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letzter Beitrag von ingosixecho am

5 Arten zu bestimmen (Hausaufgaben die ich allein nicht ganz schaffe)

  • Guten Abend zusammen,


    ich möchte wenige Funde von gestern zeigen, die ich versucht zu bestimmen habe. Alle Arten wuchsen auf Boden. Die Bestimmung ist mir leider nur im Fall #5 (hoffentlich) gelungen. Mir fehlt da die Erfahrung. Auch die Geruchsbeschreibung ist meist sehr laienhaft, aber ich lerne gerne dazu.
    Ich werde diese Pilze definitiv nicht essen. Alle Exemplare liegen noch etwas angetrocknet auf dem Balkon, d.h. ich kann noch einige Merkmale nachprüfen.
    Vielleicht erkennt ihr die Arten oder zumindest die Gattung, das wäre hilfreich für mich. Für Tipps und Hinweise zur Bestimmung bin ich immer dankbar. Für Kritik auch.


    1) Diesen Pilz habe ich zuerst von oben für ein Butterpilz gehalten und war überrascht als ich ihn as dem Boden herausgedreht habe.
    Fundort: Mischwald mit Kiefern und Birken
    Geruch: mehlig, wie ein Maipilz.
    Sporenpulver: hat nichts abgegeben.


    2) Im Wald dachte ich dass es ein Körnchenschirmling ist, aber das ist wohl was anderes weil die Lamellen bei Körnchenschirmlingen breit angewachsen sein sollen.
    Fundort: bunter Mischwald. Kiefer, Birken, aber auch zahlreiche andere Arten.
    Geruch: etwas nach Gas, so in die Richtung Kartoffelbovist.
    Sporenpulver: hell, weißlich


    3) Ich habe gehofft dass es Brauner Rasling ist, aber die Lamellen scheinen ausgebuchtet angewachsen zu sein. Auch der Geruch passt nicht. Kann das vielleicht ein Risspilz oder ein Ritterling sein?
    Fundort: Wiesen auf einem Friedhof mit verschiedenen Laubbäumen.
    Geruch: stark ausgeprägt, kann ich leider schlecht beschreiben.
    Sporenpulver: hell, weißlich.


    4) Hier habe ich leider keine Idee. Der Hut ist sehr schön halbkugelig.
    Fundort: Mischwald mit Kiefern und Birken
    Geruch: mild pilzig
    Sporenpulver: hell bräunlich, wie der Hut


    5) Erd-Ritterling (Tricholoma terreum)?
    Fundort: Wiesen auf einem Friedhof, mit allen möglichen Baumarten rumherum
    Geruch: mild pilzig
    Sporenpulver: weiß


    Danke im Voraus

  • Hi,


    1. ist der Weißbraune Ritterling Tricholoma albobrunneum; in einigen Pilzbüchern ist der Pilz (aus meiner Sicht fälschlicherweise) unter Tr. stans zu finden.


    2. eine Lepiota; wahrscheinlich der Stinkschirmling oder eine nahe verwandte Art. Mit ist die Huthaut zu grobschuppig, um den als Stinkschirmling per Foto durchzuwinken.


    3. Brauner Rasling passt doch super. :)


    4. Ein Schleierling oder ein Fälbling


    5. Mit einem aus der Erdritterlingsgruppe liegst du richtig. Welcher nun genau, könnte schwierig werden. War da eine Kiefer am Fundort. Wenn ja, wäre Tr. terreum sehr wahrscheinlich; wenn nein, wirds kompliziert. :freebsd:


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Alexander,


    ich geb mal meine Gedanken preis, in welcher Richtung du weiter suchen könntest:


    Pilz 1 würde ich bei den Ritterlingen suchen. Schau mal, ob du den typischen "Burggraben" sehen kannst.


    Pilz 2 suche bei den Schirmlingen, da gibt es einen, der ziemlich stinkt.... ;)


    Pilz 3 sehe ich den Braunen Büschelrasling und wüsste jetzt nichts, was anderes in Frage käme :hmmm:


    Pilz 4 könntest du bei den Fälblingen finden.


    Pilz 5 sehe ich wie du.



    liebe Grüße und viel Spaß beim weiter vergleichen :):alright:
    Melanie


    ach menno, der Stefan war mal wieder schneller :nana: und hat meine Hinweise zum selber weitersuchen sogar schon konkret gemacht. :haue::freebsd:

    "In den Wäldern sind Dinge,
    über die nachzudenken,
    man jahrelang im Moos liegen könnte."

