Beiträge von Clavaria

    Hallo Helmut


    Oha, spannend. Ja, das geht wohl nur mit Sequenzierung.


    I. subhirsutum kann aber auch schlankere Sporen haben, siehe hier: Risspilze 28.08.2024

    Die Kollektion ist sequenziert.


    Rein makroskopisch scheint dein Pilz aber was anderes zu sein.

    Naja, schwierig, wenn es nur einen Fruchtkörper gibt.

    Oder eben, dieser Komplex wäre noch aufzuteilen in mindestens zwei Arten, die sich auch makroskopisch unterscheiden.


    LG Raphael

    Hallo Helmut


    Schön, dass sich auch sonst jemand die blaufüssigen Risspilze anschaut! Alles in allem bin ich bei dir, und halte das auch für praetermissum.


    Man muss aber aufpassen. I. gracilentum kann auch fast so schlanke Sporen haben. Siehe hier : Risspilze...


    Da ist ziemlich weit unten eine Kollektion, die ich für praetermissum hielt. Die Sequenz ergab aber gracilentum.


    I. praetermissum ist immer etwas kräftiger im Habitus, hier zum Beispiel:

    Und die Sporen sind im Schnitt schmaler, der Q-Wert scheint hier weniger verlässlich zu sein.


    Lg Raphael

    Hallo Helmut


    Hier ein sequenzierter C. saniosopygmaeus zum Vergleich:




    Sporenmasse (je 20 Sporen gemessen):

    C. cf. saniosus oben: 7.4-8.2-8.9 x 5.0-5.7-6.5 µm, Q = 1.28-1.45-1.56

    C. saniosopygmaeus: 8.1-8.9-10.2 x 5.4-5.8-6.3 µm, Q = 1.44-1.54-1.70


    Damit sind die Sporen von meinem saniosopygmaeus deutlich schmaler als bei Armada (dort 6.5-7.0 µm), genau wie du es offenbar beobachtet hast.

    Und umgekehrt hat mein saniosus (wenn es denn einer ist) etwas breitere Sporen als in der FAN8 (dort 5.1-5.5 µm im Schnitt)


    Fazit: Anhand der Sporen scheint die Unterscheidung nicht immer möglich zu sein.

    Ob es andere brauchbare Merkmale gibt, ist noch offen, dazu fehlt es noch an Erfahrung.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Die letzten Tage war ich noch zweimal in den Bergen. Die Ergebnisse sind mal wieder Inocybe-lastig, weshalb auch hier wieder Ditte hilfreich wäre.


    Die folgenden stammen aus der Gegend um den Col des Gentianes, ein Kalkgebiet zwischen 2450 und 2700m, bei Salix retusa, herbacea und reticulata.


    1:

    Ein hübscher Schleierling mit gelbem Velum, was im Foto schlecht zur Geltung kommt. Da gibt es alpin nur wenig Auswahl.

    Vermutlich ist es der "stinknormale" Cortinarius saniosus.

    Allerdings ist die Unterscheidung von C. subsaniosus und C. saniosopygmaeus schwierig, geht also in die Sequenzierung.


    Im Schnittbild sieht man die Farben besser.


    Sporen grobwarzig und schwach dextrinoid.



    2:

    Ein büschelig wachsender Rötling, den ich nicht bestimmen konnte.


    Sporen subisodiametrisch mit recht deutlichen Ecken.


    Lamellentrama aus recht kurzen Elementen. Basidien 4-sporig, mit Schnallen. Keine Zystiden.


    HDS ähnlich wie bei subgen. Cyanula mit rein intrazellulärem Pigment, Übergang zu einem Trichoderm.


    Schnallen gibt es überall, hier im Huttrama.


    Keine Ahnung was das ist - ich warte mal auf Fungi europaei 5C.



    3:

    Ein Risspilz aus der lacera-Gruppe. Vielleicht ist es einfach Inocybe helobia.

    Allerdings passt mir das makroskopische Erscheinungsbild und die Zystidenform nicht.


