Beiträge von Chorknabe

    Hallo Thomas

    In mehreren Literaturstelllen habe ich gelesen das die Olivfarbene Reaktion mit der Zeit in rot-braun umschlagen soll

    Vielleicht daher das Schlüsselproblem, ich habe das aber noch nie getestet

    Ich werde mir aber die Schlüsselstelle in der Funga Nordica auf jeden Fall markieren und in der übersetzten Fassung korrigieren

    Hallo Uwe,


    danke für Deinen Kommentar. Ich bin über den gleichen Hinweis gestolpert und konnte das bei meinen Funden auch nachvollziehen: nach vielen Stunden (über Nacht) färbten sich die KOH-Teststellen im Fleisch und Huthaut von Olivgrün nach weinrot um. Aber eben erst nach vielen Stunden. Im Schlüssel wird ja eher nach eine zügig eintretenden KOH-Reaktion gefragt (zumal sich die KOH-Verfärbungen bei vielen Arten ja auch nach Minuten..Stunden wieder entfärben). Daher meine Verwunderung.

    Bin gespannt auf Deine Verkostung. Wir fanden den Pilz regelrecht geschmacksneutral, die Konsistenz an der Grenze zu "zu knorpelig". Wir sammeln ihn nicht mehr.

    [..]

    Mir war dann auch klar wieso ich beim Schlüsseln nicht voran kam - die Art hat jung olivgrüne Lamellen, daher Sektion fulvi. Einmal dort geschlüsselt komme ich zumindest mit GPBaWü und PdS zur Art. Nicht aber mit FN: im Key A / Frage 4 wird gefragt:

    - "KOH on cap distinctly red, purplish red to brown or blackish"

    - "KOH on cap negative, brownish to +- red brown, or weakly olivaceous"

    Wenn man sich hier von "olivaceous" verleiten lässt (bei meinbem Fund sofort und kräftig olivgrün) dann schlüsselt man sich ins Aus. Ist hier also "distinctly" der wichtige Aspekt der Frage? Dann hätten sie aber wenigstens "olivaceous" hinschrieben können:/

    Vielleicht kann Cortinarius hier noch einmal drüber schauen, insbesondere wegen meiner Frage zum Schlüssel?

    Hallo,


    folgenden Pilz fand ich am Wochenende bei der Nachmittagsrunde mit der Familie. Viel mehr Zeit als Pflücken und zu Hause untersuchen blieb nicht. Dort blieb auch nicht viel Zeit für eine fundierte Untersuchung, daher müssen im folgenden Handy-Bilder reichen. :|


    Der Fundort war ein Grünstreifen in einer neu gebauten Eigenheimsiedlung - die Grünstreifen war erst ein..zwei Jahr alt. Ich habe kleine und große Fruchtkörper gefunden, die Bandbreite war erheblich. Das größte Exemplar ist auf den folgenden Bildern zu sehen.

    Der Fruchtkörper ist vollständig und einheitlich rein weiß. Die Hutoberfläche ist auffällig seidig glänzen und völlig glatt. Die Lamellen stehen recht dicht und bilden am Stiel einen Burggraben. Der Stiel ist dezent längs gefasert und weist im unteren Dritten mehrere gürtelartige Strukturen auf, die sich leicht und spurenlos abziehen lassen. Auffällig ist vor allem die Stielbasis, die in kräftigen Wurzeln endet.

    Der Geruch war sehr kräftig nach frisch geschnittener Gurke. Geschmack habe ich nicht getestet.


    Nun erst einmal die Bilder:



    Ich war ehrlich gesagt zunächst völlig ratlos. Ein Weißsporer - klar. Ritterling passt nicht. Egerlingsschirmlinge sollten einen Ring haben. Für einen Weichritterling passt der Hut nicht so wirklich. Die Hutoberfläche erinnern mit an weiße Trichterlinge. Aber in der Größe und wurzelnd?! Ich kam nicht mal auf die Gattung. Wenn man so gar keine Idee hat, ist oft ein stupides Blättern oder ein synoptischer Schlüssel der letzte Rettungsanker. Letzterer hat dann das Rätsel (hoffentlich) gelöst): Der Wurzelnde Schönkopf (Tricholomella constricta). Die Gattungsbezeichnung war mir völlig neu. :huh: Darf ich den so abhaken?

    Guten Morgen,

    rein optisch, zB mit der zugespitzten Stielbasis, könnte der Trockene Schneckling gut passen. Die Lamellen hatten in echt mehr Rosatöne als auf dem Bild erkenntlich. Der beschriebene Geruch würde für mein Empfinden auch passen. Die Lamellen haben auch tatsächlich etwas wachsartiges.

