bitterkeit sofort aufgefallen. Mich hat die sehr helle Hutfarbe irritiert, der bei meinem Fund jegliche Grüntöne gefehlt haben. Ich kannte C.anserinus bis dato immer mit olivlichen Farben.
    Mit GPBaWü kann man C.anserinus übrigens kaum schlüsseln, mit FN kommt man aber gut hin.


    Muss noch was verbessern

    5b. Hab nochmal genau nachgeschaut, und bin mir ziemlich sicher, das es C.nanceiensis ist

    Falls du die Pilze noch hast gib mal KOH aufs Stielfleisch in der Knolle

    Sollte dann nach einer Minute deutlich blutrot werden

    Leider habe ich die Funde heute entsorgt. Zumindest habe ich aber noch die Sporen gemessen: 10 5 5,8. Ich kann mich an keine blutrote KOH-Reaktion erinnern - ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich überhaupt KOH auf die Funde appliziert hatte. Den Geruch habe ich hingegen als unauffällig abgespeichert. Wenn ich es einrichten kann schaue ich am Fundort noch einmal nach weiteren Fruchtkörpern.


    P.S.: Ist dir die teils weinrote Reaktion im Knollenfleisch bei C.splendes aufgefallen (letztes Bild)?

    Ich werfe mal Tricholoma albobrunneum in den Raum. Ich kenne die Art allerdings nicht, aber der Schlüssel in FNE4 hat mich hingeführt.

    Kannst Du was zum Geruch und Geschmack sagen?

    Hallo,


    vergangenes Wochenende war ich in zwei sehr interessanten Gebieten unterwegs:


    Am Samstag nahm ich an einer Exkursion der Thüringen Arbeitsgemeinschaft Mykologie teil - es ging in einen Nadelwald auf Kalk. Die Artenvielfalt war überwältigend, vor allem die Cortinarien standen in hunderten Kollektionen herum. Ich hab mir einige wenige Phlegmatien mitgenommen und mich am Schlüsseln und Bestimmen versucht. Es war mein erster Versuch Phlegmatien zu schlüsseln (mit GPBaWü und FN); daher würde ich mich sehr über Bestätigungen bzw. Richtigstellungen oder sachdienliche Hinweise jedweder Art freuen.


    1)

    Dieser mutmaßliche Klumpfuß wuchs in der Nadelstreu/Moos unter Fichten. Seine eingewachsen radialfaserige Huthaut war am Hutrand auffällig grün. Die Lamellen waren jung intensiv blau-lila. Das Fleisch war creme-farben und im Stiel etwas gelblicher als im Hut und Knolle. Auf Velum an der Knolle habe ich leider nicht geachtete - später beim Schlüsseln bemerkte ich dass ich das bei den Klumpfüßen künftig immer tun sollte. Der Geruch war unauffällig. Die KOH-Reaktion brachte eine farbenfrohe Überraschung: Hutrand und Knollenrand reagierten mit einem knalligen pink-rot. Die Sporenmaße waren 12,2x7,9.

    Ich habe mich eine Weile mit dem Fund mit GPBaWü abgekämpft (das erste mal dass ich Phlegmatien geschlüsselt habe) und mich hinreichend häufig ordentlich verlaufen. Vor allem war ich bei der falschen Sektion angekommen. Dann hatte ich "etwas" Hilfe bei der Bestimmung. Mit einem Namen konnte ich dann allerdings meine Schlüsselfehler nachvollziehen und bin dann nach erneuten Versuchen auf direktem Weg beim Leuchtenden Goldstaubklumpfuß (Cortinarius aureopulverulentus) herausgekommen.




    2)

    Der zweite Fund war ein Klumpfuß mich gräulich-braunem Hut mit sehr dezentem Grünstich (Hutrand) und kräftig eingewachsen radialfaserige Huthaut. Er wuchs in einer kleinen Gruppe ebenfalls in der Nadelsreu/Moos unter Fichten. Die Lamellen waren recht gräulich mit lila Tönung. Der Stiel war hell und bläulich faserig überzogen. Das Fleisch war im Hut weißlich, in der Knolle gelblich aber im Stiel bläulich. Der Geruch war auch hier unauffällig und sehr schwach. Die Sporenmaße waren 8,4 x 5,1. KOH im Knollenfleisch war rotbräunlich; am Hutrand und Knollenrand weinrot bis rotbräunlich.