    Sporen deutlich laceroid-wellig, 11.0-12.7-15.2 x 5.9-6.5-7.6 µm, Q = 1.66-1.95-2.38


    Cheilozystiden auffallend oft papilliert, 39-68 x 15-29 µm


    Pleurozystiden ähnlich


    Kaulozystiden nur am obersten Apex vorhanden.



    4:

    Eine recht dunkle Mallocybe.


    Wiedermal mit gelbem Fleisch in der Stielbasis. Damit kommt man wieder auf substraminipes. Ich würde aber wetten, dass sie es nicht ist.


    Sporen: 7.9-9.1-10.2 µm x 4.8-5.3-6.2 µm, Q = 1.51-1.71-1.92


    Cheilozystiden spärlich und schwer zu finden, keulig, 15-25 x 6-11 µm.



    5:

    EIne kleine Telamonia zwischen Salix herbacea. Vielleicht Cortinarius inops? Vermutlich nicht, aber ich finde nichts besseres.


    Sporen deutlich warzig, 7.6-8.6-10.3 x 4.9-5.4-6.5 µm, Q = 1.44-1.60-1.80, nicht dextrinoid.


    Marginalzellen auffällig und zahlreich, keulig.


    HDS grob inkrustiert, undeutlich duplex.


    Stielhyphen ebenfalls inkrustiert.




    Dann noch zwei Funde vom Gemmipass (Kalk, Salix herbacea):


    6:

    Noch so eine alpine Telamonia, wo jede Bestimmung eine Lotterie ist.

    Ich nenne es jetzt einfach Cortinarius impolitus (= C. desertorum).


    Sporen schwach warzig, 8.1-9.7-10.9 x 5.5-6.1-6.8, Q = 1.37-1.59-1.85


    HDS simplex, inkrustiert.


    Stielhyphen nicht inkrustiert.



    7:

    Diesen Risspilz finde ich spannend. Die reichliche Velipellis im Zentrum scheint mir ungewöhnlich zu sein.

    Könnte das Inocybe tjallingiorum sein?


    Geruch spermatisch.


    Sporen 8.3-8.9-9.5 x 5.2-5.8-6.4 µm, Q = 1.40-1.55-1.77


    Pleurozystiden 45-56 x 15-20 µm


    Cheilozystiden 39-60 x 12-19 µm


    Kaulozystiden am ganzen Stiel reichlich vorhanden.



    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Ein weiterer Bericht aus den Bergen. Da nur einer der Funde kein Risspilz ist, rufe ich jetzt schon Ditte .

    Habitat: Auf ca. 2300-2500m auf Gneis, bei Salix herbacea (wenn nicht anders erwähnt).


    1:

    EIne hübsche Galerina am Rand eines alpinen Sumpfes. Eigentlich nichts besonderes bzw. sogar sehr häufig.

    Aber weil so wenig los ist, zeige ich ihn trotzdem: Galerina vittiformis.


    Sporen recht gross und kaum warzig und dextrinoid.


    Basidien meist zweisporig.


    Cheilozystiden lageniform


    Pleurozystiden vorhanden, ähnlich.


    Kaulozystiden im oberen Stieldrittel zahlreich.



    2:

    DIese Risspilze wuchsen ebenfalls im Sumpf. In der Nähe gab es nur Salix serpyllifolia.


    Stielbasis gerandet-knollig, Stiel ganz bereift.


    Sporen etwas entolomatoid mit abgerundeten Ecken, 8.6-10.0-11.7 x 6.0-6.9-8.0 µm, Q = 1.23-1.45-1.71


    Pleurozystiden 47-71 x 12-21 µm


    Cheilozystiden 46-72 x 12-21 µm


    Kaulozystiden überall vorhanden, mehrheitlich aber nicht methuloid, sondern dominiert von rundlichen Parazystiden.


    Hier die Kaulozystiden an der Stielbasis, dort auch viele keulig oder zylindrisch.


    In dieser Gruppe blicke ich nicht wirklich durch. Könnte es Inocybe obtusiuscula sein?



