Champignon-Schwemme

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 129 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Chorknabe.

  • Guten Abend allerseits,


    heute habe ich eine längere Radtour am bayrischen Untermain unternommen und mehrere hundert Fruchtkörper in Dutzenden von Hexenringen gesichtet. So schlecht es derzeit den Mykorrhiza-Pilzen im Wald geht, so gut ist es derzeit um die Saprobionten auf den Wiesen und Feldern bestellt.


    Ein markantes Pärchen habe ich mir gegriffen , da hoffe ich aufgrund der Merkmalskombination den Kreis der Verdächtigen eingrenzen zu können.


    Zunächst dachte ich aufgrund der Hutfarbe und Struktur gar nicht an einen Champignon, da die beiden Exemplare nur einige Meter vom Waldrand in der Nähe einer Pappel auf einer Wiese standen. Dort war letztes Jahr Stallmist verteilt worden, also reichliche Stickstoffversorgung.


    Wenn ich mal so bilderbuchmäßig mit meiner Literatur ( Gminder/ Karasch und Winkler/Keller ) abgleiche, gefällt mir der Purpurfaseriger ( Wurzel-)Egerling am besten, zumal das Gilben in der unteren Stielhälfte dazu passt. Allerdings kann ich kein Bittermandel- oder Anisgeruch wahrnehmen. Was könnte denn sonst noch in Betracht kommen? Mikro habe ich ( noch) keines, aber morgen könnte ich diverse Chemie (KOH, Anilin und Salpetersäure etc.) zum Einsatz bringen, falls das einen Erkenntnisgewinn verspricht.


    Kommentare und Namensvorschläge sind willkommen.


    Beste Grüße,


    Frank


  • Hallo Frank,


    riecht er denn, wenn schon nicht nach Anis oder Bittermandel, vielleicht tintenartig-karbolartig?

    Ansonsten kannst du mit deinen Chemikalien ran:

    Schaeffer negativ/KOH negativ = einer der Röter

    Schaeffer positiv/KOH positiv = einer der Anisegerlinge

    Schaeffer negativ/KOH positiv = einer der Karboli


    Essen würde ich die jedenfalls nicht; die gilbende untere Stielhälfte wäre mir ein Warnzeichen.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hi Frank,

    hübsche Kollektion!


    Leider bin ich bei Champis keine große Hilfe. A. porphyrizon (oder brunneolus wie er jetzt bei Parra heißt) ist zwar ein großer unter den kleinen (Sekt. Minores), aber nicht so ein kompakter Pilz wie Deiner. Auch fehlt das Violett im Hut und das Gilben in der Stielbasis fällt schon recht schwach aus für die Art.


    Bei Standort und Foto ist mir als erstes der Kompostegerling A. vaporarius (oder subperonatus wie er jetzt bei Parra heißt) heißt in den Sinn gekommen, aber das leichte Gilben im Stielfleisch schließt den wohl ebenso aus wie einen normalen Zuchtchampignon A. bisporus. Bleibt also rätselhaft, wieso oft bei Agaricus.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Oehrling,


    besten Dank für dein Feedback. Geruchsmäßig dominiert die Stallmist-Note, weil ich das anhaftende Myzel nicht abrupfen wollte - vielleicht braucht man das noch für Tests.


    Die Huthaut habe ich vom Rand bis zur Mitte abziehen können, wie ein Tortenstück, und dann am freigelegten Hutfleisch geschnuppert - kein Anis, kein Karbolgeruch feststellbar - und auch kein Hauch von Gilben im Hutfleisch, ganz im Gegensatz zur unteren Hälfte des Stielfleisches, besonders beim älteren Exemplar.


    Morgen werde ich die chemischen Tests machen.


    Gruß,


    Frank