    Auch hier hatte ich Bestimmungshilfe. Die Hilfe war extrem hilfreich, um mich weiter in den Schlüssel von GPBaWü einzuarbeiten. Nachdem ich die Sporenmaße ermittelt hatte, bin in ohne Umwege in der Sektion Glaucopodes geraten. Am Ende landete ich beim Reihigen Klumpfuß (Cortinarius glaucopus). Im Buch wurde allerdings auf die schwierige Abtrennung zum Elfenringklumpfuß hingewiesen (vor allem sehr ähnliche Sporenmaße). Einen Hexenring habe ich nicht bemerkt (da der Wald aber voll mit Pilzen stand kann ich das auch leicht übersehen haben).



    3)

    Der dritte Fund war ein auffällig heller Klumpfuß: hellocker (Semmelfarben) Hut, heller Stiel, helle Lamellen, weißes Fleisch. Geruch erneut indifferent und schwach. Die Sporenmaße waren 10,1 x 6,2. KOH war im Knollenfleisch leicht rosa und am Hutrand rotbräunlich.

    Der Schlüssel führt mich zum Vergrabenen Klumpfuß (Cortinarius corrosus).



    4)

    Ein Massenpilz im Wald wa ein sehr fleischiger Cortinarius mit semmelgelbem Hut und bläulichen Lamellen. Letztere hinterlassen am Stiel eine blaue Linie wenn man sie abzupft. Der Geruch wahr angenehm würzig. Ich möchte den Fund daher Semmelgelber Schleimkopf (Cortinarius varius) nennen.



    5)

    Ein sehr düsterer Schleierling ohne Knolle und auffälligen düsteren Lamellen auch schon in jungem Zustand. Die Huthaut ist beim anlecken bitter und schmeckt scheußlich bitter bei Kostprobe. Für mich ist das der Bittere Schleimkopf (Cortnarius infractus).



    Die folgenden Pilze fand ich am Sonntag in einem von Buchen dominierten Mischwald auf Kalk. Am Fundort standen mehrheitlich Buchen und kaum Nadelbäume.


    5)

    Ein Klumpfuß mit knallig gelber Farbe, aber einem eher schmächtigen Wuchs. Hut, Lamellen, Stiel und Fleisch waren durchgehend knallig gelb; der Hut wies eine schorfig aufgerissene bräunliche Zeichnung auf. Der Geruch war erneut unauffällig. Die KOH-Reaktion auf dem Hutrand war ein schmutziges dunkelbraun mit leicht grünlicher Note; im Knollenfleisch dagegen mit einer schwachen rötlichen Reaktion. Sporenmaße: 10,7 x 5,9.

    Bei der Bestimmung war ich dieses mal auf mich gestellt. Ich habe GPBaWü udn FN mehrfach gestresst und bin mehrfach beim Leuchtendgelben Klumpfuß (Cortinarius splendens) herausgekommen. Die rötliche KOH-Reaktion im Knollenfleisch und die fehlende grünliche Reaktion auf dem Hutrand verwirren mich aber. Also doch etwas anderes?

    Achtung: die Bilder im Wald enstanden mit dem Handy - hier stimmen die Farben überhaupt nicht. Die späteren Bilder mit der KOH-Reaktion sind dagegen viel farbechter, wenngleich sie etwas zu grünstichig sind.


    Nachtrag:

    eine weitere sehr ähnlich aussehende Kollektion fand ich 50m entfernt. Der Wuchs war noch schmächtiger, die Hutmitte auffällig braun und das Fleisch nicht ganz so durchgefärbt wie beim ersten Fund. Ich habe das für die gleiche Art gehalten - jetzt kommen mir Zweifel. Doch was anderes?




    6)

    Ein weiterer Klumpfuß bei Buche hatte einen hellgelben bis cremefarbenen Hut, einen weißlichen Stiel mit blauem Schimmer und cremefarben-bläulichen Lamellen. Das Stielfleich war auffällig blau, so dass ich glaube dass der bläuliche Schimmer des Stiels einfach das durchschimmernde Fleisch sein könnte. Sporen 10,5 x 6,9. Geruch wieder einmal unauffällig. KOH auf dem Knollenrand war schwach gelb-orange-lich (siehe Bilder).