    3:

    Diese hübsche Gruppe wuchs nicht weit entfernt. Im Feld dachte ich, es könnte das gleiche wie Nr. 2 sein.


    Knolle wieder schwach gerandet, Geruch spermatisch.


    Die Sporen sind deutlicher höckerig und etwas grösser: 9.8-11.0-12.4 x 6.2-7.1-8.4, Q = 1.35-1.57-1.82


    Pleurozystiden dickwandiger, 53-57 x 14-18 µm


    Cheilozystiden 51-60 x 13-18 µm


    Kaulozystiden überall vorhanden, viele methuloid.


    Auch an der Stielbasis sind viele methuloide Kaulos vorhanden.


    Mein Arbeitsname ist im Moment Inocybe phaeocystidiosa.




    4:

    DIe hier wuchsen an einer recht trockenen Stelle.


    Geruch spermatisch.


    Sporen nicht höckerig, sondern unregelmässig gerundet-eckig, 10.1-11.2-13.3 x 5.8-6.5-7.4 µm, Q = 1.48-1.72-2.02


    Pleurozystiden recht dünnwandig und mit wenig Kristallen, 56-68 x 14- 19 µm.


    Cheilozystiden etwas bauchiger, 46-56 x 15-22 µm.


    Kaulozystiden nur an der Stielspitze vorhanden, eher als auffällige Hyphenenden.


    Ich glaube, die hatte ich neulich schon: Inocybe polytrichi-norvegici.



    Es gab dann noch Inocybe lacera und helobia, beide häufig dort, darum verzichte ich jetzt darauf.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    HIer ein paar Funde einer kürzlichen Alpin-Exkursion.

    Dieses Mal war das Ziel der Mondelli-Pass südlich von Saas Fee.

    Alle Kollektionen waren bei Salix herbacea.


    Auf 2700m gibt es eine herrliche, feuchte Hochebene mit Salix herbacea.


    Weiter oben gibt es fast nur noch Felsen, hier kurz unter dem Gipfel des Spechhorn.


    Wie auch immer, hier die Pilze.


    1:

    Der einzige, der einfach bestimmbar ist (auch im Feld): Cortinarius alpinus.


    Für den Rest hoffe ich wieder auf den Rat von Ditte .


    2:

    Diese hier wuchsen zu meiner grossen Überraschung an einem trockenen Sonnenhang.

    Ich halte es für Inocybe paragiacomi, es passt recht gut zu meinen bisherigen Kollektionen der Art.



    Sporen: 8.2-9.4-10.6 x 5.5-6.2-7.1 µm, Q = 1.35-1.52-1.76


    Pleurozystiden: 58-82 x 13-19 µm


    Cheilozystiden ähnlich


    Keine echten Kaulozystiden vorhanden, nur septierte Haarbüschel oben am Stiel.



    3:

    Von diesen hier gab es sehr viele, das waren nur die ersten drei.
    Vielleicht ist es einfach Inocybe helobia, aber dafür sind die Sporen etwas zu klein.


    Sporen leicht laceroid und oft abgestutzt, 9.0-10.5-11.6 x 4.7-5.3-6.0 µm, Q = 1.70-1.99-2.45


    Pleurozystiden 46-70 x 12-23 µm


    Cheilozystiden etwas gedrungener, 43-56 x 15-23 µm


    Kaulozystiden nur an der obersten Spitze vorhanden und wenig ausgeprägt.



    4:

    Das hier halte ich im Moment für Inocybe polytrichi-norvegici.



    Sporen eher eckig als höckerig, 8.8-10.7-13.6 x 5.4-6.2-7.3 µm, Q = 1.44-1.73-2.16


    Pleurozystiden 51-67 x 11-18 µm


    Cheilozystiden etwas kürzer, 43-61 x 13-18 µm.


    Am obersten Stielapex gibt es einige zystidoide Elemente, sonst keine Kaulozystiden.



    5:

    Hier leider recht junge Fruchtkörper. Aber ich habe den Eindruck, dass es Inocybe undatolacera sein könnte.


