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letzter Beitrag von hackstutz am

Austernseitling vermehren

  • Hallo zusammen,


    ich habe vor einer Woche angefangen, in der Wohnung einen Austernseitling zu ziehen. Bis jetzt ist alles sehr einfach und das Baby gedeiht prächtig (siehe Bild im Anhang; Alter ca. 1 Woche).

    Sobald er keine Fruchtkörper mehr treibt (auch nach Wiederbelebung mit Wasserbad) plane ich, den umzutopfen und in zwei Teile zu Teilen. Mein Plan ist etwa, die ca. 3-4 fache Menge an Substrat jeweils dazu zu geben und zwei verschiedene Substrate teste: 1) Kaffeesatz, den wir seit einiger Zeit sammeln, 2) Irgendeine Einstreu, Stroh, Sägespäne. Mit der zweiten Wahl bin ich noch unsicher.


    Wo ich auch unsicher bin: wie steril muss man tatsächlich arbeiten? Ich habe einige Videos dazu gesehen und es wird meistens sehr betont, steril zu arbeiten, v.a. auch das Substrat abzukochen etc. Ich habe aber das Gefühl dass ist etwas übertrieben. Wenn der Pilz die richtigen Bedingungen hat und einen starken Vorsprung durchs beimpfen mit dem alten Myzel, warum sollte das Probleme geben?


    Im Moment plane ich die Zucht in Ikea "ISTAD" Plastikbeuteln, bin aber auch am überlegen, ob ich das ganze mal draussen probieren soll in einem Filztopf den ich irgendwie verschließe. Ich hätte die Möglichkeit, den auch mit einem Tropfblumatsystem konstant feucht zu halten. Ich könnte mir vorstellen, dass ihm so ein Klima gefallen könnte. Oder frisst der Fungus mir den Topf auf?

  • Der Austernseitling ist eine recht unempfindliche Art mit kräftigem Mycelwachstum, wirklich steril wie bei einigen anderen Arten muss man nicht arbeiten. Laubholzspäne funktionieren als Substrat sehr gut, ebenso geeignet sind Strohpellets, Einstreu ist meist Nadelholz und dürfte weniger Ertrag bilden. Der Kaffeesatz ist sehr nährstoffreich und trotz Erhitzen auf 100°C hat bei mir bisher früher oder später immer der Schimmel gewonnen. Also am besten mit etwa 20% frischer Körnerbrut beimpfen, dann dürfte der Pilz schnell genug sein.


    Obwohl Sterilisation nicht nötig ist, würde ich das Substrat dennoch mit kochendem Wasset herstellen und anschließend möglichst sauber arbeiten, um möglichst wenige Schimmel, Hefen oder Bakterien ins Substrat einzubringen. Anders sieht es hingegen aus, wenn man Körnerbrut odet Reinkulturen auf Agar herstellen möchte. Bei so nahrhaften Substraten muss man sterilisieren, andernfalls wird man allenfalls selten durch Zufall gute Ergebnisse erhalten. Beim Holz hat der Pilz wenig Konkurrenz, da dieses gegen die meisten Mikroorganismen sehr beständig ist.


    Das Vermehren von aufgebrauchtem Substrat ist möglich, bei meinen zwei Versuchen mit Strohpellets hat aber beide Male ein grüner Schimmel gewonnen. Das Problem besteht vermutlich darin, dass das alte Mycel nach mehrmaliger Fruchtung sowie Verbrauchen des Substrats nicht mehr allzu vital sein dürfte.


    Gerade der Austernseitling ist was seine Nahrung betrifft nicht sehr wählerisch und wächst auch gerne auf Pappe oder Toilettenpapier, was er aus einem Filztopf macht, weiß ich nicht, aber ich möchte nicht ausschließen, dass er auch den verdaut.

  • Hallo,

    Traditionell besteht Filz aus Wolle/Tierhaaren also Keratin.

    Dies wird vom Austernseitling nicht angegriffen.

    Ein Filz aus Pflanzenfasern (gibts heute alles) wird wahrscheinlich nullkommanix verputzt.

    Gruß

    Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

    ------------------------------------------------------

  • Danke für die Tipps.

    Werde dann erstmal beim Plastikbeutel bleiben. Ist generell auch sehr praktisch. Das mit der Körnerbrut scheint mir aufwendig. Könnte man nicht auch einfach das Myzel etwas früher in einem vitaleren Zustand umtopfen? Im Prinzip würde mir reichen dass es 1x fruktifiziert und dann kann es erstmal wieder wachsen. Oder ist der Pilz limitiert, wie oft im Jahr er überhaupt fruktifizieren kann?

  • Hallo Hackstutz,


    Bild sehe ich leider nicht.


    Ich habe im Moment eine Mini-Austernzucht im Weckglas auf Kaffeesatz laufen. Wenn's was wird, zeige ich auch mal Bilder. Jetzt ist das Glas komplett weiß durchgemycelt, und ich habe mit kühler, aber heller Aufstellung des Glases (hoffentlich!) die Fruchtungsphase eingeleitet.

    Liebe Grüße,


    Grüni/Kagi ==11


    111 Pilzchips
    (113 Stand vor APR 2018 - 15 Einsatz APR 2018 + 3 Wurmrätsel + 4 Prämie APR-Präsenz + 5 Platz 15 APR 2018 + 3 Danke, Pilzmichi -1 für Kommazahlenausgleich "Nexe"-Wette -1 +1 für Mausis Zockerrätzel -1 beim Ingosixecho)


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    Meine Zeichnungen und Fotos sind außerhalb dieses Forums
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  • oh. das Bild muss ich wohl vergessen haben, sorry.


    Das heisst für das Myzel-Wachstum lässt du den Pilz gezielt im Dunkeln?


