Beiträge von Clavaria

    Ich hab mal noch zwei weitere Arten aus dem Aggregat rausgekramt:


    Inocybe posterula (sequenziert)


    Inocybe cf. nivea (leider ohne Beleg)


    Ich versuche es mal:


    cygnea:

    Sporen passen nicht so richtig, deine sind breiter und haben einen tieferen Q-Wert.

    Das Habitat wäre auch untypisch. Aber ganz ausschliessen will ich sie nicht.


    geophylla:

    Dafür scheinen mir deine Sporen deutlich zu breit zu sein.


    nivea:

    Würde ich für deine Kollektion auch ausschliessen, weil die im Schnitt längere Sporen hat.


    posterula:

    Hast du das Paper von Marchetti et al. 2014? Das braucht man, weil dort der Epitypus festgelegt wird.

    Leider mit einem ziemlich schlechten, untypischen Foto. Aber die Mikromerkmale zählen trotzdem:

    Zitat

    Spore 7-9,3 × 4,3-5,6 µm, Lm 8,2 µm (Lm ± d = 7,6-8,7 µm), lm = 4,9 µm (lm ± d = 4,6-5,3 µm), Qm = 1,66 (Qm ± d = 1,55-1,76)

    Deine Sporen sind etwas grösser, aber der Koeffizient stimmt recht gut.


    sambucella:

    Die sollte wie auf meinem Bild eher eine seidige Hutoberfläche haben, und (wie du schon erwähnst) eher gelbliche Farbtöne.

    Würde ich somit auch ausschliessen.



    Für mich kommen cygnea und posterula in die engere Auswahl.

    Ich tippe auf posterula, die Art ist häufig und passt vom Habitat her besser.

    Aber eben, ohne Garantie.


    LG Raphael

    Hallo Ben


    In diese cygnea-Falle bin ich auch getappt :)

    Diese zweiköpfigen Zystiden wirken wie ein arttypisches Merkmal, aber die anderen Arten können auch welche haben.

    In dem Thread den Andy verlinkt, war es I. posterula und nicht cygnea. Und meine sambucella hatte auch welche.

    Ditte schreibt im anderen Thread, dass die Gesamtheit der Mikromerkmale passen muss, die Makroskopie ist sekundär. Genau das macht die Gruppe so schwierig.


    Gruss Raphael

    Hallo Ben


    Die Gruppe ist wirklich schwierig, die morphologischen Unterschiede sind sehr klein.

    Du musst sicher noch mindestens 10 Pleurozystiden messen, um es eingrenzen zu können.

    Dafür brauchst du gute Präparate, wo die ganze Zystide sichtbar ist.


    Dann kannst du ja mal versuchen, dich etwas näher ran zu tasten:


    Epitypisierung von I. geophylla s.str.:

    https://www.researchgate.net/p…tudies_and_18_new_species (Seite 1058)


    Mycologica Bavarica 2022 mit einigen neuen Arten aus dem Aggregat (S. 33-138):

    Download Archiv – Mycologia Bavarica

    Dort kannst du z.B. bei Inocybe cygnea oder oloris die Verwechslungsmöglichkeiten durchschauen, dadurch kannst du sicher einige Arten ausschliessen.

    In dem Paper beantwortet sich auch deine Frage, welche Arten zu dem Aggregat gehören.


    Das ist alles recht aufwändig, und Sicherheit bringt wohl nur eine Sequenzierung.

    Letztes Jahr hatte ich I. sambucella in einem ähnlichen Habitat.

    Das kam auch erst bei der Sequenzierung raus, mein Arbeitsname war I. posterula:



    Gruss Raphael

    Hallo Harald


    Der Komplex wurde noch nicht genetisch überarbeitet, im Moment betrachte ich das alles als eine Art.

    Morphologisch sind die Unterschiede so minimal, dass die Abgrenzung wie du sagst höchst unsicher ist.


    Als Namen kannst du dir also einen der vier aussuchen ;)


    LG Raphael

    Hallo Ben


    Gute HDS-Schnitte sind m.E. eines vom schwierigsten. Je nach Konsistenz des Pilzes ist das eine ziemliche Herausforderung.