    Geruch spermatisch.


    Sporen sehr schlank, 9.9-11.3-12.3 x 4.4-4.8-5.4 µm, Q = 2.12-2.37-2.62


    Pleurozystiden 50-59 x 15-19 µm


    Cheilozystiden 37-66 x 16-20 µm


    An der obersten Stielspitze gibt es Kaulozystiden, weiter unten nichts.



    6:

    Hier bin ich auf keinen Namen gekommen, all meine Bestimmungsversuche landen in Sackgassen.


    Geruch spermatisch.


    Sporen irgendwie unregelmässig, viele angedeutet laceroid, 10.5-11.7-12.9 x 5.8-6.6-7.1 µm, Q = 1.58-1.79-2.08


    Pleurozystiden sehr dickwandig, 47-52 x 12-17 µm


    Cheilozystiden ähnlich, 44-58 x 15-18 µm


    Kaulozystiden nur am obersten Apex, dort aber zahlreich.



    7:

    Der hier ist insgesamt sehr ähnlich wie Nr. 6, vermutlich das gleiche, ich zeige ihn trotzdem.


    Geruch spermatisch.


    Sporen wie vorher, 10.5-11.8-13.4 x 5.8-6.5-7.0 µm, Q = 1.60-1.82-2.00


    Pleurozystiden wieder extrem dickwandig, aber durchwegs deutlich grösser als bei Nr. 6 und auch anders geformt.

    Wände bis 5 µm dick, 57-71 x 16-20 µm.


    Cheilozystiden ähnlich (die runde ist deformiert, nicht beachten)


    Nur am obersten Stielapex gibt es wenige unregelmässige Kaulozystien.




    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Die alpinen Pilze kommen langsam in Fahrt :)

    Trotz der Trockenheit scheint es den Pilzen ab ca. 2500m zu gefallen, weiter unten hat es wenig bis nichts.


    Meine erste Exkursion war vor 10 Tagen. Da gab es noch nicht wirklich viel, aber die Saison startet ja auch gerade erst.

    Habitat: Auf 2350-2600m auf Kalk, bei Salix herbacea oder Salix reticulata.


    Menschen habe ich nicht getroffen, dafür andere Lebewesen.


    Frösche gab es auch massenhaft.


    1:

    NIcht wirklich was Spezielles, aber man freut sich im Moment über jeden Pilz: Phloeomana speirea.


    2:

    Eine Telamonia bei Salix reticulata, die ich als Cortinarius subtilior bestimmt habe.


    Sporen: 9.2-10.2-11.3 x 6.1-6.6-7.2 µm, Q = 1.43-1.55-1.74


    Und nun zwei Mallocybe-Kollektionen.

    Wie immer sehr schwierig - Ditte , falls du einen Blick drauf werfen willst, wäre ich froh.

    Muss aber nicht sein, ich lasse sie sowieso sequenzieren.


    3:

    Das ist wieder eine der Mallocyben mit chromgelbem Fleisch in der Stielbasis.

    Mit den gängigen Schlüsseln kommt man immer auf substraminipes.

    In der Gegend dort hatte ich schon oft gelbfüssige Risspilze, nach der Sequenzierung war es aber nie substraminipes.


    Hier sieht man schön die gelbe Basis.


    Sporen: 8.3-9.5-10.6 x 5.0-5.8-6.7 µm, Q = 1.49-1.64-1.91


    Cheilozystiden 2-3 zellig, Endelement 24-47 x 6-13 µm.


    4:

    Der hier könnte spannender sein., auf 2600m bei Salix herbacea.



    Sporen sehr schlank, 8.8-10.2-11.5 x 4.2-4.6-5.1 µm, Q = 1.87-2.20-2.61


    Hier komme ich auf kein brauchbares Ergebnis. Mit diesen laceroiden Sporen käme man rasch auf M. malenconii.

    Aber die soll einen struppigen Hut haben, die hier sind bestensfalls etwas faserig.

    Könnte das die ominöse (und ungültig beschriebene) Inocybe nespiakii sein?


