Beiträge von Clavaria
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Hallo Oliver
Hm das ist sauschwer. Vielleicht verrenne ich mich gerade völlig, und irgendwer schlägt gleich eine völlig banale Art vor, die viel besser passt.
Aber egal.
Ich habe in deinem Foto drei Sporen markiert, die leicht eckig wirken. Mit etwas Geduld findest du noch mehr davon.
Nehmen wir einfach mal an, es sei eine Rhodocybe.
In den Lamellen gibt es keine dextrinoiden Elemente, das schliesst schon mal viele Arten aus.
Mit den Hutfarben gibt es dann gar nicht mehr viele Optionen, am ehesten Rhodocybe asanii:
Ob das stimmt... keine Ahnung, ich hatte die noch nie live und es gibt eigentlich nur die Bilder aus der Erstbeschreibung.
Wobei Wolfgang P. mal behauptet hat, die Art schon gesehen zu haben.
Viele Rhodocybe-Arten (s.str.) sind meiner Erfahrung nach makroskopisch sehr variabel.
Auch hier wieder... sequenzieren täte gut.
LG Raphael
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Hallo Oliver
Naja mit hellbraunem Sporenpulver kann es eigentlich keine Lepista sein, da wäre es mehr cremerosa.
Das Sporenornament sollte weniger auffällig sein, deine Sporen wirken auf mich mehr höckerig als nur feinwarzig-punktiert wie bei Lepista.
Hinzu kommt diese doch recht stark faserige Hutoberfläche, was für Lepista nuda oder sordida untypisch wäre.
Drum meine Frage nach dextrinoiden Pseudozystiden.
Das wäre zusammen mit braunrosa Sporenpulver (den Rosa-Anteil erkennt man oft schlecht) ein gutes Merkmal für Rhodocybe.
Du schreibst "ein wenig dextrinoid" - sah das etwa so aus?
Vielleicht liege ich auch völlig falsch, ist nur eine Idee.
Gruss Raphael
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Hallo Oliver
Deine Psathyrella ist interessant... das passt in der Tat sehr gut zu der Kollektion in meinem Profilbild, hier komplett:
Auch mikroskopisch stimmt es mit meiner Kollektion überein.
Aber was wirklich Psathyrella gordonii ist, weiss wohl niemand.
Die sieben ITS-Sequenzen in der Genbank gehören zu mindestens drei verschiedenen Arten.
Naja sei's drum, es spricht nichts dagegen diesen Namen dran zu schreiben.
Mehr findet man nur per Sequenzierung raus.
Nr. 7 ist komisch für eine Lepista. Hast du mal ein Stück Lamelle in Melzer mikroskopiert?
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Ein Update zu Nr. 13. Mir fiel schon damals auf, dass die Sporen für Lulesia fallax etwas zu klein sind, fand aber das sei noch gerade so im Toleranzbereich.
Ich habe die Kollektion dann sequenzieren lassen, eigentlich nur weil die Art so selten gemeldet wird.
Dabei kam heraus, dass sie genetisch ziemlich weit weg von Lulesia fallax ist.
Inzwischen hat der Pilz einen Namen bekommen, Lulesia parvifallax:
Two new species in the Lulesia fallax complex (Entolomataceae, Agaricales) from Europe (Fennoscandia and Switzerland), Lulesia neofallax comb. nov., and new records of recently described or poorly known species of Lulesia - Mycological ProgressLulesia fallacioides (from Finland) and L. parvifallax (from Switzerland) are described as new species, based on both a morphological and molecular approach,…link.springer.comGruss Raphael
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Hallo Vitus
Vermutlich sind die nicht dextrinoiden Sporen unreif, das gab es bei meiner Kollektion auch.
Am besten testet man das immer im Sporenabwurf, einfach einen Tropfen Melzer drauf.
Zur Gattung: naja es ist halt ein recht alter Einzelfruchtkörper, da gerät man schnell ins Zweifeln.
Aber jetzt, wo du die dextrinoiden Sporen nachgewiesen hast, habe ich keine Einwände mehr.
Zur Artbestimmung sage ich aber lieber nichts, dazu ist der Fruchtkörper zu alt.
Gruss Raphael
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Hallo,
ich habe nur eine Doku von H. rufa, die hatte schön dextrinoide Sporen:
Aber bist du mit diesem einzelnen, recht alten Fruchtkörper ganz sicher, dass du in der richtigen Gattung bist?
Ein Blick auf die HDS könnte noch helfen, um das abzusichern.