    Was ich mir auch noch zum Thema Kaffeesatz und Sterilität überlegt habe: Was wenn man den Fungus inkrementell füttert. D.h. man wirft einfach den Kaffeesatz immer wieder oben drauf. Der Vorteil davon wäre, dass man in Relation zur bestehenden Pilzgröße nur eine kleine Menge Substrat dazu gibt, so dass dieses schnell durchwachsen wird und Schimmel dann weniger Zeit hat, als im Normalfall, wenn das Myzel die vielfache Menge seines Eigengewichts an Substrat durchwachsen muss.

  • mittlerweile bekommt mein Austerpilz einen bräunlichen Rand (siehe untere Exemplare auf dem Foto). Ist das ein Zeichen, dass es nicht feucht genug ist? Ich habe überlegt, den nächsten dann vielleicht unter eine gelöcherte Plastikhaube zu stecken.

    Ist das bzgl. Verzehr ein Problem?

  • Hallo Hackstutz,


    tolles Wachstum! Du hättest sie kurz nach dem Stadium des ersten Bildes ernten sollen, da sahen sie perfekt aus.

    Das mit dem Mycelwachstum im Dunklen (und relativ Warmen) und zum Fruktifizieren im Hellen, Kühlen stand so in der Anleitung, die bei meinem Set dabei war.

    (Es war dies ein Dankeschön-Set von "Kasseler Bunkerpilz" (Kasseler Bunkerpilz), einem Startup-Unternehmen (Pilzzucht auf Kaffeesatz in größerem Maßstab), das ich mit einer kleinen Spende bei der Plattform "Startnext" unterstützt habe.)

    Ist ja eigentlich logisch, denn in der Natur sind die Austernpilze typische Winterpilze, die in der kalten Jahreszeit fruchten.

    Liebe Grüße,


    Grüni/Kagi ==11


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  • Hier mal ein paar Eindrücke der Mini-Pilzzucht im Weckglas:


    25.10.: Vom Mycel im Kaffeesatz-Körnerbrut-Mix noch nix zu sehen...so stand das Ganze knapp 2 Wochen im Wohnzimmerschrank zwischen Kuchenplatten und Weihnachtsdeko...



    26.10.: In nur einem Tag ist das Mycel ganz schön gewachsen!



    11.11.: Der heutige Stand (leider vergaß ich, zwischendurch weitere Fotos zu machen): Alles komplett weiß durchgemycelt. Vor ca. 1 Woche, als alles schon weiß war, stellte ich die Kultur aus dem Schrank auf die Schlafzimmerfensterbank: Der einzige Ort in unserem Haus, wo es hell und kühl ist!



    11.11.: Bin mir nicht sicher, ob die Zipfelchen schon Primordien sind, oder einfach Überbleibsel vom Kaffeesatz oder der Brutkörner.



    Der Ratschlag mit einer (gelöcherten) Plastiktüte über der Brut während der Fruchtungsphase stand auch in meiner Anweisung. Zum Besprühen und Fotografieren habe ich sie natürlich abgenommen.

    Liebe Grüße,


    Grüni/Kagi ==11


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  • wow. sieht toll aus!


    Ich bin jetzt auch grad am überlegen, ob ich nach der Ernte den Block noch mal tränke oder ob ich das Myzel direkt jetzt schon umtopfe, solange es noch nicht ganz ausgelaugt ist.

    Ich habe zusätzlich zum Kaffeesatz noch das hier besorgt auf die Schnelle: https://www.amazon.de/vitakraft-vita-verde-alpenwiesen-heu-pack/dp/b002sfj5x8

    und plane, beides parallel zu beimpfen mit dem alten Myzel um zu sehen, was besser funktioniert und auch, ob es Geschmacksunterschiede gibt (sofern erfolgreich).

  • Das klingt interessant, halte uns bitte auf dem Laufenden!

    Liebe Grüße,


    Grüni/Kagi ==11


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  • Dann gleich mal das erste Update:


    Ich habe jetzt abgeerntet und für das verbleibende Myzel zwei Substrate vorbereitet. 1x 420g Heu, 1x ca. 800g Kaffeesatz plus ca. 50g Heu.

    Beides habe ich mit kochendem Wasser überbrüht (~450ml und und ca. 850ml) und abkühlen lassen. Beim Heu habe ich die überschüssige Flüssigkeit dann noch abtropfen lassen.

    Ich habe das Myzel dann geteilt in 2/3 und 1/3 und anteilig zum Gewicht des Substrats unter das Substrat gemengt (sehr grob, ich hoffe das ist kein Problem).


    Fotos sind nicht so schön geworden, aber ich hoffe man erkennt die Idee. Das ganze steht im Zimmer nähe Fenster. Das ist unser Nordbalkon. Der Raum hat ca. 21-22 Grad.

    Mal sehn was nun passiert :)

  • Bin gespannt! Heu habe ich noch nicht ausprobiert.

    Was ist das für ein Holzding, wo die Kulturen drunterstehen? Tisch? Kinderstuhl?

    Liebe Grüße,


    Grüni/Kagi ==11


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  • Das ist so ein Holzbock auf dem eine Holzplatte liegt. Das dient als kleiner Schreibtisch und Ablagefläche.

    Aber das Heu riecht. Werde das wahrscheinlich in den Keller migrieren müssen bis zur Fruchtung. Riecht zwar fein das Heu, aber nach 5 Stunden schaff ichs langsam nicht mehr :D Steht nämlich direkt in meinem Home-Office.

    Wie viel Tage wird der Pilz wohl brauchen ca.? Problem mit dem Keller ist, dass ich den Pilz dann nicht mehr so gut beobachten kann. Und ich hoffe er frisst dort sonst nichts!

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