    Weitere Risspilze von den nächsten Exkursionen folgen...


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Für alle, die hier auf Bescheid warten:

    Gut die Hälfte der vielen Sendungen ist unterwegs, der Rest folgt nach und nach.

    Leider ist das Ganze logistisch etwas anspruchsvoll.

    Es sind viel mehr Bestellungen als erwartet, und das Lager ist zwei Bahnstunden von mir entfernt.

    Neben Job und Familie ist das ziemlich herausfordernd...

    Also keine Sorge, niemand geht vergessen.


    Die Liste vom 2. Juli ist noch beinahe aktuell, falls noch jemand etwas braucht.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Ich sehe gerade, dass hier die Sequenzierungs-Ergebnisse noch fehlen. Also:


    1 = Arrhenia alcalinophila

    4 = Clitocybe festivoides, obwohl die Morphologie dagegen spricht

    5 = Cortinarius scotoides

    6 = Galerina alpestris f. annulata

    7 = Infundibulicybe bresadolana, ein furchtbares Chamäleon, wie ich inzwischen weiss. Insbesondere kann die berühmte KOH-Reaktion positiv oder negativ sein.

    8 = Melastiza cornubiensis

    9 = Conocybe spec., ohne klares Ergebnis

    12 = Entoloma conferendum, schade

    15 = Phloeomana ochrogaleata


    Risspilze:

    1 = Inocybe rupestris

    3 = Inocybe rupestroides

    4 = Inocybe villosa


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Der VSVP hat einen grossen Bestand von (teils älteren) Büchern, und wir möchten diese teilweise liquidieren.


    Deshalb bieten wir hier eine Reihe von Bücher zu einem sehr günstigen Preis an. Die Liste ist im Anhang zu finden.

    Bestellungen bitte ausschliesslich als private Nachricht: https://www.pilzforum.eu/conversation-add/


    Folgende Regeln gelten:

    - Die Bücher werden in der Reihenfolge vergeben, wie die Anfragen eintreffen

    - Die Versandkosten aus der Schweiz gehen zu Lasten des/der KäuferIn

    - Versand nur nach Vorauskasse (Paypal oder Banküberweisung)

    - Der Versand erfolgt mit einer gewissen Verzögerung, weil die Bücher in einem externen Lager sind, wo ich nicht jeden Tag vorbeikomme.


    Bei grösseren Bestellungen sind die Preise verhandelbar.

    Unser Verband will mit dem Verkauf keinen grossen Profit machen, es dient eher zu unserer Entlastung.

    Fragen sind auch per E-Mail erlaubt, an praesidium (at) vsvp.com


    LG Raphael

    Hallo Helmut


    Ich habe keine Einwände :)

    Vorausgesetzt, die Basidien waren zweisporig. Aber davon gehe ich aus, denn das wird in der FN abgefragt.

    Ludwig zeichnet die Sporen etwas schlanker als die übrige Literatur.


    Soweit ich weiss, wurde die Art aber nicht phylogenetisch untersucht.

    Bei Galerina gibt es noch viel genetisches Brachland...


    LG Raphael

    Hallo Helmut


    Hier hilft ein Blick die Original-Beschreibungen.


    Bulliard 1793:


    Bulliard hat leider nur gezeichnet, und keine ausführliche Beschreibung und keine Belege erstellt.

    Diese Zeichnung zeigt höchstwahrscheinlich verschiedene Arten:

    - Es gibt spitz gebuckelte und stumpfe Hüte

    - einige sind gerieft, andere nicht

    - Das Substrat ist mal Holz, mal Moos, oder auch terrestrisch.

    Viel mehr als "kleiner brauner hygrophaner Pilz" lässt sich daraus nicht schlussfolgern.


    Atkinson 1918 beschreibt hingegen etwas genauer, was er unter Galerula stylifera versteht, und es gibt sogar einen Typusbeleg:


    Fazit:

    Agaricus (Galerina) sideroides ss. orig. ist kein interpretierbarer Name, und sollte als nomem dubium verworfen werden.