    An diesem Fund habe ich mir die Zähne ausgebissen. Ich lande zügig in der Sektion Calochroi, aber dann war es schwierig. Ich habe mich anfangs zu sehr vom Blauschimmer des Stiels leiten lassen und bin mehrfach beim Violettstieligen Amethyst-Klumpfuß (Cortinarius hasii) gelandet. Der wiederum ist eine Nadelwaldart - mein Fund hingegen war bei Buchen. Ich gehe also schwer davon aus, mich verschlüsselt zu haben. Hat jemand einen Hinweis für mich?



    7)

    Erneut ein düsterer Schleierling ohne Knolle und auffälligen düsteren Lamellen und bitterer Huthaut. Ich möchte den Fund erneut Bitterer Schleimkopf (Cortnarius infractus).



    Vielen Dank fürs Ansehen und Kommentare :)

    Farbe und Form stimmt. Aber mein Buch sagt zum Flämmling: Hut 10-12cm

    Stiel 2 bis 2,5cm

    Das passt aber überhaupt nicht zu meinem Pilz: Hut 30cm, Stiel 8-9cm

    Der wird auch manchmal viel größer als angegeben. Dein Fund ist schon außergewöhnlich riesig, aber das kommt bei dieser Art ab und an mal vor. Neulich erst gab es in der Pilzausstellung ein Exemplar mit über 40cm Hutdurchmesser. ;)

    Hast Du mal die Lamellen etwas gequetscht und dann daran gerochen? Und Kostprobe gemacht? Ich könnte mir vorstellen dass beides mehlig ausfallen könnte.


    Rein optisch erinnert mich der Fund an einen der gilbenden Erdritterlinge. Die dürfen jung auch etwas Schleier haben.

    Quetsche doch mal die Lamellen und rieche daran. Erinnert Dich der Geruch an Essig? Mich erinnern die Bilder an den Brennenden Rübling. Aber wie schon geschrieben, kann man mit den Bildern nicht so viel anfangen.

    Hallo Thomas,

    zu 2) so aus der Ferne zwischen gelborange und orangerot zu unterscheiden, wird wohl kaum gelingen. Und wie grün oder grünlich oder bläulich das Ammoniak nun tatsächlich wurde, lässt sich auch kaum erahnen. Ich für meinen Teil habe ein Problem damit, den gezeigten Pilz H. persoonii zu nennen, denn er ist auf dem Hut durchaus nicht braun, sondern mMn grau. Wenn die Ammoniak-Reaktion dann zusätzlich noch quasi ausfällt, bin ich dann doch bei H. mesotephrus.

    zu 12) wenn der Geruch von Nr. 12 wirklich dezent und kaum aufdringlich war, kommt als weiterer Kandidat noch T. sulfurescens in Betracht. Dieser Pilz ist in diesem Jahr schon an ein paar anderen Stellen unvermutet aufgeploppt und hat für fliegende Hüte gesorgt. Dir sind nicht etwa 10 Minuten nach dem Befassen schwefelgelbe Flecken am Pilz aufgefallen?

    FG

    Oehrling

    Hallo,


    zu 2) Mir fehlt die Erfahrung mit beiden Arten, insofern muss ich Dir da Vertrauen schenken. Dennoch eine weitere Beobachtung: der Hutrand verfärbt sich mit Ammoniak organge-gelb. Fleisch, Lamellen oder Stiel verfärben sich nicht. Eine wie ich finde auffällige Farbreaktion - ist das bekannt? Bei Ludwig habe dazu nichts gefunden. Hier nochmal zwei Bilder (die Farbreaktion war etwas schwächer als tags zuvor, als die Pilze noch frisch waren):


    Vor der Zugabe von Ammoniak:


    Ca 60 Sekunden nach der Zugabe von Ammoniak:

    Hallo Pablo,


    ja, das war ich :) Bei meinem zweiten Fund gab es zumindest an der Stielspitze einige schwärzlichen Schuppen. Letztes Jahr gab es einen schönen Fund dieser Art bei der BMG-Tagung; hier nochmal ein Bild. Da ist der Stiel schon deutlicher schuppig.


    Woran erkennst du hier, dass das einer der gilbenden Ritterlinge ist? Ich habe da so meine Probleme. Den gemeinen schließe ich wegen fehlender Mykorrhiza und dem Geruch (Danke!) also aus. Steht in deiner schlauen Ritterlings-Monographie was zu gilbenden Arten unter Korea-Tanne oder Douglasie?