    -Franz Kafka-
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    Keine Verzehrfreigabe im Internet! Hier, PSV-Liste, findest du deinen nächsten Pilzsachverständigen

    Einmal editiert, zuletzt von melanieoderimmer ()

  • Hallo, Alex!


    Beim ersten bist du in die typische Butterpilz - Falle getappt. ;)
    Die Spuren sehe ich hier in den keifernwäldern immer wieder: Die Sammler dachten, sie hätten einen Butterpilz vor sich, ab damit, und dann sehen sie die Lamellen und lassen ihn liegen. Mit etwas Erfahrung erkennst du die bald auch schon von oben und brauchst sie gar nicht mehr umzudrehen. Die Hüte sind etwas trockener (nie schleimig) als beim Butterpilz, die Farben vielleicht eine Nuance anders und die Hutform nicht ganz gleich.
    Du hast da Tricholoma albobrunneum (Weißbrauner Ritterling) eingesammelt. Gibt noch ein paar andere braune Ritterlingsarten hier in der Gegend, aber das ist zusammen mit dem Feinschuppigen (Tricholoma imbricatum) die Häufigste.


    Der zweite ist einer der (oft extrem giftigen) kleinen Schirmlinge. Sieht mir in dem Fall schon nach Lepiota castanea (Kastanienbrauner Schirmling) aus, das wäre so eine fies giftige art.


    3 ist trotzdem Lyophyllum decastes. Da kommt nichts anderes bei raus. Achte auch auf das feste, biegsame Fleisch.


    4: Ein Fälbling, aber da kann ich nicht sagen, welcher das sein soll, wenn kein rettichgeruch im Anschnitt.


    5: :alright:



    LG; Pablo.

  • Hallo!


    zu den Ritterlingen gebe ich mal meine Einschätzung ab.


    Nur 1 ist ein brauner Ritterling mit schwarzfaserigem Hut.. Kiefer als Partner und die geringe Größe? passen gut zu T. albobrunneum
    Bei diesen Arten gibt es immer viel Unklarheit.. aber so kannst du sie denke ich grob ansprechen.


    Nr 5 ist m.E. T. terreum


    VG
    Konrad


  • Die Hüte sind etwas trockener (nie schleimig) als beim Butterpilz, die Farben vielleicht eine Nuance anders und die Hutform nicht ganz gleich.
    Du hast da Tricholoma albobrunneum (Weißbrauner Ritterling) eingesammelt. Gibt noch ein paar andere braune Ritterlingsarten hier in der Gegend, aber das ist zusammen mit dem Feinschuppigen (Tricholoma imbricatum) die Häufigste.


    :freebsd: :giggle: Ich an deiner Stelle würde das mal relativieren. Das gilt nur so lange bis Alex mal Tr. pessundatum findet. Der ist sehr wohl schleimig; der echte T. stans klebrig schmierig. Übrigens wenn Tr. albobrunneum richtig nass ist, dann ist der auch schleimig. :cool:


    Ich wollte das mal fürs Protokoll korrigieren.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Stefan, Melanie, Pablo, Konrad,


    Danke und... ihr seid einfach Klasse! Wirklich - in 20 Minuten so viele hilfreiche Antworten, einfach super!


    Bei #3 bin ich etwas verwirrt. 123pilze sagt - Zitat: Lamellen: Weißlich, breit angewachsen oder etwas herablaufend, teils vorher gebuckelt. . Wikipedia sagt da was anderes. Der Geruch ist auch viel intensiver als "leicht mehlartig". Ich habe sogar mit Risspilzen verglichen die "spermatisch" riechen sollen - aber nichts passendes gefunden.

  • Hallo,


    sagen wir mal so. Dieses extrem rasige Wachstum ist eigentlich Bestimmungsmerkmal genug. (das kommt in keiner anderen Gattung mit Ritterlingshabitus so stark vor) Hinzu kommt noch, dass vom braunen Rasling mehrere Varietäten beschrieben wurden, bzw. die Art recht variabel ist. Gerüche können sich btw auch mal aufgrund von Witterungseinflüssen verändern.


    Im Endeffekt sind das alles Erfahrungswerte, die wir hier einbringen. Wenn du den oft genug gefunden hat, kannst du das locker selber einschätzen, ob du nun den Braunen vor dir hast oder nicht.


    Noch ein Wort zu Risspilzen; nur ungefähr die Hälfte-2/3 riecht spermatisch.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.


  • 5. Mit einem aus der Erdritterlingsgruppe liegst du richtig. Welcher nun genau, könnte schwierig werden. War da eine Kiefer am Fundort. Wenn ja, wäre Tr. terreum sehr wahrscheinlich; wenn nein, wirds kompliziert. :freebsd:


    Da muss ich demnächst wieder mal vorbeischauen und nach Kiefer suchen.