    Meistens wird der Name trotzdem als Synonym oder Varietät bei stylifera geführt, weil stylifera in etwa dem entspricht, was viele spätere Autoren unter sideroides verstehen.


    LG Raphael

    Welche Literatur verwendet Ihr zum Bestimmen?

    Das kann ich nicht allgemein für die Gattung beantworten...

    Die meisten Bücher sind mit den Ansichten der Autoren "verseucht", was in einer so schwierigen Gattung nicht hilfreich ist.

    Schauen wir mal:


    Funga Nordica (G. Gulden):

    In der Funga Nordica wurde die neue Art der Franzosen einfach nicht akzeptiert, deshalb ist mairei dort ein Synonym von tibiicystis.

    Ich habe bisher keine sachliche Begründung der Autorin gefunden, wieso sie diese Art als Synonym betrachtet.


    Sie schreibt 2010 das hier (Gulden, G. 2010. Galerinas in cold climates. North American Fungi 5(5). 127-157):

    According to Bouteville and Moreau (2005) G. tibiicystis seems to be more continental than G. hybrida. These authors also gave G. tibiicystis the new name G. mairei since they doubted a true identitiy with the original North American G. tibiicystis.


    Auch hier: Sie begründet nicht, warum sie deren Meinung nicht akzeptiert.

    In der Wissenschaft darf man verschiedene Ansichten haben, aber die implizite Aussage "ich sehe das anders" reicht mir nicht als Begründung.


    Ludwig:

    Ludwig geht ausführlich darauf ein, warum er die Unterscheidung zwischen hybrida und tibiicystis nicht akzeptiert.

    Obwohl bereits 2005 genetisch nachgewiesen wurde, dass es zwei Arten sind (Gulden G. et al. 2005. Galerina Earle. A polyphyletic genus in the consortium of dark-spored agarics. Mycologia 97 (4). 823-837)

    Aber zu G. mairei schreibt er gar nichts, die führt er kommentarlos als Synonym auf.

    Dabei sind die Unterscheidungsmerkmale der Franzosen deutlich klarer als das, was in der Funga Nordica steht.

    Für mich sieht es danach aus, dass Ludwig die Synonymisierung von G. mairei einfach übernommen und gar nicht hinterfragt hat.


    Bouteville and Moreau 2005:

    Die beiden Autoren sind die einzigen, die ihre Sichtweise seriös begründen, auch warum tibiicystis in Europa gar nicht vorkommt:


    L’étude du type de G. tibiicystis montre que ce taxon ne correspond ni à G. hybrida, à spo-

    res plus étroites et cheilocystides versiformes, ni à G. tibiicystis au sens de KÜHNER

    (1969), à caulocystides toutes capitées. Des deux espèces européennes, il est certain que

    l’espèce d’ATKINSON (1918) se rapproche davantage de la seconde mais les différences

    nous semblent significatives sur exsiccata.


    De Haan & Walleyn haben 2006 in ihrer Monographie ebenfalls hybrida und mairei akzeptiert.


    Fazit: In dem Fall halte ich mich an das Konzept der Franzosen, bis es neue Erkenntnisse gibt.

    Um dieses Konzept definitiv zu widerlegen oder zu bestätigen, wären wohl Typus-Sequenzen aus Amerika und Europa notwendig.


    LG Raphael

    hm, spannend... das passt gar nicht zu dem, was die Franzosen schreiben (ich habs kurz übersetzt):


    mairei:

    Kaulozystiden ganz überwiegend kopfig (oberer Teil). Mittlere Sporenbreite über 6 µm. Oberer Stielteil bei jungen Fruchtkörpern typischerweise graubisterfarben und stärker gefärbt als die Lamellen; Bereifung über die ganze Länge reichlich. Lamellen beim ausgewachsenen Fruchtkörper horizontal bis bogenförmig.


    hybrida:

    Kaulozystiden selten, zerstreut, zwischen zahlreichen zylindrischen oder gewundenen, nicht kopfigen Haaren. Mittlere Sporenbreite höchstens 6 µm. Stiel bei jungen Fruchtkörpern hyalin, blasser als die Lamellen, die ihrerseits sehr hell sind, mit „Entoloma“-artigem Erscheinungsbild; Bekleidung über eine grosse Länge von der Basis her faserig-silbrig. Lamellen aufsteigend oder bauchig, oft fast frei.


