Beiträge von Matthias

    Servus beinand,


    Andreas Melzer hat ja auch in zwei Artikeln in der Zeitschrift für Mykologie (2016 und 2018) umfangreiche, auch sequenzanalytisch unterfütterte Studien zur Gruppe um P. spadiceogrisea vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Artikel wurden in der zitierten Arbeit von Voto et al. (2019) nach meinem Eindruck weitgehend ignoriert:haue:. Andreas hatte zum Beispiel einen Epitypus von P. spadiceogrisea definiert.


    So bleibt es nach wie vor ein Abenteuer, Psathyrellen aus dieser Gruppe zu bestimmen. Eine typische P. spadiceogrisea, die dem Epitypus gut entspricht, hätte ich gemäß Voto et al. (2019) als P. albescens Hesler & A.H. Smith schlüsseln müssen. Da hört sich der Spaß irgendwann mal auf:D


    In Andreas Artikel in der ZfM 82/1 von 2016 (S.53) ist übrigens eine Kollektion von P. niveobadia mit Mikrofoto der Zystiden abgebildet, die Sebastians Fund makroskopisch ziemlich gut entspricht und exakt dieselben Auflagerungen an den Zystiden aufweist.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    zwar habe ich noch keine Lacrymaria mikroskopiert, aber ich würde mich hier Axel anschließen. Auf dem Sporenfoto ist das Ornament doch eigentlich ganz gut zu sehen. Und makroskopisch hätte ich überhaupt keinen Zweifel.


    Grüße aus München

    Hias

    Servus Matthias,


    Liimatainen et al. 2020: Mission impossible completed: unlocking the nomenclature of the largest and most complicated subgenus of Cortinarius, Telamonia

    In dieser Arbeit (open source) wurden die meisten verfügbaren Typen der UG Telamonia sequenziert, meines Wissens vorwiegend die ITS, und die Sequenzen auch in GenBank hinterlegt.


    Dadurch kommt natürlich extrem viel Bewegung in die Taxonomie. Es wird aber sicher noch einige Zeit dauern, bis diese Ergebnisse zu praktikablen Telamonia-Schlüsseln führen werden. Denn erst wenn genügend sequenzierte Kollektionen zur Verfügung stehen, kann man ja nach morphologischen Übereinstimmungen suchen. Theoretisch gibt es natürlich die Möglichkeit, eigenes Material sequenzieren zu lassen und dann in BLAST-Analysen mit den Ergebnissen der oben genannten Studie zu vergleichen. Aber ich kenne mich da selber zu wenig aus.


    Zu den einzelnen Arten hat Andreas ja schon etwas geschrieben.


    Vielleicht als Ergänzung zu C. casimiri: Kollektionen, die so aussehen wie deine, mit diesen typischen subzylindrischen großen Sporen habe ich bislang auch als C. casimiri bestimmt (s. Cortinarius Flora Photografica, CFP). Schaut man jetzt aber in die Studie von Liimatainen et. al., dann sieht man im Phylogramm, dass es in der Sektion "Megaspori" offenbar drei anerkannte Arten gibt. Die beiden in CFP abgebildeten Kollektionen sind nicht einmal dasselbe, wenn ich das richtig interpretiere, und von C. casimiri scheint kein Typus verfügbar gewesen zu sein.


    Es bleibt also im Moment noch schwierig, aber wie du schon selber schreibst, mit irgendwas muss man ja mal anfangen, und der beste Anfang sind immer gut dokumentierte Kollektionen.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    vielen Dank für eure Antworten und die nützlichen Links zu Literatur!


    Der Hinweis von Raphael auf die in der Synonymie zu C. amarescens verschollene C. harmajae, die Peter Specht in der ZMykol ans Licht gebracht hat, ist wahrscheinlich ein Volltreffer!

    Der Schwimmbad-Geruch in Verbindung mit den schlanken, in Seitenansicht etwas asymetrisch geformten Sporen (die Zeichnung von Lamoure zeigt exakt die Sporenform meiner Kollektion!) deutet sehr auf diese Art hin. In meinen Notizen hatte ich mir vermerkt, dass die Pilze nicht nur so riechen wie Entoloma nidorosum, sondern auch so aussehen, abgesehen vom größeren Braunanteil in den Hutfarben. Ich kann zwar leider kein Französisch, aber mit etwas Italienisch und einem französischen Wörterbuch bewaffnet habe ich mir die Originalbeschreibung von C. harmajae durchgelesen. Die Hutoberfläche beschreibt Lamoure als einfarbig graubraun und feucht-fettig, was gut passt. Von einer Ixocutis schreibt er zwar nichts, er hat aber offenbar auch nur einen Skalpschnitt angeschaut.


