Sind Morcheln Standort treu?

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 891 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Stefan.

  • Muschelkalk und Eschen folgend bin ich heute losgezogen und habe sage und schreibe eine Morchel entdeckt 😆 nur sah das WĂ€ldchen schon besucht aus đŸ€”

    Die Morchel selbst muss mal ein stattliches Exemplar gewesen sein, nur war sie entweder durch den Regen oder die Schnecken ziemlich zugrunde gerichtet! Meint ihr nÀchstes Jahr ist da mehr zu holen, nachdem Motto wo sich eine findet gibt es auch mehr ?!

    Lg Inci

  • Hallo Inci,

    was schon mal sehr gut ist: du weißt, an dieser Stelle können Morcheln stehen. Ich selber habe mit der angeblichen Standorttreue von Morcheln kaum positive Erfahrungen gemacht. In meinen Morchelhabitaten ist es meistens so, dass ich an genau der alten Stelle die nĂ€chsten Jahre nichts mehr finde, 50 bis 100 Meter weiter dann aber schon. Ich weiß auch nicht, wie lange so ein Morchelmyzel fruktifiziert, vielleicht auch lebt. Von der Rindenmulchmorchel weiß man z. B., dass sie nur eine Saison lang fruktifiziert.(lebt?). Ich halte es fĂŒr möglich, dass das auch bei der Speisemorchel der Fall ist, und dass sie auf Sporenverbreitung angewiesen sein könnte, um an der "alten" Stelle neu fruktifizieren zu können - dann stets aus dem neuen Myzel heraus. Falls dem so wĂ€re, bedeutete dies, dass man MorchelplĂ€tze nicht restlos abrĂ€umen sollte, sondern die Altexemplare stehenlĂ€sst.

    FG

    Oehrling

    PSVs dĂŒrfen weder ĂŒber I-Net noch ĂŒbers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Also, ich habe eine graue Speisemorchel, die kommt jedes Jahr an exakt derselben Stelle. Und immer nur eine. Außerdem kenne ich eine Stelle mit Spitzmorcheln, da kommen sie auch immer wieder. Genauso die Fingerhut-Verpeln. Lediglich bei den Apfelbaum-Morcheln scheint es bei mir etwas zufĂ€lliger zu sein. Lohnt sich m.E. also auf jeden Fall, die Stelle nĂ€chstes Jahr zu beobachten 


  • Hallo,

    ich habe eine Stelle in einem Auwald, da kommen die Speisemorcheln seit fast 40 Jahren an fast der gleichen Stelle.


    VG Ulla

  • Das ist gut, dann merk ich mir den Platz fĂŒr nĂ€chstes Jahr. Drumherum waren mehrere lichte EschenwĂ€ldchen, die ich dann aber nicht mehr aufgesucht habe- mache ich dann nĂ€chstes Jahr. Der BĂ€rlauch war dann irgendwie spannender â˜ș prinzipiell muss man sagen die 5km die ich da durch den Wald gestampft bin, viele Rotbuchen, Eschenlichtungen, paar Linden und Ahorne - Pilz technisch ist der Muschelkalk ja anscheinend ein trauriges Habitat. Hab wenig entdeckt.

    Insgesamt muss ich sagen erkennt man den Wald - ist ja mein erstes Pilzjahr - von den Pilzen her kaum wieder. Letztes Jahr im Herbst musste man aufpassen wo man hintritt, so viele Pilze und nun ist der FrĂŒhling im Vergleich echt ernĂŒchternd 😅

    Lg Inci

  • Falls die RiMuMo sich nur ein FrĂŒhjahr zeigen, stimmen entweder im nĂ€chsten Jahr die Bedingungen nicht (Wetter), oder das Substrat ist erschöpft und liefert nicht mehr die notwendigen NĂ€hrstoffe.

  • Hallo Inci,


    der letzte Herbst war ertragstechnisch extrem gut, so gut wie schon seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr. Das ist also leider nicht die Norm. Außerdem darf man den FrĂŒhling ertragstechnisch nicht mit dem Herbst vergleichen. Der Herbst ist und bleibt die mit Abstand beste Pilzzeit, sonst wĂŒrden ja alle nicht ausgerechnet im Herbst auf Pilzsuche gehen. Wenn du im FrĂŒhjahr etwas findest, ist es auch von den Arten her recht speziell, daher spricht man auch von FrĂŒhjahresarten bzw. -pilzen.


    Der Muschelkalk kann pilztechnisch Ă€ußerst interessant sein. In kĂŒhlen, verregneten Sommern gibt es dort irre viele TĂ€ublingsarten und seltene Röhrlinge wie den Königs- oder den AnhĂ€ngselröhrling. Im Herbst, also so ab Anfang Oktober finden sich dort Herkuleskeulen, Korallen, Cortinarien, seltene Schnecklinge usw. Die ĂŒblichen Sammelpilze der breiten Masse wie Steinpilz, Pfifferling und Marone sind dort relativ schwach vertreten, da gebe ich dir recht. FĂŒr so etwas fĂ€hrt man besser in Gegenden mit neutralem bis schwach sauerem Boden wie z. B. den Nordschwarzwald oder den Schönbuch.