    Oft funktioniert die gleiche Technik wie beim Lamellenschnitt, mit zwei aufeinanderliegenden (frischen) Rasierklingen.

    Dabei muss man darauf achten, dass man wirklich schneidet und kaum drückt.

    Und es gelingt halt längst nicht jedes Präparat.


    Wir sehen uns ja in drei Wochen, dann üben wir das. Telamonien sind ein gutes Übungsobjekt dafür.


    Gruss Raphael

    Wie genau untersuche ich wie stark dextrinoid die Sporen sind? In Melzers unter dem Mikroskop?

    Ich schaue sie in Melzer mit 400x Vergrösserung an. Dann gibt es da die Hebeloma-Skala D0-D4:


    D0 = keine Reaktion

    D4 = Dunkelbraun wie z.B. bei Lepiota

    D1, D2, D3 = Zwischenformen. Die Abgrenzung ist nie genau definiert, deshalb kann man auch D2-3 für eine deutliche, aber nicht maximale Reaktion schreiben.


    Gruss Raphael

    Hallo Ben


    Spannend... ich kann gerade nicht genauer schauen, aber da wäre Tr. badinensis auch ein Kandidat. Ich sehe keine Rottöne auf deinen Fotos (ich kann mich täuschen, weil ich eine leichte Rot/Grün Fehlsichtigkeit habe), damit sollte es nicht Tr. flammula sein.

    Das Paper zu Tr. badinensis findest du online. Das Habitat könnte zumindest passen.


    Die Gattung ist inzwischen auch recht schwierig. Was ich letztes Jahr als Tr. flammula bestimmt habe, war dann doch nur decora. Die Pleurozystiden scheinen nicht konstant zu sein, vielleicht auch altertsabhängig.


    Gruss Raphael

    Also hier die Begleitbäume:


    Hygrophorus pudorinus: Fichte


    Hygrophorus abieticola: Weisstanne


    Hygrophorus neoerubescens: Fichte, Kiefer, Tanne


    Über die Partner lässt sich die Art also nicht festmachen, aber je nachdem kann man wenigstens eine Art ausschliessen.


    Gruss Raphael

    Noch nicht ganz:


    Aktueller Name: Hygrophorus abieticola

    = Hygrophorus pudorinus ss. auct. plur., non orig.


    Aktueller Name: Hygrophorus pudorinus (ss. orig.)

    = Hygrophorus persicolor

    = Hygrophorus fragicolor


    Aktueller Name: Hygrophorus neoerubescens

    = Hygrophorus erubescens ss. auct. plur., non orig.


    Hygrophorus erubescens ss. orig => Synonym von Rhodocollybia maculata


    Gruss Raphael

    ... hier übrigens noch eine Kollektion, die ich seinerzeit als Hygrophorus persicolor bestimmt habe.

    Sequenzierung hat ergeben, dass es Hygrophorus pudorinus ist:



    Ich weiss, das Foto ist schlecht.


    Gruss Raphael

    Hallo Helmut


    Ja die alpine Saison ist halt kurz. Im Frühling nach der Schneeschmelze (Mai/Juni) gibt es etwas, dann Pause. Erst Ende Juli geht es wieder richtig los, auch wenn es früher genug regnet. Anfang/Mitte September ist eigentlich immer Schluss, dann kommt meistens der erste Frost. Dadurch habe ich dann Zeit für andere Habitate ;)


    Lg Raphael

    Hallo zusammen


    Ich war mit meiner Familie nun eine Woche bei ibex in seiner wunderschönen Heimat.

    Die Hitze hatte die Region leider fest im Griff, entsprechend wenig gab es zu finden.

    Ein Ausflug in die Wälder war zu warm und ziemlich aussichtslos, also blieb nur die Höhe.

    Ab 2500m gab es ein paar kleine Pilze, wobei diese paar Funde mich sechs Stunden Fussmarsch gekostet haben.


    1:

    Helvella philonotis erkennt man im Feld an der Farbe, an der etwas unregelmässig-lappigen Form, und dem schwach gefurchten, dunkelgrauen Stiel.


    Reife Sporen gab es reichlich, aber die helfen hier nicht weiter.


    2:

    Helvella capucina hat mir grosse Freude gemacht, die habe ich noch nie gefunden.

