Beiträge von rübling001

    Grüße aus dem Wald...




    Und ebensolche aus demselben.


    Was ist eigentlich die Steigerung von Vielfalt?

    Bei 147 Arten haben wir die zeitraubenden, da meist eher zweifelhaften Einordnungsversuche eingestellt und aufgehört zu zählen. Rund 15 der mutmaßlich kulinarisch interessantesten Erstfunde wurden/werden nach 100%er Bestimmung entsprechenden Geschmackstests zugeführt -und/oder gedörrt.

    Von den üblichen Unverdächtigen haben nur gut 6 kg Floxen, Steinis, Rotkäppis, Stockis, Frostis, Perlis, Wald-, Schaf- u. Anischampis, Austern, Reizker, Raslinge, Apfel-, Honig- und Frauentäublinge sowie zwei Hände voll erster Samtfüße Platz in den Körben gefunden. Und wahrlich nicht zuletzt freuen wir uns auf eine ordentliche Portion prächtigster Hallimaschwinzlinge.


    Euch Allen viel Freude, Erfolg und Wohlergehen - im Wald.

    Und wo auch immer.

    2 hab ich mitgenommen und zur genauen Bestimmung einem PSV gebracht.

    Es handelt sich wohl um den Kleinsporigen Prachtklumpfuß, eine zur Zeit häufig gefundene Art unter Buchen.


    Dann hat er den wohl auch unterm Mikroskop gehabt. Wäre interessant wie sich der Elegantissimus ggü. anderen, zum Verwechseln ähnlichen Klumpfüßen und Schleimköpfen (die ja oft ebenfalls ausgeprägt dickfüßig sind) in den Merkmalen sicher abgrenzen lässt. Hast Du hierzu Infos bekommen?

    Die älteren hatten einen Orange- roten Hut und gelbe Lamellen und eine auffallend dicke Knolle am Stielende. Der Geruch war pilzig angenehm.


    Im Wandlitzer Revier unter Buchen sind mir diese - meine ich - auch schon mal begegnet. Ich habe Sie als Schleimköpfe unter Cortinariaceae eingeordnet. Die deutlich ocker-gelblichen Lamellen sprechen gegen den Semmel-/Ziegelgelben Schleimkopf (Cortinarius varius), der in diesem, eher jüngeren Zustand violettfarbene, später bräunliche Lamellen haben sollte. Auf den Fotos sieht man allerdings nicht genug vom Stil und ggf. Velumsresten (Ringkragen am Stilhals). Ob er wg. des weißen Fleischs schon als bedenkenlos gelten darf - da könnte ja mal ein Schleierlingskenner seine Meinung äußern. Wenn es denn tatsächlich ein Cortinarius ist...


    Was ist Dir sonst noch begegnet. Gibt es aktuell ein nennenswertes Artenspektrum?

    Ganz habe ich übrigens noch nicht verstanden, worum es dir geht.

    Ich finde, Steinpilz-Einweichwasser beinhaltet 80% vom Gesamtgeschmack und wenn man das mehr als 1 min mitkocht geht der deutlich zurück.

    Die eingeweichten Pilze selber geben nicht mehr viel her.


    Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, woran du da forschst und worum es dabei geht.


    Also ja, wenn du, sagen wir, 2 cl Pilz-Einweichwasser in, sagen wir, 2 L Flüssigkeit gibst, verdünnt sich die im Einweichwasser enthaltene Pilzaromasubstanz vermutlich um genau den Faktor 100. Ich würde sagen, irgendwie erwartungsgemäß: "geht auch das Aroma deutlich zurück..."


    Nach deinem Empfinden gehen 80% des Gesamtgeschmacks von Steinpilzen ins Einweichwasser über, richtig verstanden?

    Mal abgesehen davon, dass ich das aus meiner Praxis mitnichten bestätigen kann - warum machst du daraus nicht einfach ein Experiment mit Nachweispotential?

    Z.B.: Proportioniere Trockenpilze und Einweichwasser dermaßen, dass du nach dem Quellen über exakt identische Gewichtsmengen an gequollenen Pilzen sowie Einweichwasser verfügst. Püriere die Pilze vorher noch am besten.

    Koche sodann beides zusammen mit einem relativ geschmacksneutralen Aromaträger-Produkt wie Nudeln, Reis, Grieß o.Ä.

    Verwende exakt dieselben Mengen - auch an ggf. zusätzlichem Wasser und Salz. Schmecke am ende mit etwas Butter ab und...teste!



    Übrigens Vorsicht mit unabgekochtem Pilz-Einweichwasser! Es kursieren unentwegt Empfehlungen, man solle Pilze 12 Stunden lang einweichen (Was für die meisten Pilze m.E. maßlos übertrieben ist) Wer das ganze dann auch noch zusätzlich warm stellt, kann auf die Anzüchtung von Salmonellen schon fast wetten - und zwar binnen kürzester Zeit.

    Nach 12 Stunden kann man mit so einer "Kultur" dann u.U. mehrere Schulklassen vergiften. Dagegen ist ein TL voll roher Floxen tendenziell erquickender Balsam.


    BG,

    rübling


    Hi mikromeister,


    das Wesentliche (aus meiner Praxis und Erfahrung) habe ich im Beitrag vorher bereits mitgeteilt.

    Deine Steinpilze verlieren in der Suppe kein Aroma, sondern transferieren es an alles was sonst in deiner Suppe ist, v.a. und zunächst jedoch an die Flüssigkeit - und tatsächlich wollen wir Feinschmecker doch genau das. Also wirf deine Pilze ja nicht zu spät in den Topf. Deine Suppe kocht doch länger als 10 - 15 Minuten, oder? Also welche Relevanz soll dann irgendeine Un-Verträglichkeit bei (beiden!) Hexen u. anderen entspr. indizierten Kandidaten haben? Einweichflüssigkeit wird bei mir so gut wie immer zum Gericht dazu gegeben, allerdings geseit, da sich manchmal unerwünschte Waldpartikel darin absetzen. Wozu genau willst du das Einweichwasser roh verwenden? Wenn es dir um evtl. darin gelöste problematische Substanzen geht, bin ich ad hoc überfragt. Da müsste ich einen meiner Myko-Biochemiker fragen. Nun: Lektine lösen sich nicht in lauwarmem Wasser, Chitinbausteine allenfalls ansatzweise, werden aber wohl nicht ins Wasser übergehen, Toxine und andere Substanzen womöglich in Kleinstmengen schon eher. Aber ich kann dazu keine fundierte Äußerung machen.


    Ganz habe ich übrigens noch nicht verstanden, worum es dir geht.

