Geopyxis carbonaria (Gemeiner Kohlenbecherling) – Mit Sandra (@hilgridd) unterwegs auf einer Brandstelle

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 651 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Climbingfreak.

  • Hallo zusammen,

    2025 gab es in Thüringen einen größeren Waldbrand. Dank einer Sondergenehmigung konnte ich damals wenige Tage danach die Brandflächen betreten, um nach Pyronema omphalodes (Feuerkissen) zu suchen – dazu hatte ich damals bereits einen Bericht im Forum geschrieben. Seht bitte HIER.


    Im Frühjahr erscheinen dort aber auch andere spannende Pilze. Also machte ich mich gemeinsam mit Sandra ( hilmgridd) erneut auf den Weg zur Brandstelle. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an sie – vordergründig für die Mitnahme in ihrem „Schwarzhex-Auto“. g:-)


    Das Wetter war perfekt: 13 Grad, ein paar Wolken, etwas Wind. Vom Parkplatz aus liefen wir etwa 250 Meter über eine Wiese bis zum Rand der Brandfläche. Genau hier hatte ich bereits 2015 Pyronema omphalodes gefunden. Seht bitte HIER.



    Unser Hauptziel dieses Mal: Geopyxis carbonaria, der Gemeine Kohlenbecherling.


    Fundort, man sieht verkohltes Holz und die später erläuterten kleinen Fichten:





    Nach knapp 15 Minuten entdeckte Sandra den ersten Fund – winzige Becher von gerade einmal 3 mm. Ab da ging alles Schlag auf Schlag. Schnell stellten wir fest: Auf vollkommen kahlen Flächen braucht man gar nicht zu suchen. Kahle Flächen? Der „Waldbrand“ war nämlich keiner im klassischen Sinn. Gebrannt hatten vor allem schon gerodete Bereiche mit Gras und Baumstümpfen. Fündig wurden wir nur dort, wo noch ein paar kleine, verstockte Fichten standen – die Nadelstreu scheint entscheidend zu sein.


    Und dann fanden wir Kohlenbecherlinge in unglaublichen Mengen. Wir schätzten, dass es Zehntausende, vielleicht Hunderttausende sein müssen. Wirklich jeder Quadratmeter war voll davon. Die Pilze traten immer in Gruppen auf, nie einzeln. Viele Kollektionen waren noch winzig, andere schon weiterentwickelt. Überall, wo man hintritt – Gruppen von Pilzen.


    Die Kohlenbecher wachsen immer in Gruppen (zum Größenvergleich die Fichtennadeln heranziehen):





    Also packten wir Stative, Kameras, Tablet und Schattenspender aus und legten los. Das Licht war ideal, durch die leichte Bewölkung herrschte perfektes Streulicht – und etwas Saharastaub war auch dabei. Die größten Fruchtkörper entdeckten wir übrigens ganz am Ende, direkt am Weg. Sandra war noch am Fotografieren, und ich musste alles wieder auspacken. Aber was tut man nicht alles. :gkopfkratz:


    Geopyxis carbonaria:





    Beim Knipsen fiel mir dann auch das erste kleine „Scheibchen“ auf. Wir beide meinten, violettfarbene Töne auf der Fruchtschicht zu erkennen. Der Fund muss noch genauer untersucht werden – Ideen oder Hinweise sind willkommen!





    Die Kamera bei der Arbeit:




    Und das Ergebnis, links ein verkohlter Zapfen:




    Gruppe juveniler Fruchtkörper:




    Die Ränder der Becher sind toll:





    So vergingen über zwei Stunden wie im Flug. Danach gab es das wohlverdiente Mittagessen: Brote, Ei, Radieschen, diverses Grünzeug und eine Mandarine.


    Am Ende waren wir uns einig: Eine sehr gelungene Exkursion und ein rundum erfolgreicher Ausflug.


    Da Sandra mit einer ganz eigenen Kameraausrüstung fotografiert, freue ich mich nicht nur auf ihre ergänzenden Erläuterungen, sondern bin auch besonders gespannt auf die neuen, sicherlich eindrucksvollen Bilder.


    Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen und Betrachten etwas Spaß,

    viele Grüße,

    Steffen

  • Da Sandra mit einer ganz eigenen Kameraausrüstung fotografiert, freue ich mich nicht nur auf ihre ergänzenden Erläuterungen, sondern bin auch besonders gespannt auf die neuen, sicherlich eindrucksvollen Bilder.


    Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen und Betrachten etwas Spaß,

    viele Grüße,

    Steffen

    Hallo Steffen


    Besten Dank für diese tolle "Story" mit den super Bildern.


    Sofort wird das Bedürfniss, gleich in den Wald zu eilen 🏃, riesengross.


    War am Frühstücken und hatte mir eigentlich schon vorgenommen heute auf die "Pirsch" zu gehen.

    Nun gibt es keine Ausrede mehr, ich muss auch etwas fotogenes suchen!

    Vielleicht hat sich ja mittlerweile auch ein Mörchelchen raus getraut😃.


    Auf die Bilder von Sandra bin ich auch schon gespannt🤓.


    Grüessli Stefan

  • Hallo Steffen,


    da wär ich aber gern dabei gewesen... :gkopfkratz:


    VG

    Vielleicht fahre ich da nochmals hin, es soll in den nächsten Tagen dort regnen.

  • Hallo Ihr beiden,


    bei dem Becher würde ich mal - auf Grund der kleinen Pünktchen am Expiculum - plicaria endocarpoides schätzen: Er hat runde Sporen ohne Ornament ca 9-11 x 9-11. Auf meinen bisherigen Brandstellen war er ein sehr häufiger Begleiter. Wenn er das nicht ist, dann ist`s wohl eine peziza.


    LG

  • Hallo Ihr beiden,


    bei dem Becher würde ich mal - auf Grund der kleinen Pünktchen am Expiculum - plicaria endocarpoides schätzen: Er hat runde Sporen ohne Ornament ca 9-11 x 9-11. Auf meinen bisherigen Brandstellen war er ein sehr häufiger Begleiter. Wenn er das nicht ist, dann ist`s wohl eine peziza.


    LG

    Hallo,


    ja, das Ding muss mikroskopiert werden. Den FK habe ich da. Aktuell fehlt nur die Zeit.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Ihr beiden,


    bei dem Becher würde ich mal - auf Grund der kleinen Pünktchen am Expiculum - plicaria endocarpoides schätzen: Er hat runde Sporen ohne Ornament ca 9-11 x 9-11. Auf meinen bisherigen Brandstellen war er ein sehr häufiger Begleiter. Wenn er das nicht ist, dann ist`s wohl eine peziza.


    LG

    ... eben schnell unters Mikroskop gelegt, mir fehlt die Zeit, die Sporen leider nicht rund, sondern sie sind oval, mit 2 deutlichen, großen Öltropfen nahe den Polen. Oberfläche scheint ornamentiert. Richtung Geoscypha?



    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Steffen,

    könnte in Richtung Geoscypha tenacella gehen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
    Hiermit Le Genre Geoscypha AscomyceteOrg13-05197-212.pdf solltest Du Erfolg haben

    LG Karl

    Hallo Karl,


    danke für Deinen Hinweis und Link.


    Ja, ich habe schon mehrere Hinweise in Richtung Geoscypha tenacella erhalten.


    Mir fehlt derzeit absolut die Zeit, mich näher mit dem Fund zu beschäftigen. Daher schnell mal gemessen: Sporenmaße Durchschnitt: 11.75 x 6.80 µm. Sporen ornamentiert.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo,


    die „Scheibe“ konnte als Geoscypha tenacella – Braunvioletter Becherling – festgemacht werden.


    Das wäre, wenn ich es richtig sehe, der Erstnachweis für Thüringen.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Sven,


    Danke für den Hinweis, Du hast recht, ich hatte im Stress die falsche Zwischenablage eingefügt.

    Richtig muss es heißen: Geoscypha tenacella – Braunvioletter Becherling.

    Ich habe das oben korrigiert.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Es ist max. der Zweitnachweis! Den Erstnachweis hatte Peter Püwert 1998 für Thüringen.


    Bei solchen Aussagen immer Pilze-Deutschland zu Rate ziehen. https://thueringen.pilze-deuts…ella-sacc-van-vooren-2020


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Danke für Deine Belehrung – diese ist unnötig und in dem Ton fehl am Platz. Das ist lediglich meinen Meinung.


    Für mich liegt der Punkt eben in Bayern.



    Es ist aber auch vollkommen egal, Sandra und ich freuen uns über den Fund, selbst wenn es „nur“ der zweite Nachweis seit 28 Jahren in Thüringen ist ...


    l.g.
    Steffen

  • Ich meine nur, dass bei solchen Aussagen dann auch die Regionalkarte von dem jeweiligen Bundesland herangezogen werden sollte.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.