    Bei der Beschreibung der Hygrophaneität neige ich zugegebenermaßen zum Schlampen. Die Pilzhüte, die zum Aussporen auslagen, haben sich aber sicher nicht völlig entfärbt, sonst hätte ich das schon vermerkt. Lamoure bezeichnet seinen Pilz zwar als hygrophan, schreibt aber - soweit ich das verstehen kann - auch nichts davon, dass sie nach cremeweiß entfärben, wie das zum Beispiel bei C. nitrophila der Fall ist. Leicht abweichend sind auch die völlig ungestreiften Hüte, Lamoure gibt 3-4 mm am Hutrand an.


    Eben die schwache oder gar fehlende Hygrophaneität und der magere Standort sprechen wohl gegen eine Bestimmung als C. nitrophila. Die Kollektionen von Rubio, die Alexander verlinkt hat, sind schon auch interessant, bei seiner C. amarescens ist die Makroskopie recht ähnlich, bei seiner C. nitrophila die Mikroskopie.


    Vorläufig werde ich die Kollektion mal als C. cf. harmajae ablegen und hoffe, dass sich irgendwann mal ein paar Mykologen dazu aufraffen, die Typen der Gattung zu sequenzieren, wie das die Cortinariologen bei Telamonia vorgemacht haben.


    Die siderohile Granulation habe ich übrigens nicht getestet, aber immerhin die Gattungen Tephrocybe und Lyophyllum ergebnislos durchgeschlüsselt (Gröger 2006).


    Beste Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    die folgende Aufsammlung von der Schwäbischen Alb (magere Wiese bei Kiefer, Eiche und Hainbuche auf Kalk) kriege ich nicht geknackt :/



    Meine Intuition und der Gattungsschlüssel von Gröger lassen befürchten, dass es sich um eine Clitocybe handeln könnte, was in Sachen Bestimmbarkeit sicher keine allzu gute Nachricht wäre.

    Doch dank einiger auffälliger Merkmale habe ich doch die Hoffnung, dass jemand aus dem Forum diese Schwammerln erkennt. Vielleicht habe ich ja was ganz Banales übersehen.


    Zur taxonomischen Fahndung ausgeschrieben ist also ein trichterlingsähnlicher Pilz mit deutlichem Chlorgeruch. Weitere auffallende Merkmale: schmieriger Hut (Ixocutis), irregulär längsfurchiger, hohler Stiel und sehr schlanke, subzylindrische inamyloide Sporen (6,9 x 3,1 µm, Q=2,25!).


    Hier ein Link zur kompletten Dokumentation mit Mikrofotos.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus Bernd,

    ja, z.B. für den Sporenabwurf von Mycena- oder Clitocybe-Arten verwende ich direkt Kongo/NH3.

    Generell eben bei Gattungen mit farblosen Sporenwänden, die man in KOH nicht gescheit sieht. Ich weiß, das ist umstritten, es gibt auch die Meinung, dass man Sporen generell in Wasser anschauen und vor allem messen soll.

    Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    bei der Exsikkat-Mikroskopie verwende ich fast aussschließlich KOH 3% (ohne Absaugen), die Präparate ziehen auch viel weniger Luft als mit H2O. Zum Anfärben Kongo/NH3, zumindest bei Sporenabwurfpräparaten ohne Vorquellen in KOH, bei Geweben kann man's auch ins KOH-Präparat einziehen.

    Baumwollblau benütze ich nur zum Anfärben von Sporenornamenten bei Ramaria und Ascomyceten wie Scutellinia. Da wärme ich schon vorsichtig an, weil es die Färbung meiner Erfahrung nach spürbar beschleunigt.


    Ansonsten: Zum Mikroskopieren von Exsikkaten würde ich eher ermuntern. Natürlich gibt es Nachteile, z.B. bei der Beurteilung von Lamellenquerschnitten oder tieferen HDS-Schichten und natürlich bei winzigen Pilzchen, die man als Exsikkat im Herbarbeutel suchen muss, aber die meisten Pilze lassen sich getrocknet fast genauso gut untersuchen wie frisch. Bei gelifizierten Strukturen (schleimige Huthaut z.B.) gelingen Schnitte sogar leichter. Und der größter Vorteil besteht natürlich darin, dass man in aller ruhe im Winter mikroskopiern kann, ohne dass gleichzeitig ein Dutzend andere spannende Frischpilze im Kühlschrank vergammeln.


    Beste Grüße

    Hias

    Hallo Raphael,


    schöne Kollektionen!

    Nach welcher Literatur bestimmst du deine Hebelömchen? Kollektion 2 sieht für mich typisch aus. Bei Kollektion 1 hätte ich leichte Zweifel, die recht schlanken Stiele, die offenbar auch nicht bräunen, sind untypisch für H. laterinum. Allerdings ist die Art verflucht variabel, und wenn du mit FE14 geschlüsselt hast, wird's schon stimmen.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus Raphael,


    ich glaube auch, dass du bei Nr. 5 in der falschen Sektion gelandet bist. Makroskopie und die stark ornamentierten kleinen Sporen würden zu den Hinnulei passen.


