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letzter Beitrag von Steigerwaldpilzchen am

Russula sucht Namen

  • Hallo zusammen,


    "Nicht noch eine Täubling" ist hoffentlich nicht die Reaktion auf meine Anfrage, da momentan ja bereits Einige diskutiert werden.

    Dieses Mal habe ich keine konkrete Idee zur Art und würde mir Input erbitten. ==Pilz26

    Nach den Merkmalen fallen mir nur noch GRISEINAE als Möglichkeit ein und da sehe ich nicht nur aufgrund der unklaren Taxonomie, sondern auch aufgrund mangelnder praktischer Erfahrung kein Land.


    01.07.2020

    Ökologie: Friedhofsgelände mit vielen alten Eichen und wenigen Kiefern

    Hut: Durchmesser 6 cm, vorwiegend blass cremefarben mit Mischfarben, bei einigen Exemplaren mit gemischen graulila am Hutrand, Huthaut ~ zu knapp 1/2 des Radius abziehbar, Fleisch unter der Huthaut ungefärbt

    Lamellen: cremefarben, vor dem Stiel bei einigen Exemplaren mit Gabelung, spröde

    Stiel: weiß, zur Basis ockerfleckig

    Fleisch: recht fest, keinesfalls weichlich

    Geruch: typisch schwach obstartig-täublingsartig

    Geschmack: mild

    Sporenpulver: Weiß Creme IIb (MARXMÜLLER)

    Sporen: recht klein 5,5-7 x 5-6,5, mit isolierten, ca. 0,5 Mikrometer hohen, abgerundete Warzen, welche nur selten einzelne Verbinungen haben

    HDS: Ohne inkrustierte Elemente, In SV kaum anfärbbare Zystiden, tönnchenförmige Zellstrukturen vorhanden

    Guajak: negativ (langsame Reaktion in 20 Sekunden)

    Eisen(II)sulfat: zügig ockergelb, am nächsten Tag schmutzig schiefergrau mit ockerton


    Was ich ausschließe:

    R. parazurea: Sporen mit netzartigem Ornament

    R. aeruginea: Violetttöne der Huthaut und fehlende Grüntöne

    R. medullata: Sporenpulver dunkler

    R. sublevispora: Ornament schwächer


    Vielleicht doch R. ionochlora, oder etwas richtig ausgefallenes oder doch keine GRISEINAE?



    Sporen in Melzer x1000(Öl)


    HDS in Leitungswasser x1000 (Öl) (für alle Puristen ;))


    HDS in Kongorot gefärbt x1000(Öl)


    HDS nach Behandlung, nach Karbolfuchsin 10min - 1min HCL 3% waschen - Leitungswasser x1000(Öl)


    In SV habe ich keine Bilder gemacht, weil ich effektiv nichts gesehen habe. Wobei auch kein Ergebis ein Ergebnis ist - ich gelobe Besserung. :)


    Mit Glück gibt's auch noch frische Fruchtkörper am Fundort, falls noch etwas zu erheben wäre.


    LG Thiemo

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  • Hallo Thiemo,


    wenn Du weder Pileozystiden in SV siehst, noch inkrustierte Primordialhyphen in Karbolfuchsin, und dazu noch auffällige perlenkettenartige Huthaut-Elemente, müsstest Du m.E. eigentlich schnurstracks in der Sektion Amoenula landen (mit z.B. violeipes als häufigstem Vertreter).


    Wobei ich nicht weiß, ob Dein SV in Ordnung ist (manche kaufen das fertig gemischt und wundern sich, warum es kaputt ist).

    Auch denke ich, dass vom Karbolfuchsin nach 1 min(!) Waschen in HCl sich auch jede Inkrustation wieder entfärbt hat (ich wasche eher so 2 sek., und dann schnell mit Wasser hinterher).


    Du beschreibst die Sporen als "isoliert" - das kann ich anhand des mitgelieferten Mikrofotos fast nicht glauben. Hier nochmal Dein Bild geschärft und 'rausvergrößert. Auch wenn ein Foto niemals die gleiche Information liefert wie der Blick durch's Mikroskop, sehen die Warzen dort für mich schon sehr gratig verbunden aus.



    Ich hoffe, das hilft Dir.


    Viele Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Thiemo,

    so rein makroskopisch hätte ich zuerst an eine stark ausgeblasste R. vesca (Fleischroter Speisetäubling) gedacht. Die erfrecht sich oft, so auszusehen. Auf deinen Mikrobildern von der Huthaut sind auch gewisse Elemente zu erahnen, die man so von R. vesca kennt. Die Sporen sehen auch, mit Restunsicherheit wegen Darstellungsungenauigkeit, von der Größe und vom Ornament durchaus vesca-mäßig aus.