    In der Literatur ist sie dunkler (schwarzbraun), aber es kommt sonst nichts in Frage.

    Online findet man viele Bilder, wo sie so hell ist.


    Reife Sporen waren Mangelware, aber sie sind recht gross, bis 26 µm lang.


    3.

    Eine kleine gelbe Galerina in einem Sumpfgebiet: Galerina clavata.

    Die Sporen sind recht gross für die Gattung, und nicht dextrinoid.


    Die Cheilozystiden fast lecythiform, mit einem auffallenden Kopf.


    Kaulozystiden gibt es auf der ganzen Stiellänge.



    4:

    Omphalina rivulicola gab es in Unmengen, überall wo es feucht war.


    5-8:

    Bei den alpinen Telamonien ist jede Bestimmung nur ein vager Vorschlag.

    Deshalb auch ohne Mikros - bei Interesse bitte fragen. Wird alles sequenziert.


    Cortinarius cf. desertorum


    Cortinarius cf. subtilior


    Cortinarius cf. scotoides


    Cortinarius cf. oreobius


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Ja, die Gruppe wurde kürzlich genetisch überarbeitet. Aber es ist recht chaotisch.


    Nach Papetti 2023 sind persicolor und fragicolor Synonyme von Hygrophorus pudorinus ss. orig.


    Hygrophorus pudorinus ss. auct. plur. heisst schon länger Hygrophorus abieticola.


    H. erubescens ist ein falsch interpretierter Name, Fries hat seinerzeit eindeutig das gezeichnet, was wir heute Rhodocollybia maculata nennen. Der Schneckling, der jahrzehntelang Hygrophorus erubescens genannt wurde, heisst jetzt Hygrophorus neoerubescens.


    Lg Raphael

    Liebe Ditte


    Auch hier vielen Dank, eine ad hoc Bemerkung von dir ist immernoch sehr hilfreich.


    1: Geht in die Sequenzierung

    2: Lege ich so ab


    3:

    Von rupestroides habe ich eine sequenzierte Kollektion etwa 200 Meter entfernt (die wir anfangs auricomella genannt haben, hier).

    Die hatte kleinere Sporen und Zystiden mit einem breiteren Hals. Ob das in der Variantiosbreite der Art liegt, kann ich nicht beurteilen.

    Lange Kaulos habe ich nicht gesehen, habe keine über 70 µm gemessen. Wird auf jeden Fall sequenziert.


    4:

    I. oreina hatte ich auch in Betracht gezogen, aber verworfen weil sie noch etwas grössere Sporen haben müsste. Auch diese lasse ich sequenzieren.


    5:

    Ach schade, nachdem ich bereits zwei sequenzierte helobia-Kollektionen aus unmittelbarer Nähe habe, wollte ich diese nicht mehr aufbewahren.

    Ich mal wohl zu voreilig.


    LG Raphael

    Da warst Du in einer großartigen Kulisse unterwegs. Und wenn es dazu keine weiteren Zweibeiner gibt und man seine Ruhe hat ist das bestimmt sehr erholsam.

    Lieber Steffen


    Ja, trotz gegenteiliger Berichte gibt es diese verlassenen Orte noch, wo man einen halben Tag unterwegs sein kann, ohne jemanden zu treffen.

    Ein solcher Tag ist mehr wert als zwei Wochen "Ferien" am überfüllten Strand.


    Hi, Raphael, könnte eine Art aus der subbrunnea-Gruppe sein, und zwar eine, wo Sporen nicht meist einen obtusen Apex haben, also fuscescentipes oder so. Die Sporengröße würde passen. Eine andere Idee hab ich auf die Schnelle nicht dazu.

    Herzlich, Ditte

    Liebe Ditte


    Danke, ich schaue in der Gruppe nochmal. Es gab einige (aber wenige) sandige Zystiden, das sieht man auf den Bildern nicht gut.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Am Mittwoch habe ich eine kleine Wanderung in ein nahegelegenes, sehr abgeschiedenes Gebirgstal gemacht.


    Der Aufstieg am frühen Morgen führte mich über herrliche Rötlings- und Saftlingswiesen (zwischen 2200 and 2350m).