    Unter Eiche käme dann der Trockene Eichenschneckling (H.penarioides) in Frage: dieser hat einen angenehmen milden fruchtigen Geruch, der oft mit Maracuja verglichen wird. Außerdem schmeckt er völlig mild. Sein Zwilling und Buchen wäre dann der Trockene Buchenschneckling (H.penarius). Dieser riecht anders und ist oft (aber nicht immer?!) bitter.

    Sorry, aber diese Bilder sind nicht einmal für eine Gattungsbestimmung geeignet.

    Ich könnte mir mit dem "knubbeligen" Wachstum und der Hutform genauso eine helle Hebeloma, Fälbling vorstellen

    Jetzt wo Du es sagst meine ich, auf dem ersten Bild eine raue Stielspitze zu erahnen. :)

    Hallo Carsten,


    schön dass Du den Weg in unser Forum gefunden hast. Egerlinge sind keine leichte Gattung. Davon abgesehen lehnen wir hier im Forum eine Verzehrfreigabe grundsätzlich ab - eine sichere Einordnung eines Fundes ist nur durch persönlichen Augenschein möglich. Schau doch mal auf der Seite der DGfM ob es einen Pilzberater auch in Deiner Nähe gibt?

    Willkommen im Forum :)


    1) Lila Lacktrichterling ist korrekt

    2) Du solltest mal eine kleine Kostprobe machen, ev. erklärt sich dann schnell was Du da gefunden hast ;)

    3) Rotfußröhrling

    5) Hohlfußröhrling, typischer Lärchenbegleiter

    Auf den beiden letzten Bildern, neben Cortinarius olidus, das ist aber nochmal eine andere Art.

    Die KOH - Reaktion auf dem Fleisch bei rufoolivaceus ist immerhin ganz typisch. Die KOH - Reaktion der Huthaut finde ich auf den Bildern nicht - übersehe ich da was?
    Die blauen Farben (vor allem Stiel) können wohl bei der Art auch mal ein wenig in die Lamellen rein ziehen.

    Hallo Pablo,


    ja, im Ursprungs-Thread hatte ich ja schon vermutet, dass die beiden Funde in einem Bild nicht die gleiche Art sein könnten, da sie 10..15m auseinander standen.


    Du hast recht - die KOH-Reaktion ist nicht abgebildet. Ich hatte zunächst KOH auf den Schleim gekippt und es gab eine eher undefinierbare Farbreaktion. Nachdem ich die Artbeschreibung gelesen habe, habe ich nochmal KOH auf den abgewischten Hut draufgegeben und eine satt olivgrüne Reaktion bekommen. ich habe die Fruchtkörper noch zu Hause und kann nochmal ein Bild nachreichen.

    Hmmm ich habe gerade mal probiert. Geschmack war sofort deutlich bitter. Nach Maracuja riecht er auf keinen Fall. Demnach würde penarioides schon mal ausscheiden.

    Ja, ich denke H. penarioides kann man ausschließen.

    Hast Du noch weitere Bilder von Deinem Fund? Je öfter ich mir die Bilder anschaue desto mehr kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht gar kein Hygrophorus ist. Schnecklinge sollte immer (zumindest leicht angedeutet) eine punktierte Stielspitze haben und und vor allem eine zuspitzende Stielbasis. Gerade letzteres scheint bei Deinen Funden überhaupt nicht der Fall zu sein. Kann es sein dass Du hier einfach einen der weißen Ritterlinge erwischt hast?

    Hallo,


    H.penarioides hat meiner Erfahrung nach nicht rein-weiße sondern ganz leicht gelbliche Lamellen. Der Hut ist völlig glatt und weder klebrig noch schmierig. Der Geruch ist fruchtig und ist mit Maracuja ganz gut beschrieben. Fischig oder Honig passt für mich nicht. H.penarius soll teils bitterlich sein - penarioides ist dagegen völlig mild.


    Hier mal einige Bilder von meinen penarioides-Funden:




    Hallo,


    in den vergangen Tagen habe ich zwei weitere Phlegmatien gefunden, die ich hier gerne vorstellen möchte.


    1)

    Im Buchen-dominierten Laubwald auf Kalk stand ein einzeln stehender Klumpfuß; leider nicht mehr der jüngste. Hut sehr schleimig mit auffällig rosa Farbe. Dazu rote radiale Hutzeichnung. Frassspuren ebenfalls intensiv rötlich; sie wirken nachgerötet wie beim bspw. Perlpilz. Die Lamellen sind hell bräunlich, ich konnte keinerlei bläulichen Schimmer entdecken. Wegen des fortgeschrittenen Alters darf man diese Farbe aber sicher nicht zu ernst nehmen. Der Stiel ist blasslila und auf ganzer Länger überfasert. Die Knolle ist hart gerandet, der Knollenrand ist mit weinrot bis braunem Velum behangen. Das Fleisch ist auf gesamter Länge rosa bis lila. KOH auf dem Hut (Schleim zuvor weggewischt) sofort olivgrün; ebenso im Fleisch. Der Geruch war an der Knolle wie Bocksdickfuß (eventuell nur eine Folge beginnender Zersetzung?) und an den Lamellen staubig-schokoladig. Sporen 12,7 x 7,2.