    Hast du in deine "Forschungen" schon einmal die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit einbezogen, dass exakt ein und dieselbe Pilzart, als unterschiedliche Exemplare, aufgrund unterschiedlicher Terroire, Umgebungen, Wuchsbedingungen, Alter bzw. Reife völlig unterschiedlich schmecken können, ja im Grunde müssen?


    Seit August habe ich bestimmt schon an die 50 einzelne Zwetschgen und Pflaumen unterschiedlichster Provenienz probiert, weil ich auf der Suche nach einem wirklich vollen Aroma war, einfach nur um daraus eine zünftige Latwersch (Mus) zuzubereiten. Ich hätte letztlich nur 2-3 kg haben wollen.

    Und: Ich habe (bislang) keine wirklich guten Pflaumen gefunden - auch wenn die garantiert irgendwo wachsen.

    Bei Pilzen dürfte sich das ähnlich verhalten. Auch Pilze der selben Art können aus unterschiedlichsten Gründen sehr verschieden schmecken.

    Ich empfehle dir, dich einmal von einem Kumpel mit Pilz-Blindkostproben aufs geschmackliche Glatteis führen zu lassen.

    Da wird es dann wohl wirklich spannend.


    LG,

    rübling


    Oh weia.

    Nu hab ich hier schon wieder eine OT-Pforte aufgerissen.

    Hier soll es sich ja irgendwie oder ausschließlich um Flockxen drehen.

    Gerne können wir uns über Reizker austauschen, aber dann wohl besser via PN.


    Trotzdem kurz: Wenn ich Reizker nenne, meine ich Edel- u. Kiefernreizker bzw. entspr. Varietäten.

    Fichten-, Tannen-/Lachsreizker wie auch alle anderen "Bitterlinge" lasse ich dem Wald - dort machen sie mehr Sinn.

    BG

    rübling

    mikromeister


    Inzwischen habe ich eine kleine getrocknete Probe verkostet. (roh)


    Und noch kein einziger PSV hat bis jetzt Alarm geschlagen?

    Wass'n nu los? ;-)




    Trockenpilze eignen sich nur bedingt zum Einlegen oder Marinieren.

    Allenfalls als Geschmacksgeber für andere Produkte, Gemüse etc.

    Wenn du sie nicht vorher einweichst (je nach Volumen der Stücke 15 - 45 Minuten in Wasser oder Brühe oder einer milden Mischung aus Wein und Wasser... jeweils idealerweise um die 35 Grad warm) dann solltest du darauf achten, dass das Medium, dem du die trockenen Pilze beifügst genügend wässrig ist - in Öl oder Alkohol und auch in einem zu salzigen Medium bleiben die Pilze knorrig und geben kaum Aroma ab.


    Floxen (wie für manch einen auch Nexen) gelten von jeher als (mit) die besten Trockenpilze überhaupt.

    Aus Südtirol kenne ich das geflügelte Küchenwort: "Keine Suppe ohne Donnerpilz."


    Wenn du deine Suppe kalt ansetzt, kannst du deine Trockenstücke mit hinein werfen.

    In bereits kochende Massen sollte man möglichst eingeweichte Stücke geben, weil sie dann letztlich zarter werden, das Aroma gleichmäßiger transferieren und bei großen Mengen von Pilzen auch die ggf. schwer verdaulichen Stoffe gründlicher aufgespalten werden.


    Ich habe inzwischen so gut wie alle je gesammelten Pilze, schon aus kulinarischer Neugier, getrocknet.

    Die meisten davon habe ich auch schon einmal pulverisiert.

    Mit Pilzpulver arbeite ich oft und gern, weil das Einweichen wegfällt, ich also auch ganz spontan Würze an alles Mögliche heranbringe. Restmengen von Polysacchariden, Lektinen oder Toxinen (z.B. Parasol oder Hallimasch) halte ich persönlich in Mengen, die eine Laborwaage kaum erfassen kann, für nicht der Rede wert. Da gibt es reihenweise "gefährlichere" Gewürze, die tatsächlich jeder im Küchenregal stehen hat. Auch hier der obligatorische Disclaimer: Das ist aus meiner durch Expertenmeinungen gestützten Erfahrung und Einschätzung geäußert und nicht als Rezept- oder Verzehrempfehlung aufzufassen. Bis auf weiteres gebe ich ohnehin nur noch den Leitspruch eines mir sehr werten Pilz- und Küchenweisen weiter: "Wer weder von Pilzen noch vom Kochen nennenswerte Ahnung hat, lasse die Finger von beidem."


    Aber noch dieses vielleicht zu Trockenpilzen und den Pülverchen.


    Wenn demnächst mal wieder etwas runter kommt, das man ohne Übertreibung als Regen bezeichnen mag und dann die wirklich leckeren Pilze schlüpfen... ja dann:

    Findest ja vielleicht auch du ne gute Portion, sagen wir: Reizker (1 kg Netto)

    Dann probier doch mal Folgendes:

    300g davon trocknest du. Das geht normalerweise in 18 Stunden.

    500g dünstest du äußerst sanft zusammen mit Zwiebeln und etwas Weißwein (oder Sherry) u. einem Klecks Honig, woraus du nach etwa 15-20 Minuten zusammen mit einem guten Gemüsefond die Basis für eine Reizker-Creme-Suppe herstellst. In diese kommen nun auch komplett deine pulverisierten Trockenreizker und nach dem Pürieren eine halbierte Knoblauchzehe. Verfeinern kannst du mit Rahm deiner Wahl oder vegan mit entsprechenden Zugaben wie Kokosmilch etc.

    Das Ganze darf dann weiter leisest köcheln, während du die restlichen Reizker als feinste Spalten in etwas Butterschmalz oder vegan in Walnussöl kurz aber scharf sautierst. Das ist deine finale Einlage. Kräuter, sonstige Gewürze, eben alles Aroma trimmende lässt du weg und auch die halbe Knoblauchzehe fischst du rechtzeitig aus deiner Creme.

    Was will ich damit sagen?

    Wenn du Lust hast, das mal zu versuchen (selbstverständlich auch mit vielen anderen Kandidaten) wird es dir (u.U.) gelingen, ein optimales Aromaspektrum deiner Reizker an deine Geschmacksrezeptoren zu bringen. Im besten Fall wirst du den Pilz geschmacklich völlig neu erleben. Falls du aber Ähnliches oder Spannenderes bereits gemacht hast, freue ich mich über entspr. Auskunft.


    Soweit einmal.

    Aber ohne Regen - zumindest in B-BRB - können wir uns eh nur gegenseitig Rezepte zu funken.



    BG

    rübling

    Malone


    Dazu habe ich die persönliche Mitteilung eines mir sehr lieben Pilzfreundes:

    Deckel auf die Pfanne hilft, auch die obenliegenden Pilze schnell mit durchzugaren.