    Aber weil ich noch viel weiter laufen musste, konnte ich dort nicht viel Zeit verbringen. Naja immerhin:


    1:

    Dieser Rötling ist ein schreckliches Chamäleon: Entoloma caesiocinctum.

    Von dunkelbraun über blau bis rosabraun kann der so ziemlich jede Farbe.


    Die Sporen haben keine Auffälligkeiten.


    Lamellenschneide mit Zystiden vom carneogriseum-Typ.


    Die HDS und ihre Pigmentierung muss man auch beachten. Hier körnig und graubraun.


    Aufgrund der enormen Variabilität dieser Art sehe ich mich im Moment nicht in der Lage, das als sichere Bestimmung zu betrachten.

    Hier zum Vergleich zwei sequenzierte Kollektionen von letztem Jahr:


    (2024 als E. carneogriseum bestimmt)


    (2024 ohne Bestimmung). Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese beiden Kollektionen dieselbe Art sind.



    2:

    Auf der gleichen Wiese. Nun könnte man den Verdacht haben, dass es die gleiche Art ist.

    Aber ich komme auf einen anderen Namen (ohne Gewähr): Entoloma montanum.


    Die Sporen sind wieder ohne auffallende Merkmale.


    Die Cheilozystiden sind oft deutlich breiter-keulig und wachsen aus dem Subhymenium, also vom poliopus-Typ.


    Die HDS sieht auch völlig anders aus. Hier diffus-klumpig und viel kräftiger braun.



    3:

    Gliophorus psittacinus kennt ihr alle.


    Sporen im Abwurf



    4:

    Tricholoma hemisulphureum ist wohl in der Höhe recht verbreitet, man findet ihn aber auch in tieferen Regionen.

    Er stinkt wie ein normaler Schwefelritterling, hat aber viel weniger freudige Farben.




    5:

    An diesem Rötling beisse ich mir die Zähne aus. Letztes Jahr hatte ich eine ähnliche Kollektion als E. griseocyaneum (= E. scabropellis) bestimmt.

    Aber irgendwie gefällt mir das nicht. Selbst die jüngsten Exemplare hatten in beiden Kollektionen keinerlei Blautöne an den Stielen.


    Die Sporen sind in der Tendenz fast knotig, so dass das vielleicht ganz woanders hin gehört.

    Ich warte erstmal auf das kurz bevorstehende Paper zum undulatosporum-Clade.


    HDS mit braunen, intrazellulärem Pigment. Basidien übrigens viersporig, keine Schnallen, keine Zystiden.



    6:

    Ein Cortinarius aus den Anomali, die sind im Moment kaum bestimmbar.

    Ich habe irgendwann aufgegeben und ihn als Cortinarius cf. eppsomiensis var. alpicola abgelegt.

    In ein paar Monaten weiss ich vielleicht mehr.


    Sporen:



    Das hier war das eigentliche Ziel, ein wunderbares Habitat, das nur von wenigen Wanderern, Schafen und Wölfen besucht wird.



    7:

    Dieser Trichterling heisst nicht ohne Grund "Stinkender Almen-Trichterling". Clitocybe festivoides ist wirklich ein unangenehmer Zeitgenosse.


    8:

    Diese dunkle Telamonia ist vermutlich recht häufig: Cortinarius inops. Aber ob das stimmt - wir werden sehen.



    9:

    Der hier könnte spannender sein, ich habe ihn mal vorläufig Cortinarius cucumisporus genannt.


    Die Sporen sind - wenn sie richtig liegen - auffallend fusiform, was typisch für diese Art ist.



    10:

    Über Helvella corium habe ich mich sehr gefreut, ich suche schon lange eine schöne Kollektion.



    11:

    Dieser dunkle Trichterling ist unverkennbar, Infundibulicybe lateritia.


    Sporen für die Gattung recht gross.


    HDS-Pigment an vielen Hyphen inkrustierend.



    12:

    Ein Nabeling, dem ich sogar einen Namen geben konnte: Arrhenia favrei.


    Die Sporen sind subglobos, von viersporigen Basidien.


    Die HDS ist rein intrazellulär pigmentiert, mit Schnallen, und das Lamellentrama ist bidirektionell.



