Champignon-Schwemme

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 846 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Chorknabe.

  • Guten Abend allerseits,


    heute habe ich eine längere Radtour am bayrischen Untermain unternommen und mehrere hundert Fruchtkörper in Dutzenden von Hexenringen gesichtet. So schlecht es derzeit den Mykorrhiza-Pilzen im Wald geht, so gut ist es derzeit um die Saprobionten auf den Wiesen und Feldern bestellt.


    Ein markantes Pärchen habe ich mir gegriffen , da hoffe ich aufgrund der Merkmalskombination den Kreis der Verdächtigen eingrenzen zu können.


    Zunächst dachte ich aufgrund der Hutfarbe und Struktur gar nicht an einen Champignon, da die beiden Exemplare nur einige Meter vom Waldrand in der Nähe einer Pappel auf einer Wiese standen. Dort war letztes Jahr Stallmist verteilt worden, also reichliche Stickstoffversorgung.


    Wenn ich mal so bilderbuchmäßig mit meiner Literatur ( Gminder/ Karasch und Winkler/Keller ) abgleiche, gefällt mir der Purpurfaseriger ( Wurzel-)Egerling am besten, zumal das Gilben in der unteren Stielhälfte dazu passt. Allerdings kann ich kein Bittermandel- oder Anisgeruch wahrnehmen. Was könnte denn sonst noch in Betracht kommen? Mikro habe ich ( noch) keines, aber morgen könnte ich diverse Chemie (KOH, Anilin und Salpetersäure etc.) zum Einsatz bringen, falls das einen Erkenntnisgewinn verspricht.


    Kommentare und Namensvorschläge sind willkommen.


    Beste Grüße,


    Frank


  • Hallo Frank,


    riecht er denn, wenn schon nicht nach Anis oder Bittermandel, vielleicht tintenartig-karbolartig?

    Ansonsten kannst du mit deinen Chemikalien ran:

    Schaeffer negativ/KOH negativ = einer der Röter

    Schaeffer positiv/KOH positiv = einer der Anisegerlinge

    Schaeffer negativ/KOH positiv = einer der Karboli


    Essen würde ich die jedenfalls nicht; die gilbende untere Stielhälfte wäre mir ein Warnzeichen.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hi Frank,

    hübsche Kollektion!


    Leider bin ich bei Champis keine große Hilfe. A. porphyrizon (oder brunneolus wie er jetzt bei Parra heißt) ist zwar ein großer unter den kleinen (Sekt. Minores), aber nicht so ein kompakter Pilz wie Deiner. Auch fehlt das Violett im Hut und das Gilben in der Stielbasis fällt schon recht schwach aus für die Art.


    Bei Standort und Foto ist mir als erstes der Kompostegerling A. vaporarius (oder subperonatus wie er jetzt bei Parra heißt) heißt in den Sinn gekommen, aber das leichte Gilben im Stielfleisch schließt den wohl ebenso aus wie einen normalen Zuchtchampignon A. bisporus. Bleibt also rätselhaft, wieso oft bei Agaricus.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Oehrling,


    besten Dank für dein Feedback. Geruchsmäßig dominiert die Stallmist-Note, weil ich das anhaftende Myzel nicht abrupfen wollte - vielleicht braucht man das noch für Tests.


    Die Huthaut habe ich vom Rand bis zur Mitte abziehen können, wie ein Tortenstück, und dann am freigelegten Hutfleisch geschnuppert - kein Anis, kein Karbolgeruch feststellbar - und auch kein Hauch von Gilben im Hutfleisch, ganz im Gegensatz zur unteren Hälfte des Stielfleisches, besonders beim älteren Exemplar.


    Morgen werde ich die chemischen Tests machen.


    Gruß,


    Frank

  • Update: Habe gerade die Tests am Hut des älteren Fruchtkörpers durchgeführt. Nix, NULL Reaktion. Weder mit KOH, noch mit Anilin und Salpetersäure (Schaeffer´sche Kreuzreaktion).


    An den Reagenzien/Chemikalien liegt es nicht, die sind einwandfrei. KOH frisch angesetzt, die Salpetersäure und das Anilin sind zwar schon etwas älter (sieht man an der leichten Verfärbung des Anilins durch Oxidation mit Luftsauerstoff). Anstatt 99+ % beim Anilin vielleicht 98 % und bei der Salpetersäure vielleicht 64 % statt 65%, was die Eignung für diesen Test sicher nicht ausschließt.


    So, welche Sektionen von Agaricus bleiben denn jetzt noch übrig? Wenn ich Oehrling´s Post richtig verstanden habe, müssten jetzt eine Menge Arten ausscheiden, richtig? Vorausgesetzt, innerhalb der Sektionen sind diese chemischen Reaktion immer einheitlich und zuverlässig.


    Gibt es noch andere Chemie (ich habe z.B. Formalin, FeSO4, Ammoniak, Phenol ...)


    Falls es keine weitere Erkenntnis mit der Chemie gibt, würde ich die Exemplare in den Trockner stecken.


    Beste Grüße,


    Frank

  • Ja, es fällt schon mehr als die Hälfte der möglichen Arten weg :D

    Glaubt man KIBBY. Eine Auflistung der Reaktionen der verschiedenen Arten findet man z. B. im KIBBY, The genus Agaricus in Britain.

    Manche verwerfen allerdings den KIBBY und sagen: den wahren Durchblick hat nur PARRA.

    Es bleibt also schwierig.

    FG

    Oehrling

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  • Nachdem ich der KI geflüstert habe, dass die beiden Exemplare nicht auf einer Magerwiese, sondern auf einer mit Stallmist bedeckten Wiese standen, hat die KI diese Art herausgesucht:


  • So eingesetzt, ist KI tatsächlich von großem Nutzen für die Pilzbestimmung. Alle Leute, die wie ich eigentlich gegen den Einsatz von KI bei der Pilzbestimmung sind, können hier nur "hoppla" sagen. Da hätte ich mit meinem eigenen Tipp (aus der Pilzzucht entwichener Agaricus bisporus) sauber danebengelegen. Lediglich die von der KI erteilte Essfreigabe finde ich etwas verantwortungslos, da suggeriert wird, man könne die von der KI "bestimmten" Pilze gefahrlos essen. In irgendeinem Disclaimer findet man dort sicher auch eine Haftungsablehnung der Autoren der Software.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Schwierig? Aussichtslos! Was macht man in so einer Situation? In meiner Not habe ich die KI befragt und folgende Antwort bekommen:

    Faszinierend! Ohne die Qualität der Antwort einschätzen zu können (weil ich in der Gattung hoffnungslos überblickslos) gäbe es nun aber eine guten Start fürs Nachlesen in der Literatur. Man stelle sich vor die KI hätte vollen Zugriff auf Kibby, Parra etc.