Das sollte keine Kutis sein, sondern einen klaren Übergang zu einem Trichoderm zeigen.
Meines Wissens habe alle anderen hier verbreiteten Arten auch dextrinoide Sporen.
Es gäbe noch Hygrophopsis ochraceolutea aus Sardinien mit nicht dextrinoiden Sporen.
Aber ob es die in Deutschland gibt?
Contu & Bon 1991: Champignons de Sardaigne (trois nouvelles espèces). Documents Mycologiques 21 (81): 41-45:
DESCRIPTION - Fig. A -
Chapeau 2-6,7 cm, charnu, irrégulièrement aplati, non mamelonné, à marge constam-
ment enroulée, non striée; cuticule non hygrophane, peu séparable, tomenteuse-feutrée,
sèche, de jaune d'or à jaune ochracé non uniforme.
TARES minces, serrées, anastomosées, fourchues, longuement décurrentes, de jaune à
jaune d'oeuf ou jaune orangé pâle, à arête concolore.
Stipe 1,5-6,5 x 0,3-0,5 cm, fusiforme-radicant, confluent, concolore au chapeau mais
ocre brunâtre vers la base.; mycélium grisâtre.
Chair ferme, un peu élastique, jaune orangé pâle; odeur et saveur agréables, frui-
tées. Sporée blanchâtre.
Spores (5)5,2-6(6,3) x (3)3,5-4(4,2) um, pâles ou hyalines s.l., cyanophiles, mais
non dextrinoides, ellipsoïdes ou subovoides, assez souvent étirées vers le sommet, à
paroi épaisse avec apicule très visible. Basides 20-25 x 5-7 11m, tétraspores.
Cystides et cellules d'arête absentes. Trame parallèle ou à tendance bilatérale.
Revêtement piléique composé d'hyphes cylindracées ou clavées x 5-7(10) pm, +/- mêlées,
à pigment surtout vacuolaire ou mixte et membranaire lisse +/- douteux. Boucles présen-
tes. Quelques laticifères vers l'hypoderme qui est +/- articulé ou mal différencié.
Habitat: grégaire dans les lieux humides, sous peupliers. Rare ou seulement calo&
Sardaigne.
Récoltes étudiées: Sardaigne centrale ou méridionale, province Cagliari, San Spera-
te, dans un lieu humide, sous peupliers (Populus sp.?), 2-11-1989, leg. Caret); M. Con-
tu n° 89/443(Typus CAG), M. Bon n° 89297 (Paratypus).
Gruss Raphael
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Hallo Björn
Du hast völlig recht... ich habe mich bewusst mit der Kritik zurückgehalten, bin ja auch kein Akademiker.
Ich finde es auch problematisch, wenn solche Umkombinierungen in einem Paper gemacht werden, das eigentlich ein völlig anderes Thema hat.
Es hätte hier völlig ausgereicht darauf hinzuweisen, dass die Helmlinge polyphyletisch sind, und dass dies auch anhand der neu erhobenen Daten belegt werden konnte.
Die bisher völlig unbekannten Arten kann man natürlich trotzdem beschreiben, da spricht nicht viel dagegen.
So haben die Autoren ihre Namen trotzdem hinter eine neue Pilzart geschrieben.
Aber die Umkombinierung und das Splitten einer etablierten Gattung gehört in eine spezialisierte Veröffentlichung, die das Thema breiter erforscht.
Vielleicht nicht gleich allumfassend, es gibt etliche hunderte Helmlinge, niemand kann das alles in einem Rutsch analysieren.
Aber doch immerhin etwas mehr als ein paar wenige Arten, die zufällig in eine Studie geraten sind.
Leider ist das Ganze trotzdem formell gültig.
Aber eben, zum Glück sind die Mycena-Namen jetzt nicht falsch, man darf sie auch weiterhin brauchen, bis es eine solidere Arbeit dazu gibt.
Ich werde es vermutlich genauso handhaben, genau wie bei diesem Schnellschuss bei Collybia/Lepista/Clitocybe.
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Kürzlich ist ein längeres Paper von chinesischen Mykologen erschienen, das sich unter anderem mit Helmlingen beschäftigt:
https://www.mdpi.com/2309-608X/11/10/749
Es ist ja schon lange bekannt, dass die Gattung Mycena polyphyletisch ist, und einige Gattungen wurden bereits abgetrennt (Phloeomana, Atheniella)
Der Fokus des Papers ist nicht auf einer vollständigen Überarbeitung der Gattung, deshalb ist das nur ein Anfang von vermutlich sehr vielen neuen Namen.