    Ich habe mir beim Schlüsseln mit PdS, GPBaWü und FN die Zähne daran ausgebissen - weil ich nicht in die richtige Sektion kam. Dann einfach blättern. :rolleyes: Letztlich bin ich beim Weinroten Klumpfuß (Cortinarius rufoolivaceus) gelandet. Korrekt?



    Mir war dann auch klar wieso ich beim Schlüsseln nicht voran kam - die Art hat jung olivgrüne Lamellen, daher Sektion fulvi. Einmal dort geschlüsselt komme ich zumindest mit GPBaWü und PdS zur Art. Nicht aber mit FN: im Key A / Frage 4 wird gefragt:

    - "KOH on cap distinctly red, purplish red to brown or blackish"

    - "KOH on cap negative, brownish to +- red brown, or weakly olivaceous"

    Wenn man sich hier von "olivaceous" verleiten lässt (bei meinbem Fund sofort und kräftig olivgrün) dann schlüsselt man sich ins Aus. Ist hier also "distinctly" der wichtige Aspekt der Frage? Dann hätten sie aber wenigstens "olivaceous" hinschrieben können:/




    2)

    Wiederum im Buchen-dominierten Laubwald auf Kalk eine einzeln stehende Phlegmatie. Hut etwas schleimig (es war allerdings nass im Wald) mit dunklem Semmelgelb; radial faserig eingewachsene Huthaut. Lamellen jung creme-farben und wellig gesägt.Stiel weißlich bis creme und im unteren Bereich mit dezenten Velumgürteln versehen, die ich allerdings erst auf den Bildern entdeckt habe. Die Stielbasis endet in einer keulenförmigen Knolle, die mit viel Mycel (oder ist das Velum?) behangen ist. Das Fleisch ist im gesamten Fruchtkörper hell. Der Geruch war merklich vorhanden - ich konnte ihn aber nicht einordnen. Irgendwie frisch, etwas fruchtig aber auch würzig, vielleicht sogar ganz leicht käsig; schwierig zu beschreiben. Geruch an der Knolle gar nicht vorhanden. KOH in allen Teilen des Fruchkörpers negativ. Geschmack mild. Sporen 10 x 5,8.


    Ich bin recht zügig in der Sektion Multiformis geraten, dann wurde es zäh. Welche Art könnte ich hier gefunden haben?


     



    Ich habe den Fund an exakt der gleichen Stelle gemacht, an der ich eine Woche zuvor die folgenden Funde gemacht habe. Ich vermute und hoffe, dass es die gleiche Art ist. Daher zeige ich diese älteren Bilder hier noch einmal; vielleicht hilft es ja.

    Der Kahle Krempling ist für mich von der Wirkweise eine Art Mysterium. Ich meine warum akkumuliert jemand das Gift und fällt nach Jahren plötzlich tot um (durch Verklumpung der Blutkörperchen?), nachdem er den jahrelang gegessen hat und keine Beschwerden hatte? Nicht falsch verstehen, ich will hier nichts verharmlosen, der Kahle Krempling ist ein Killer. Mir geht es nur um die Biochemie, ob man das irgendwie für Laien runterbrechen kann auf eine nachvollziehbare Erklärung.

    Das wurde doch in den letzten 10 Posts hier gut erklärt! :/ Einfach nochmal lesen ;)

    Ich mag hier auch mal ein Naturfoto beitragen. Aufgenommen habe ich es dieses Jahr an der Ostsee. Das Bild ist analog entstanden mit einer speziellen Panorama-Kamera, die genau dieses Format ausspuckt.


    Kleines Gedankenexperiment. In den letzten Jahre wurde in vielen ehemaligen Speisepilzen Gifte nachgewiesen. Es hat aber - bitte korrigieren, falls ich da falsch liegen sollte - für keinen ehemaligen Ungenießbaren/Giftpilz Entwarnung gegeben, dass der jetzt doch ein guter Speisepilz sei. Wie lange mag es dauern, bis nicht mehr viel oder gar nichts von den Speisepilzen überbleibt? Was dann?


    Und wie kann man überhaupt, ob der Gefahr durch die Zecken, als PSV den Leuten nicht dringends davon abraten, überhaupt in den Wald zu gehen?

