Hallo,
ich habe mit großem Interesse die zahlreichen Beiträge hier gelesen. Viele Meinungen, viele Hinweise und Gedanken.
Es wurde hier auch eine Sache angesprochen, das z. B. ein PSV-Prüfling Pilze vorgelegt bekommt, welche er in seinen heimatlichen Wäldern u. U. nicht findet und dann eben Schwierigkeiten bei der Bestimmung hatte. Ich nehme meine Heimat als Beispiel. In "meinen" Wäldern dominiert klar saurer Boden. Folglich gibt es eben nur bestimmte Pilzarten zu finden. Wälder mit Kalkboden sind sehr rar.
Weiter oben wurde beschrieben, dass ein Prüfling Schwierigkeiten mit dem WuBi, Caloboletus radicans, hatte. Das ist nachvollziehbar, wenn er aus einem Gebiet, wie dem meinigen kommt und den Pilz bei sich zu Hause eben einfach nicht findet, während in anderen Gegenden dieser Pilz Massenware ist.
Ich habe das Glück, in der Nähe eine Parkanlage zu haben, welche teilweise kalkhaltigen Boden besitzt, und wo ich u. a. auch Caloboletus radicans finden kann. Ich wüsste jetzt auch nicht, wo er in weitem Umkreis sonst noch zu finden wäre. Selbst der Pantherpilz, Amanita pantherina, ist hier bei mir selten. Nicht umsonst heißt er in manchen Gegenden auch „Sachsentot“. (OK, in diesem Jahr war er im Vogtland deutlich vertreten, deswegen auch so einige Vergiftungsfälle damit) In besagter Parkanlage wuchs er dieses Jahr in Unmengen, teilweise direkt vermischt mit dem Perlpilz, Amanita rubescens. Eine sehr gefährliche Situation, da dieser Park viele Besucher und Pilzsammler hat!
Ich konnte dieses Jahr A. pantherina in allen möglichen Stadien kennenlernen und auch photodokumentieren. U. a. fand ich auch Exemplare mit Abdrücken der Lamellenschneiden an der Manschette. Das das ausnahmsweise vorkommt ist dokumentiert – ich konnte es selbst sehen.
Einen Grünen Knollenblätterpilz, Amanita phalloides, habe ich hier vor der Haustüre in fast 50 Jahren, in denen ich "in die Pilze gehe", noch nicht gefunden. Es gibt jedoch einige wenige kartierte Funde in meiner Umgebung.
Aber zurück zum PSV. Ich habe dieses Jahr auf dem Plan, vermehrt Habitate mit Kalkboden zu besuchen, allein um mein Pilz-Wissen zu erweitern. Ich möchte Pilze nach Möglichkeit selbst finden und in möglichst vielen Entwicklungsstadien kennenlernen, was ich als wichtig betrachte. Das das allein wegen der Entfernung und den klimatischen Bedingungen, sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht nicht einfach ist, ist mir klar. Wenn ich jedoch meine Artkenntnis erweitern will, bleibt mir nichts anderes übrig. Des weiteren habe ich mich für 2023 erneut zu div. Lehrgängen, welche von Mykologen geleitet werden, angemeldet. Hoffentlich gibt es zu besagten Zeiten auch Pilze... Das Jahr 2022 hat es uns deutlich gezeigt.
Um in flächenmäßig größere Wälder mit Kalkboden zu gelangen, muss ich schon recht weit fahren; mehr als 1 Stunde Fahrtzeit. Wenn ich z. B. einen Riesen-Rötling, Entoloma sinuatum, sehen möchte, so muss ich auch weit fahren. Hier vor Ort habe ich noch keinen gesehen. Mir wurde von Wäldern bei Jena berichtet (dort gibt es Muschelkalk), wo es dieses Jahr solche Mengen an E. sinuatum gegeben hat, dass der ganze Waldboden voll war.
Im neuen Jahr möchte/muss ich mich auch auf Großpilze beschränken und den ganzen "Kleinkram" etc. vorerst außer Betracht lassen.
Zum Thema PSV und Umgang mit Menschen denke ich, das ist ein nicht unwichtiger Punkt. Hier hat der PSV sicher auch die Aufgabe, nicht nur die Pilze im Korb zu sortieren, sondern dem Ratsuchenden, soweit es im Rahmen dieser Beratung möglich ist, Wissen zu vermitteln. Mir fällt es z. B. sehr leicht zu dozieren, bzw. kann ich frei Sprechen. Ebenso finde ich schnell den Draht zu Fremden. Aber jeder Mensch ist eben anders, aber deswegen natürlich nicht schlechter.
