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letzter Beitrag von Hassi am

Drei Rißpilze von der Schwäbischen Alb, einer davon unbekannt.

  • Hallo zusammen,


    die Gerüche vom Pilzen haben mich schon immer fasziniert, aber der hier ist schon was vom Feinsten:

    Inocybe fraudans. Als ich den zum ersten Mal roch, ging mir das durch Mark und Bein.

    Der Vergleich "Überrreife Birnen" trifft es nur unzureichend, ebenso wie "Altes Mostfass". Ich finds einfach nur genial, aber knapp an der Grenze zu widerlich.


    Der folgende Bursche riecht fast genauso, nur bei direktem Vergleich mit fraudans bemerkt man aber subtile Unterschiede. (weiß jemand, wie nah die sich genetisch stehen?) :

    Inocybe corydalina. Ich könnte mir vorstellen, dass die blaugrüne Farbe vom Ps...cin kommt . Kann das jemand bestätigen? Keine Sorge, ich beiß da nicht rein. :gschock:


    Mein dritter Rißpilz ist für mich erstmal nicht bestimmbar. Hutdurchmesser ca. 2,5cm, Geruch stark spermatisch. Mir würde ein Hinweis von den Profis reichen, ob der für Anfänger leicht bestimmbar ist oder ob man da wenig Chancen hat. Ggf. setze ich mich dann morgen noch ans Mikroskop und trage die Details hier nach...

    Der Standort war bei allen Risspilzen identisch: Die gestörte Zone entlang eines Kalkschotterweges. Begleitbäume waren Fichte, Lärche und Buche.


    Jetzt bin ich gespannt, was die Fachleute meinen und ob es mit den Bildern geklappt hat. Wenn nicht, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.


    Liebe Grüße

    Ralph

  • Hallo Ralph,

    schöne Rißpilzfunde hast Du gemacht.

    Ich mag den Geruch von I. fraudans und corydalina ganz gern, aber vor allem da man diese beiden Arten gut makroskopisch bestimmen kann.

    Bei Deiner 3. Art wirst du wohl nicht ums mikroskopieren rumkommen. Der aufgerissene Hut könnte für I. rimosa sprechen, den Kegeligen Rißpilz.

    Aber die kleine Knolle am Stielgrund spricht meiner Meinung nach dagegen.

    Das sieht eher wie eine höckersporige Art aus, da es da einige mit Knolle gibt. Eine der häufigen Arten ist z.B. Inocybe asterospora, die stark höckerige wie sternförmige Sporen hat. Aber das ist ohne genauere mikroskopische Untersuchung nur Spekulation.

    Vielleicht läßt sich einer der Spezis wie z.B Ditte zu einer Meinung animieren.

    LG Ulla

  • Hi,


    ja der Geruch von fraudans ist schon sehr speziell und ja der Geruch von corydalina ist etwas anders, milder nicht ganz so stechend.==Gnolm7==Gnolm8


    Zu deinem 3. Detailbilder von der Hutoberfläche uns Stieloberfläche über den ganzen Stiel wären hilfreich. Makroskopisch ist der so nicht zu lösen. Du kannst aber gerne mal ein Stück Lamelle unters Mikro packen und etwas von der Stieloberfläche mit einer feinen Pinzette abzupfen. Dabei auf die metuloiden Zystiden achten (dickwandig mit Kristallschopf) und ob und wie weit die den Stiel herabreichen. Nur oben, bis zur Mitte oder zur Basis. Bei der Lamelle auf die Sporen, Sporengröße und Form achten. Ebenso ist die Ausprägung und Form der Pleuros und Cheilos achten. Dann kann eine Bestimmung möglich sein. Achte bitte auch, ob der Fruchtkörper am Stiel bräunt. Alles weitere dann wenn du dir das angesehen hast. Wenn du nur dünnwandige, clavate Cheilos findest, dann brauchst du dir den Stiel erstmal nicht ansehen. Fang am besten mit einem Lamellenpräparat an.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ahoj,

    Ich könnte mir vorstellen, dass die blaugrüne Farbe vom Ps...cin kommt

    ich habe gelernt, daß Muscarin bei Rißpilzen für die Türkis-/Grün-Färbung verantwortlich ist.

    So hat man schon makroskopisch einen Giftnachweis.


    LG

    Peter

  • Hi,


    ich bin nicht sicher, ob das bei I. corydalina zutrifft. Es stehen im neuen Giftpilzbuch von Flammer die Arten drin, welche Psilocybin enthalten. Ich meine, dass da I. corydalina nicht aufgeführt ist.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Erst mal herzlichen Dank an alle für die Hinweise und die Tipps zum Bestimmungsprocedere. Der Pilz kommt morgen unters Mikroskop..

    ich bin nicht sicher, ob das bei I. corydalina zutrifft. Es stehen im neuen Giftpilzbuch von Flammer die Arten drin, welche Psilocybin enthalten. Ich meine, dass da I. corydalina nicht aufgeführt ist.

    Doch, ist er:



    ... und die anderen Arten mit Psilocybin sind auch aufgeführt.

    Liebe Grüße

    Ralph

  • Hi,


    herzlichen Dank fürs Nachschlagen; ich hatte nur die I. haemacta, aeruginascens und tricolor im Kopf. Ullas Idee zu I. asterospora gefällt mit gut. Bin mal gespannt, obs der ist.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • ich habe gelernt, daß Muscarin bei Rißpilzen für die Türkis-/Grün-Färbung verantwortlich ist.

    So hat man schon makroskopisch einen Giftnachweis.

    Gerade lese ich im neuen Flammer, daß sich bei Rißpilzen Muscarin und Psilocybin gegenseitig ausschlössen. Allerdings wird dies nicht durch Quellen belegt.


