Milchlinge (Lactarius) mit scharfer Milch einsalzen/silieren nach russischer Art (Einsalzen-Teil III)

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema, welches 18.051 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Alexander.

  • Florian, das ist ja toll, dass du diesen Thread aus dem Dornröschenschlaf geholt hast, den kannte ich nämlich nicht, und mich hat schon länger mal eine Zubereitungsanleitung interessiert.


    Danke, Alexander, für die ausführliche Anleitung.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Alexander,


    ist Dir der Begriff "Kriegs-Pilze" nicht geläufig? Als Kriegspilze bezeichnet man Pilzarten, die früher in Zeiten von Not und Lebensmittelknappheit (wie während oder nach den Weltkriegen) als Notnahrung gesammelt und gegessen wurden.

    Hallo Jürgen,


    der Begriff ist mit sehr geläufig, das sind essbare aber fast ungeniessbare Arten wie Samtfußkremplinge, Birnenstäublinge und Co.

    Was mich gestört hat, ist dass man ohne sich mit einer in anderen Kulturen traditionellen Zubereitungsart vertraut zu sein, das Ergebnis gleich als minderwertig abstempelt. Und das nicht nur in seinem Kopf sondern auch im öffentlichen Forum. Das finde ich nicht in Ordnung, nichts für ungut.

  • Sehr interessant, berichte uns doch, wenn sie "essfertig" sind;-)


    p.s.: Diese eingemachten Pilze sehen schon "gruselig" aus, ich verbuche das mal unter der Rubrik: Armeleute-Essen und Kriegs-Pilze;-) Ich weiß gar nicht, ob es diese eingesalzenen Milchlinge und Täublinge überhaupt in die Sterne-Gastronomie geschafft haben, weiß da jemand was darüber?

    In Ländern wo sie zubereitet und gegessen werden (ganz Nordeuropa vom Westen bis Osten), dort gelten sie schon als Delikatesse. Wie kommst du auf Kriegspilze?
    Vor allem manche Milchlinge entwickeln gerade beim Einsalzen einen einzigartigen Geschmack! Sie wurden früher sogar an die Höfe der Zaren geliefert und teils auch nach Westeuropa exportiert.

    Hast du da Quellen dazu? Würde mich interessieren.


    Was die Quellen angeht - einfach googlen. Es gibt historische Beschreibungen von Essen bei russischen Tsaren und Adel, dort waren eingesalzene Pilze oft erwähnt, u.a. im Zusammenhang mit kirchlichen Fastenzeiten aber nicht nur. Slawen, Skandinaven und Finnen sind mykophile Völker, sie haben die Pilze historisch vor allem getrocknet oder eingesalzen - das waren die wichtigsten Methoden und die Pilze haltbar zu machen. Ich selbst bin kein Historiker, finde aber auf Anhieb bspw. ein Zitat vom Kaiser Alexander I wo er eingesalzene Milchinge lobt.
    Besonders hevorgehoben werden neben eingesalzenen Reizkern auch kompaktere Milchlinge wie bspw. L. resimus und L. scrobiculatus die sich besonders gut zum Einsalzen eignen. Für solche Milchlinge gibt es in manchen slawischen Sprachen sogar ein Extra-Wort: im Original "грузди, transliteriert: "gruzdi" bzw. auf Deutsch "grusdi".

  • Hallo Alexander,


    ist Dir der Begriff "Kriegs-Pilze" nicht geläufig? Als Kriegspilze bezeichnet man Pilzarten, die früher in Zeiten von Not und Lebensmittelknappheit (wie während oder nach den Weltkriegen) als Notnahrung gesammelt und gegessen wurden.

    Was mich gestört hat, ist dass man ohne sich mit einer in anderen Kulturen traditionellen Zubereitungsart vertraut zu sein, das Ergebnis gleich als minderwertig abstempelt. Und das nicht nur in seinem Kopf sondern auch im öffentlichen Forum. Das finde ich nicht in Ordnung, nichts für ungut.

    Braucht Dich nicht stören, das habe ich nämlich gar nicht beabsichtigt, wenn Du das noch mal genau liest! Arme-Leute-Essen und Kriegs-Pilze sind feste Begriffe, und ich bin ein Fan von "Arme-Leute-Essen", da ich selbst viel koche, und heimische Rezepte (Schwäbisch) liebe; das war fast alles Arme-Leute-Essen.

    Wo bitteschön, habe ich hier was als minderwertig bezeichnet? Auch die Frage, ob es diese Pilze in die Sterneküche geschafft haben war ernst gemeint. Also bitte, bevor man hier jemandem etwas unterstellt, kann man ja nachfragen?


    Alle so empfindlich in letzter Zeit;-)


    Grüßle

    Jürgen

  • Danke Dir. Ich kann natürlich auch selbst Googeln, ich dachte mir nur, dass Du als Kenner gute Quellen hast, vielleicht steht das ja in einem Deiner Koch- oder Zubereitungsbücher drin.


    Grüßle

    Jürgen

  • Alle so empfindlich in letzter Zeit;-)

    Trochenheitsbedingte Entzugerscheinungen :D

    Das war ja hier schon das zweite schlechte Jahr in Folge.

  • Ich weiss nicht ... ich bin vom Silieren nicht überzeugt. Hab da keine guten Ergebnisse hinbekommen.

    Klar kann man die Pilze dann essen, aber der Aufwand ist einfach zuuuuu groß und sonderlich geschmeckt hat's auch nicht. Vielleicht hatte ich nicht die richtige "Würzung" oder es gibt große Unterschiede zwischen den Arten. Meine Experimente gingen zumindest nach hinten los. War mehr "bäh" als "aaah".

    Da kauf ich mir lieber ein Glas Gurken oder Sauerkraut.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Ich weiss nicht ... ich bin vom Silieren nicht überzeugt. Hab da keine guten Ergebnisse hinbekommen.

    Klar kann man die Pilze dann essen, aber der Aufwand ist einfach zuuuuu groß und sonderlich geschmeckt hat's auch nicht. Vielleicht hatte ich nicht die richtige "Würzung" oder es gibt große Unterschiede zwischen den Arten. Meine Experimente gingen zumindest nach hinten los. War mehr "bäh" als "aaah".

    Da kauf ich mir lieber ein Glas Gurken oder Sauerkraut.

    Ja, es gibt tatsächlich große Unterschiede zwischen den Arten. Die Besten die ich selbst gemacht habe waren L. zonarius. Am schlechtesten wahrscheinlich L. chrysorrheus.

    Die Würzung spielt auch eine Rolle - oft sind es nur Knoblauch und Dilldolden, aber allein das macht viel Unterschied.

    Aber natürlich ist das Geschmackssache! Es muss nicht jedem schmecken, wie alle sonstige eingesalzene und/oder fermentierte Nahrungsmittel auch.


    Mit Abstand am Einfachsten finde ich Edelreizker zu silieren - das geht am schnellsten und mit kaum Aufwand. Reizker brauchen keinerlei Gewürze, sie müssen weder gewässert noch abgekocht werden, und sie sind bereits in 2 Wochen fertig. Sie schmecken zwar anders als andere Milchlinge, sehr eigenartig, aber gut. Ich bringe ab und zu ein Glas in mein Pilzverein mit, und etwa die Hälfte der Menschen die sie probieren finden sie sehr gut (und manche fragen nach Rezept), die anderen finden diese Reizker lediglich "interessant" :) Völlig OK, wie gesagt - Geschmackssache.