    Der liebe Pilzfreund hat dir garantiert auch dazu geraten, vorher noch den Herd einzuschalten. ;-)



    Ein weiser PSV und mir sehr lieber Pilzkamerad ist der Ansicht, dass Zeitgenossen, die weder von Pilzen noch vom Kochen nennenswerte Ahnung haben, von beidem die Finger lassen sollten.




    Einen wunderbaren Altweibersommertag wünsche ich allerseits.


    rübling

    Christoph


    Ich muss das jetzt leider kurz halten.

    Ja, ich war richtig verärgert. Und habe im Affekt auf die Pauke gehauen. Das ist mir jetzt auch eher peinlich.

    Trotzdem: Es gibt hier immer die Möglichkeit sich per PN auszutauschen. Oehrling hätte das nutzen können und m.E. sollen, um mich z.B. darauf aufmerksam zu machen, dass mein Beitrag zur riskanten Nachahmung anregen könnte und ich bedenken möge, ein Edit oder eine Ergänzung vorzunehmen.

    Warum denn nicht derart?

    Stattdessen wird ein Fass aufgemacht und es wird alarmiert und angeprangert - genau so jedenfalls habe ich das empfunden.

    Ansonsten habe ich überhaupt keine Aversion gg. PSV. Ganz im Gegenteil, ich hätte zu gerne nur einen Bruchteil des Pilzwissens, dass Eure Zunft sich intensivst über Jahrzehnte aneignen und stets auf den aktuellen Stand hieven muss. Ich selbst traue mich gerade mal an die 40-50 Pilze m.o.w. sicher zu bestimmen. Wenn's hoch kommt, kenne ich 100 Kandidaten namentlich. Und da hört es schon auf. Dafür halte ich mich für halbwegs talentiert, aus diesen prächtigen Gewächsen ggf. etwas Schmackhaftes zu fabrizieren.


    Betr. Chitin:

    Die Polysaccharide im Chitin sind durch bestimmte Säuren (z.B. Zitronensaft, der u.a. bis zu 10% Citronensäure und rund 6% Apfelsäure enthält) tatsächlich abbaubar! Das jedenfalls ist die offizielle Auskunft ausgewiesener Experten, mit denen ich u.a. darüber einen Austausch hatte, die zwar auch horrendes mykologisches Wissen, aber mit Mykokulinarik nicht viel am Hut haben. Im Übrigen ist das erstens bei weitem nicht neuester Stand der Wissenschaft - zum zweiten entspricht es meiner höchstpersönlichen Erfahrung. Es ist nämlich herstell- u. erlebbar: Für ein Steinpilz-Carpaccio z.B. kombiniere ich zwei Teile Zitronensaft mit einem Teil (Sherry)-Essig, nicht zu wenig Salz und ein Klecks Honig werden darin gründlich aufgelöst. Das Öl wird entweder zum Schluss eingerührt oder separat aufgeträufelt - Geschmackssache oder eine Frage der Optik. Die rohen Steinpilze werden hauchfein geschnitten - 1mm ist schon fast zu dick - das geht, versteht sich, nur mit einem wirklich scharfen Messer. Die Marinade wirkt etwa 10 Minuten ein - nach meiner Erfahrung reicht das zur Garung aus. Ja, ich habe zuweilen schon von einem traumhaften Steinpilz-Ragout erbärmlich gekotzt - nach Verzehr eines von mir bereiteten Steini-Carpaccios aber, hatte ich nie ansatzweise Unverträglichkeitsanzeichen!

    Aber lass uns vielleicht nicht hier darüber diskutieren. Ich schlage vor, wir beide eruieren noch einmal gründlich die Frage "Chitin-Demontage durch Säure?". Dann können wir unser komplettiertes Wissen gerne austauschen und lernen sicherlich gegenseitig Weiteres dazu.


    Lektine sind durch Säure nicht - jedenfalls bei Weitem nicht effektiv - abbaubar. Darüber gibt es wohl keinen Dissens - oder habe ich mich dazu irgendwo missverständlich geäußert?

    Vielmehr jedoch durch Fermentierung, zu welcher bekanntlich auch Salze beitragen. Hier sind wir dann im Mikrokosmos der Acetobacter und anderen Winzorganismen - insbesondere aber bei den Milchsäurebakterien.

    Was das Versäuern von Lebensmitteln insb. auch von Pilzen angeht, habe ich am meisten und nachhaltigsten von koreanischen sowie russischen KüchenmeisterInnen gelernt - und hiermit meine ich keine Haute-Cuisine-Köche, sondern v.a. Frauen, aber auch Männer, die mit einer zutiefst traditionellen Küche aufgewachsen sind. Die Fermentation von Lebensmitteln wurde bei uns durch die Kühl- und Gefrierschrank-"Kultur" in den vergangenen 70 Jahren aus unserem Ernährungsalltag weit zurück gedrängt - ein ehemals alltägliches, eigentlich existentielles Küchenwissen wurde schlicht vergessen.

    Das ändert sich seit rund 10 Jahren sukzessive, denn nicht zuletzt vegane Ernährung ist auf gute Verträglichkeit von diversen hoch lektinhaltigen Produkten unweigerlich angewiesen.

    Wobei man (gerade hier) vielleicht einmal eine Umfrage machen müsste, wer eigentlich irgendwann schon einmal fermentierte Pilze

    gegessen hat.

    Und wie die geschmeckt haben.


    Nun gut. Soweit erstmal.



    Ich freue mich ja außerordentlich über einen diskursfähigen Duktus.


    Beste Grüße,

    Christian

    Bevor es jetzt diversen Experten nur noch darum geht, mich in Bausch und Bogen als hirnlosen Rohpilzschlemmer anzuprangern, bitte ich nochmals darum, zur Kenntnis zu nehmen, worum es eigentlich ging. Was mikromeister schrieb, habe ich so verstanden, dass er schon einmal zur puren Geschmacksprobe den einen oder anderen Pilz stückchenweise im Mikrowellengerät gegart hat. Mal davon abgesehen, dass es in meiner Küche keine Mikrowelle gibt, habe ich darauf hingewiesen, dass ich ab und an meines Wissens und meiner Erfahrung nach unbedenkliche Speisepilze auch ohne Hitze v.a. durch (gründliches) Marinieren insb. durch Säure und Salz gare und im Gewichtsbereich von wenigen Gramm (1 TL bis 1EL) probiere, zum Zwecke einer puren Geschmackserfahrung. Ich habe weder mit Flockxen oder Netzxen noch mit Hallimasch oder anderen roh indizierten Kandidaten jemals kalt gegarte Pilzgerichte bereitet - geschweige denn Dritten kredenzt.



    @Tricholomopsis

    Danke schön auch für deine Infos. Substantiell Neues war für mich bisher noch nicht dabei.

