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letzter Beitrag von Bergwald am

Ende Gelände

  • Hallo Pilzfreunde,


    letztens war ich mal wieder im ehemaligen Kalksteinbruch Birzberg. Vor Ort hat mich praktisch der Schlag getroffen. Alles kahl. Auf dem fast freien Gelände standen überall junge Birken, Espen, Kiefern und andere Bäume, deren Art ich nicht zu nennen vermag. Das wäre dann auch das Aus für die Mykorrhizapilze. All die sonst nirgendwo von mir gefundenen Fälblinge, Schleierlinge, Ritterlinge und unbekannten ..... und tschüß! Mir war's ehrlich gesagt nicht mal wert, die Kamera auszupacken. Für solch ein Drama reicht auch das Smartphone. Ich wollte einfach nur noch von da weg.



    Auf dieser freien Fläche standen junge Birken, Kiefern und Buchen. Bäume stehen jetzt nur noch dort, wo der Wald beginnt.


    Der Grünschnitt wurde fein säuberlich am Rand der Fläche gelagert.


    Auch im eigentlichen Steinbruch steht nur noch eine Bauminsel - noch! Leider habe ich kein Vorher-Nachher-Bild. Dann wäre das Ausmaß besser sichtbar.


    Auch knapp 200 Meter weiter das Gleiche. Alles was nicht Birke heißt, ist weg. Und von denen stehen nur noch einige ältere Bäume und eine große Kiefer.


    Blabla, blubber, ein Schild das lediglich sein Gewicht an Blech wert ist. Was zum Geier soll da geschützt werden? Die Bäume, die weg sind? Die kleinen Tierchen wie Bilche, die sich nicht mehr hinaus trauen, weil ihnen die Deckung fehlt? Oder die seltenen Pilzarten? Aber wen interessieren Pilze, die gibt's ja im Supermarkt. Vielleicht trage ich auch ein bißchen dick auf, ich würde es nur gerne verstehen.

  • hallo wühlmull,
    sieht im ersten moment ja wirklich mal traurig aus. gibt es für das gebiet eine spezielle widmung bzw einen plan was in zukunft mit diesem areal geschehen soll? auch wenn`s momentan weh tut aber für gewisse arten kann auch eine solch kahle landschaft überlebensnotwendig sein.
    wird das gebiet wieder sich selbst überlassen schreitet die verwaldung ohnehin schnell voran. wie gesagt für`s erste schaut es mal blöd aus-und ich wär auch sicher sauer- dennoch glaube ich gewisse arten können davon provitieren. hier in ö gibt es (glaube ich) förderungen für das "schwenden" also freischneiden von nicht mehr aktiven almflächen um eine verwaldung zu verhindern und den "artenmix" auf den almwiesen zu erhalten.
    lg joe

  • Ich versuche Deinem verstehen zu helfen.


    Hier haben wir es ausnahmsweise mal nicht mit Naturvandalismus zu tun, sondern offensichtlich mit einer sehr notwendigen Maßnahme. Solche Flächen müssen offen gehalten werden, damit sich dort eine sehr spezielle Biodiversität erhalten kann. Leider verbuschen solche Flächen immer, wenn keine Hand angelegt wird. Und das ist das Aus für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.


    Ich kann natürlich verstehen, wenn das für Dich auf den ersten Blick eine Katastrophe zu sein scheint, aber ich bin sehr sicher, dass dort viele der von Dir geschätzten Arten eben nicht verschwinden und andere, ebenfalls seltene, erscheinen oder vermehrt auftreten.

  • Hallo, Holger!


    Das klingt jetzt zwar erstmal bescheuert, aber: Ich finde, das wurde hier sogar sehr gewissenhaft und gut gemacht.
    Tatsächlich wurde der Schnitt nicht einfach auf der freien Fläche liegen gelassen, zudem sond dort keine tziefen Baggerspuren oder ähnliches zu sehen. Es wurde also einigermaßen schonend gearbeitet.


    Natürlich hat alles immer zwei Seiten. Die Schaffung und Pflege von Freiflächen, Trockenrasen, offenen Sandgruben oder Dünen geht auf Kosten der Wälder und Inseln mit Pioniergehölzen. Ideal wäre es natürlich, wenn zumindest in den Randbereichen dieses Gebietes Bestände von Gebüschen und Bäumchen erhalten blieben.
    Das Problem ist: Soclhe offenen Flächen werden in Deutschland immer seltener. Oder wurden. Mittlerweile gibt es schon ein Bewusstsein, daß auch solche baumfreien, mageren Flächen auf Dünen, in Steinbrüchen und Gruben usw. ziemlich einzigartige Biotope mit einer ganz eigenen Flora, Fauna und Funga sind.


