Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Chris,


    hast Du ein Exsikkat und Fotos, auch von den Details?


    Ich hab' ja immer noch die "cf. subsquarrosa" hier liegen, der ja auch in diese Richtung geht und irgendwann sequenziert wird. Man müsste für mehrere Funde die relativ sorgfältig dokumentierten Merkmale mit relativ sorgfältig bearbeiteten Sequenzen vergleichen, um herauszufinden, welche Merkmale konstant und welche variabel sind, um Licht in das Chaos zu bringen.


    Die verwendeten "Trenn"-Merkmale sind ja überwiegend makroskopisch: Buckel, Aufbau des Rings, Aufbau der Hutschuppung, Färbung und Natterung des Stiels.


    Neben der Sporengröße sollte man aber wohl die Huthaut auch intensiver vergleichen. Vielleicht finden sich doch Trennmerkmale..


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Chris,


    ich musste erstmal selbst recherchieren, was "nordica" denn für eine Art sein soll.


    Es war ein Versuch von Bellu, das Namensgewirr im mastoidea-Komplex durch Hinzufügen eines weiteren Namens zu klären (siehe AMO II, 1986 und AMO III 1987). Die Art wurde aber m.E. nie gültig publiziert, der Autor kennt sie auch selbst nicht, da sie angeblich im Norden wächst und er selbst ja Italiener ist. Es stellt nur fest, dass Moser, Bon und andere den Namen "prominens" für einen anderen Pilz verwenden als er selbst und schlägt für den "anderen" dann nordica vor.


    M. nordica ist definitiv NIRGENDS rötend. Bellu erwähnt es nicht , aber das betont sowohl Moser für "seine" prominens, als auch Bon, der in einem späteren Schlüssel (IHW-Verlag 1996) sowohl "nordica ad int." als auch "prominens sensu Bellu" trennt.


    Die Gattung bleibt ein Chaos, das sich ja auch mit ITS-Sequenzen allein nicht auflösen lässt.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    Süßgräser haben hohle Stiele, weil die stabiler gegen Abbrechen sind als gleichdicke gefüllte Stiele.


    Vielleicht greift das hier auch? Ein Pilz, der an einem Schilfrohr wächst, muss sich ja ganz anders gegen Hin- und Herschwingen absichern als ein Pilz, der in der Laubstreu wächst.


    Nur so 'ne Idee...


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Maria,


    Im Gegensatz zu den meisten anderen Pilzen kann man Erdsterne besser bestimmen, wenn sie etwas älter sind.


    ich glaube, das Peristom ist bei Dir mit Sporen überdeckt, darunter ist es gefurcht (= plicat), bitte prüfen!


    Außerdem wird er deutlich gestielt sein, wenn das Pseudoparenchym verrottet ist (Bild 3).

    Hygroskopisch ist er vermutlich nicht.

    Die Endoperidie sieht glatt aus.


    Mit diesen Merkmalen kämst Du zu G. pectinatum, dazu passt auch der Standort unter Nadelbäumen und die so jung schon so dunkle dunkle Endoperidie.


    Die Art hätte Sporen mit auffällig großen Warzen.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Schupfnudel,

    der erste Pilz mit dem Farbverlauf im Stiel von weiß nach gelbbraun ist recht typisch für Strobilurus, Zapfenrübling. Dafür spricht auch der lange Stiel, da er vermutlich aus einem vergrabenen Fichtenzapfen kommt.


    Den letzten Pilz kannst Du mal mit Tubaria conspersa vergleichen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hi Stefan,


    bei einer Tulostoma mit gewimpertem Peristom und rotbraun geschupptem Stiel landest Du bei fimbriatum s.l.

    Die sind nitrotolerant, in der Oberrheinebene nicht selten, und gehen sogar mal in die Spargelfelder.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Saftlingsfreunde,


    war ein Vergnügen, mit Euch unterwegs zu sein, auch ohne Saftlinge.


    Mein Fund des Tages war der Riesenschirmling mit dem völlig glatten Stiel, der auffällig nach Lepiota cristata gerochen hat. Der Arbeitsname im Feld war Jungfernschirmling (Leucoagaricus nympharum), aber dafür sind die Sporen viel zu groß. Ich denke, es ist der ERSTFUND FÜR DEUTSCHLAND von der mediterranen Macrolepiota subsquarrosa (Feinschuppiger Riesenschirmling).


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo AnKh,


    Du zeigst jetzt einen Pilz mit folgenden Merkmalen


    - Ring ohne braunen Zahnkranz

    - gelbe Velumzone

    - einzeln wachsend


    Vergleich das mal mit dem, was ich oben als typische Merkmale von ostoyae beschrieben habe... der Unterschied könnte auch an Deiner Bestimmung liegen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo an alle,


    anhand der neuen Huthaut-Bilder würde ich sericeum ausschließen.


