Hallo,
Bei 123pilze stieß ich zufällig auf die Aussage, auch der Frostschneckling sei roh essbar. Natürlich ohne Quellenangabe, und ich habe auch weder online oder in meinen Büchern
dahingehende Informationen gefunden. Hat jemand so etwas schon mal anderswo gehört oder gelesen?
Hämolysine wurden insb. in folgenden Gattungen und Familien nachgewiesen - das muss natürlich nicht jede Art betreffen:
- Champignonverwandten
- Schnecklingsverwandten
- Wulstlinge
- Schwefelköpfe
- Milchlinge (<-> Mohrenkopf, Reizker[?])
Frei von Hämolysinen sind:
- Röhrlingsverwandte
- Rötlingsverwandte
- Täublinge
- Quellen: Hämolysine - Attacken auf die roten Blutkörperchen, "Neues von der Giftpilz-Front Vortrag" v. Dr. L. Krieglsteiner
Das betrifft zunächst nur nur die Hämolysine. Z.B. bei den Röhrlingen sind u.a. Lektine oder Xerocomsäurederivate für die Magen-Darm Unverträglichkeiten verantwortlich.
Allgemein:
Der Toxikologe der DGfM Siegmar Berndt schreibt in der Zeitschrift für Mykologie (86/1-2020) folgendes:
"Als roh genießbar gelten - dünn geschnitten, gut gekaut und nur in kleinen Mengen - Steinpilz, Zuchtchampignon, Brätling, Kaiserling, das innere vom Hexenei der Stinkmorchel, die Ringe vom Parasol, sowie Oranger Becherling, Gallerttrichterling und Zitterzahn, letztere nur zu Dekorationszwecken im Salat.
Von den Zuchtpilzen halte ich, roh genossen, den Champignon für geeignet. Allerdings empfiehlt der Bund Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer (BDC) (...) auch Shiitake, Austernseitling, Igelstachelbart, Piopino und den Kräuterseitling zum Rohverzehr. Letztere sollen "fein gehobelt" werden und seinen "köstlich im Salat". Vergiftungen sind mir und wohl auch dem BDC nicht bekannt geworden."
Beeindruckend wenn man bedenkt, dass gerade der Austernseitling roh als unbekömmlich gilt (Hämolysine). Toxinarme Zucht-Rassen, mangelhafte Resorption oder zügiger Metabolismus der Gifte - wer weis.
Ich verzehre generell lieber keine Pilze roh, einzelne Kostproben mal ausgenommen.
LG Thiemo