    Jetzt komme ich aber mit zwei deiner Angaben nicht klar:

    1) du schreibst: Sporenpulver weiß (IIb). Das ist ein Widerspruch in sich. IIb ist nicht weiß, sondern creme. Wenn IIb zutrifft, kann es nicht R. vesca sein. Dann müsste es wohl eine Griseinae sein, aber die Griseinae haben nun mal gut sichtbare, gut anfärbbare, keulige Dermatozystiden. Ohne diese würde man also im Bestimmungs-Nirwana landen.

    2) du schreibst: Eisensulfat ockergelb. Eisensulfat auf einer Täublingsstielrinde macht nie ockergelb, sondern (wenn positiv) schmutzig blassrosa bis lachsorange, oder dann gleich meergrün (bei Heringstäublingen). Wenn dein Eisensulfat wirklich ockergelb macht, ist es wohl kaputt, oder es ist nicht FeSO4, sondern ein anderes Eisensulfat.

    Wie auch immer: R. vesca zeichnet sich durch roßhaarartige Huthautelemente aus (Crins). Die Crins befinden sich nahe der Hutmitte. Zupfe also aus dem inneren Drittel des Hutes etwas Haut raus, betrachte sie in Kongorot und suche nach Crins. Hast du zwei bis drei gefunden, bist du mit der Bestimmung fertig.

    FG

    Oehrling

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  • Hallo,


    erst eimmal danke für euer Feedback.


    Bei der Angabe des Sporenpulvers habe ich wohl geschlampt, da hast du Recht Oerling. Das ist das Problem von Copy&Paste aus alten Beiträgen ;).

    Weiß ist es natürlich nicht sondern cremfarben IIb. Also sicher kein R. vesca. Sry wegen der Verwirrung.


    SV mische ich immer frisch auf dem Objektträger aus Vanillin und 70% Schweelsäure, daran kann es also nicht liegen. Dahe rbin ich heute noch mal losgezogen jund konnte noch einen nicht mumifizierten Fruchtkörper bergen und erneut unter die Linse legen. Siehe da, dieses mal hat die Färbung besser geklappt. Keine Ahnung was da beim ersten Versuch schief gelaufen ist:


    HDS in SV x1000(Öl)




    Sporen in Melzer x1000(Öl)


    Das mit dem EIsensulfat ist komisch. Ich habe die grünlichen Kristalle von Eisen(II)-sulfat Heptahydrat und die funktionieren normalerweise immer wie beabsichtigt. Letztes Jahr auch noch bombig bei R. heterophylla = lachsorange.


    Auch denke ich, dass vom Karbolfuchsin nach 1 min(!) Waschen in HCl sich auch jede Inkrustation wieder entfärbt hat (ich wasche eher so 2 sek., und dann schnell mit Wasser hinterher).

    Das ist interessant, Wolfgang. Die Färbung mit Karbolfuchsin mache ich nach den Angaben in "The Genus Russula in Great Britain" von G. Kibby. Dort steht unmissverständlich "exactly one minute" für die 3% Salzsäure. Zumindest bei R. turci & amethystina hat das geklappt und ich konnte die Inkrustierungen sehen .... Das nächste mal probiere ich auch mal deine Methode.


    LG Thiemo

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    Einmal editiert, zuletzt von Steigerwaldpilzchen () aus folgendem Grund: Anm. Eisensulfat

  • Hallo Thiemo,

    danke für die Klärung der Spp-Farbe. Damit ist R. vesca raus und wir sind tatsächlich eher bei den Griseinae. Jetzt sieht man auch gut die mit SV gefärbten Dermatozystiden, das hattest du ja im ersten Posting auch verneint.

    Wie man in der Sektion Griseinae weiter vorgeht, habe ich in den vergangenen Tagen in anderen Diskussionen oft genug geschrieben, da dürfen jetzt mal andere ran.

    Bezüglich des Entfärbens des Karbolfuchsins in HCl bin ich bei Wolfgang P.: nur wenige Sekunden! Und dann viel Wasser drauf! Bloß weil etwas in einem Buch steht, muss es nicht stimmen. Im Erb/Matheis ist das auch falsch angegeben, wenn ich mich recht erinnere.

    FG

    Oehrling

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  • Hallo,


    beim nächsten Täubling, wo ich Karbolfuchsin brauche wird das getestet. Danke für euren Hinweis!