    Nun noch einige Risspilze, Ditte

    Leider haben sie etwas Feuchtigkeit abbekommen, ich versuche es trotzdem mal.

    Meine anfängliche Sammelfreude wurde gedämpft, weil ich gleich dreimal Inocybe canescens mitgenommen habe.

    Die zeige ich hier jetzt nicht.


    Habitat für alle: Auf Kalk bei Salix herbacea.


    13:

    Mallocybe arthrocystis (so vermute ich) gab es in grossen Mengen.



    Sporen: 8.4-9.4-10.9 x 5.1-5.9-6.9 µm, Q = 1.33-1.59-1.92 (n=20)



    Zystiden recht variabel, stellenweise deutlich verkettet.



    14:

    Noch eine Mallocybe, mit recht viel Velum. In der Nähe habe ich schon zwei sequenzierte Kollektionen von Mallocybe leucoloma.

    Ich vermute, das hier ist sie wieder. Mikroskopisch ist sie allerdings sehr ähnlich wie die vermutliche arthrocystis.



    Sporen: 7.5-9.0-10.2 x 5.4-5.9-6.9 µm, Q = 1.34-1.53-1.72 (n=20)



    Zystiden teils einzeln, teils verkettet.



    15:

    Hier komme ich auf keinen plausiblen Namen. Geruch schwach, nicht spermatisch.



    Sporen: 8.2-8.8-9.7 x 5.3-5.7-6.3 µm, Q = 1.35-1.54-1.75 (n=20)


    Pleurozystiden sehr dickwandig (bis 6 µm!), 54-59-65 x 14-15-17 µm.


    Cheilozystiden ähnlich.


    Kaulozystiden überall reichlich vorhanden.



    So, das war's. Bitte korrigiert mich, wenn etwas nicht stimmt.


    LG Raphael

    Ketzerische Frage: ist es ganz sicher, dass beim Fund um eine Phlegmatie handelt? Es gibt ja nicht wenige Telamonien, der derart robust und stattlich daherkommen, dass man sie schnell mal als Phlegmatie einsortiert. Mir ist das zumindest schon häufiger passiert.

    Hallo Thomas


    Darüber habe ich auch nachgedacht. Allerdings ist die HDS eine Ixokutis, das sollte es bei Telamonia nicht geben.



    Wird dann wohl wieder ein Fall für die Sequenzierung.

    Danke euch auf jeden Fall für die Rückmeldung.


    LG Raphael

    Hallo zusammen


    Ich kämpfe hier mit einem Phlegmacium, das ich auf ca. 2200m auf einer Bergwiese (Kalk) gefunden haben.

    Grössere Bäume gab es weit und breit nicht, es kann also nur mit Salix herbacea oder vielleicht einer krautigen Pflanze wie Helianthenum vergesellschaftet sein.

    Über der Baumgrenze gibt es ja nur wenige Phlegmacien. So schwierig sollte das doch nicht sein...


    Hut bis 60mm im Durchmesser, Stiel keulig, bis 80x30 mm (Basis). Geruch schwach, etwas süsslich mit spermatischer Note.


    Stielspitze mit dezenten, blassvioletten Tönen


    KOH: Auf dem Hut sofort purpurbraun, sonst negativ oder etwas rosalich.


    Sporen recht gross, 11.5-12.4-13.1 x 8.0-8.3-8.9 µm, Q = 1.41-1.49-1.64 (n=15)


    Hier mit Fokus auf das Sporen-Ornament.


    Ich habe nun vorwärts und rückwärts geschlüsselt, mit allen möglichen Schlüsseln.

    Am Ende lande ich immer bei C. argenteolilacinus (inkl. var. dovrensis). Aber dazu passt die KOH-Reaktion auf dem Hut nicht.

    Hat jemand eine zündende Idee? Ich rufe mal Cortinarius , Mykollege_Günter und Matthias .


    LG Raphael

    Hallo zusammen ( Ditte )


    Nun folgen noch die Risspilze. Wie üblich habe ich versucht sie zu bestimmen, aber mit viel Unsicherheit.


    Habitat für alle: 2350m, Salix reticulata und Salix repens, auf Kalk.