    "Pigment inkrustierend" heißt, dass die Auflagerungen auf der Zelle gefärbt sind. Bei der zerknitterten Hyphe, von der Pablo spricht, sind die Auflagerungen aber hyalin ("durchsichtig"). Das Pigment selbst scheint intrazellulär zu sein.


    Ich finde die Sporen auch zu eckig für sericeum.


    Nicht, dass ich jetzt einen belastbaren Bestimmungs-Tipp hätte. Vielmehr geht es jetzt mit Cheilozystiden und Schnallen in die nächste Mikroskopier-Runde.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Schupfnudel,


    für die Bewertung der Aussage in Wikipedia müsste man wissen, welches Gattungskonzept der Autor meint.


    Die giftigen Arten in Deutschland bzw. solche, die wiederholt aber nicht immer zu Magen-Darm-Vergiftungen führen, wurden - glaube ich - alle nach Chlorophyllum (z.B. brunneum) oder Leucoagaricus (z.B. nympharum, bei 123pilze als Speisepilz bezeichnet) ausgelagert.


    Für einen Speisepilzsammler ist das wenig beruhigend, wenn er die drei Gattungen makroskopisch nicht unterscheiden kann.

    Wenn man sich auf die nicht-rötenden Arten mit doppeltem Ring und genattertem (auch fein genattertem) Stiel beschränkt, hat man zwar ein paar potentiell essbare Vertreter mit ausgeschlossen, aber auch das Risiko minimiert. Allerdings bin ich auch nicht up-to-date, ob bei uns mit dem Klimawandel mediterrane Arten mit dieser Merkmalskombination zu befürchten sind.


    Gruß,

    Wolfgang


    P.S.: ich würde die Pilze im Eingangs-posting als konradii bezeichnen, was natürlich nicht als Verzehrfreigabe zu deuten ist.

    Hallo Maria,


    gallica ist eine extrem variable Art, und mikroskopisch geben sich die Hallimasche alle nicht so arg viel (außer mellea s.str. , mal abwarten wann jemand die in eine eigene Gattung packt ).


    Das macht die Bestimmung zur Glückssache, und in Einzelfällen nur genetisch oder im Kreuzungsversuch möglich. Für Feldmykologen sind daher nur typische Kollektionen und nur mit einer Rest-Unsicherheit bestimmbar - nicht gerade so dankbar für eine Beschäftigung damit.


    Über cepistipes findest Du in Deutschland nicht viel, weil die Art (fast) nur über 1000m und im hohen Norden fruktifiziert.


    Lies dazu auch mal hier die Diskussion mit Helga Marxmüller im Rheinland-Pfälzischen Pilzjournal von 1994 (ab Seite 128)


    94_6.pdf


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo Maria,


    ich hatte eine echte cepistipes noch nicht in der Hand, weil ich nicht so hoch in die montanen Nadelwälder komme. Aber nach Lit. soll die Art sehr hell und nur die Hutmitte geschuppt sein. Bei deinem Fund gehen die Schuppen bis zum Rand und der Hut ist dunkel.


    Ich hätte Deinen Fund daher aus der Hand als gallica ( lutea, je nach Nomenklaturkonzept) bezeichnet. Die Art ist bei mir recht häufig, und sieht jung so aus wie auf Deinem Bild.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Heide,


    gerade so große, fleischige Fruchtkörper lassen sich nicht gut am Stück trocknen, und danach auch nicht gut per Brief verschicken.


    Das, was man am Ende unter's Mikroskop legt, ist ja nur ein Stecknadelkopf. Wenn die Stücke so klein werden, dass man sie nur mit der Pinzette greifen kann, wird es aber lästig für den Mikroskopierer. Lieber mal eine 5mm dicke Scheibe aus der Mitte 'rausschneiden und einzeln trocknen (am besten auf der Heizung, wenn man die jetzt schon an hat), sowas kann man gut handhaben.


    Bei Dachpilzen kommt es auf Huthaut, reife Sporen und die Zystiden (große Zellen an der Lamelle) an, das könnte sogar mit etwas Schimmel noch klappen.

    Auf reife Sporen achten, also nicht nur ganz junge Fruchtkörper ernten.


    Bei anderen Pilzgattungen gelten ggf. andere Spielregeln.


    Gruß,


    Wolfgang


    Für Sonntag ist Regen angekündigt

    :-))

    Hallo an alle,


    bei dem Standort und der Größe, den eher kurzfaserigen Huthauthyphen, und dem bereiften Stiel wäre mein erster Tipp Pluteus roseipes, der Rosastielige Dachpilz (dessen Stiel nicht immer rosa sein muss).