    Die allgemeinen Tipps zur Bestimmung von Griseinae im Nachbarthread habe ich bereits durchgelesen. Natürlich musst du das nicht noch mal schreiben. Ein paar Griseinae kann ich wegen der tönnchenförmigen Elemente der HDS ausschließen. Aufgrund der deutlichen Gabelung der Lamellen vor dem Stiel wäre R. subterfurcata oder auch R. galochroa denkbar, welche auch ein etwas gratig verbundenes Sporenornament haben dürfen. Marxmüller schreibt zudem bei Beiden von einer ocker-orangegelblichen Eisen(II)sulfat-Reaktion. Allerdings sind diese wohl durchweg selten, daher ist das Ganze mehr wie unsicher. Aber spannend sind die Täublinge doch immer! :)


    LG Thiemo

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  • Marxmüller schreibt zudem bei Beiden von einer ocker-orangegelblichen Eisen(II)sulfat-Reaktion.

    Hoppela! Na das ist doch endlich mal was!

    Unsicher muss da nichts sein, nur weil der Bestimmling angeblich selten ist. Manche Pilze sind nicht so selten wie gedacht, sie werden halt nur selten gefunden oder selten korrekt bestimmt. Laut GPBW Band 2 wurde R. galochroa z. B. in Baden-Württemberg schon ein paar mal gefunden. Wenn das R. galochroa ist, gratuliere ich schon mal zum Fund.

    FG

    Oehrling

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  • Hallo Thiemo,


    ich kenne galochroa nicht, habe aber eben mal von Einhelliger bis Sarnari nachgelesen und mir fällt nichts auf, was gegen diese Bestimmung spricht.


    So einen eher seltenen Fund könnte man molekular absichern - hast Du noch ein Exsikkat?


    Gruß,


    Wolfgang

  • Servus Thiemo,


    an Russula galochroa (s. str.) glaube ich nicht. ich würde den Fund mal mit Russula faustiana vergleichen. So selten ist die übrigens nicht, jedenfalls nicht im bayer. Voralpenland. Das ist Russula galochroa s. Einhellinger. Da passt, finde ich, sehr viel. Das Sporenpulver soll IIc sein, frisch ausgesport auch IIa


    Russula galochroa s.str. hat isolierter warzige Sporen und zeigt gerne bläuliche bis rosaliche Hufarben und hat mit IId deutlich kräftigeres Sporenpulver - passt daher m.E. nicht.


    Russula galochroides ist fast weißhütig und hat teils netzige Sporen - scheint eine mediterrane Art zu sein und fällt damit auch raus.


    Noch kurz als Anmerkung zum Sporenpulver. Man sollte die Farbe des etwas angetrockneten Pulvers nehmen, also ca. 1 Tag nach dem Aussporen. Manchmal tut sich da einiges. Ich hatte eine vermeintliche Russula grisea, wo ein IId bis IIIa passte (frisch ausgesport). Einen Tag später war es dann zu IIb ausgeblasst. Frisch hängt die Farbe manchmal vom Wassergehalt ab. Selbstredend, dass das Sporenpulver unter Lichtabschluss gelagert wird, da die Pigmente auch durch UV-Licht ausblassen können. Hier geht es aber nur im den Faktor Feuchtigkeit. Wenn man Sporenabdrücke längere Zeit lagert, kann sich viel ändern, aber das ist ein anderes Thema ;-)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen,

    So einen eher seltenen Fund könnte man molekular absichern - hast Du noch ein Exsikkat?


    Das ist ein tolles ein Angebot, danke. Ja ich habe ein Exikat von einem weiteren Fruchtkörper. Wenn es möglich wäre würde ich das gerne zuschicken. Da ich so etwas noch nicht gemacht habe wäre eine kurze Anleitung zur idealen Verpackung gut.


    Christoph: Ja das ist mir ausch schon aufgefallen, dass die Farbe des Sporenpulver sich verändert. Die Angabe IIb hier ist vom nächsten Tag nach zusammenschieben und fixieren zwischen zwei Objektträgern.
    Fernab diesen Fundes habe ich auch eine kleine Sporenpulversammlung von verschiedenen, häufigen Russulas angelegt. Da musste ich aber feststellen, dass trotz lichtgeschützer Lagerung die Farben über längere Zeit nicht ganz konstant bleiben.


    Bei R. faustiana stört mich das auschließliche Vorkommen unter Fagus - da waren bei mir sicher keine. Sonst auch ein guter Kandidat.


    LG Thiemo

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