    WIe so oft bei Galerina gibt es da wohl kein einheitliches Artverständnis...


    Hier zwei Kollektionen zum Vergleich, man kann sie schon makroskopisch anhand der Farben und der Stielbekleidung unterscheiden:


    hybrida:


    mairei:



    LG Raphael

    Hallo Helmut


    Hast du evtl. noch ein paar mehr Infos?

    - Basidien mehrheitlich 4-sporig?

    - Kopfige Kaulozystiden vorhanden? Wenn ja, spärlich oder reichlich?


    Anhand dessen, was ich bisher sehe, tendiere ich eher zu G. hybrida.

    Die soll im Gegensatz zu G. mairei genau solche Velumfasern am Stiel haben, und eben weniger bereift sein.

    Auch die sehr hellen Lamellen sprechen für G. hybrida.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Bin aus der Ferne bin ich einverstanden.

    Übrigens hat der Pilz eine neue Gattung bekommen, und hört nun auf den schönen Namen Pruinomycena acicula.

    Macht aber nichts, es ist noch immer der gleiche Pilz, und man darf ihn auch weiterhin als Mycena bezeichnen.


    LG Raphael

    Das ist echt eine Knacknuss... Oder ich bin einfach zu blöd. Ich kann ihn nicht einmal mit Sicherheit in eine Gattung einordnen.

    Hat niemand eine zündende Idee? Tricholomopsis vielleicht.


    Die Sporen erinnern eigentlich mehr an Tricholoma, aber da passt auch nichts. Und diese inkrustierten Haare verwirren mich völlig.


    Lg Raphael

    Hallo zusammen


    Das Sporen-Ornament wirkt etwas zu fein, aber sonst passt alles recht gut zu Galerina mairei (=G. tibiicystis ss. auct.)

    G. tibiicystis ist eine amerikanische Art, die in Europa noch gar nicht nachgewiesen ist.

    Was hier tibiicystis genannt wird, ist entweder G. hybrida oder G. mairei.


    Literatur:

    • de Haan, A.; Walleyn, R. 2006. Studies in Galerina 2. Fungi non delineati 33: 49
    • Bouteville, R.-J.; Moreau, P.-A. 2005. Les Galerina sphagnicoles de la section Tibiicystis en Europe. Bulletin Mycologique et Botanique Dauphiné-Savoie. 177. 13-32

    Bei den Sporenmassen widersprechen sich die beiden Autoren. Bouteville & Moreau nennen als Mittelwert 10.4x6.3 µm. de Haan & Walleyn 9.5x5.7 µm.

    Vermutlich gibt es da eine gewisse Variabilität.


    LG Raphael

    Hallo Thorben


    Wirklich nicht einfach... an Lyophyllum glaube ich aber nicht.

    Hast du noch ein paar mehr Infos?

    - Sporen amyloid oder nicht?

    - HDS: Was für ein Schnitt ist das? Es scheint inkrustierte Haare und zystidoide Elemente zu geben. Oder täusche ich mich da?

    - Gab es Cheilozystiden (vermutlich nicht, sonst hättest du sie erwähnt)

    - Siderophile Granulation hast du vermutlich nicht getestet?

    - Sie wuchsen effektiv an Holz? Wie stark vermodert war das Holz?

    - Geruch?


    LG Raphael

    noch ein paar Sequenzierungs-Updates:


    Nr. 2 ist vermutlich Clitocybe metachroa

    Nr. 9 ist auch per Sequenzierung nicht bestimmbar, gehört in eine vermutlich noch namenlose, hemilyophylloide Gattung

    Nr. 12: Lepiota farinolens bestätigt

    Nr. 16 ist eine bisher unbeschriebene Rhodophana


    LG Raphael