    Wenn das gebiet offen gehalten wird (zB durch Beweidung), wirst du da in den kommenden Jahren sicher ziemlich spannende Pilze finden, die in einem von Gebüsch und kleinen Bäumchen geprägten Areal nicht den Hauch einer Chance hätten. Darunter Becherlinge, Stielboviste, Erdsterne, Rötlinge, Saftlinge, Keulchen, Nabelinge und allerhand solches Zeug, das nur und ausschließlich in solchen extremen Habitaten überleben kann.
    Da geht das eiine natürlich immer auf Kosten des anderen. Vor einigen tausend Jahren gab es ja auch immer wieder einen Wechsel: Waldgebiete wurden da nicht durch Menschen gerodet, sondern durch Erdrutsche, Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände. Die dadurch entstandenen Flächen wurden eben von diesen Spezialisten besiedelt. Waldbränden und Überschwemmungen wurde erfolgreich der Kampf angesagt, die allermeisten offenen Flächen sind intensiv genutzt und durch Überdüngung / Stickstoffeintrag nahezu tot.


    Es ist also auf den ersten Anblick zwar ein Schock, so etwas wie hier zu sehen, aber es bietet Optionen für Organismen, die sonst einen sehr schweren Stand hätten.



    LG, pablo.

  • Hallo Holger,


    hier eine Liste der NSG im Saarland https://de.wikipedia.org/wiki/…schutzgebiete_im_Saarland


    Das betreffende NSG ist aufgeführt, in der Spalte "Kennung" kommst Du weiter und kannst Dir die NSG-Verordnung als PDF runterladen. In der Verordnung ist auch der Schutzzweck aufgeführt. In aller Regel wird auf dort vorkommende Raritäten nicht explizit, sondern mehr in allgemeiner Auflistung eingegangen. Auch das dient dem Schutz! Es gibt z.B. "Orchideenliebhaber", die haben seltenen Orchideen so gerne, daß sie diese ausgraben und mitnehmen.


    Ganz ohne Wertung (die mir auch nach Betrachtung der Bilder und Lesen der Schutzverordnung nicht möglich ist): vielleicht findest Du in der PDF etwas, das Dein Verständnis für derartige Pflegemaßnahmen erhöht.



    Herzliche Grüße


    Feinschmecker

  • Hallo ihr, erst mal danke für die Antworten, im Schlechten auch das Gute zu sehen ist ganz ehrlich keine meiner Stärken. Ich steigere mich da immer gerne vorschnell in etwas rein, bin eben ausgelernter Pessimist. Ich kenne dieses Gebiet erst seit 2008, wahrscheinlich geht das schon seit Jahrzehnten so. Jetzt bin ich allerdings im Begriff, die Sachlage mit etwas anderen Augen zu betrachten. Spätestens wenn dort Mitte/Ende Mai die "Orchideenhölle" ausbricht, gibt's wieder edelstes Fotofutter und alles ist wieder gut. Die Orchideenwiese ist hier recht bekannt und ein beliebes Fotomotiv. Mittlerweile begreifen es die Leute auch, daß ausbuddeln und mitnehmen nicht nur aus gutem Grund verboten, sondern auch völlig sinnlos ist. Mal sehen, wie sich die Saftlinge hier weiter entwickeln. Die Bäume dürften denen eh ziemlich egal sein. Spuren von schwerem Gerät sieht man hier öfter, aber nur bis ziemlich genau vor das NSG-Schild, keinen Meter weiter.


    Rein optisch hat das Gebiet auf jeden Fall an Charakter verloren, alles andere wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Das muß ich erst mal verdauen.

  • Hallo Holger,
    leider ist es in der überwiegenden Zahl der Fälle tatsächlich so, dass Natur schlichtweg vernichtet -man kann es anders nicht nennen- wird. Hier liegt eine Ausnahme vor. Gott sei Dank und über so etwas freue ich mich dann sehr. Aber wie gesagt, man muss kein Pessimist sein, um zu sehen, wie sonst mit der Natur umgegangen wird.
    Da es erfreulicherweise auch Ausnahmen gibt, versuche ich inzwischen, mich bei sowas erstmal schlau zu machen, was da genau vorging.
    VG.
    Thomas

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