    In den letzten Jahrzehnten wurden zuvorderst zwei bis dahin häufig gesammelte Pilzarten als potentiell tödliche Giftpilze identifiziert: der Grünling und der Kahle Krempling. Der Wald steht voll mit Speisepilzen - wieso muss man dann unbedingt diese zwei Arten essen? Ich persönlich bin nicht auf den Verzehr von Pilzen angewiesen - es ist vielmehr ein Genussmittel. Und selbstverständlich lasse ich jene Lebensmittel weg, die eine gesundheitliche Beeinträchtigung nach sich führen könnten. Selbst wenn Atomkrieg wäre und ich vor Hunger nicht wüsste was ich essen sollte, blieben mir immer noch unzählige scheußlich schmeckende - aber eben giftunverdächtige - Pilze im Wald für die Ernährung.


    Der Vergleich einer individuellen Unverträglichkeit bezüglich Steinpilzen und dem Paxillus-Syndrom hinkt meiner Ansicht nach gewaltig. Vielleicht kann Tricholomopsis hier noch einmal etwas Fundiertes dazu schreiben.

    Ja, ganz klar. Der Threadersteller ist ein Neuling, dem kann man nicht sagen, das ist relativ mit der Giftigkeit vom Kahlen Krempling.

    Und ich weiß auch, dass der in Osteuropa viel gegessen wurde und wohl auch noch wird. Und dass es auch dort Vergiftungsfälle gibt.

    Und für den Ratsuchenden ist es schlicht unerheblich, ob er jetzt an einer primärtoxischen Vergiftung oder an einer Allergie sterben kann, wenn er den Pilz verzehrt. Entscheidend ist: er kann. Das ist die klare Linie der DGfM und auch der BMG, in der ich aktiv bin. Alles andere wäre Kaffeesatzleserei, solange man nichts genaueres weiß. Und das ist bei Pilzen keine so gute Idee.

    Ich bezog mich nicht auf die Anfrage vom Therad-Ersteller. Ein Neuling kann soetwas nicht wissen und er wendet sich ja gerade deswegen an Leute die es besser wissen. Ich bezog mich eher auf - wie ich finde - verharmlosende Kommentare zum Paxillus-Syndrom.


    P.S.: Eventuell haben wir uns ja letztes Jahr in Rothenfels persönlich kennen gelernt? ;)

    Hallo,


    Für mich als PSV kann es hier keine Diskussion geben: der Kahle Krempling muss als Giftpilz bezeichnet werden. Stellt Euch nur mal vor ihr währt selbst in der Beratung und erzählt einem Pilzsucher mit einem Korb voll Kremplinge, der Pilz sei vielleicht giftig aber in Osteuropa würde er viel gegessen und man müsse selbst entscheiden.


    Es gibt kein Lebensmittel, bei dem man sonst ein derartiges Risiko eingehen würde, wieso also hier? Es ist einfach unnötig, diesen Pilz verzehren zu müssen.


    Ich kann Ratsuchende nicht dazu zwingen, ihre gesammelten Pilze zu verzehren. Ich würde aber dringend davor warnen.

    Manche Erstfunde erwartet man jahrelang - und manche Erstfunde kommen völlig überraschend. So wie heute.


    Buchen-dominierter Laubwald auf Kalk. An einer Stelle direkt am Wegesrand mit Immergrün-Bewuchs blitze mich ein lila Pilzchen an. Ich dachte erst an I.geophylla var. violacea und wollte schon weitergehen. Zum Glück hab ich mich gebückt, weil ich einfach nur ein nettes Bild machen wollte. Als ich dem Pilz unter den Hut schaute, erblickte ich zu meiner Überraschung auf weißlich bis gelbliche Lamellen und einen knallig lilalichen Stiel mit heftiger gleichfarbiger Beflockung. Die Farben waren schon der Knaller, der Geruch hat mich dann aber umgehauen: dieses kleine Pilzchen macht jedem ausgewachsenen Schwefelritterling ordentliche Konkurrenz. <X Ich hatte keine Ahnung was ich da vor mir hatte und nicht mal eine Idee was die Gattung angeht. Weißsporer, klar - aber dann? Rein von den Farbkontrasten her kam mir noch die Gattung Calocybe in den Sinn, aber dazu passte der Habitus überhaupt nicht.


    Mit etwas Blättern im Ludwig Bd.1 (frisch gekauft und tatsächlich heute! geliefert bekommen ^^) konnte ich dann dem Fund schnell einen Namen geben: Lila Mehlschirmling (Cystolepiota bucknallii). Die Gattung war mir übrigens neu :/.

    Ist er nicht eine Schönheit? <3