Moin Karl,
das ist eine schöne Beschreibung des Wiesenpilztreffens mit noch schöneren Fotos! Diese wecken in mir das dringende Bedürfnis, mich ernsthaft meinem Fotoapparat zu beschäftigen. Mal sehen. Vielleicht nächstes Jahr. Meine Wunderwiese kenne ich ja ganz gut, aber dass die Pilze so schön sind, konnte ich erst auf deinen Fotos sehen.
Dass der stumpfrote Saftling vermutlich eine unbeschriebene Art ist, entspannt mich ein bisschen. Ich hab immer gerätselt, warum ausgerechnet die Pilzkollektion immer irgendeinen Frostschaden haben könnte. Vielleicht entpuppt er sich das auch nur als schleimiger Coccinea-Bruder. Hygrocybe wutzii ist ein ziemlich verwegener Arbeitstitel
, ich habe mich köstlich amüsiert. Ich dachte immer die Mykologen seien ein ernsthaftes Völkchen
.
Leider konnte ich dir nicht alle Arten vorstellen, weil die zu unterschiedlichen Zeiten auftreten. Einiges ist leider schon durch gewesen. So auch der große schmierige orangerote Saftling mit dem breiten gelben Rand. Um den wird sich Wolfgang wahrscheinlich kümmern. Er hat Exsikkate von dem Pilz. Es ist toll, dass durch deinen Besuch die kleinen Keulchen richtig bestimmt werden. Die Entolomas schicke ich heute zu Kai. Er wird sich ihrer annehmen.
Lustig ist mittlerweile, dass die Leute aus dem Haus gelaufen kommen, wenn schon wieder ein Pilzfreund
seinen Gebetsteppich davor ausrollt, um zu fotografieren. Chris hatte bei seiner Rückreise einen Abstecher über mein Dorf gemacht und Glutinoglossum glutinosum fotografiert, die er noch nicht in seiner Raupensammlung hatte. Die Hausbewohner sind erst erstaunt, dass es um Winzlinge wie Erdzungen geht, die sie bewusst noch nie wahrgenommen haben. Und sie sind ein bisschen stolz, dass es in diesem verwahrlosten Dorf doch auch etwas Besonderes gibt, was so interessant ist, dass es Menschen veranlasst, aus dem fernen NRW oder aus Hessen hier herzukommen.