    Aber was du insbesondere unternimmst, um mich als ahnungs- und gewissenlosen Pilzhasardeur zu desavouieren, das ist schon recht perfide und mutwillig. Hab' ich dich irgendwie persönlich angegangen? Ich hätte ein "Plädoyer" für Rohpilzgourmanderie gehalten. Das ist schon echt tolldreist, oder nicht?

    Was Lektine angeht, bemühe ich mich schon aus persönlichen gesundheitlichen Gründen ständig auf dem neuesten Stand zu sein. Eine Lektin-Restdosis in der Probe eines roh unbedenklichen, kalt gegarten Speisepilzes, welche auf einen Espressolöffel passt, halte ich allerdings für absolut unbedenklich ggü. unzähligen alltäglichen Produkten mit oft virulenten Lektingehalten, die wir uns normalerweise von morgens bis abends einverleiben.

    Du wolltest noch wissen, woher meine Kenntnisse stammen wie man u.a. Chitin und Lektin in Pilzen abbauen kann. Übrigens habe ich, was du mir ja ebenfalls andichtest, nie und nirgendwo geschrieben, man könne durch Marinieren von irgendeinem Pilz Chitin oder Lektin vollständig zersetzen - vielleicht funktioniert das ja u.U. tatsächlich, nachweisen jedoch konnte ich das bislang nicht. Nun, mein Kochwissen, auch und v.a. was das Fermentieren, Einsalzen und Marinieren von Pilzen betrifft, stammt aus der koreanischen, der japanischen und v.a. aus der russischen, litauischen und mongolischen Küche. Dort gibt es ein Jahrhunderte altes Wissen darüber wie Gemüse, Fleisch und eben auch Pilze durch Kaltgarung gut verdaulich, lange haltbar und zugleich schmackhaft gemacht werden können.


    Was Alkohol und Hexen angeht, hast du ebenfalls gezielt nicht verstanden, was ich geschrieben habe. Ich kenne die Thematik hinreichend. Genau deswegen sind mir auch die immer aufs Neue kursierenden Gerüchte und Legenden bekannt - google doch mal wieviele sich widersprechende "Experten"- Meinungen es dazu gibt. Und warum? Weil nahezu jeder seine individuellen Erfahrungen dazu hat und diese tendenziell für verallgemeinerbar hält.

    Ansonsten habe ich unter Disclaimer, wie ich meine, alles klar gestellt, was evtl. noch gegen mich ins Feld geführt kann.

    Und jetzt ist es aber auch mal gut - oder?

    Und die Diskussion zu den Butterpilzen findest du sicher selbst, wenn du einfach nur deine Beiträge durchguckst.

    Ah ja, und du erwartest jetzt, dass ich nach meinem eigenen Beitrag forsche, den du ja offenkundig im Wortlaut zu kennen vorgibst, aus welchem diese deine dreiste Unterstellung hervorgehen und nachweisbar sein soll.

    Völlig ungeprüft versichere ich hiermit erneut, dass ich nie und nirgends behauptet habe, irgendjemand möge, wolle oder könne jemand anderen mit Butterpilzen vergiften. Butterpilze interessieren mich überhaupt nicht, ich mag sie nicht - und überlasse sie grundsätzlich der Natur. In meinem Beitrag ging es im Übrigen um etwas ganz anderes.

    Mehr ist von meiner Seite dazu nicht zu sagen.

    Falls du weiterhin Gegenteiliges behauptest, belege es anhand von unwiderlegbar 'mir' zuzuordnenden Posts.


    Das wäre fair - und ist hier ansonsten auch Usus.

    Beste Grüße,

    rübling

    Ich den allermeisten Fällen sind die hitzelabilen Toxine unbekannt, soweit mir bekannt ist. Dass sie durch kalte

    Von welchen toxinhaltigen Pilzen genau war bei mir die Rede?


    Hier geht/ging es um Hexenröhrlinge - im Speziellen um flockenstielige.

    Die da bitte schön ganz genau welche Toxine enthalten?


    Meines Wissens nach wurde in Flockies noch kein "Gift" entdeckt (wobei ich jetzt nochmal recherchieren müsste wie genau die tagesaktuelle Definition für Gift aussieht) Vielmehr weisen Hexen ein besonders robustes Chitingerüst auf, weshalb sie meist sogar nach massiver Hitzeeinwirkung noch ordentlich bissfest und nicht zuletzt gerade deshalb bei ggü. labbrig-schleimigem Pilzfleisch eher abgeneigten Essern (zu denen auch ich mich tendenziell zähle) so beliebt sind.

    Diese Chitinstruktur lässt sich z.B. mit Zitronensaft oder Essig, also 6 -10%igem Säuregehalt relativ rasch zumindest weitgehend aufspalten - etwas Salz tut das Übrige. Erfahrungsgemäß jedenfalls effektiver als durch übermäßige Hitze.

    Danke dir für die Anregung zur expliziten Erläuterung.


    Nun kommt ja bei Hexen das andere unauslöschliche Narrativ hinzu: Die kolportierte Unverträglichkeit/Giftigkeit von Hexen bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol. Biochemisch übrigens wiederum relativ leicht erklärbar, da gewisse Mengen von Alkohol in gewissen Mägen bei gewissen Mengen von unzureichend gegarten Hexen (oder anderen Chitinmonstern), die Melange des Magenmediums derart unterminieren können, dass dieses mit der Verdauung der zu eben diesem Zeitpunkt konsumierten Pilzmahlzeit, welche eine u.U. übermäßige Menge an extrem schwer verdaulichen Saccharidestern enthält, restlos überfordert ist und Alarm schlägt. Aber auch hier gilt wie bei fast allen anderen Kandidaten bei denen erhebliche Mengen von Toxinen nach wie vor nicht nachweisbar sind: wir haben es immer mit mehr oder weniger gehäuften bedauerlichen Einzelfällen zu tun. Und wir kennen die womöglich unzähligen Fälle nicht, in denen trotz viel Alkohol und trotz hoher Mengen unzureichend gegarter Hexen keinerlei Beschwerden aufgetreten sind. Warum nicht? Weil es für niemanden einen Anlass zur Kundgabe bzw. Registrierung gibt.

    So ist es mit nahezu allem, was wir zu uns nehmen, mit allen Unverträglichkeiten, allen Aversionen und Allergien ggü. allen möglichen Lebensmitteln und sonstigen Stoffen mit denen wir in Kontakt geraten. Es gibt eine bestimmte registrierte Anzahl von im besten Falle klinisch aussagekräftig d.h. verwertbar beschriebenen problematischen Einzelfällen und eine kaum definierbare Größe - genannt: Dunkelziffer.