    Außerdem ist zu beachten, dass jeder Wald/jeder Boden/jedes Habitat gute, ertragreiche und weniger gute Zeiten hat. Momentan sind, wenn man viele Arten finden will, die TieflandwĂ€lder mit vielen offenen, grasigen Stellen angesagt (z. B. das Stellario-Carpinetum). Auch gut sind zur Zeit die Rindenmulchbeete und VorgĂ€rten im innerörtlichen Bereich, ebenso grasige WegesrĂ€nder. Der Laubwald ĂŒber Muschelkalk hat wie oben erwĂ€hnt seine beste Zeit von Anfang Oktober bis zum Laubfall, aber auch mal in regnerischen Sommerphasen.


    FG

    Oehrling


    Edit: nochmals besten Dank an alle, die mir bestÀtigen, dass Morcheln doch standorttreu sind!

    PSVs dĂŒrfen weder ĂŒber I-Net noch ĂŒbers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Danke fĂŒr eure RĂŒckmeldungen. Werde dann mal den Waldabschnitt im Herbst nochmal aufsuchen. Bin mir mit den TĂ€ublingen halt noch nicht so sicher 😅

    Muss mich damit mal befassen. Wenn ich die sicher bestimmen kann versuche ich mich mal dran.

    Denkt ihr das verregnete FrĂŒhjahr zumindest hier im Stuttgarter Raum verspricht eine gute Herbst Ernte oder ist das eurer Erfahrung nach noch zu frĂŒh?

    Ich war letztes Jahr echt baff! Die tollen Maronen und Steinpilze! Hab von meinen drei StreifzĂŒgen bis in den Februar noch gezehrt! Nicht das ihr glaubt ich hĂ€tte Schubkarren voll mitgenommen😅 waren drei kleine Pilzkörbe voll - aber die Funde waren so besonders fĂŒr mich, dass ich sie nur zu besonderen AnlĂ€ssen rausgeholt habe 😆

    Mein ersten flockenstieligen Hexenröhrling hab ich da gefunden und im Wald gelassen, weil ne Ă€ltere Pilzsammlerin gesagt hat daran seien schon viele verstorben und obwohl ich mir hundertprozentig sicher war, dass es ne Hexe ist, hab ich ihn zurĂŒck gelassen 😱


    Lg Inci

    P.s lohnt es sich nochmal wegen Maipilzen loszuziehen? Hatte da ja eine tolle Stelle und hab die jungen Exemplare gesammelt vor 10 Tagen, meint ihr da kommen noch welche nach?

  • Ich finde, du stellst, vermutlich deiner mangelnden Erfahrungen geschuldet, komische ZusammenhĂ€nge her.

    Wunderst du dich auch, dass es jetzt keine Äpfel gibt, wo es doch noch im Herbst noch so viele gab, mal spitz formuliert? Nein, weil du weißt, dass jetzt nicht die Saison dafĂŒr ist.

    So ist es auch bei den Pilzen, alle Gattungen haben ihre Zeit, und auch nur dann, wenn die Bedingungen stimmen: zb Feuchtigkeit, Temperatur passen ĂŒber einen Zeitraum von 2-4 Wochen.

    Ja, hier im Raum Stuttgart wĂ€ren gerade von der Feuchtigkeit her ideale Bedingungen, wenn wir ĂŒber Wochen höhere Temperaturen gehabt hĂ€tten, hatten wir aber nicht.

    Ich hoffe, dass von der Feuchtigkeit bis Ende Juni noch soviel ĂŒbrig ist, dass ich ein paar SommertrĂŒffel im Garten finde.

    FĂŒr den Herbst kannst du mit dem jetzigen Regen nichts planen.

    Gruß Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lÀsst sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • Ich finde, du stellst, vermutlich deiner mangelnden Erfahrungen geschuldet, komische ZusammenhĂ€nge her.

    Wunderst du dich auch, dass es jetzt keine Äpfel gibt, wo es doch noch im Herbst noch so viele gab, mal spitz formuliert?

    Sorry 🙈

    Ja, hast recht das ich mir das denken könnte, dafĂŒr gibt es im Mai Erdbeeren, im Juni Johanissbeeren usw.

    Mir war bis vor kurzem nicht klar wieviel weniger Pilze im FrĂŒhjahr wachsen als im Herbst.

  • @Inci


    Hast ja schon erkannt, was fĂŒr welche Habitate fĂŒr Morcheln ansprechend sind. Ob man da dann welche findet, leider nicht immer, sonst wĂŒrden diese ja immer gefunden werden.


    Ich kann mich nur dem zuvor geschriebenen anschließen.


    Ja, diese sind auch bei mir treu immer an den gleichen PlÀtzen. Könne aber auch mal einen Totalausfall wie letztes Jahr haben und sich auch mal um einer 50 Meter verschieben.


    Dieses Jahr war ein Hammer Jahr und was das nĂ€chste Jahr hergibt, schauen ma mal. DafĂŒr waren die Morchelbecherlinge im selben Habitat dieses Jahr sehr schwach.


    So ist es halt, wenn die möchten, dann geht’s los und nicht wann wir es gerne hĂ€tten. Ebenso hatte ich letztes Jahr eine Flut von Steinpilzen und Hexen und das Jahr zuvor kaum was.


    Alles wie es die Natur haben möchte und das ist -GUT-so!