Ein Beispiel: ich war im oben besagten Park mit Stativ & Kamera unterwegs, um Pilze zu knipsen. Zu dieser Zeit gab es im Park u. a. div. Rotfußröhrlinge. Mich sprach eine Rentnerin an, ob ich mich mit Pilzen auskenne. Was sollte ich antworten? PSV bin ich nicht. Im Vergleich zu ihr war das wohl so, ich ahnte außerdem auf was die Frage hinauslief, also sagte ich Ja. Mir wurde eine oben zugehaltene, innen mit Feuchtigkeit beschlagene Hundekottüte voller, meist alter, Rotfußröhrlinge vorgehalten. Es waren zu diesem Zeitpunkt 26 °C. Was tun? Ich habe mir die Zeit genommen und ihr nach besten Gewissen erklärt, warum sie am besten die gesamte Tüte entsorgen sollte. Das ist nicht einfach, weil sich die Dame ja gefreut hat, auch Pilze gefunden zu haben. Und hier habe ich gemerkt, dass die Leute es einfach nicht besser wissen; aber dankbar für Erklärungen sind. Sie meinte, sie hat andere mit Pilzen gesehen, selbst welche gefunden, jedoch nichts zum Transportieren mitgehabt. Also hat sie aus dem Hundekottütenspender, welche im Park überall stehen, eine Tüte gezogen. Für mich war nur erschreckend, dass die Dame den Brei in der Tüte wirklich zubereiten und essen wollte...
Ich so einer Situation konnte ich nicht anders handeln und ich bin sicher, jeder von euch hätte es mir identisch auch so getan.
Das die PSV-Prüfer bemüht sind, den Umgang mit dem Ratsuchenden im Rahmen der praktischen Prüfung mit zu berücksichtigen, halte ich für wichtig.
Ich bin mir auch sicher, dass die Prüfer auch nur normale Menschen mit Schwächen und Eigenarten sind – so wie wir sie ausnahmslos alle auch besitzen. Die PSV-Prüfer wissen aus eigener Erfahrung, in welcher Stresssituation sich der Prüfling befindet – jeder von ihnen hat selbst genügend Prüfungen hinter sich. Jeder Prüfling ist bei einer Prüfung aufgeregt; ist bemüht, ja keinen Fehler zu machen, nichts zu übersehen, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel zu reden, etc. Oder auch die Situation, das, wenn der Prüfling beim ersten Blick auf die ihm vorgelegten Pilze erkennt, dass er ein oder zwei Pilze nicht kennt. Ich weiß auch von PSVs, dass die Prüfer während der deren Prüfung das erkennen und gegebenenfalls den Prüfling auch „unterstützen"; was auch gut so ist.
Das ein PSV kein Mykologe sein muss, da denke ich, sind wir uns einig. Ich kenne auch PSV die kein Mikroskop haben; brauchen sie als PSV auch nicht. Ein PSV ist m. M. nach auch ein großer Pilzfreund, sonst hätte er die Prüfung als PSV sicher nicht abgelegt. Und als solcher bleibt das Wissen doch nie auf einem Stand stehen, oder? Ich kann mir nicht denken, das sich ein PSV nach bestandener Prüfung nicht weiterentwickelt.
Ich bin mir sicher, dass jeder PSV grundsätzlich nur Pilze freigibt, welche er zu 100% identifiziert und erkannt hat. Das dies jemand anders handhabt, kann ich mir nicht vorstellen.
Ich persönlich hätte dem Ratsuchenden gegenüber auch kein Problem zuzugeben, das ich den vorgelegten Pilz nicht kenne. Es ist klar, wenn dies bei 50 % der vorgelegten Arten passiert, das der Ratsuchende sich seinen Teil denkt… Und Mundpropaganda, gerade in ländlichen Gegenden ist nicht zu unterschätzen. Ich würde das Nichtkennen entsprechend begründen und ihn fragen, ob ich diesen Pilz behalten dürfte, um weitere Nachforschungen anstellen zu können.
Und jetzt mal ehrlich, wer hatte nicht schon einmal einen noch sehr kleinen Wulstling in der Hand, welcher gerade einmal aus dem Boden schaut, und musste schon verdammt genau hinsehen – und es kamen Zweifel auf, was man nun in der Hand hält. Auch, weil es keine adulten Pilze rundum gab. Wenn ich in der Situation wäre, dass so etwas im Korb liegt, und ich den geringsten Zweifel an der Art hätte – ich würde diesen Pilz 100%ig aussortieren und das Vorgehen auch begründen.
Abschließend möchte nochmals allen danken, welche hier im Thread ihre Gedanken und Meinungen geäußert haben – ihr habt damit sicher nicht nur mir geholfen!
Viele Grüße,
Steffen