Ich bin da ganz bei Stefan. Hier im Forum ist es schwierig über dieses Thema einen sachlichen Dialog zu führen.
Ich halte es ähnlich wie Veronika und biete gelegentlich Vorträge über Pilze an. Über Pilze allgemein, Anfängerpilze, die Ökologie von Wiesenpilzen und auch über Heilpilze. Das, was es an belastbaren Informationen über pilzliche Inhaltsstoffe gibt, darf und sollte auch vermittelt werden, meine ich. Denkverbote sind immer kontraproduktiv.
Ich will einen kleinen Überblick geben über das, was ich erkläre und warum ich es erkläre.
Ich vermittle Informationen über Inhaltsstoffe von Pilzen, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Das Potenzial von Beta-Glukanen, also Polysacchariden, von Triterpenen, Vitaminen aber auch vom Chitin in Pilzen ist wenig bekannt. Ich stelle diese Inhaltsstoffe allgemein vor und beschreibe Wirkungen, die bei bestimmten Pilzarten aus Studien bekannt sind. Es geht dabei häufig um immunmodulierende, antioxidative, antibakterielle oder antivitale Effekte auf bestimmte Organe. Mir geht es in erster Linie ganz allgemein um Wissensvermittlung über die gesundheitliche Bedeutung von Pilzen auf unserem Speiseplan. Der Vitamingehalt der Speisepilze fehlt z.B. in den allermeisten Ernährungstabellen. Dabei ist erstaunlich, was Pilze an Vitaminen zu bieten haben. In erster Linie rege ich an, Pilze selbst zu suchen und sie genauer kennenzulernen. Pilze sind gesund und nicht nur für Menschen, die unter dem metabolischen Syndrom leiden, bieten Pilze eine wunderbare Ernährungsalternative.
Dabei weise ich im Vortrag selbstverständlich darauf hin, dass die im Handel angebotenen Pilz-Kapseln, Pulver und Extrakte weder dem Arzneimittelrecht noch der Lebensmittelkontrolle unterliegen. Wer im Handel Heilpilzpräparate kauft, muss wissen, dass niemand außer dem Hersteller weiß, was in der Kapsel ist, die einem angeboten wird. Ich rate daher immer vor allem dringend ab, Präparate von solchen Herstellern zu kaufen, die Wunder versprechen. Am besten selbst in den Wald gehen, Pilze kennenlernen, Pilze, sammeln.
Und natürlich ordne ich bei der Bewertung der Wirksamkeit auch ein, dass es keine klinischen Studien der Phase 3 für Pilze gibt und nach gegenwärtigem Stand wohl auch nicht geben wird. Aber weil es auch zur Wahrheit gehört, weise ich gern darauf hin, dass es seit Jahrzehnten in Japan ein zugelassenes Medikament (Krestin) aus Trametes versicolor gibt, das dort erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt wird, weil es bei einigen Tumorerkrankungen die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung vermindern kann. Dass ist allerdings nur möglich, weil das Europäische Arzneimittelrecht ein anderes ist, als das Japanische.
Von Ferne beurteilen zu wollen, welche Informationen in einem Vortrag über Heilpilze angeboten werden, halte ich für schwierig. Immerhin gibt es ja inzwischen mykologische Fachbücher, in denen das Thema ernsthaft und vor allem vorurteilsfrei diskutiert und über die Unsicherheiten aufklärt wird.
Ich gehe einmal davon aus, dass PSV, die Vorträge zum Thema Vitalpilze anbieten, das mit der gebotenen Zurückhaltung tun. Es ist doch logisch: mit Kräutern wie Salbei und Thymian oder mit Pilzen wie Birkenporling und Schmetterlingstramete, (für die es allesamt keine Klinischen Phase 3-Studien gibt!) kann man eine ganze Reihe Wehwehchen kurieren. Aber Wunder bewirken können sie nicht und bei ernsthaften Erkrankungen führt kein Weg am Arzt vorbei.
Mit den oben genannten Pflanzen und Pilzen konnte ich mehr als einmal gute Erfahrungen machen, warum also sollte oder dürfte ich nicht darüber berichten? Die beiden Pilze dürfen in meiner Hausapotheke ebensowenig fehlen, wie Thymian und der Salbei, auf den schon meine Großmutter geschworen hat.
Und ja, bei der TCM wird es schwierig. Tigerkrallen und Nashornpulver lassen die Traditionelle chinesische Medizin in einem schlechten Licht erscheinen. Aber im Gegensatz zu jenen auf eine Placebowirkung ausgerichteten Teilen der TCM, gibt es da eben auch andere Bereiche mit nachweisbaren gesundheitsfördernden Wirkungen z.B. die Akupunktur. Über sie behauptet hierzulande auch niemand mehr, das sei alles fauler Hokuspokus. Im Gegenteil, die Krankenkassen übernehmen die Kosten, weil sie erfolgreich ist.
Sicher gibt es Scharlatane, die den Konsumenten Wunder von der Einnahme ihrer Pilzpräparate versprechen, weil sie finanzielle Interessen verfolgen. Aber gerade deshalb sind doch Information, Aufklärung und sachliche Debatten zu diesem Thema durch PSV, die das Thema von allen Seiten beleuchten, umso wünschenswerter.