Ramaria cf. fennica und unbekannte Ramaria

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 950 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Matthias.

  • Hallo,

    heuer habe ich am 25. August im südlichen Waldviertel an einem wärmegetönten, sehr steilen Hang zwei Korallen gefunden, die mich doch sehr interessieren. Grundsätzlich ist im Waldviertel der boden sauer, Untergrund ist Granit und Gneis, doch kommen an diesem Hang auch Totentrompeten vor. Weiters gibt es dort Tricholoma matsutake, Cantharellus cinereus, craterellus sinusosus, Rheubarbariboletus armenicolor und auch Butyriboletus regius.


    Die erste Koralle wuchs direkt neben einer alten Buche in der Laubstreu und hat mich sehr begeistert. So schöne Farben! Zuerst dachte ich an Ramaria fennica var. fumigata, doch nachdem ich mikroskopiert habe und die Bilder nochmals angesehen habe, gehe ich eher davon aus, dass das Ramaria fennica var. fennica ist, denn ich denke da sind schon deutlich geglich-olive Farbtöne in den Ästen und die Sporen sind auch eher klein.

    Sporen: 7 - 9 - 10 x 3,5 - 4, deutlich höckerig bzw. warzig-wulstig








    Die zweite wuchs direkt neben einem Fichtenstumpf, aber es gibt dort vorwiegend Buchen, dann und wann auch Föhren und Lärchen. Die Äst sind lachsfarben, die Spitzen gelb und bitterlich, das Fleisch ist weiß, in den Ästen Astfarben, der Strunk ist weiß. Eigenartig war der Geruch, denn der war irgendwie fruchtig, nach Mais, Maschinenöl und nach frisch geerntetem Getreide in einer Halle - also sehr diffizil.

    Die Sporen hatten in Wasser ein undeutliches Ornament, in BWB war es doch deutlich zu sehen. Ich würde es als warzig mit wenigen kurzen Wulsten beschreiben. Sie messen 8 - 9 - 10 x 3,8 - 4 - 5.

    Meine erste Idee ist Ramaria formosa, aber so ganz überzeugt bin ich nicht davon







    Ich hoffe, jemand von euch kann mir weiterhelfen, denn für die beiden hätte ich wirklich gerne eine Bestimmung!

    LG

    romana

    103-15 APR2017+17(3.Platz)+2(Wette)=107-1(OBR)-15 APR2018=91+13(3.Platz)+8(Wetten)=112-2+7(Wette)=117-15 APR2019=102+8(8.Platz)=110-15 APR2020=95+12(3.Platz)+27(Wetten)=134-15 APR2021=119+10(4.Platz)+12(Wetten)=141

  • Hallo Romana,

    ob nun deine erste Ramaria die var. fennica oder var. fumigata genannt werden sollte kann ich dir leider nicht sagen. Ich hatte einen Fund in 2017, die für ich der var. fumigata zugeordnet habe. Die olivlichen Äste stellten sich bei näherem Hinsehen als Pollenauflagen heraus:

    Artsuche

    Deine zweite Ramaria ist für R.formosa nicht orangegelb genug, vergleiche mal mit R.mairei = R.pallida:
    Artsuche

    Grüße Axel

    "Mehrere Indizien überführen Homo sapiens als ökologischen Massenmörder und als die größte und zerstörerischste Kraft, die das Tierreich je hervorgebracht hat."

    aus Glaubrecht: "Das Ende der Evolution"

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Romana!


    Ich habe gerade den Eindruck, daß die gelblichen Farbtöne nichts anderes sind, als das Sporenpulver dieser Koralle (ockergelb, wie bei Ramaria üblich). :gzwinkern:
    Wenn ich das mir richtig aus den verfügbaren Literaturquellen (insbesondere Christan!) zusammengereimt habe, sollten bei R. fennica var. fennica die Astspitzen bei jungen fruchtkörpern gelblich sein, und die Fruchtkörper insgesamt nicht so ausgeprägt "schweinsohrfarbig". Bei deinem Fund sind die aber vor allem bei den jungen Fruchtkörpern deutlich violettgrau; fennica var. fumigata sieht farblich ziemlich 1:1 aus wie Gomphus clavatus.
    Zudem ist es wohl so, daß fennica var. fennica vorwiegend eine Nadelwaldart sein sollte; var. fumigata passt gut zu Rotbuche auf wärmebegünstigten, basischen Böden.
    Hier und da flimmert noch eine "var. griseolilacina" durch die Literatur, das dürfte aber tatsächlich das Gleiche sein wie die var. fumigata (der marginale Unterschied in der Sporengröße dürfte irrelevant sein, bzw. einfach zur Variationsbreite von var. fumigata gehören).
    R. fennica var. fennica und R. fennica var. fumigata könnten durchaus auch zwei separate, "gute" Arten sein, wenn die unterschiedlichen ökologischen Parameter konstant mit unterschiedlicher Pigmentverteilung korrelieren. Ich habe aber keine Ahung, wie weit das mittlerweile genetisch durchleuchtet ist.