    Ich meine, dieses Forum hier ist ein idealer Raum um wahrhaftige und fundierte Erfahrungen auszutauschen, um nebulöse Pilznarrative und -mythen in ein realeres Licht zu rücken. Und zwar gänzlich ohne zu Leichtfertigkeit oder Fahrlässigkeit zu ermutigen. Wenn ich dazu in irgendeinem meiner letztlich überschaubaren Beiträge tendiert habe, so geschah dies allenfalls aus Leichtsinn oder Übermut, und wäre trotzdem oder gerade deshalb nicht in Ordnung. Siehe daher meinen Disclaimer weiter oben - dem ist bei aller Gewissenhaftigkeit meinerseits nichts hinzuzufügen.

    Wenn hier jedoch ein Wichtigtuer wie ein selbsternannter Giltpilzpolizeioberinspektor, wie ein Jens Spahn des Pilzforums sich in einer Art geriert, als hätte hier jemand zum massenhaften Rohverzehr von Pantherpilzen aufgerufen, erlaube ich mir in verhältnismäßiger Manier zu erwidern. Soviel Freiheit muss erlaubt sein.


    Und was war das mit Butterpilzen?

    War das auf mich gemünzt? Ich hätte also vermeldet, irgendjemand wolle andere mit Butterpilzen umbringen?

    Ernsthaft jetzt?



    Bitte freundlichst um Klärung, craterelle.


    Vielen Dank und beste Grüße,

    rübling

    An den VORSICHT-LEUTE-ICH-BIN-SEHR-WICHTIG-PSV ;-)


    Die Selbstbenennung "Notorische Spaßbremse" ist ja schon mal arg untertrieben. Nun ja, jedem sein selbstgewähltes Image und Plaisir.

    Vielleicht aber solltest du zunächst einmal den von dir indizierten Beitrag wörtlich und inhaltlich zur Kenntnis nehmen.

    Dort wurde aus der Erfahrung persönlicher Praxis geschrieben - inkl. Hinweis auf angebliche Giftigkeit bzw. Unverträglichkeit des diskutierten Kandidaten. In 50 Jahren habe ich noch nie gehört oder gelesen, dass der Konsum von wie erwähnt zubereiteten Proben (jedenfalls solcher Speisepilze, die im Rohzustand nicht außerordentliche Giftgehalte aufweisen) im Mengenbereich eines Esslöffels bei einem normalgesunden homo sapiens zu irgendwelchen Beschwerden geführt hätte. Hingegen neigen je nach Alter und Konstitution statistisch 8-10 Prozent der Bevölkerung zu allergischen, gastroenterologischen u.a. klinischen Empfindlichkeiten aufgrund Genuss von Pilzen im Allgemeinen u. Speziellen - und hierbei wird wohlgemerkt! en gros von hinreichend gegarten Pilzen ausgegangen. Ich selbst leide unter einer Unverträglichkeit gegen Maronenröhrlinge - während alle anderen Mitesser wohlig gesättigt oder selig eingeschlafen sind, kämpfe ich manches Mal mit Komplettentleerung, Kreislaufkollapsen und heftigen Fieberschüben. Bei Besuchen und Gesprächen mit Medizinern, die u.a. derartige Phänomene erforschen, habe ich erfahren, dass mit deutlich zunehmender Tendenz Aversionen/Allergien insbesondere gg. Wildpilze diagnostiziert werden. Ich für meinen Teil interpretiere das als ein weiteres Indiz für die fortschreitende menschliche Entfremdung und Degeneration von etwas, dem wir vor vielleicht 500.000 Jahren noch zugehörten - und irgendwann einmal von uns Natur genannt wurde.

    Doch nun zu deinen "notorisch spassbremsenden" oder - ich trage auch das mal in die Breite - häufig geschmacksvernichtenden mindestens(!!)15 Garminuten: Jeder hier, der mit Pilzen und deren Genuss aufgewachsen ist, weiß gut, dass eben diese Vorgabe reiner VORSICHT-LEUTE-EXTREM-WICHTIG-PSV-ALIBIALARM ist - absolut analog den Mindesthaltbarkeitsausweisvorschriften auf den Produkten aus unseren Discountern und Supermärken. Mykokulinarik lässt sich nicht auf eine Mindestgarzeit herunterbrechen. Bei der Speisezubereitung von und mit Pilzen sind die Zutaten, also Pilzmenge und inwiefern man Frisch-, Trocken- oder gefrostete Pilze verwendet - andere Beigaben wie Zwiebeln, Knoblauch, Gemüse oder Fleisch, die Zugabe von Säure, Salz oder Alkohol, diverse Methoden/Vorbereitung/Weiterverarbeitung, Niedrighitze/Rest- bzw. Nachhitze und anderes ebenso wesentlich und nicht selten entscheidender. Selbstverständlich achte auch ich bei bestimmten Pilzen inklusive ausdrücklicher vorheriger Nachfrage bei evtl. pilzempfindlichen Mitessern äußerst gewissenhaft auf beste Verträglichkeit. Das führt aber mitnichten dazu, dass ich allen meinen Gästen 15-20 Minuten lang(!!!) mausetotgebratene Maronen zumute, nur weil ich selbst eine Magendarmkrise befürchte.


    Und vielleicht noch ein wenig Küchenlatein "in die Breite" - möglicherweise lernt so mancher PSV dabei ja auch noch etwas ;-)

    Garen - auch von Pilzen - erreicht man nicht notwendigerweise oder ausschließlich durch Hitze. Weitere Garmethoden zur bestmöglichen Verdaulichkeit - auch bei vielen Pilzen - sind z.B. Fermentieren, Salzen und Marinieren - also wie in meinem vom VORSICHT-LEUTE-WICHTIG-PSV indizierten Beitrag erwähnt: Dabei sind die biochemisch entscheidenden Faktoren Säure und Salz, auch - jedoch in geringerem - Maße Öl und Zucker. Insbesondere Säure und Salz tragen zum Um- bzw. Abbau von schwer verdaulichen Pilzbausteinen wie Chitin, aber auch von Proteinen bei, übrigens je nach Marinadezeit(!!) sowie je nach Pilzart nicht selten effektiver als übermäßig-endlose und aromazermalmende Hitze.


    PS.

    Natürlich gibt es auch Notwendigkeiten für längere Hitzeeinwirkung. Die haben zumindest bei mir jedoch rein kulinarische Gründe. Wenn ich bspw. einen zünftigen Pfifferlingsrahm zubereite, dann braucht dieser ein bis zwei Stunden. Aber auch hierbei ist "Hitze" eine relative Größe: Der weißweinlastige Rahm wird nämlich bei 75-80 Grad niedrigsttemperaturgeköchelt und dabei um mehr als die Hälfte reduziert - wobei die Pfifferlinge (oder/und andere Kandidaten) weil nur sanft pochiert, eine optimale Konsistenz be-/erhalten und ihr Aroma perfekt an den Weinrahm transferiert haben.


