Diverses vom Wald

Es gibt 16 Antworten in diesem Thema, welches 765 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wolfgang P..

  • N'abend,


    alles ganz in der Nähe, so bis max. 200 m weg, ne kleine Auswahl

    Von den Ohren kommt Otidea mirabilis agg. vor, das können aber auch zwei Arten sein oder nur komisches Wachstum

    Ramariopsis, eine andere Art als die neulich gezeigte, mit deutlich größeren Sporen

    Schnecklinge mit Wiesenkorallen

    ein Einzelstück und überdimensioniert, etwa 15 mm hoch

    Geoglossum, in schwarz und mit breitem und langem Löffel ziemlich sicher cookeanum, zu hunderten

    Entoloma versatile agg. senior

    eine braune Geoglossum, die hatte neulich noch keine reifen Sporen, vielleicht fallax

    was entolomiges

    Schnecke mit Doppelhaus hat man auch nicht alle Tage

    Ramariopsis crocea, die Karl neulich identifiziert hatte - man beachte die Schleimis auf dem ollen Kienappel

    muss ich nachgucken, hab ich schon mal bestimmt, sieht aber schick aus

    Grünlinge, es gibt Espe und Kiefer, Schwefelritterlinge gibt es hier auch. aktuell aber nicht zu Hause

    crispa, wie immer reichlich direkt auf dem Weg

    eine gelbe Clavaria, Schnalligkeit, Sporengröße und -form würde zu flavostellifera passen, allerdings ohne Sterne

    irgendwas, sah schick aus

    Stropharia aeruginosa


    LG, Bernd

  • Hallo

    Gibst auf dem Kienappel was näheres von den Scheimis?

    LG Ulla

  • Hallo Ulla, habe ich noch nicht mikroskopiert, aber der Beleg ist schon da. Sobald das erledigt ist, stelle ich den gesondert ein, denn da habe ich Fotos von vorgestern (weiß, da habe ich erst auf den Fotos gesehen, dass das mit den Stielen ein Schleimi sein muss) und gestern (unweiß). Besonders auffällig finde ich den sehr breit "wurzelnden" Stiel.


    LG, Bernd

  • Hallo Wolfgang, es gab dort 20 m weg eine einzelne junge Esche, die ist aber schon 10 Jahre hinüber und kaum mehr relevant. Für Esche auch untypischer Boden, kalkhaltiger Sand und Kies in hügeliger Lage. An Laubbäumen sind eigentlich nur Ahorn und Eberesche vorhanden. Jüngere (~30 a) Eichen so 20...25 m entfernt. Bei der gelben Clavaria gar nichts, abgesehen von kleinere Ebereschen, sonst nur Hasel im 20 m Umkreis. Wobei der Wald sich langsam vom Fichten-Kiefern-Wald in einen Ahorn-Wald verwandelt, überall wo sich eine Lücke auftut.


    LG, Bernd

  • Hallo Wolfgang,

    Zitat

    Bei Dir wachsen CHEGD-Arten mitten im Nadelwald?

    das kommt schon vor. So hatte ich Geoglossum fallax im reinen Fichtenforst (nur vereinzelt frühzeitig geschnittene Laubbäume (Buche, Weide) als Stubben Ø 10 cm), siehe Foto – im Hintergrund Spitzkeulchen Clavaria falcata, in reiner Nadelstreu. In einem anderen Wald mit altem Baumbestand (Weisstanne, Fichte, Lärche, Buche, Roteiche, Ahorn) gab es wiederholt diese hübsche Wiesenkoralle – über den genauen Artnamen gibt es wohl generell noch keine Klarheit, daher nenne ich sie erstmal Clavulinopsis luteo-ochracea-rufipes. Gleich daneben kam letztes Jahr der kleine Schleimfuß-Saftling Hygrocybe glutinipes und wiederum die Wiesenkoralle... Ein paar Meter weiter unter Buche-Hainbuche fruktifiziert nun schon im 3. Jahr die Glattstielige ("schwarze") Helvella fallax.


    Viele Grüße – Rika







  • über den genauen Artnamen gibt es wohl generell noch keine Klarheit, daher nenne ich sie erstmal Clavulinopsis luteo-ochracea-rufipes.

    ... dann nenn' sie lieber Ramariopsis, zumindest die Gattung scheint ja klar.


    Die würde ich gerne nehmen und bei Gelegenheit mit sequenzieren. Danach haben sie zwar immer noch keinen Namen, aber zumindest können sie zur Frage beitragen, aus wievielen Arten der Komplex besteht.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    wie ist das – zumindest "früher" sagte man, dass Clavulinopsis glatte Sporen hätte und Ramariopsis feinwarzige. Ist das überholt? Wonach werden diese beiden Gattungen nun unterschieden? Meine Aufsammlung hatte jedenfalls glatte Sporen...

    Dieses Jahr sind sie noch nicht erschienen – zu trocken bisher. Noch dazu sind Baumfällarbeiten in diesem Bereich angezeichnet, der genaue Wuchsort könnte jedoch verschont bleiben.

    Gerade habe ich mal in meinen Belegen gesucht: Ein bisschen was habe ich getrocken, siehe Foto (zum Größenvergleich: der Erdbollen ist 15 mm lang). Willst Du was davon (wieviel?) zum Sequenzieren haben?