    Grüße

    Hias

    Servus,


    ich denke, dass du mit Deconica schon richtig liegst, auch wenn zumindest das eine Foto schon verdammt helle Sporen zeigt.

    Simocybe und Alnicola/Naucoria haben keinen klebrigen Hut, soweit ich das aus dem Stegreif weiß.


    Du kannst ja mal hier vergleichen:

    Deconica crobula

    Drunter ist eine D. phyllogena mit deutlich dunkleren Sporen.


    Einzelfruchtkörper sind immer schwierig. Aber eine D. crobula, die ihr Velum schon verloren hat, wäre vielleicht möglich.


    Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    gegen die Bestimmung als R. schildii spricht, dass die Fruchtkörper praktisch keine gelben Farben aufweisen. R. schildii hat, wie Werner schon schrieb, kühle, aber intensiv gelbe Farben. Auch die Sporenform passt nicht zu R. schildii, wie du selbst schon schriebst, ist der Q-Wert zu niedrig.


    Für mich sehen die Sporen auf dem Foto in Kongo auch nicht unbeding glatt aus. Vielleicht hast du das Baumwollblau nicht lange genug einwirken lassen (erhitzen geht schneller).


    Eine gute Idee für deinen Fund habe ich aber leider auch nicht.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    der Cortinarius gehört sicher zu Telamonia. Eventuell zu den Bovini - die haben so marmoriertes Fleisch. Zu C. laniger/solis-occasus würde die Hutfarbe gut passen, aber ich glaube, die sollten doch deutliche Velumreste und hellere Stiele aufweisen.


    Grüße

    Hias

    Danke für die Wiederherstellung!

    Es gab keinerlei Fehlermeldung vor der Löschung. Nachdem ich auf "Antworten" geklickt hatte, erschiend der Beitrag erst gar nicht, sondern wurde zeitgleich als gelöscht angezeigt.


    Beste Grüße

    Hias

    Servus beinand,


    hier noch eine für mich typische "I. albomarginata", die dann sicher auch I. reducta heißen muss:

    Sporen: typisch gedrungen amygdaloid bis apfelkernförmig (oder eher wie Hanfsamen), nie eingedellt, Apex sehr variabel gerundet bis konisch, Maße: 7,3 x 5,0 (6,5-8[9] x 4,5-5,5), Q=1,46 (1,30-1,64)

    Link zur Doku


    Wie konnte es passieren, dass Stangl und Glowinski (1981) in Karstenia 21 Sporenmaße von 9-11.5 x 5.5-6 µm für den Holotypus von I. pseudoreducta angegeben haben? Bei meinen 5 Kollektionen von I. "albomarginata" liegt die mittlere Sporenlänge maximal bei 7,8, sonst auch deutlich darunter. Alle Funde stammen aus Wäldern (Alpen und Voralpenland) mit Tanne und Fichte, nur die hier als Erstes vorgestellte Kollektion wuchs vorwiegend bei Laubbäumen (Eiche, Birke, jungen Buchen und jungen Fichten).


    LG

    Hias

    Servus beinand,


    wie unterscheidet sich dann I. pseudoreducta von I. albomarginata? Ich habe diese kleinen apfelkernförmigen Sporen mit Q-Wert kleiner/gleich 1,5 bislang immer als typisches Kennzeichen von I. albomarginata aufgefasst.

    Zum Beispiel:

    Maße: 7,6 x 5,1 (6,6-8,7 x 4,7-5,4), Q=1,49 (1,35-1,71)


    Link zur Doku


    Liebe Grüße

    Hias

    Hallo Andreas,


    Sarnari gibt für amoenicolor var. stenocystidiata für die Huthauthaare globose Basalabschnitte mit 20-25 µm Durchmesser (Typ) oder etwas weniger an. Bei der toskanischen Kollektion erreichten sie nur 4-8 µm Breite und waren gestreckt (wie bei amoena).

    Sarnari diskutiert R. mariae und R. aciculocystis bei R. amoena. Dort erfährt man ein paar Details zu Letzterer (z.B. Pleuros sehr selten), die bis auf die Fruchtkörpergröße ganz gut zur toskanischen Aufsammlung passen. Wenn mein nicht vorhandenes Französisch nicht trügt, schließt Eyssartier nicht aus, das seine als R. aciculocystis bezeichnete Kollektion nur eine abweichend gefärbte Form von R. amoena ist. Die Abbildung von R. aciculocystis in Eyssartier/Roux (2013) auf S. 180 stimmt jedenfall zu 100% mit denToskanern überein.

    Wäre interessant zu wissen, ob es schon neuere DNA-basierte Erkenntnisse zu der Artengruppe gibt.


    Beste Grüße

    Hias