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letzter Beitrag von Da_Schwammalmo am

Frage zum Amanita phalloides (grüner Knollenblätterpilz)

  • Unsere Pferdewiese grenzt an einen Golfplatz der seit mehr als 10 Jahren ein Ökosiegel hat (keine Pflanzenschutzmittel spritzt usw.) und unter den eingestreuten Bäumen sehr pilzreich ist. Heute habe ich dann unmittelbar neben unserer Wiese einige FK des grünen Knollenblätterpilzes entdeckt. Jetzt frage ich mich ob die für Pferde auch so giftig sind wie für den Menschen? Weiß hier jemand etwas darüber?


  • Hallo,


    da das Hauptgift Amanitin die Leberzellen zum Absterben bringt, würde ich für alle Säugetiere von tödlichen Vergiftungen ausgehen.


    Der Mechanismus besteht in der Hemmung der DNA Abhängigen RNA Polymerase II, die so essenziell für die Proteinbiosynthese ist, dass sie bei den Tieren ziemlich gleich aufgebaut sein dürften.


    LG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

    Einmal editiert, zuletzt von Steigerwaldpilzchen ()

  • Hallo Mellalei,


    die Frage wird dir wohl niemand sicher beantworten können. Bisher habe ich noch nie von mit Knollenblätterpilz vergifteten Pferden gehört.


    Menschen und Tiere lassen sich leider auch nicht "einfach so" vergleichen. Kaninchen (Säugetiere) haben beispielsweise kein Problem mit dem Verspeisen von Knollenblätterpilzen.


    PS @Thiemo: Amanitin ist kein Hautgift! ;)

  • Hallo,


    dass auch Schweine Knollenblätterpilze vertragen ist richtig.


    Die Erkenntnis ist ganz einfach nachzuvollziehen. Früher hat man Schweine zur "Eichelmast" in die Laubwälder getrieben, damit sie sich an Eicheln, Bucheckern und sonstigem sattfressen. Da waren sicher auch Knollenblätterpilze dabei, die von den Schweinen aufgenommen wurden.

    Auch die Wildschweine sind "Pilzfeinschmecker", die Knollenblätterpilze verspeisen.

    In den Kriegszeiten hat man Pilze als Viehfutter propagiert und teils mit Erfolg eingesetzt. Da waren auch Knollis dabei.


    Der "Rückschluss", was "Tiere essen können wir Menschen auch", funktioniert allerdings nicht. :)


    Freundliche Grüße

    Peter

  • Ziegen und "Rehe" (im weiteren Ssinne) sollen den Knolli wohl auch vertragen.

    Wissenswert vielleicht auch dabei daß die Ziege zum Beispiel das Gift nach Verzehr weitergeben kann über die Milch.

    Mich würde nicht wundern wenn sich Pferde auch in die Reihe der Tiere einreihen ließen, die wohl, vielleicht aufgrund ihrer Entwicklungsgeschichte in der Natur, den Knolli zu vertragen gelernt haben. Mitunter ist ein Knolli von manch einem Tier gar in medizinischer Absicht gefressen worden. Ich meine, jemand erwähnte so etwas mal im Forum bei Rehen, Hirschen oder dergleichen.

  • Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber ich kann dazu ergänzen, dass auch Kaninchen A. phalloides offenbar in großen Mengen vertragen. Diese Tatsache war vor - zig Jahren sogar Ausgangspunkt einer "Behandlung" des Phalloidessyndroms, in der den Vergifteten ein Brei aus gehackten Kaninchenmägen und -hirnen eingeflößt wurde. Meines Wissens wurde diese "Kur" im "Kleinen Pilzführer" von Pilat erwähnt. Ich kann den O-Text raussuchen, wenn Interesse besteht.


    Beste Grüße, Ralf

  • Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber ich kann dazu ergänzen, dass auch Kaninchen A. phalloides offenbar in großen Mengen vertragen. Diese Tatsache war vor - zig Jahren sogar Ausgangspunkt einer "Behandlung" des Phalloidessyndroms, in der den Vergifteten ein Brei aus gehackten Kaninchenmägen und -hirnen eingeflößt wurde. Meines Wissens wurde diese "Kur" im "Kleinen Pilzführer" von Pilat erwähnt. Ich kann den O-Text raussuchen, wenn Interesse besteht.


    Beste Grüße, Ralf

    Ich würde es mir durchlesen...

  • So denn:


    "Im Jahre 1932 veröffentlichte Limousin eine neue Behandlungsmethode. Der Kranke wird mit einem Brei von frischen, gehackten Kaninchenmagen und -hirnen ernährt. Dieser Brei wird aus drei Kaninchenmagen und sieben Kaninchenhirnen hergestellt. Die Methode beruht auf der Feststellung, dass Kaninchen nach dem Verzehren einer beträchtlichen Menge von Grünen Knollenblätterpilzen nicht eingehen. Durch große Mengeen dieses Pilzes werden jedoch auch Kaninchen vergiftet, Trotzdem aber enthält der Magen des Kaninchens offensichtlich ein Gegengift, das die Wirkung des im Grünen Knollenblätterpilz enthaltenen Giftes herabsetzt. Da jedoch die Kranken leicht erbrechen und dieser Brei an und für sich widerlich ist, bleibt er zumeist nicht lange im Magen des Patienten. Die Ergebnisse dieser Behandlung sind daher nicht besonders erfolgreich."


    Im selben Zusammenhang steht dann noch was zur Behandlung mit Thiooctsäure, die offenbar eine zeitlang state of the art bei der Behandlung des Phalloidinsyndroms war. Heute scheint Sibilinin das Therapeutikum der Wahl zu sein.


    Edit: Das Buch von Pilat heißt nicht "Kleiner Pilzführer", sondern "Pilz-Taschenatlas". Nicht dass ich noch jemanden auf eine falsche Fährte setze.


    Beste Grüße, Ralf

  • Wie kommt man auf das Verhältnis 7:3 und wozu überhaupt sollen die Hirne gut sein? Wenn man 7 Kaninchen um die Ecke bringt, was macht man mit den vier verbliebenen Mägen? Und die wichtigste alle Fragen, könnte man statt dem berühmten Pfälzer Saumagen mit Kastanienfüllung einen Kaninchenmagen mit Knollenblätterpilzfüllung bedenkenlos servieren? Wäre letzterer in Verbindung mit geeigneten Mägen gar auf der Positivliste der DGfM zu führen?


    Fragen über Fragen.

  • Kaninchenmagen und -hirn, richtig zubereitet eine Delikatesse.

    ==Pilz27


    Die Knollis lasse ich lieber weg, auch wenn sie angeblich recht gut schmecken sollen.



    LG Matthias

    95 PC nach APR 2020

    -2 PC für FPPR

    + 5 PC vom Löwengelben Stielporling

    = 98 Pilzchips



    Ohne den Pilz selbst in der Hand gehabt zu haben, ist eine 100%ige Bestimmung nie möglich. Keine Verzehrfreigabe übers Internet. Die gibt es nur beim Pilzsachverständigen/-berater/-kontrolleur vor Ort.

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