Bayrischer Wald, die letzte ...

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 1.918 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Sebastian_RLP.

  • ... denn morgen gehts nach Hause.


    Bis zum letzten Tag haben sich die Elfenbeinröhrlinge Zeit gelassen, um nochmal richtig durchzustarten. Heute stand das Habitat voll mit Fruchtkörpern und mir machte eine Gruppe nochmals besondere Freude zum Abschluss:


    01 Suillus placidus - der Elfenbeinröhrling ... oder wie ich den seid heute nenne ... die Gemalten:


    die hätte man doch besser nicht hinstellen können ...



    02 Porphyrellus porphyrosporus - der düstere Röhrling (Einzelfruchtkörper, leider nicht mehr ganz taufrisch):


    03 Leccinum quercinum - die Eichenrotkappe (wegen solitärer Eiche in 10Meter Umkreis), ggf. aber wegen des weißen Stieles doch

    Leccinum leucopodium (siehe Diskussion unten). Allerdings habe ich auch in 10 Meter Entfernung nur Eichen gesehen an diesem Parkplatz.

    An einem Parkplatz, nach zwei Tagen leider weg :)


    Spannend fand ich auch die heutigen Täublinge


    04 Russula badia - der Zedernholztäubling (für mich ein Erstfund mit Überraschungen)


    Leider Einzelfruchtkörper unter Kiefer und Fichte

    SPP IVa

    Geschmack erst mild und dann schnell höllisch!!! scharf (musste mir mehrfach den Mund ausspülen (jetzt weiß ich auch, warum der heimtückisch genannt wird)

    Geruch für mich erst nicht einzuordnen, nachdem ich herausgefunden habe, was es ist habe ich mir den Geruch nun eingeprägt, so riecht also Zedernholz :) - Bleistift kommt auch gut hin


    Sehr wegweisend auch die Guajakreaktion - Stiel null (auch nach 1 Minute!), Lamellen +++ nach 8 Sekunden. Wirklich eindrücklich.


    Passt alles sehr gut zusammen:


    Ansonsten gabs noch 05 Russula xerampelina - der Heringstäubling (Geruch frisch nicht so ausgeprägt, nach etwas liegen aber eindeutig)


    Kiefer/Fichte, SPP IIIc, Guajakreaktion in allen Teilen +++ (8sec): dunkelgrün bis fast schon schwarz; FeSO4 graugrün



    06 Russula puellaris - der milde Wachstäubling (habe nachlässigerweise nur den einen halben Fruchtkörper von oben aufgenommen, wahrscheinlich Unterzucker :D ) - bei Fichte, SPP IIc, Guajak +++ in allen Teilen, gräftig gilbend auch am Stiel und im HUt, wie man sieht. Sehr zerbrechlich.


    weitere Täublinge liegen noch rum zur Auswertung


    aber mal weiter mit einer wie ich schätze 07 Entoloma spec. Lactarius obscuratus, der olivbraune Erlenmilchling

    Kleine Fruchtkörper, 2 cm nicht erreichend unter Fichte, kleinere Buchen, weiter entfernt aber durchaus auch Erlen.

    Rötliche angewachsene Lamellen,


    Farbspiel spannend, schwer zu beschreiben: Rand so zart hell(rötlich)braun (?) siehe Bilder in der Sonne, in der Hand, zur Mitte hin oliv bis schwarz.


    Die habe ich mal zum mikroskopieren eingepackt.



    Dann der erste 08 Fichtenreizker dieses Jahr


    09 Lactarius trivialis - der nordische Milchling unter Fichte mit sehr scharfer Milch


    Dann kamen die Cortinarien dran

    10 Cortinarius subtortus - der ockergelbe Schleimkopf


    ob dieser 11er hier auch Cortinarius subtortus ist? Von anderer Stelle und deutlich klein, zierlich erinnert er mehr von den Farben und so gar nicht von der Statur (2cm, zierlich) an subtortus. Ich bleibe zurückhaltend.


    Dann wurde es in einer recht moosigen und feuchten Ecke ziemlich giftig


    12 Cortinarius (Aureonarius) limonius - der löwengelbe Raukopf


    Ganz in der Nähe dann dass: Ich sehe hier 13 Cortinarius orellanoides - der spitzgebuckelte Raukopf (links und dann im Vergleich mit rechts limonius)


    Aber damit wars noch nicht vorbei in der Giftecke, es gesellte sich hinzu:

    14 Amanita phalloides var. alba - die weiße Form des grünen Knollenblätterpilzes:


    Schon an anderer Stelle gezeigt, aber weil so schön 15 Craterellus lutescens (mag besser passen) tubaeformis - der Trompetenpfifferling



    und 16 Leotia lubrica - das Gallertkäppchen



    Die weiteren Steinpilzbilder erspare ich euch mal, oder die der unzähligen Schönfussröhrlinge


    Vielleicht noch diesen Xerocomus ferrugineus - den braunhütigen Filzröhrling, weil diesmal auch mit ausgeprägtem Netz am Stiel


    So, schön wars, natürlich nicht nur wegen den Pilzen ;)


    LG Sebastian

  • Tolle Funde Sebastian 💪🏻

    Besten Dank für deine Präsentation.

    BG Andy

  • ich halte es trotz Eiche für Leccinum leucopodium,

    Viele Grüsse

    Oh, ich dachte die können ausschließlich mit Espen, selten noch mit Birken. Falls die auch mit Eiche können, kann ich da nichts ausschließen. Hätte mir die gerne ausgewachsen angeschaut. Aber schon 24h später waren die abgesammelt.