  • Moin.



    Die Hüte sind etwas trockener (nie schleimig) als beim Butterpilz, die Farben vielleicht eine Nuance anders und die Hutform nicht ganz gleich.
    Du hast da Tricholoma albobrunneum (Weißbrauner Ritterling) eingesammelt. Gibt noch ein paar andere braune Ritterlingsarten hier in der Gegend, aber das ist zusammen mit dem Feinschuppigen (Tricholoma imbricatum) die Häufigste.


    :freebsd: :giggle: Ich an deiner Stelle würde das mal relativieren.


    Nö, wieso?
    Da ist die rede von Tricholoma albobrunneum. Und der wird nicht schleimig. Wenn du einen Eimer Wasser rüberschüttest, wird er bestenfalls etwas schmierig. Wenn du eine Tricholoma albobrunneum mit schleimniger Hutoberfläche findest, dann solltest du eher nach einem anderen Namen ausschau halten. ;)
    Tricholoma stans und Tricholoma pessundatum habe ich ja nicht erwähnt. Ebenso wenig wie Tricholoma populinum und Tricholoma spec.
    Immerhin kommen stans, populinum und spec. hier im gebiet vor, aber einen richtig schleimigen Hut kenne ich (auch nur bei Regen oder nach nass machen) nur von T. pessundatum. T. stans wird schon gut schmierig, aber das ist auch noch lange nicht mit einem Butterpilz zu vergleichen.



    LG; Pablo.


  • Da ist die rede von Tricholoma albobrunneum. Und der wird nicht schleimig. Wenn du einen Eimer Wasser rüberschüttest, wird er bestenfalls etwas schmierig. Wenn du eine Tricholoma albobrunneum mit schleimniger Hutoberfläche findest, dann solltest du eher nach einem anderen Namen ausschau halten. ;)
    Tricholoma stans und Tricholoma pessundatum habe ich ja nicht erwähnt. Ebenso wenig wie Tricholoma populinum und Tricholoma spec.
    Immerhin kommen stans, populinum und spec. hier im gebiet vor...


    :D

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • [quote pid='339327' dateline='1476902527']
    1) Diesen Pilz habe ich zuerst von oben für ein Butterpilz gehalten und war überrascht als ich ihn as dem Boden herausgedreht habe.
    Fundort: Mischwald mit Kiefern und Birken
    Geruch: mehlig, wie ein Maipilz.
    Sporenpulver: hat nichts abgegeben.
    [/quote]


    Hallo Alex,


    ich stürze mich mal nur auf Nummer 1. Dieser Fund ist nun schon etwas besonders. Hast du mal eine Geschmacksprobe genommen?
    Meiner Meinung nach handelt es sich bei dieser Kollektion um den "Echten" T. albobrunneum nach Persoon gem. Erstbeschreibung.
    Für T. albobrunneum nach MHK sind diese Pilze viel zu groß. Man erkennt das schön im Vergleich mit der Münze.
    Ausserdem sind die Hutränder bei den jungen Exemplaren noch schön eingerollt. Gerippte Hutränder sollten bei diesen auch nicht vorkommen.


    Konrad, Pablo, Stefan und Stephan


    Vergleicht bitte mal die Gegenüberstellung der drei verschiedenen Sippen - Ihr kennt ja den Tintlingsbeitrag von 2014.


    Gruß Ingo

  • Hallo, Ingo!


    Du meinst das sind in der Tat zwei Arten?
    Eine ss. orig und eine ss. Heilmann - Clausen?
    Das wäre mal interessant. Allerdings: So wie die hier stehen, ist die Größe einigermaßen variabel (ist ja meine Ecke, ich kenne hier etliche Fundstellen dieser T. albobrunneum).
    Andererseits...
    Wenn da nun eine Pappel dabei stand...
    Da hatte ich nämlich auch schon meine Probleme, denn um eine Pappel rum (um die auch Kiefern rum standen), gibt es auch solche ziemlich seltsamen Pilze, die sich gar nciht so recht einer der beiden Arten zuordnen lassen wollen...



    LG, Pablo.


  • Hi Pablo,


    mittlerweile gibt es zum Thema weiter führende Arbeiten als bei Heilmann-Clausen. Auch wenn die Ergebnisse nur in einem "bescheidenen" Heftchen im A5 Format veröffentlicht wurden. Im Augustheft 2016 habe ich einen Schlüssel veröffentlicht, der gut 90% der hiesigen Funde erklären sollte.


    Gruß Ingo

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