    Lasst uns den Pilzen huldigen, indem wir sie in erster Linie respektvoll bestaunen, also einfach dort lassen, wo sie sind, wenn wir nicht wissen was wir mit ihnen Sinnvolles anstellen sollen. Lasst sie uns sodann vor Allem behutsam zubereiten, um sie - die Pilze nämlich - uns wirklich und wahrlich schmecken zu lassen... Und an dieser Stelle kann ich mich mikromeister vollumfänglichst anschließen - präziser ist die Einfältigkeit landläufiger Pilzverwertung nämlich nicht auf den Punkt zu bringen: "In Butter angebratener Speck mit Pfeffer schmeckt tatsächlich super, macht in entsprechender Menge allerdings auch aus Pappkarton ein genießbares Gericht."



    Abschließend nachträglich der forumsordnungsgemäße Disclaimer:


    Wenn ich rohe, aufgrund von Marinadegarung zubereitete Pilze (wie in meinem Beitrag weiter oben beschrieben) in Grammportionen zur Geschmacksprobe zu mir nehme, tue ich das selbstredend zunächst für mich allein, ausschließlich auf eigene Verantwortung. Aus einer diesbezüglichen Mitteilung folgt selbstverständlich keine Verzehr- oder Rezeptempfehlung an die restliche Menschheit.

    Meine Oma dazumal und nach ihr wohl immer noch unzählige Hallimaschköche sieden denselben bevor sie ihn wie auch immer verwerten 15-30 Minuten in sprudelndem Wasser, welches anschließend in den Abfluss gelangt, weil es, wie irgendwer mal sagte, tendenziell giftig sei. Oft genug habe ich das genauso gemacht wie meine Oma. Bis ich dieses Vorher-Abkochen weggelassen und festgestellt habe, wie viele tolle Aromen und Röststoffe der Hallimasch zustande bringt, welche sich nun in einem für mich und meine Lieben beschwerdefrei genießbaren Pilzgericht befanden und nicht mehr im Gully. Nein, auch dies ist keine Rezept- und Verzehrempfehlung, obwohl ich heute eigentlich nur noch Leute kenne, die Hallimasch nicht vorabkochen - sondern in einem Gang reichlich erhitzen - und noch nie Vergiftungssymptome hatten.

    Und auch wenn viele Menschen aus meinem Familien- und Bekanntenkreis mir folgend den einen oder anderen mit dem dringlichen "Mindestens-15-Minuten-bei-mindestens-95-Grad-Abkoch-Verdikt" ausgewiesenen, roh marinierten Pilz - wie ich - auf eigene Verantwortung und ebenso folgenlos probiert haben, würde ich hiervon mitnichten auf die Allgemeinheit schließen.

    Wer sich und seine gesundheitliche Konstitution nicht kennt, sollte aus welchem Grund oder auf welche Art auch immer nicht hinreichend gegarte insb. Wildspeisepilze eher nicht probieren - zumindest sich nicht einverleiben. Heißt: wie bei der Bestimmung von vielen Pilzarten notwendig, ein kleines Stück zwischen vorderer Zahnreihe und Zunge schmecken, um anschließend alles restlos auszuspucken. Wer beabsichtigt durch Marinade gegarte Pilze zu verspeisen, sollte das als unerfahrener Pilzkonsument nur mit Arten vornehmen, welche von mindestens 89% sämtlicher amtlich vereidigten PSV aktuell, d.h. binnen der vergangenen 24 Monate bis dato, als roh beschwerdefrei genießbar klassifiziert werden.

    Und allen, die sich mit Pilzen ordentlich auskennen, die demnach möglichst sämtliche gesundheitsgefährdend wie auch lethal toxischen Pilzarten zu bestimmen wissen sowie diese von den meisten essbaren bis köstlichen Arten tatsächlich unterscheiden können: Viel Vergnügen beim Experimentieren und Entdecken in der Welt des eigentlichen Pilzaromas.






    Für eine "reine" Geschmacksprobe braucht es keine Hitze.

    Sondern lediglich die vier wichtigsten Geschmacksvermittler: Fett + Säure + Süße + Salz.

    Im Verhältnis 3 Tropfen Öl (z.B. von der Walnuss), 2 Tropfen Zitrone oder milder Essig, 1 Tropfen Honig und ein Mü Salz anrühren. Und dann auf Deine (wirklich hauchfeinen) Pilzscheiben pinseln. Carpaccio von rohen frischen Steinpilzen, Champignons, Seitlingen, ja, sogar schon von Pfifferlingen gehören zumindest in meiner Küche zum mykokulinarischen Repertoire.

    Nun sollen Hexen ja roh angeblich leicht giftig bzw. schwer verdaulich sein. In größeren Mengen würde auch ich das nicht zwingend ausprobieren. Aber ein paar Scheiben im Bereich von 5-10 Gramm für einen Rohgeschmackstest, dürfte wohl bei keinem ausgewiesenen Speisepilz zu nennenswerten Beschwerden führen.

    "Echter" Sommersteinpilz wohl eher nicht. Da dieser die typisch rissige oder gehämmerte Huthaut nicht ausbildet.

    Wenn er deutlich anders als echte Steinpilze, d.h. tendenziell karbolig riecht, vermute ich:


    Blasshütiger Röhrling, Marmorierter Röhrling, Gehämmerter Röhrling, Gefleckthütiger Röhrling, Gehämmerter Steinpilz (HEMILECCINUM DEPILATUM SYN. BOLETUS DEPILATUS, XEROCOMUS DEPILATUS)


    Über die Qualität scheiden sich manche Geister. Meine letzten Funde habe ich u.a. getrocknet. Sie haben eine strengere Note als Steinis, stehen diesen aber in nichts nach.

    Herzlichen Dank für den lesenswert interessanten Bericht und die Fotos der von Euch erlebten Vielfalt.

    Und Glückwunsch natürlich!


    PS.

    Der kriechende Pilz mit der Punkerfrisur und dem roten Hörnchen ist übrigens ein letztlich eher unscheinbarer Nachtschwärmer, der seinen Namen (Calliteara pudibunda) Buchen-Streckfuß oder auch Rotschwanz sinnigerweise nach dem Erscheinungsbild als Raupe trägt .

    Die Haare der Raupe sind tatsächlich mit Vorsicht zu genießen, da sie - obwohl bei weitem nicht so heftig wie beim Eichen-Prozessionsspinner - aber immerhin bei manchen Menschen Hautreaktionen auslösen können.