    LG; Pablo.

  • Hallo,

    ich danke euch beiden für eure Einschätzungen!

    Ach ja, stimmt - Ramarien haben auch noch ockerfarbenes Sporenpulver... So betrachtet ist es wohl doch eher Ramaria fennica var. fumigata - ich werde die mal so einordnen, zumal auch der Standort dafür spricht.


    @Axel: Für Ramaria pallida ist mir die zweite irgendwie zu bunt. Ich kenne die zwar nicht aus eigener Anschauung, doch mein Exemplar war schon deutlich lachsfarben mit gelblichen Spitzen. Ramaria pallida stelle ich mir heller vor. Allerdings riecht das Exsikkat nach Liebstöckel, was wiederum für R. pallida sprechen würde. Hmm, schwierig...


    Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der da genauer Bescheid weiß.


    LG

    romana

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  • Hallo,


    ich sehe erst mal nichts, was gegen formosa sprechen würde. Zumal formosa gar nicht soooo dreifarbig ist wie manchmal beschrieben und abgebildet, sondern da ist dann sicherlich auch die eine oder andere fagetorum mit dabei.

    Entscheidend ist aber, ob die Art denn überhaupt Schnallen hat oder ob die fehlen. Ohne dies zu wissen ist eine Bestimmung nicht möglich. Die Sporen sehen übrigens unreif aus, da sie so schwach angefärbt sind. Eigentlich müssten diese tiefer dunkelblau ornamentiert sein, so dass das Ornament besser sichtbar wird.

    Die Astspitzen werden bei allen Ramarien mit der Zeit bitterlich, so wie die Stacheln der Stoppelpilze. Darum isst man auch nur den Strunk, falls jemand unbedingt Ramarien konsumieren möchte ....


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    schon beim ersten Mal mikroskopieren ist mir eine Schnalle aufgefallen, jetzt hab ich grad nochmal geschaut und habe wieder Schnallen gefunden. Ich hab auch nochmals mit Baumwollblau angefärbt und die Sporen fotografiert, das Ornament ist aber noch immer nicht deutlicher zu sehen. Vielleicht ist mein BWB auch schon zu alt, hab es jetzt ungefähr vier Jahre.

    Jedenfalls danke für deine Einschätzung! Ich denke, ich kann die als Ramaria formosa ablegen.

    LG

    romana


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  • Hallo Romana,


    ich glaube nicht dass es am Baumwollblau liegt, sofern es Baumwollblau in Milchsäure (oder Lactoglycerol, Lactophenol) ist und nicht Baumwollblau in Wasser. Aber analog zu den Problemen beim Bestimmen von Scutellinia ist es auch bei Ramaria so, dass das Ornament erst bei wirklich ausgereiften Sporen typisch ausgebildet ist. Und eben auch erst dann vom Baumwollblau so schön tiefblau angefärbt wird. Aber dein ganzes Präparat ist sehr hell, eigentlich müsste ja die Flüssigkeit selbst schon sehr blau sein und nicht farblos.


    Aber eigentlich ist es wurscht in dem Fall, denn da spielt ja das genaue Ornament gar nicht die entscheidende Rolle beim Bestimmen. Wenn Du Schnallen gefunden hast, dann würde ich den Fund auch als R. formosa ablegen.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    ich versuche immer, das Baumwollblau ein bisschen rauszuziehen, indem ich einen Tropfen Wasser durch das gefärbte Präparat durchziehe. Ich glaube deswegen wirken meine Fotos so hell.

    Danke jedenfalls für deine Erklärungen! Hab wieder einiges dazugelernt!

    LG

    romana

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  • Servus Romana,


    vielleicht hängt die fehlende Ornamentanfärbung in BWB auch mit einer zu kurzen Einwirkzeit zusammen. Wie lange wartest du denn, bevor du das Wasser durchziehst?

    Als ungeduldiger Mensch erhitze ich das Präparat gnadenlos mit einem Feuerzeug (direkt am Objektträger) :gpfeiffen: Also nicht so, dass es kocht oder verpufft, scho mit a bissl Gfui:gcool: So geht die Anfärbung ganz schnell und ich verzichte aufs Aufhellen mit Wasser. Gescheite Fotos von den angefärbten Sporen in BWB sind allerdings so oder so schwierig, jedenfalls mit meiner Kamera (Moticam 3).


    Die Bestimmungen der Korallen als R. fennica var. fumigata und R. formosa würde ich übrigens auch unterschreiben, beide sind wirklich wunderschön. In der neuen italienischen Monografie (I Funghi clavarioidi in Italia) ist R. fumigata übrigens als eigenständige Art geführt. Allerdings wurde der Typus (USA) meines Wissens nicht sequenziert, es bleibt also wohl Ansichtssache.


    Beste Grüße

    Hias