Folgende neue Gattungen werden vorgeschlagen bzw. ältere Gattungen aus der Versenkung geholt:
Prunulus Gray 1821: für die Sektion Calodontes (Gruppe um Mycena pura).
Der Name wurde ja schon öfter für die Gruppe vorgeschlagen, und auch hier wieder bestätigt.
Prunulus purus, diosmus, pearsonianus, pelianthinus, lammiensis sollte man also als die aktuellen Namen ansehen.
Es gibt weitere Arten in der Sektion, die formell noch nicht umkombiniert wurden (z.B. Mycena rosea).
Pruinomycena K.L. Yang et al. 2025: Für Europa trifft das erstmal nur eine Art, Mycena acicula heisst nun Pruinomycena acicula.
Linopodium Earle 1909: Die Gattung ist auch keine Neuerfindung.
Vorläufig wird auch nur eine Art umkombiniert, aus Mycena filopus wird Linopodium filopes.
Ich nehme an, dass in absehbarer Zeit noch viele andere Helmlinge in diese Gattung wandern.
Basidopus Earle 1909 ist eine weitere alte Gattung, die "reaktiviert" wird.
Hier werden einige Helmlinge mit Basalscheibe untergebracht: Basidopus amictus, cyanorhizus, stylobates, tenerrimus
Es gibt weitere neue Gattungen ohne europäische Vertreter, auf die gehe ich jetzt nicht ein.
Gruss Raphael
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Kann aber kein Holländisch - oder schreiben die auch auf Englisch?
Da brauchst du kein Holländisch. Björn hat doch etliche Stunden investiert: Ascomyceten Project
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Wo kriegt man das denn her? (ist aber bestimmt viel teurer als auf Englisch...).
Hier zum Beispiel: https://www.mykoweb.eu/product/danmarks-basidiesvampe-2024
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Hallo zusammen
Das Buch verwendet unter anderem auch diese Räder aus den FOTE-Bänden.
Der Artenschlüssel ist klassisch ausgebaut, aufgepimpt durch sehr viele Makrobilder und Mikrozeichnungen.
Der Artenumfang ist aber grösser als bei der Funga Nordica.
Die Bestimmungstexte sind kürzer als in der Funga Nordica, Fokus ist auf den Unterscheidungsmerkmalen.
In der FN ist ja bei jeder Art noch eine Ultrakurz-Beschreibung dabei, das ist hier nicht mehr immer so.
Also ja, das Buch lohnt sich.
Ein Eindruck aus der dänischen Ausgabe, Cortinarius-Schlüssel:
Gruss Raphael
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Das ist ein allgemeines Phänomen bei LLM, interessant wäre dazu auch deinen Promt zu sehen

du meinst den Pilz? Der hier:
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Hallo zusammen
Ich habe neulich (zum Spass) eine alpine Telamonia von ChatGPT anhand eines Fotos bestimmen lassen.
Zunächst wollte die KI sich zu keinem konkreten Namen hinreissen lassen, was ja auch völlig ok ist.
Dann wollte ich zumindest eine Liste der Arten, die in Frage kommen.
Da kam dann das:
Tönt ja ganz vernünftig! Aber wenn man dann genauer schaut, gibt es Cortinarius pseudoobtusus und Cortinarius salicis-reticulatae gar nicht.
Immerhin kann die neue Version im Gegensatz zu älteren Versionen ihre Fehler eingestehen:
Naja - solange die KI in diesem Umfang fantasiert und man jede Antwort in Frage stellen muss, ist der Nutzen (in der Mykologie) eher beschränkt.
Dann weiter: In der ersten Antwort behauptet die KI, dass diese Arten alle in neueren Bearbeitungen der Obtusi auftauchen, und molekular abgesichtert sind.
Das interessierte mich natürlich, vielleicht fehlt mir ja noch ein wichtiges Paper (die Obtusi sind noch sehr schlecht aufgearbeitet).
Nach langen Ausflüchten und dem Zitieren einiger allgemeiner Cortinarius-Literatur kommt auch hier das Eingeständnis, dass die Aussage übertrieben war:
Generell - die KI basiert ja auf der verfügbaren Datenmenge für ein Thema. Je kleiner die Datenmenge, desto schlechter die KI.