    Hallo Romo,


    seit ein paar Wochen stehen diese Kandidaten tatsächlich vielfach parallel z.B. zu Riesenschirmlingen, Wiesenchampignons, Bovisten u.a. auf Wiesen u. Weiden, auf denen auch ich unterwegs war. Ich habe sie dann, wie nobi, an einem Einzelstück als rosablättrige Egerlingsschirmlinge bestimmt und alle anderen ansonsten in Ruhe gelassen, auch wenn Sie - wie Deine Exemplare dem Anschein nach ebenfalls - sehr appetitlich wirken und wohl auch entsprechend duften. Sie gelten allerdings (mittlerweile) als unverträglich. Ich habe schon mal welche probiert; weder haben sie mir geschadet, noch besonders gut geschmeckt.


    Wenn Du seriöse Kommentare zu Pilzen möchtest, und dann noch zu Lamellenpilzen, die eine Knolle haben, muss die Stielbasis unabdingbar vorhanden sein. Auch wenn Du damit zum PSV gehst, wirst Du von diesem normalerweise keine Verzehrempfehlung erhalten. Und hier im Forum - zumal mit solchen Dokufotos - ohnehin nicht.


    Mit "Bäumen" aber liegst Du absolut richtig. Kollenblätterpilze sind nämlich an diese gebunden. Aber Bäume stehen zuweilen auch auf Wiesen oder in Wiesennähe z.B. in Parks: v.a. Buchen, Eichen u. Birken. D.h. man kann tödliche Knollies auch außerhalb oder unabhängig von sogenanntem Wald antreffen.

    Und dann gibt es auch noch ein paar u.U. lethale Schirmlinge.


    Beste Grüße,

    rübling

    Für eine nennenswerte Artenvielfalt reicht es erwartungsgemäß (noch?) nicht. Jedenfalls nicht südlich von Potsdam, in den vorwiegend monotonen Habitaten, wo ich gestern unterwegs war. Für viele von derselben Art hingegen schon. Insbesondere massenhaft wundervolle Fliegenpilze und Steinpilze. Außerdem: reichlich Maronen, allenthalben Parasole, auch Kremplinge, Schwefelköpfe, Täublinge und diverse andere Einzelgänger, z.B. Birkenporlinge. In die wenigen etwas interessanteren Mischwaldpartien habe ich gar nicht hineingeschaut, weil ich gezielt eines meiner Steinpilzterrains inspizieren wollte, und weil man als Biker auf märkischen Sandwegen beträchtliche Zeit für Schieben und Marschieren einplanen muss. An den bekannten Stellen ist mir der größte Teil von letztlich über 40 Steinis schon während der ersten halben Stunde bereitwillig in den Korb gehopst - nur das Säubern hat aufgehalten. Für weitere wohl gut 50 hatte ich schlicht keinen Platz oder sie waren noch zu jung, zu alt oder schon zerfallen. Was ich kaum glauben konnte, so gut wie alle Steinpilze sind ohne Fraß - keine Spur von Maden, Mäusen oder Schnecken. Womöglich auch Folge der Dürre?

    Überraschend auch: nicht eine einzige Schnittstelle! Obwohl der Einheitsfeiertag offenbar Heerscharen von Pilzsuchenden ins Umland getrieben hat und ich wegen 2 Zugausfällen sogar erst gg. Mittag vor Ort war.


    Ich muss mir aber noch irgendein gutes Patent für einen schonenderen Pilztransport per Fahrrad ausdenken. Alles über 8-9 kg, und soviel war das gestern locker, ist einfach grenzwertig. Pilze in einem vollen Korb - zumal bei höherer Feuchte - leiden ja schon unter ihrem Eigengewicht, ohne sonderlich bewegt zu werden. Was, wenn sie dann noch 5, 10 oder 20 km durchgeruckelt werden. Man sieht es z.T. auf dem Foto. Vielleicht kennt ja jemand Lösungen aus eigener Praxis.


    Auf ein pilzträchtiges WE allerseits. Ich bin gespannt auf Neuigkeiten.


    War eigentlich dieser Tage jemand in Berlin unterwegs? Grunewald, Tegeler-, Düppeler Forst, Friedrichshagen, Rahnsdorf, Köpenick, Schmöckwitz oder gar im Tiergarten? Falls ja, was tut sich denn dort?



    Beste Grüße,


    Christian / rübling




    look at me



    Konkavöffnung



    Mehrere Pärchen und auch: Drillinge


    Gecheckt, geputzt, sortiert...

    @ :)seph*

    Du sagst es. Der Faltentintling soll ggü. dem Schopfi das 40-60fache an 'Coprin' enthalten. Das ist das Stöffchen, das angeblich mit Alkohol unangenehm reagiert. Trotzdem lesen wir immer noch in allen möglichen Ratgebern online und in Pilzbüchern Ähnliches oder Gleiches über den Schopftintling.


    Mir geht es ja auch nur darum, dass die Verträglichkeits-/Giftigkeits-Thematik (inkl. Alkohol+Pilze) eben komplex und oft genug von Esser zu Esser so individuell ist, dass zahlreiche verallgemeinernde "Narrative" oft eher irreführend sind.

    Auch die Theorie, dass Maronen immer mindestens 25 Min. kochen sollten.... Frag doch mal 100 Pilzköche. Wieviele bitte kochen Maronen immer ne halbe Stunde? Und nochmal: Die besagten 3-4 kapitalen Kotzanfälle inkl. hohem Fieber und Kreislaufkollaps, die ich nach Maronenverzehr in wohl 25 Jahren hatte, die hatte exklusiv ich - sonst hatte niemand von den Mitessern auch nur eine Verdauungsauffälligkeit. Und dann habe ich auch schon zig Mal Maronen ohne irgendwelche Symptome gegessen - die waren manchmal gerade mal 5 Minuten in der Pfanne. Also was genau ist hier der Fall? Ich gehe mittlerweile davon aus, dass es ganz bestimmte Untervarietäten von absolut identisch aussehenden Maronen gibt, deren Proteinstruktur vielleicht ein klein wenig anders gebaut ist, als bei anderen Maronen - jedoch ausgerechnet bei meinem Immunsystem Alarmstufe Rot auslöst. Und wie gesagt, betrifft das mitnichten nur Pilze. Es gibt bekanntlich Lebensmittelallergien u. -aversionen, die bei Millionen Betroffenen ähnlich kritische Auswirkungen haben können.


    Noch ein Beispiel: Nach wie vor gelten Pfifferlinge als tendenziell schwer verdaulich, ich habe das von den Eltern so gelernt und die von ihren Eltern und Großeltern, und ich lese das bis heute allenthalben. Nun hatte ich persönlich nie auch nur ansatzweise ein Problem mit Pfifferlingen und zwar völlig unabhängig von der Garzeit, die ich mitunter eher kurz halte, weil mir sonst viel zuviel von dem herrlichen, fruchtig-frischen Aprikosenduft im Dunstabzug verschwindet. Ja, ich habe sogar schon Pfifferlinge roh als Carpaccio ohne jegliche Folgen verspeist.