    Das würde ich immer mit Mikros absichern, aber ich würde keine Hakenzystiden erwarten (das ist ja leicht zu sehen).


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Hortator,


    den doppelten Ring sieht man auf Deinem Bild 0404: der hat außen eine Kante nach oben und eine nach unten.


    Der erste Pilz hat auf meinem Bildschirm einen deutlichen Grünstich. Dann wäre es vermutlich Macrolepiota olivascens, wenn man denn den vom Parasol abtrennen will (da sind sich die Autoren uneinig).

    Ich kenn die beiden Formen und finde sie ganz subjektiv deutlich verschieden, aber ob das für eine Unterscheidung in zwei Arten ausreicht?


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo an alle,


    vergleicht mal mit Leucoagaricus meleagris.


    Im Vergleich zu americanus soll der zierlicher sein und der Stiel feinschuppiger, und ein anderes Verfärbungsverhalten. Was ich interessant finde ist, dass meleagris in der Literatur und im Internet mal mit und mal ohne Ring abgebildet wird.


    Mikroskopisch sollen die Sporen von meleagris einen fast nicht sichtbaren Keimporus und in der Huthaut vielgestaltige Elemente haben, während americanus überwiegend spindelige Endzellen hat.


    Ich kenne die Art nicht persönlich, sehr schöner Fund!!


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    ich halte die Farbe der Endoperidie durchaus für ein relevantes Bestimmungsmerkmal, und kenne pectinatum nur dunkel.


    Ich würde den zweiten daher auch mal mit berkeleyi vergleichen. Der hätte auch ein feineres Sporenornament, und eine rauhe Endoperidie. Das wäre dann "was besseres".


    Beim ersten bin ich mir nicht ganz sicher, ob der "Kragen" nicht doch ein Artefakt des Einschrumpelns ist, bei striatum wäre es m.E. noch ausgeprägter. Vielleicht ist der erste der pectinatum???


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    über den Butterpilz hat der DGfM-Fachausschuss Toxikologie und Pilzverwertung diskutiert:


    Butterpilze werden in großem Maßstab als Bestandteil von Mischpilzen in Dosen in jedem Supermarkt angeboten. Die Lebensmittelüberwachung hat keinerlei Hinweise auf wiederholte Vergiftungen. Die Art hat es also nur auf die Liste der uneinheitlich beurteilten PIlze geschafft, weil eben der von Christoph erwähnte Fall dokumentiert ist.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    über den Butterpilz hat der DGfM-Fachausschuss Toxikologie und Pilzverwertung diskutiert:


    Butterpilze werden in großem Maßstab als Bestandteil von Mischpilzen in Dosen in jedem Supermarkt angeboten. Die Lebensmittelüberwachung hat keinerlei Hinweise auf wiederholte Vergiftungen. Die Art hat es also nur auf die Liste der uneinheitlich beurteilten PIlze geschafft, weil eben der von Christoph erwähnte Fall dokumentiert ist.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Charlotte,


    vom Lebensmittelrecht her: ja.


    In den Leitsätzen für Pilze im Lebensmittelbuch findet man Perlpilze, Maronen, Täublinge, ..., sogar Hallimasch und Safranschirmling (die würde ich ja beide nicht in einer Gastwirtschaft anbieten).


    leitsaetzepilze.html


    Vom Eigentumsrecht brauchst Du zum gewerblichen Sammeln eine Genehmigung des Waldbesitzers.


    Vom Naturschutzrecht musst Du die Sammel- und Vermarktungsverbote aus dem Anhang 1 der BArtSchV beachten, die viele der "Top-Speisepilze" ausschließt (Steinpilz, Pfifferling, Rotkappe, ...) oder brauchst eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung.


    Anlage 1 BArtSchV - Einzelnorm



    Viele Grüße,


    Wolfgang Prüfert

    das mit dem Zapfenrüblingen sind leider nur Tendenzen. Für mich sind das immer dankbare Mikroobjekte.


    Hallo an alle,


    das mit den Mikros stimmt natürlich, aber zumindest hier im Rhein-Main-Gebiet glaube ich beide Arten meistens auch makroskopisch trennen zu können.


    tenacellus hat bei mir typischerweise den starken Farbverlauf von weiß zu braun am Stiel und einen milchkaffebraunen Hut (mit viel oder wenig Milch...), während die stephanocystis hier einen +- einheitlich ockerfarbenen Stiel und Hut haben.

    Für mich wäre daher tenacellus der Arbeitsname.


    Gruß,


    Wolfgang