Deshalb funktioniert eine Speisepilz-Erkennung im Korb recht gut, während bei der alpinen Telamonia dann die wenigen Informationen falsch verknüpft werden.
Gruss Raphael
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Hallo Felli
So, noch als Nachtrag: Mit KOH konnte ich keine Verfärbung feststellen.
Ich lege ihn mal so ab, denke eine Sequenzierung wird nicht schaden.
Danke dir für die Hilfe!
LG Raphael
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Hallo Frank
Ja, dieses Sporenpulver passt gut zu Lepista s.l., was Hertzogia und Paralepistopsis aber nicht ausschliesst.
Weiter kommt man nur mit Mikroskop oder Sequenzierung.
Gruss Raphael
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Hallo Felli
Gestielt waren sie nicht.
Geruch: Ja richtig, verletzt riechen sie übel spermatisch wie ein Risspilz.
Ob sie ganz reif sind, ist immer schwer zu sagen.
Es gab zwar reichlich freischwimmende Sporen, aber das kann auch vom Quetschen kommen.
Hier noch zwei Sporen in Baumwollblau, sie waren nur leicht punktiert, man sieht es auf dem Foto kaum.
Und die Lugol-Reaktion habe ich irgendwie verpennt in die Anfrage zu tun:
KOH kann ich morgen testen. Spannend fand ich noch die Paraphysen in Baumwollblau.
Da sieht man den Inhalt sehr gut, aber sie sind nicht vollständig ausgefüllt.
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Alte, feuchte Exemplare von Paralepistopsis amoenolens sehen übrigens auch so aus.
Die Wasserflecken und der Hut, der zur Mitte dunkler wird, das passt auch.
Nur das Habitat stört mich, aber Flaumeichen gibt es hier auch wo ich ihn immer finde.
Da müsste wirklich mal jemand mikroskopieren.
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Ich habe gestern diese hübschen Becherchen mitgehen lassen.
Habitat: Trockener Kiefernwald, zwischen Moos und pflanzlichen Resten, ohne sichtbare Verbindung zu Holz.
Die Aussenseite ist deutlich warzig-punktiert.
Fleisch ohne Latex, allenfalls etwas farblose Flüssigkeit.
Die Sporen sind multiguttulat und etwas unregelmässig im Umriss, 13.5-14.7 x 8.5-9.8 µm
Paraphysen septiert, mit hellbraunem Inhalt
Excipulum als textura globulosa
Mit diesen multiguttulaten Sporen komme ich auf Hansenopezia (Peziza) retrocurvata, könnte ich damit richtig liegen?
Muss ich noch etwas untersuchen? Die Fruchtkörper wohnen noch im Kühlschrank.
Ich rufe mal nach Felli .
Gruss Raphael
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Hallo,
Ja ich würde auch meinen, das ist Agrocybe firma.
Standort, der etwas matte Hut und dieser faserig-bereifte Stiel sind typisch für die Art.
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Ja, Gurkenschnitzlinge immer mitnehmen!
Ich glaube es sind sieben oder acht Arten, morphologisch bereits festgelegt, einen provisorischen Namen haben sie auch alle.
Es fehlt wohl nur noch der letzte Schliff der Phylogenie. Sollte hoffentlich im Winter rauskommen.
Gruss Raphael
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Hallo zusammen
Für Lichenomphalia gibt es einen halbwegs aktuellen Schlüssel:
Ob der hier gross weiterhilft, ist aber fraglich.
Die Arten aus dem mediterranen Raum darf man übrigens nicht voreilig ausschliessen.
L. meridionalis wurde erst 1999 aus Sardinien beschrieben, ist aber zumindest in der Schweiz recht häufig und wurde wohl früher anders genannt (vielleicht L. velutina).
Gruss Raphael
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Liebe Ditte
Danke dir! Ich habe alle vier bereits zur Sequenzierung abgeschickt.
Die Ergebnisse sollte ich im Dezember bekommen, wenn alles nach Plan läuft.
LG Raphael
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Hallo Steffen
Ja, Inocybe lilacina wurde 1874 in Nordamerika beschrieben.
Europäische lila Risspilze wurden dann viele Jahrzehnte auch so genannt.
Genetisch sind die europäischen Kollektionen aber anders als das Material aus Nordamerika.
Korrekterweise müsste man sagen: Inocybe lilacina s.str. wurde in Europa bisher nicht nachgewiesen.
Inocybe lilacina ss. auct. europ. ist ein Artenkomplex aus mindestens fünf anderen Arten.
Gruss Raphael