    Aber um auch das zu sagen. Ich habe nicht die Absicht, zum leichtfertigen Umgang mit irgendwie indizierten Pilzen aufzurufen - sondern dazu, ab und an genauer hinzuschauen, zu hören und zu lesen - damit man Mythen und Legenden von wissenschaftlicher Empirie (Biologie / Mycologie / Biochemie / Toxologie) immer öfter unterscheiden kann.


    PS.

    Zur Zubereitung des Schopftintlings:

    Für meinen Geschmack braucht er ordentlich trockene Hitze, etwas Olivenöl, ein wenig Knoblauch und Rosmarin oder Thymian sowie reichlich Röstaromen, dann ist er extrem lecker.

    Endlos in zuviel Flüssigkeit geköchelt und u.U. noch mit jeder Menge Soßenbinder verpampt, ist er zum Davonlaufen - also wie bei meiner Tante Emmi.

    Apropos Schopftintlinge bitte mal kurz den Ball flach halten ;-)

    Mir ist kein einziger beschriebener Fall einer Schopftintlingsvergiftung bekannt - also wirklich "unglücklich" hat sich mit diesem Kandidaten höchstwahrscheinlich noch kein Mensch gemacht. Außer einigen wenigen besonders experimentierfreudigen Kulinariern unter den Pilzexperten, dürfte wohl niemand einen 24-stündigen, in diesem "gesegneten Alter" dann vorwiegend aus tintenschwarzem Glibber bestehenden, Tintlingsmethusalem verspeist haben. Und falls doch, hatte derjenige allenfalls einen zünftigen Ekelanfall, aber keine "Vergiftung".


    Ebenso sollte das irgendwie unauslöschbare Narrativ über die Unverträglichkeit des Schopftintlings in Verbindung mit Alkohol allmählich einmal durch belastbare biochemische bzw. klinische Belege nachvollziehbar gemacht werden. Es gibt nicht wenige Menschen, die bei fast allen Pilzen Verdauungsprobleme haben. Während die meisten trinkfesten Pilzesser so gut wie alle Pilze in Verbindung sogar mit reichlich Alkohol gut vertragen. Dann gibt es wieder Zeitgenossen, denen Alkohol in kleinsten Mengen entweder gar nicht bekommt oder u.U. den Eintritt ins Paradies vermasselt.

    Ich zum Beispiel habe bedauerlicherweise eine spezifische Unverträglichkeit beim Verzehr von Maronen, die sich nicht immer, aber schon einige Male, meist nächtens, in Form von massiven Vergiftungssymptomen wie Schweißausbrüchen und konvulsivischer Komplettentleerung sämtlicher Regionen des Verdauungstrakts gezeigt hat - während stets alle anderen Mitesser morgens frisch und bestens erholt waren. Was dazu geführt hat, dass ich insb. Maronen erheblich länger als notwendig zu garen pflege und möglichst in kleinen Mengen verzehre, während ich den größten Teil ohnehin am liebsten trockne.

    "Giftigkeit", "Essbarkeit", "Genießbarkeit" sowie "kulinarische Höchstwertigkeit" sind, wenn es um Pilze geht, in vielen Fällen relative, nach wie vor irgendwie ziemlich unscharfe Kategorien. Übrigens wie bei allen anderen Nahrungsmitteln auch. Nur da gibt es seltsamerweise deutlich weniger Märchen, Mythen und Legenden.


    PS.

    Wenn ich beispielsweise zuweilen sehe, was mancheiner an eigentlich unverkennbar überständigen Pilzen in seinem Korb so nach Hause trägt, denke ich mir, dass eben das womöglich weitaus häufiger zu Vergiftungen führt, als die allseits gefürchteten Kapitalverwechslungen.

    Nun ja, gegessen wurden sie bereits des Öfteren - und ab 80 bis 100g auch schon mit tödlichem Ausgang. Insofern ist "können" üblicherweise nicht korrekt formuliert, wenn es um den Verzehr geht. Dabei dreht einem eigentlich schon der Geruch den Magen um.

    Besonders das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) wird mit dem Gifthäubling (Galerina marginata) immer wieder einmal verwechselt, insb. da beide Saprobionten sind und manchmal an ein und demselben Ort - quasi miteinander gedeihen. Wer nicht sämtliche Unterscheidungsmerkmale zuverlässig kennt, lässt sowohl den einen wie den anderen im Wald.



    Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis)

    Hallo Ihr,


    auch von mir einen sehr herzlichen Dank an Euch alle für das schöne und ent/spannende Wochenende.
    Ich habe wieder viele neue Entdeckungen gemacht und einiges an Wissen dazu gewonnen. Das ist mir viel wert, da ich mir in der Pilzbestimmung bei Euch Mycoperten oft wie ein Grünschnabel vorkomme.
    Toms Vorschlag für eine austernseitliche, judasohrdentliche Samtfußwanderung bei Frost, Schnee und Eis finde ich fantastisch. War die nicht letzten Winter auch geplant und fiel aus. Oder hab' ich was versäumt? Vielleicht könnte man ja irgendwo in BRB oder MVP etwas mit besonders verführerischer Wellnesszone buchen - und dann selbstverständlich wieder alle gemeinsam lecker kochen und tafeln. Wobei ich für die nächsten Male empfehlen würde, entweder möglichst alle Gänge ausschließlich oder vorwiegend pilzkulinarisch zu gestalten, damit wir nicht wieder liebevoll geputzte Rohware entsorgen müssen - oder schlicht: dem Sammeltrieb noch standhafter zu entsagen, was zweifellos viel schwieriger ist, als z.B. einer zwar traumhaft-köstlichen, aber auch gehörig sättigenden Kürbiscremesuppe.
    Wenn man diese Tour z.B. an einem WE im Laufe des Januar ins Auge fasst, müsste man vermutlich spätestens Ende Nov./Anfang Dez. etwas buchen.
    Interesse bzw. Interessenten vorausgesetzt, versteht sich.



    Maronen-stolz-und-schön


    Schwindlich-machender-Knoblauchduft


    @ Micha und die Fotocracks: Nich so schlecht det kleene SIGMA 30mm, wa?


    @ Sandra: Ja, den Tag mehr wünscht man sich so sehr. Ich hab' den Sonntag in Rheinsberg auch noch extrem genossen, konnte mir den Montag aber nicht mehr leisten. 2018 fällt der 3.Okt. u. Einheitsfeiertag auf einen Mittwoch. Denkbar wäre mit dem Do. und einem kurzen Fr. als freigemachte Brückentage somit ein echtes XXL-WE ... Vielleicht wäre das ja was?


    @ Bjoern+Britta: Das Haus in Himmelpfort ist richtig toll - Danke nochmals für Eure Initiative!