    Mittlerweile hat er sich an den Huträndern schwach verfärbt, allerdings eher rotbräunlich als gelb. Die Fraßstelle ist unverändert.

    Unter allen Erdritterlingen haben die gilbenden Arten die bräunlichsten Hutfarben. Dazu der Geruch nach Mehl - da kommt nicht viel anderes in Betracht. Heilmann-Clausen schreiben, dass T. argyraceum als auch T. scalpturatum mit sehr vielen Bäumen vorkommen können.

    Der Erdritterling ist einer der gilbenden Arten. Der kann mit sehr vielen Bäumen, daher mit Abstand der am häufigsten zu findende Erdritterling. Gerne auch in Gärten oder Grünstreifen 😉 Das Gilben stellt sich übrigens nur an vergammelnden Stellen, meist Frassstellen, ein. Sie trocknen nicht gelb ein.


    P.s.: T. terreum darf weder nach Mehl riechen noch schmecken.

    Christoph, danke Dir Deine ausführliche Antwort. Was ich für mich hier mitnehme ist vor allem, dass ich wohl doch in die BMG eintreten sollte um die Mycologica Bavarica regelmäßig zu erhalten 😉

    Schnecklinge - es gibt ja welche, die gut schmecken, wie Hygrophorus oliaceoalbus. Die würde ich frei geben. Den Märzellerling hatte ich noch nicht in der Pilzberatung. Da wäre es eine Frage des Naturschutzes (Seltenheit). Die Elfenbeinschnecklinge würde ich nicht als Speisepilz empfehlen, da sie u.a. chlorierte Kohlenwasserstoffverbindungen enthalten, was sie zu potentiell sehr ungesunden Pilzen machen können. Zudem schnmecken sie m.E. grausig ;-).

    Wenn ich rekapituliere hatte ich zum Essen noch keinen Schneckling in der Pilzberatung. Insofern ist das alles rein hypothetisch...

    H. penarioides schmeckt wirklich hervorragend. Und da diese Schnecklinge in der Regel ordentliche Klopper sind, lohnt sich das Sammeln auch. Aber wer so etwas sammelt, ist fraglos derartig sattelfest, dass er keine Konsultation eines Pilzberaters benötigt 😉

    Die genannten Pilzschulen usw. sind für mich ziemlich weit weg.

    Für eine gute Woche kann man denke ich auch mal quer durch Deutschland fahren für einen Kurs? Aber wenn es etwas vor Ort gibt, kannst Du mit Deiner Recherche ja mal dort starten.

    Ich habe da vielleicht auch eine etwas andere Haltung - wir fahren mit dem Chor nicht selten an einem Tag von Leipzig nach Süddeutschland und zurück - für ein Konzert ;)

    Hallo Phillip,


    ich freue mich dass Du diesen Schritten gehen möchtest! Ich selbst habe meine Kurse bei Andreas Gminder gemacht: Kurstermine 2020. Die neuen Kurse für 2021 werden vermutlich ab November feststehen (so war es zumindest die vergangenen Jahre). Du kannst ihm auch gern eine Mail schicken und Dich bereits auf diese Art vormerken lassen. Es gibt aber auch andere "Anbieter" von Pilzkursen. Bspw. kannst Du mal bei der Bayrischen Mykologischen Gesellschaft schauen; hier wäre Christoph aka Tricholomopsis der richtige Ansprechpartner.


    Pilzkurse sind generell eine hervorragende Möglichkeit, sich viel Wissen anzueignen. Man macht in den wenigen Tagen einen gewaltigen Sprung - eben nicht nur weil man viele neue Arten kennen lernt sondern weil man viel Systematik an die Hand bekommt. Daher generell eine dicke Empfehlung für Pilzkurse - egal bei wem. Aber auch durch das Forum hier wirst Du viel lernen und verinnerlichen.


    Herzliche Grüße,

    Thomas.

    2) mach den Ammoniaktest auf dem Hutschleim: bei H. persoonii Blaugrünverfärbung, tut sich farblich nichts, ist das wohl H. mesotephrus.

