Alles anzeigenHallo Claudia,
hat Dich schon mal jemand nach dieser Ausnahmegenehmigung gefragt? Meinst Du, dass die Leute, die Dich von Amts wegen danach fragen dürften, in der Lage sind, einen Saftling zu erkennen? Betrifft diese super-duper-totale Verbot nicht nur die Gattung Hygrocybe? Von der man, mit etwas gutem Willen und Literaturstudium fast alle Arten wegbewegen kann in neu kreierte Gattungen?
ach ja, die bösen Landwirte mit ihrem Mist. Anstatt sich über den einen Landwirt zu freuen, der bisher anscheinend alles richtig gemacht hat, kommt gleich wieder das Ärgern über all die anderen. In vielen Fällen braucht ein Landwirt schon ein sehr dickes Fell, um immernoch kleinteilige Wiesen zu bewirtschaften und einen kleinen Viehhof zu führen. Die GAP möchte alle Höfe industrialisieren, konsolidieren - also die kleinen weg und die großen so groß, dass das Vieh auf keine Weide mehr passt. Dann hat man reine Stallhaltung mit Sojafutter aus dem Amzonasgebiet. Und es braucht gar keine Wiesen und Weiden mehr. Zudem möchte die EU ja das fleischfressen am liebsten ganz abschaffen, dann gibt es gar kein Vieh mehr. Der Umwelt zuliebe sozusagen
LG, Bernd
Hallo Bernd, nö. So ist das leider nicht und darum gehts mir auch nicht. Es geht um die Rechtslage im Allgemeinen. Die mag ja gut gemeint sein, aber sie ist eben nicht gut genug, um Habitate zu schützen. Und es geht um den Vollzug. Hier in einem konkreten Fall auf meiner bis vor 3 Jahren ergiebigsten und artenreichsten Magerwiese. Ich hatte dort einen Ortstermin mit dem Bäuerlein und einer Vertreterin der Artenschutzbehörde, nachdem der Bauer im Frühjahr Mist auf die Wiese verbracht hatte. Beim Ortstermin habe ich dem Landwirt die Situation erklärt. Er düngt weil er sich so höhere Erträge erhofft. Er hat die Wiese gepachtet und sich dabei aber verpflichtet, einmal im Jahr zu mähen ohne Dünger aufzubringen. Ihm wurden Fördermittel in Aussicht gestellt, wenn er die Wiese nachhaltig bewirtschaftet, um die Mindererträge auf der Magerwiese zu kompensieren.
Ein Jahr lang hat das funktioniert. Dann hat er wieder Mist ausgebracht. Das war dann das Ende der seltenen Magerwiesenpilze. Auf meinen Hinweis an die Artenschutzbehörde wurde mir mitgeteilt, dass die Fördermittel durch die Landwirtschaftsverwaltung ausgegeben würden und der Artenschutz hier machtlos sei. Das ist doch ein Stück aus dem Tollhaus, wenn Gelder für den Naturschutz ausgegeben werden und der Begünstigte dann die Natur zerstört, ohne von Amts wegen eingeschritten wird.
Auch die mittlerweile in "neu kreierte wegbewegte Gattungen" wegbewegten Hygrocybe-Arten unterliegen weiterhin dem Artenschutz. Was ich hier in meinen menschenleeren Regionen treibe, bekommt niemand mit und schon gar nicht die Untere Naturschutzbehörde. Da hast du Recht. Aber mein Pilzlehrer hatte tatsächlich mit der Unteren Naturschutzbehörde ziemlichen Stress mit dem Artenschutz. bis hin zur Androhung erheblicher Bußgelder. Und nicht etwa, weil er Granatrote Saftlinge für die Pfanne gesammelt hätte. Es ging darum, dass er sich ganz korrekt verhalten wollte und hatte einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt.
Es gehört zwar nicht hier her, aber die Idee, den Fleischkonsum insbesondere den von Billigfleisch aus der industriellen Massentierhaltung einzuschränken, finde ich übrigens ganz hervorragend. Damit ist ja nicht intendiert, die kleinen und nachhaltiger wirtschaftenden Höfe platt zu machen. Und schon gar nicht, die bäuerliche Landwirtschaft auf Wiesen und Weiden abzuschaffen.
Aber ich gebe dir insofern Recht, dass gute gemeinte Vorhaben regelmäßig durch die Macht und den Einfluss der großer Lobbyverbände fast immer unterwandert werden. Diese Lobbyverbände missbrauchen an sich gute Vorhaben, um ihre eigene wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Es wäre also geboten, die Strukturen dieser Lobbyverbände transparent zu machen und Regeln zu schaffen, mit denen eine Einflussnahme der Großen zu Ungunsten nachhaltig wirtschaftender Landwirte unterbunden werden kann.
Weniger Fleischkonsum und Abschaffung der industriellen Massentierhaltung sind m.E. mehr als überfällig - aus gesundheitlichen, klima-, naturschutz-, umwelt- und tierschutz Gründen. Ach so ja, Arbeitsplätze gibts natürlich auch mehr bei den kleinteilig wirtschaftenden Landwirten. Eigentlich gibts außer den Gewinnen in der industriellen Tierproduktion und dem Wunsch nach minderwertigem Billigfleisch keinen vernünftigen Grund, daran festzuhalten. Aber eigentlich sind beides keine vernünftigen Gründe, also weg damit.