    Ein stark muscarinhaltiger Pilz wie Inocybe erubescens zeigt dagegen keinerlei Grün-/Blautöne...

    :/

  • Hallo Hassi und Ulla und wen es interessiert, da findest du bestimmt keine Pleurozystiden, das ist eine rimosa s.l. Deine erste Vermutung, Ulla, war richtig. Die verdickte Stielbasis ist nicht so ungewöhnlich. Ansonsten ist trotz der Unschärfe makroskopisch alles passend für die Gruppe: der stark eingewachsen faserige Hut, der grobfaserige Stiel, die dicklichen Lamellen mit ocker-Olivhauch.

    Herzliche Grüße in die Runde, Ditte

  • Hallo zusammen,


    jetzt hatte ich mich schon auf sternförmige Sporen gefreut - Fehlanzeige. Meine Makrofotos sind leider nicht besonders scharf, da hat Ditte Recht, aber ich hatte vor Ort nur ein Handy und eine DSLR ohne Speicherkarte g:(


    Wenn man die Lamellen unter dem Bino ansieht, stechen schon die dicht gedrängten Cheilozystiden ins Auge. Man kann schon hier erahnen, daß die Suche nach Pleurozystiden erfolglos bleiben wird.


    Auch die mikroskopische Untersuchung mehrerer Lamellenquerschnitte erbrachte diese nicht.

    Hier die bis 50µm langen, clavaten Cheilozystiden:



    Die Sporen sind durchschnittlich 10,1 x 6,2µm groß und haben einen winzigen Apiculus



    Stefan hatte ja nach der Stielbasis gefragt, hier ein Längsschnitt:


    Ich habe mich auf Dittes Seite umgeschaut und fand wegen der Sporengröße Inocybe fulva ganz passend. An rimosa (s.str.) dachte ich zuerst nicht, da für diese Art wesentlich größere Sporen angegeben waren. Wäre das bei rimosa (s.l.) noch im Rahmen?


    Was meint Ihr, kann man den Pilz anhand der Mikroskopie jetzt genauer eingrenzen?


    Liebe Grüße

    Ralph



    Noch eine Frage technischer Art: Am Ende des Beitrags ist noch ein Dateianhang (mit falschem Maßstab) zu sehen. Ich würde den gerne löschen, aber irgendwie geht das wohl nicht. Weiß jemand wie das funzt?

  • Hallo Ralph, nein das ist ganz sicher nicht fulva, die hat einen fuchsigen Hut, das hat dein Fund gar nicht, außerdem sind auch die Hutfasern viel feiner, und die Sporen sehen anders aus (wenn deine auch einen Schatten werfen) und sind kleiner. Nein, nein, das ist eine Art aus der rimosa Gruppe, mehr lässt sich das so aus der Ferne nicht eingrenzen und mit nur einem Fruchtkörper, der schon recht alt ist, wo man also nicht mehr sieht, ob der jung eine Velipellis hat und wenn ja dann, was für eine etc. Du kannst hier nur rimosa s.l. schreiben. Mehr geht so nicht.

    Ach so, im allgemeinen sind die Sporen von rimosa im Durchschnitt größer, aber erstens weiß ich nicht, wie viele Sporen du gemessen hast (40 geben ein gutes Bild) und außerdem sind nicht alle Kollektionen gleich.

    Herzlich Ditte

  • Hallo Ditte,


    vielen Dank für die Eingrenzung auf Inocybe rimosa s.l.!

    Wegen der Sporen: ich hab von einem halben Hut ein (sehr dünnes) Abwurfpräparat gemacht und daraus kreuz und quer 20 Sporen ausgemessen. Der Pilz war schon recht alt, da hast Du Recht. Größere Sporen hab ich im ganzen Abwurf nicht gefunden.

    Es hat mir sehr geholfen, ich denke, ich kann rimosa (s.l.) künftig auch makropisch erahnen.


    Schön, dass Du hier immer wieder vorbeischaust! Herzlichen Dank auch an Ulla und Stefan.


    Liebe Grüße

    Ralph


  • Noch ein kleiner Nachtrag zu Inocybe fraudans. Ich hab ein paar davon in der Küche liegen gelassen und schnuppere jeden Tag etwas daran.

    Die angenehme obstige "Kopfnote" ist verflogen. Was übrig blieb ist eklig. Ranzig, streng und vor allem nach Scheiße. Das dürfte Skatol sein, ein Abbauprodukt der schwefelhaltigen Aminosäure Tryptophan.

    Das macht wahrscheinlich den speziellen Kick des Geruchs. Parfümeure verwenden ja auch zuweilen eklige Geruchskomponenten...


    Liebe Grüße

    Ralph

  • Hi,


    Tryptophan ist nicht schwefelhaltig. ==Gnolm7 Skatol ist auch "nur" methyliertes Indol. In geringen Konzentrationen wird das übrigens als recht angenehm "warm animalisch" beschrieben und trägt z.B. in diversen Käsesorten maßgeblich zur Aromabildung bei. :)


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ich habe nochmal eine Ergänzung zur Geruchssukzession. Ich hoffe, ich gehe Euch damit nicht auf die Nerven. Inocybe corydalina riecht während des Trocknungsvorgangs kein bißchen nach Skatol, das war Inocybe fraudans vorbehalten. Trotzdem rochen beide Pilze in frischem Zustand für mich fast gleich. Das zeigt mir, daß ich meine sensorischen Fähigkeiten noch optimieren muß.

    Um dies zu trainieren, werde ich zum Leidwesen meiner Familie jetzt häufiger Pilze vor sich hintrocknen lassen. Der deutliche Skatolgeruch in der Küche hat mir gestern - nicht ganz überraschend - eine messerscharfe Ansage eingebracht =O


    Liebe Grüße

    Ralph

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