    Ich bin mir nicht sicher, ab wann man die Farben der Stielschuppen gut beurteilen kann. Die waren noch sehr klein, jung.


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian, danke für den abwechslungsreichen Beitrag und vor allem für die Erklärungen bei den Täublingen. Das ist sehr einprägsam, besser als jedes Pilzbuch. Du hast ja schon das gesamte Pilzspektrum am Start, einschließlich Cortinarien. Es war ein Vergnügen, deinem Waldspaziergang zu folgen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hallo Claudia,


    danke dir. Die Täublinge können wirklich Spass machen, ich war jetzt mit dem Feldschlüssel von Bernd Miggel unterwegs und finde die Synopse wirklich hilfreich für die Feldbestimmung. Außerdem ergänze ich dann einfach noch die Guajakreaktion nach der Tabelle von Chalange. Damit kommt man doch in vielen Fällen schon recht weit. Bei allen Tücken, die dann eben doch ein Mikroskop erfordern.


    LG Sebastian

  • Huhu!


    Schöne Bilder! So viel ist bei mir nicht los.

    Die Rotkappe würde ich auch für eine Espenrotkappe halten. Und der Trompetenpfifferling sieht arg nach Craterellus lutescens aus.


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Hallo Sebastian,


    die Eichen-Rotkappe hat von Anfang an rotbraune Schuppen auf dem Stiel. Vielleicht war ja doch eine Espe im weiteren Umkreis? Deine Bilder zeigen die typisch reinweißen Stiele, die ja (neuerdings) namensgebend sind "leucopodium" = weißer Fuß.

    Hier Beispielbilder von ganz jungen Leccinum quercinum:




    Gute Nacht – Rika

  • GriasDi Sebastian,

    schön, da im Bayrischen Wald, gell? :)

    Schöne Funde!

    Die Nr. 7 schaut sehr nach einem der Erlenmilchlinge aus. Die Milch kann, da ziemlich wässrig, recht unauffällig sein.

    An liabn Gruaß

    Werner

  • Hallo Werner,

    schön, da im Bayrischen Wald, gell? :)

    Definitiv ... wobei die Eifel auch schön ist, Beweise folgen demnächst :D


    Die Nr. 7 schaut sehr nach einem der Erlenmilchlinge aus. Die Milch kann, da ziemlich wässrig, recht unauffällig sein.

    Das ist er hundertprotzentig. Habe nun mikroskopiert. Das Teil hat Lactiferen und die entsprechenden Sporen, messe die morgen nochmal aus, gehe aber von Lactarius obscuratus aus. Danke dafür. Aus der APV kam nun auch schon der Hinweis auf den Erlenmilchling. Gemilcht hat der aber in der Tat nicht auffällig.


    Danke auch euch Andreas und Rika

    die Eichen-Rotkappe hat von Anfang an rotbraune Schuppen auf dem Stiel. Vielleicht war ja doch eine Espe im weiteren Umkreis?

    Also die muss dann über 10 Meter weit weg gestanden haben. Das schließt ja eine Mykorrhiza nicht aus. Allerdings habe ich auch entfernt nur Fichten wahrgenommen. Nun ja, so ist das mit den "Babys". Aber wenn die Stimmen hier so zahlreich auch die jungen sicher zuordnen, dann ist leucopodium ja nicht unwahrscheinlich.


    Lutescens kann natürlich auch gut passen. Wäre ein Erstfund für mich.


    LG Sebastian

  • der Spitzgebuckelte Rauhkopf hat lieber rubellus oder früher mal speciosissimus als Nachnamen ;)

    Viele Grüsse

    Matthias

    Da gibt es wohl unterschiedliche Auffassungen. Habe mich auf eine Aussage eines Mykologen bezogen, der mir erklärt hat, dass rubellus ggf. nicht haltbar sein könnte. Als Quelle habe ich jetzt auf die Schnelle selbst nur jenen kurzen Aufsatz von Kibby gefunden, der diese Frage wohl diskutiert. Interessant dort u.a. auch die Gegenüberstellung des Gebrauchs der verschiedenen Namen. Rubellus ist aber in jedem Fall ein gebräuchlicher, verbreiteter Name. Ob da nochmal eine Klärung im Nomenclatur Comittee stattfinden wird?


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian,

    da sollen sich andere den Kopf zerbrechen, orellanoides klingt für mich sehr gewöhnungsbedürftig aber es ändert sich ja überall immer was. Letztendlich wissen wir ja welche Art gemeint ist,

    viele Grüsse

    Matthias

  • P.S.: bei Ludwig in Band IV gibt es unter Cortinarius orellanoides in der Fußnote 2 folgenden Hinweis dazu: "In der neueren Cortinarius-Literatur wird oft der Name C.rubellus Cooke verwendet, ein Pilz von dem erstens kein Holotypus vorhanden ist, der zweitens - wie der Name schon sagt - rötliche Farben hat (das Bild 835 [...] bei Cooke zeigt einen weinrötlichen Pilz von Telamonia-Habitus ohne jeglichen Gelb- oder Orangeton) und der drittens kleine Sporen von 8x6µm besitzt. Diese Namenswahl ist abwegig (siehe auch AZEMA in DM 73 + 87)"


    LG Sebastian