    Viele Grüße – Rika


  • Hallo Rika,

    einige Ramariopsis-Arten haben so feinwarzige Sporen, dass man sie im Lichtmikroskop nicht sieht.

    Clavulinopsis-Sporen haben immer einen großen Öltropfen und einen großen Apiculus.


    Von den genetischen Ergebnissen zerfallen die Clavulinopsisse in sehr stark verzweigte Arten rund um corniculata, umbrinella (manchmal in einer eigenen Gattung Donkella gefasst), und die unverzweigten Arten (gelb oder braun).


    Alles andere ist ein Gewirr aus dem Ramariopsis-Clade.


    Wenn ich den Beleg sequenziere, brauche ich natürlich auch noch Material zum Mikroskopieren und ggf. um was in einem Herbar zu hinterlegen. Das wäre also ein Großteil Deines Beleges. Wie alt ist der? Die Keulen lassen sich schon nach 2-3 Jahren wohl oft nicht mehr gut sequenzieren.


    Wir können aber auch warten, ob in den nächsten Jahren nochmal was kommt. Dann könntest Du auch die FeCl3-Reaktion testen und probieren, ob sie bitter sind.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    dank' Dir für die Infos!


    Der Beleg ist vom Okt. 2024, der wäre jetzt noch nicht zu alt; anbei ein Foto, wie das Exsikkat frisch ausgesehen hat. Damals habe ich die Teile auch durchmikroskopiert. Aber vermutlich willst Du eigene Mikros machen?! Gerade nachgeschaut: die Sporen sind echt klein, mit meiner Optik kann ich da beim besten Willen nicht erkennen, ob die feinwarzig sind, aber einen großen Öltropfen und einen großen Apiculus haben sie. Also dann doch Clavulinopsis?


    Falls es noch mal ordentlich regnen sollte, könnten sie noch kommen. Schau' ma mal...


    Viele Grüße – Rika



  • Hallo Rika,


    das finde ich vom Sporenbild tatsächlich nicht ganz eindeutig, und könnte auch noch in der Nähe von Clavulinopsis umbrinella landen.

    Besser mikroskopiert man in Baumwollblau, das färbt das Ornament von Ramariopsis. Ich meine, man sieht am Bauch ein paar Stacheln.


    Auf jeden Fall eine interessante Kollektion!


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    C. umbrinella sollte dickere Äste haben, ist nicht so grazil, siehe z.B. bei gbif. Diese Art scheint ja ganz gut untersucht zu sein (inkl. zumindest ITS – reicht das in dieser Gattung??).

    Meine "Synonyme" bzw. sehr ähnliche "Arten" laufen unter C. luteo-ochracea, rufipes und microspora.


    Viele Grüße – Rika

  • Hallo Rika,


    auch umbrinella ist ein Aggregat.

    Mit der existierenden Bestimmungsliteratur ist leider kein Blumentopf zu gewinnen, noch nicht einmal die Aggregate werden alle richtig aufgelöst.

    In diesem Fall muss aber wirklich erst einmal die Gattung geklärt werden.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    das Vorkommen dieser Wiesenkoralle befindet sich in einem Privatwald, der ganz aktuell genau in diesem Bereich durchforstet werden soll. Vorhin habe ich mit dem zuständigen Förster eine Begehung am kommenden Donnerstag vereinbart, um zu versuchen, zu retten, was zu retten ist. Aber ich habe große Bedenken, da es künftig vermehrten Lichteinfall (Besonnung) geben und sich das ganze Mikroklima verändern wird. Weitere Vorkommen dort: Helvella fallax, Hymenoscyphus carpini, Hymenoscyphus fagineus, Spathularia flavida, Tectella patellaris, Postia guttulata (siehe https://www.pilze-deutschland.…a-peck-j%C3%BClich-1982-1; in unserer Gegend kaum kartiert), ein resupinater, rotbräunlicher Porling auf Lärche (noch unbenannt, Björn Wergen hat ihn letzte Woche mitgenommen, ich habe auch Mikros davon inkl. Sporen + Beleg) und jeden Menge "üblicher Arten" – von Lactarius circellatus über div. Russula zu den lärchenbegleitenden Schmierröhrlingen, Schwefel- und Riesenporling usw.


    Aufgrund der anstehenden Durchforstung und den nicht abschätzbaren Folgen wäre es m.E. sinnvoll, mein 2024er Exsikkat doch gleich zu sequenzieren, bevor es unbrauchbar wird. Oder was meinst Du?


    Viele Grüße – Rika

  • Hi Wolfgang,


    ich habe auch ein paar Sachen, die ich zu Pablo (Alvalab) schicken möchte. Dann kann ich die Wiesenkoralle auch selbst mit dazunehmen.

    Weißt Du auswendig, welche Sequenzen sinnvollerweise gecheckt werden sollten? ITS allein wird wohl nicht zielführend sein – ITS hat bei Lentaria auch nur "Typhula" ergeben, mit LSU fanden wir immerhin Übereinstimmungen zu 4 weiteren Genbank-Einträgen der vermutlich selben Art (L. albovinacea) – da müssen die Gattungsgrenzen + Arten auch noch erforscht werden. Für meine kritischen Arten werde ich jeweils eine Multi-Gen-Analyse veranlassen, kostet halt ein paar Euro mehr.


    Insgeheim hatte ich gehofft, Du könntest die Sequenziererei über die DGfM abwickeln oder weißt was über entspr. Projekte...


    Viele Grüße – Rika