    12) standorttypisch wäre T. lascivum, der käme auch optisch gut hin, aber bei der Geruchsangabe warst du wohl euphemistisch - T. lascivum riecht ausgesprochen pissig, also nach schlecht gereinigter Bahnhofstoilette, in die man zur Verschlimmbesserung Klospray reingesprüht hat

    Danke Dir für Deine Kommentar.


    zu 2) Vom Amonjak-Test hatte ich gelesen. Der Hutschleim hat sich nicht merklich verfärbt - allerdings war das auch dunklem Grund und bei Kunstlicht spät abends eventuell auch einfach nicht zu erkennen. Ich hab mit Amonjak nicht gegeizt. Nach einigen Minuten ist mir aufgefallen, dass der Stielschleim im oberen Bereich einen grünlichen Schimmer hatte, der zuvor nicht zu sehen gewesen ist. Vielleicht haben die Amonjak-Dämpfe da etwas ausgelöst? Außerdem schreibt Ludwig bei H. mesotephrus von einer gelborangenen Verfärbung der Stielbasis mit KOH. Bei meinem Fund war sie aber orangerot - was laut Ludwig auf personii hinweist. Und nun?


    zu 12) Ja, da war noch die typisch widerwärtige Note im Hintergrund, aber eher dezent. Das Ding hat tatsächlich vor allem süßlich gerochen. Ich bekomme album und lascivum noch nicht sauber auseinander; ich brauche wohl mal beide Arten nebeneinander.

    Nach der kleinen Runde durch den Kalklaubwald letzte Woche (Bericht siehe hier) Gestern war ich wieder im gleichen Wald mit Frau und Kind. Während meine Tochter (2 Jahre alt) stolz wie Bolle mit einem Helmling durch den Wald stolziert ist, habe ich im Vorbeigehen einige Funde dokumentiert. Einiges habe ich schon im ersten Thread gezeigt, aber weil's so schön war hier einfach nochmal neu.


    1) Ein Egerling der nach Anis riecht. Vermutlich der Schiefknollige Anisegerling (Agaricus essettei).



    2) Ein Schneckling am Wegesrand mit extrem schleimigen Hut und Stiel bei Buche mit eingestreuten Hainbuchen und Eichen. Nach dem Schlüsseln komme ich beim Olivgestielten Schneckling (Hygrophorus persoonii) raus. Die Natterung am Stiel ist zwar etwas undeutlich. Andererseits wird die Stielspitze mit KOH brav orangerot (steht so im Ludwig).



    3) Rettichhelmlinge in Hülle und Fülle. Hier ist der Rosa Rettichhelmling (Mycena rosea) zu sehen, aber auch der Gemeine Rettichhelmling war hundertfach zu finden.



    4) Die Igelstäublinge liegen gerade in großer Anzahl im Wald und erfreuen auch kleine Kinderherzen sehr.



    5) Im letzten Thread hatte ich die Art bereits ohne Bild erwähnt; hier nun ein Foto davon: der Trockene Eichenschneckling (Hygrophorus penarioides) ist wie der Name schon sagt nicht schleimig und hat einen angenehmen fruchtigen Geruch, der entfernt an Maracuja erinnert.



    6) Butterrüblinge (Rhodocollybia butyracea) wuchsen in größeren Gruppen direkt am Wegesrand.



    7) Ein Täubling mit zart rosa überhauchtem Stiel, recht festen Fleisch und mildem Geschmack. Sporenabwurf ist in Arbeit, ich fürchte aber dabei wird nicht mehr viel rumkommen.


    8) Ein Erdritterling mit eindeutig pfeffrigem und keinesfalls süßlichem Geruch. Der Hutrand ist auffällig wollig behangen. Ich bin versucht, ihn als Schuppenstieligen Erdritterling (Tricholoma squarrulosum) zu nennen. Der Stiel ist zwar etwas glatt - aber was käme sonst noch in Betracht? Übrigens habe ich diese Art bislang immer nur als Einzelexemplar gefunden. T orirubens dagegen finde ich stets in kleineren Gruppen. Ist das arttypisch?



    9) Fotogene Tintlinge am Wegesrand; sie blieben unbestimmt.



    10) Die im Kalklaubwald häufige Herkuleskeule war ebenso zahlreich zu finden.



    11) Die Nebelkappen fluppen gerade aus dem Boden und sind in schönem jungen Zustand ebenfalls häufig zu finden.



    12) Ein eher graziler weißer Ritterling mit komplexem süßlichen Geruch ähnlich wie Kunsthonig. Die Bäume der Umgebung waren Buchen und vor allem Eichen. Ist es nun Triicholoma album oder Tricholoma lascivum?



