Hallo,
bei allen berechtigten Zorn auf bestehende Verhältnisse, sollte man vielleicht auch Folgendes bei der Disskussion beachten. Für die Entwicklung und Gestaltung der jetzigen Wälder und Forsten sind viele Generationen zuständig und ursächlich. Die Holznutzung hatte über die Jahrhunderte immer wieder andere Ausmaße und auch Notwendigkeiten. Man bedenke nur den Zustand des Waldes bis zur sogenannten nachhaltigen Forstwirtschaft. Das ist gut auf Gemälden des 17. bis 19. Jahrhunderts zu sehen. Streng genommen hat auch die Kohle dazu beigetragen, dass wir wieder größere Waldgebiete haben. Schnellwachsende Hölzer waren schon das Ziel im 19. Jahrhundert. Dies sind nun mal, auch vom Nutzwert her, die Nadelbäume.
Ohne den Menschen würde in Mitteleuropa die Buche weit überwiegen. Diese braucht aber einen sehr langen Wuchszeitraum und würde nur wenige Nebengehölzer und Unterwuchs zulassen. Nadelwälder wären auf die Gebirgsregionen beschränkt. Man sollte mal alte Buchen suchen. Die mit der schönen, glatten Rinde sind oft noch keine 200 Jahre alt. Die wird erst so ab 200 Jahre rissig. Die Veränderungen, die wir jetzt fordern, können wir selber also nie auf den Erfolg hin kontrollieren. Dafür braucht es dann wieder viele Generationen.
Sehr wichtig ist auch die genetische Vielfalt des Pflanzgutes. Das Klonieren bewirkt ja gerade, dass alle Bäume dann an einer Krankheit eingehen werden. In guten Gebieten, wie zum Beispiel im Hainich in Thüringen, kann man gut beobachten, dass nicht alle Eschen vom Triebsterben befallen sind. Das hat wohl etwas mit der dort vorhanden genetischen Vielfalt zu tun. Diese könnten sich dann vielleicht langfristig durchsetzen und für den Erhalt der Esche an den Rändern des Buchenwaldes sorgen.
Wie gehen wir mit der Forderung nach nachwachsenden Rohstoffen um, wenn diese das gar nicht bedarfsgerecht gewährleisten könnten? Ich las vor einiger Zeit zum Beispiel die extreme Forderung, Wohnhäuser generell nur noch aus Holz zu bauen. Lassen wir hier keine Forsten zu, dann kommt das Holz schnell von woanders her. Das internationale Holztauschgeschäft zwischen den europäischen Länder ist gar nicht so gering. Unser Buchenholz wird sehr gern in Asien genommen.
Es sind also viele Aspekte beim Thema Wald und Forsten zu berücksichtigen. Dem Wald generell freien Lauf zu lassen, wird nicht überall gehen. Dann würden auch andere Biotope, wie Orchideenwiesen teilweise verschwinden, die ja gemäht oder extensiv beweidet werden müssen. Statt die Forstwirtschaft generell als geldgierig und skrupellos zu beschimpfen, sollten wir uns bemühen sie fachlich und sachlich im Ton zu unterstützen. Haben wir denn schon alle langfristigen Zusammenhänge vom Wald verstanden?
Beste Grüße
Stefan F.