    1:

    Eine auffallend gefärbte Gruppe, wo man von oben zuerst nicht an eine Inocybe denkt. Geruch spermatisch.



    Sporen: 7.4-8.3-9.4 x 4.1-4.8-5.5 µm, Q = 1.57-1.74-1.96 (n=20)


    Die Zystiden waren insgesamt recht spärlich für einen Risspilz. Auffallend dickwandig, viele kahl oder nur mit wenig Kristallen.

    Cheilos: 51-61-72 x 13-15-17 µm (n=10)

    Pleuros: 46-52-58 x 13-17-20 µm (n=7)


    Pleuro


    Pleuro


    Cheilos, hier waren einige deformiert, die habe ich nicht gemessen.

    Kaulozystiden nur im oberen Stieldrittel, ohne ausgeprägten Hals, fast zylindrisch.


    Nach Bon kam ich auf Inocybe rufolutea, die aber nach Favre deutlich grössere Sporen haben soll.

    Stimmt also vermutlich nicht.



    2:

    Eine schöne Gruppe ohne deutlichen Geruch.



    Sporen: 9.2-10.2-10.8 x 5.0-6.2-7.2 µm, Q = 1.46-1.65-2.12 (n=20)


    Zystiden sehr dickwandig.

    Cheilo: 53-62-67 x 14-16-18 µm (n=7)

    Pleuro: 47-60-72 x 13-17-21 µm (n=7)


    Pleuro


    Cheilo


    Im oberen Stieldrittel mit ziemlich unregelmässigen Kaulozystiden.


    Nach Bon komme ich (wie schon oft) auf Inocybe hypotheja, aber ich denke das ist Unsinn.

    Vermutlich habe ich mal wieder die häufige Chamäleon-Art erwischt, Inocybe canescens.



    3:

    Eine Gruppe mit auffallend dunklem Stiel, Geruch spermatisch. Am Hutrand sieht man vereinzelte weisse Velumreste.

    Bei der Nachbearbeitung habe ich gemerkt, dass die Mikrobilder dieser Kollektion Schrott sind. Hoffentlich lässt sich trotzdem etwas dazu sagen.



    Sporen: 8.6-9.6-10.8 x 4.8-5.3-5.9 µm, Q = 1.59-1.81-2.04 (n=20)


    Zystiden:

    Cheilo: 61-66-77 x 12-14-16 µm (n=7)

    Pleuro: 62-67-75 x 13-15-19 µm (n=7)


    Pleuros


    Cheilos


    Kaulozystiden am ganzen Stiel vorhanden


    Gegen die Stielbasis werden die dickwandigen Zystiden seltener.


    Könnte ich da mit Inocybe fuscescentipes richtig liegen?

    Da habe ich schon eine nicht-alpine Kollektion, wo die Sporen und Zystiden aber etwas kleiner waren.



    4:

    Eine besonders hübsche Gruppe mit knolliger (aber nicht gerandeter) Stielbasis. Geruch schwach, nicht spermatisch.



    Die Sporen sind entolomatoid, eher eckig als höckerig. Somit kommen gar nicht sooo viele Arten in Frage.

    9.9-11.0-13.0 x 7.4-8.0-8.6 µm, Q = 1.25-1.37-1.55 (n=20)


    Zystiden: Auffallend lang und schlank, dickwandig mit wenig aufgeprägtem Hals.

    Cheilos: 65-75-87 x 13-15-19 µm

    Pleuros: 65-76-88 x 14-16-20 µm


    Pleuro


    Cheilo


    Kaulozystiden am ganzen Stiel vorhanden. Hier gemischt, einige sehr lang mit zylindrischem Hals, andere lageniform oder subfusiform.


    Unten am Stiel dominieren die kürzeren Zystiden.


    Auch hier habe ich nach Bon geschlüsselt, am besten würde Inocybe concinnula passen.

    Aber dieser struppige Hut gefällt mir nicht so recht - vermutlich liege ich hier auch daneben.



    5:

    Inocybe helobia gab es auch noch, die findet man in dem Gebiet dauernd. Da lasse ich die weiteren Details weg, der Fall ist klar.


    Die Sporen typisch trunkat und etwas unregelmässig geformt.


    LG Raphael