    13) Die Steife Koralle (Ramaria stricta) wuchs an einigen Stellen fast rasig.



    14) Ein weiterer eher kleiner Schneckling mit leichten aprikotfarben am Hutrand, Stiel und Lamellen und dunklerer Hutmitte. Geruch unauffällig. Ich komme mit GPBaWü auf den Orangefalbenen Schneckling (Hygrophorus unicolor). Oder doch H. lindnerii?



    15) Vermutlich ein Risspilz (Inocybe spec).



    16) Der Brennende Rübling in frischem Zustand (üblicherweise finde ich die meist reichlich vertrocknet) mit dem Arttypischen säurlichen Geruch der an Essig erinnert.



    17) Ein weißer Schneckling, dessen Hunt sich mit KOH knallig gelb verfärbt: der Gelbverfärbende Schneckling (Hygrophorus discoxanthus).



    18) Ein Erdritterling mit auffällig dunklen Hutfasern und süßlichem Geruch. Nach einem halben Tag bekommt die Stielbasis blaue Flecken und die Lamellen bzw. Hutrand fangen nach einigen Stunden auf der Heizung an zu röten. Die Farbe des Basismycels konnte ich im Wald nicht erkennen - ich meine aber nichts gelbliches gesehen zu haben. Dennoch würde ich wegen des Standorts den Fund Rötender Erdritterling (Tricholoma orirubens) nennen.



    19) Ein weiterer, diesmal braunhütiger Ritterling mit sehr schleimiger Huthaut. Der Geschmack war völlig mild. Daher für mich der Brandige Ritterling (Tricholoma ustale).



    20) Diese kleinen Kerlchen schoben sich durchs dichte Buchenlaub: das Gemeine Gallertkäppchen (leotia lubrica).



    20) Zum Abschluss noch ein nettes Paar und trauter Zweisamkeit eng aneinander gekuschelt. Sind sie nicht knuffig? <3



    Danke fürs Mitkommen und Bilder betrachten. :)

    Hallo Christoph,


    danke für Deinen ausführliche Entgegnung. Ich habe mich vermutlich etwas missverständlich ausgedrückt - denn in weiten Teilen bin ich mit Dir einer Meinung. Zum Wesen eine PSV hatten wir uns bereits letztes Jahr bei der BMG unterhalten, und Dein Ansatz des "Beraters" finde ich gut, und versuche es selbst in meinen Beratungen genauso zu halten.


    Mein Punkt ist, dass bei allen neuen Erkenntnissen die Kommunikation der "ausbildenden Institution" zu den tätigen PSVs stimmen muss. Ich beschäftige mich selbst gern mit Pilzgiften und versuche neue Informationen in mich aufzunehmen - und doch war mir das Thema "Saponaceolide" im Erdritterling völlig neu. Bei mir ist nur das Thema Rhabdomyolyse hängen geblieben. Welche Informationen erreichen dann einen PSV, der es mit Giftstoffen "nicht so sehr hat"?


    Die Notwendigkeit des Eigenstudiums und die persönliche Pflicht zur Fortbildung sollte jeder PSV verspüren - aber ich sehe hier doch die DGfM etc. mehr in der Pflicht. Wenn Pilze bezüglich ihres Speisewertes neu bewertet werden müssen, dann muss die Information sauber zusammengefasst an die PSVs verteilt werden. Genau das scheint mir aktuell nicht so recht gegeben. Dabei ist doch die Liste an Speisepilzen ein gutes Werkzeug: wenn sich hier etwas ändert, bedarf es eines zeitnahen Updates. Bei Themen wie dem Schwermetallgehalt in Champignons wundere ich mich daher etwas über die Trägheit der DGfM.


    Ich meinte, dass ein zu eifriges hin- und her die PSVs als auch die Sammler selbst verwirrt. Aber Du hast schon recht, es schadet eigentlich niemandem. Aber nochmal: wenn es da etwas neu zu bewerten gibt, dann muss die Information verteilt werden. Nicht jeder PSV kann etwas mit chemischen Formeln anfangen. Aber wenn man sagen wir jährlich die Liste der Speisepilze anpasst, und alle Änderungen kurz begründet, dann wäre das sicher hilfreich?

    Man kann es natürlich auch so sehen, dass die PSV-Prüfung einfach nur eine Ausbildung ist, und jeder danach seinen eignen Stiefel fährt - aber ist das so gewollt?