Hallo zusammen,
2025 gab es in Thüringen einen größeren Waldbrand. Dank einer Sondergenehmigung konnte ich damals wenige Tage danach die Brandflächen betreten, um nach Pyronema omphalodes (Feuerkissen) zu suchen – dazu hatte ich damals bereits einen Bericht im Forum geschrieben. Seht bitte HIER.
Im Frühjahr erscheinen dort aber auch andere spannende Pilze. Also machte ich mich gemeinsam mit Sandra ( hilmgridd) erneut auf den Weg zur Brandstelle. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an sie – vordergründig für die Mitnahme in ihrem „Schwarzhex-Auto“. ![]()
Das Wetter war perfekt: 13 Grad, ein paar Wolken, etwas Wind. Vom Parkplatz aus liefen wir etwa 250 Meter über eine Wiese bis zum Rand der Brandfläche. Genau hier hatte ich bereits 2015 Pyronema omphalodes gefunden. Seht bitte HIER.
Unser Hauptziel dieses Mal: Geopyxis carbonaria, der Gemeine Kohlenbecherling.
Fundort, man sieht verkohltes Holz und die später erläuterten kleinen Fichten:
Nach knapp 15 Minuten entdeckte Sandra den ersten Fund – winzige Becher von gerade einmal 3 mm. Ab da ging alles Schlag auf Schlag. Schnell stellten wir fest: Auf vollkommen kahlen Flächen braucht man gar nicht zu suchen. Kahle Flächen? Der „Waldbrand“ war nämlich keiner im klassischen Sinn. Gebrannt hatten vor allem schon gerodete Bereiche mit Gras und Baumstümpfen. Fündig wurden wir nur dort, wo noch ein paar kleine, verstockte Fichten standen – die Nadelstreu scheint entscheidend zu sein.
Und dann fanden wir Kohlenbecherlinge in unglaublichen Mengen. Wir schätzten, dass es Zehntausende, vielleicht Hunderttausende sein müssen. Wirklich jeder Quadratmeter war voll davon. Die Pilze traten immer in Gruppen auf, nie einzeln. Viele Kollektionen waren noch winzig, andere schon weiterentwickelt. Überall, wo man hintritt – Gruppen von Pilzen.
Die Kohlenbecher wachsen immer in Gruppen (zum Größenvergleich die Fichtennadeln heranziehen):
Also packten wir Stative, Kameras, Tablet und Schattenspender aus und legten los. Das Licht war ideal, durch die leichte Bewölkung herrschte perfektes Streulicht – und etwas Saharastaub war auch dabei. Die größten Fruchtkörper entdeckten wir übrigens ganz am Ende, direkt am Weg. Sandra war noch am Fotografieren, und ich musste alles wieder auspacken. Aber was tut man nicht alles. ![]()
Geopyxis carbonaria:
Beim Knipsen fiel mir dann auch das erste kleine „Scheibchen“ auf. Wir beide meinten, violettfarbene Töne auf der Fruchtschicht zu erkennen. Der Fund muss noch genauer untersucht werden – Ideen oder Hinweise sind willkommen!
Die Kamera bei der Arbeit:
Und das Ergebnis, links ein verkohlter Zapfen:
Gruppe juveniler Fruchtkörper:
Die Ränder der Becher sind toll:
So vergingen über zwei Stunden wie im Flug. Danach gab es das wohlverdiente Mittagessen: Brote, Ei, Radieschen, diverses Grünzeug und eine Mandarine.
Am Ende waren wir uns einig: Eine sehr gelungene Exkursion und ein rundum erfolgreicher Ausflug.
Da Sandra mit einer ganz eigenen Kameraausrüstung fotografiert, freue ich mich nicht nur auf ihre ergänzenden Erläuterungen, sondern bin auch besonders gespannt auf die neuen, sicherlich eindrucksvollen Bilder.
Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen und Betrachten etwas Spaß,
viele Grüße,
Steffen
