​Trockenpilze: Sandröhrlinge vs. Steinpilze und Verkostung weiterer Pilzarten

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  • Also, MeckPilz, huehnchen69 , tatsachlich haben uns Birkenpilze bei der ersten Verkostung genial geschmeckt! Wie Steinpilze, vielleicht sogar etwas besser. Wir haben die Verkostung jetzt wiederholt.


    Bei uns wachsen oft Leccinum scabrum und Leccinum cyaneobasileucum und ab und zu weitere "Birkenpilze". Ich habe sie vorher zusammen getrocknet und als "diverse Leccinum sp. aus der Birkenpilz-Gruppe" in der Tabelle am Anfang der Thema zusammengefasst. Aber... jetzt kann ich zumindest Leccinum scabrum und Leccinum cyaneobasileucum meist gut unterschieden (nach sehr vielen Funden in diesem Jahr) und ich habe sie gertrennt getrocknet!


    Heutige Verkostung war mit Leccinum scabrum = Gemeiner Birkenpilz im engeren Sinne pur. Leccinum cyaneobasileucum folgt hoffentlich bald.


    Wir fanden den Birkepilz wieder mal superb! Die beiden Testesser haben sogar 10+ Punkte gegeben! Ein perfekter Trockenpilz für diese Suppe, nach unserem Geschmack.

    Leccinum scabrum, ca 25g getrocknet für 2 Portionen Pilzsuppe:


    Zum Teil als Pilzpulver verarbeitet, zum Teil eingweicht. Einweichwasser ist schön gelbbräunlich.


    Sehr leckere fertige Suppe:

  • Wollstieliger Raufuß (Leccinum cyaneobasileucum)
    Eine der Birkenpilz-Arten. Bei uns stellenweise häufig, u.a. im Pfälzer Wald wo er zusammen mit Leccinum scabrum im selben Habitat vorkommt, auch als var. alba ("Albino").


    Unser Urteil: sehr gut, Note 9+, aber Leccinum scabrum ist besser.


    Wollstieliger Raufuß hat gute Erkennungsmerkmale am Stiel: Stieloberfläche manchmal etwas "wollig" und ohne deutlich schwarzen Stielschuppen wie bei L. scabrum:


    Typische blaue/grünblaue Verfärbung an der Stielbasis, ein weiterer Unterschied zum L. scabrum:


    var. alba:


    Getrocknet:



    Pilzpulver und eingeweichte Pilze (leider am Abend mit künstlichem Licht fotografiert):


    Die 9+ Suppe:


  • Servus Alex,


    die weiße Ausprägung ist Leccinum cyaneobasileucum s.str. (heißt ja so: an der (Stiel)Basis blau, sonst weiß - leucum heißt weiß). Die braunhütigen sind eine eigene Varietät (wenn man das trenne will): Leccinum cyaneobasileucum var. brunneogriseolum.


    Im gleichen Habitat wie Leccinum scabrum? L. cyaneobasileucum wächst auf sauren Böden, L. scabrum auf basischen bis neutralen, bzw. wenn, dann nur auf leicht sauren Böden. Bei mir gehen sich die beiden Arten deshalb ökologisch aus dem Weg.


    Nur als taxonomische Anmerkung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    vielen Dank für diese interessante Anmerkungen! Tatsächlich kenne ich mindestens eine Stelle wo die beiden Arten auf mehreren hundert Meter scheinbar nebeneinander wachsen, jeweils mit mehreren Myzelien nehme ich an. Dort habe sie im Oktober mehrmals gesammelt, hier für das Bild nebeneinander gelegt (links 2x L. scabrum, rechts 3x L. cyaneobasileucum):

    Es ist Kiefernwald mit eingestreuten Kastanien und Birken (Pfälzer Wald halt). Es kann sein, dass es dort Übergänge zwischen saurem und neutralem Boden gibt, oder vielleicht auch "gekalkte" Wege. Ich finde dort vorwiegend Pilze die saueren Boden mögen (Maronen, Fliegenpilze, Trompetenpfifferlinge), auch Heidelbeeren wachsen stellenweise viel, aber stellenweise (nur vereinzelt!) finde ich dort Stellen mit solchen Kalkpilzen wie Totentrompeten und Mönchsköpfen.


    Und Danke für die Erklärung von "cyaneobasileucum", jetzt ergibt der lange Name Sinn für mich :) Solche Sachen soll man in Pilzbüchern erklären, finde ich. Ich kenne ein Pilzbuch auf Italienisch (Oppicelli, Funghi in Italia) wo wirklich alle wissenschaftlichen Namen ausführlich erklärt sind, habe mir nur deswegen das Buch sogar fast gekauft gehabt :D

  • Servus Alexander,


    gern geschehen! Es kann durchaus sein, dass dein Boden auf engem Raum unterschiedliche pH-Werte bzw. Basenverfügbarkeit aufweist. Gerade neben Wegen, wie du ja auch vermutest, wachsen auch Arten, die im rein Sauren sonst nicht vorkommen. Wenn da bei dir auch Mönchsköpfe wachsen, passt das ja wieder zusammen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Maronen-Röhrling (Imleria badia).


    Längst überfällig: Maronen-Verkostung. Ich habe schon vor Jahren getrocknete Maronen gehabt, fand sie aber damals warum auch immer nicht so toll. Jetzt müsste ich noch mal die Marone genauer testen. Also, unser Urteil: sehr aromatisch, geschmacklich auch ganz gut, Gesamtnote um die 9 Punkte von 10. Auch die bräunliche Farbe fanden wir schön.


    25g von getrockneten Maronen-Röhrlingen:


    wie immer, für meine Suppe/Eintopf teils als Pilzpulver, teils eingeweicht:


    Die Suppe:

  • Moin,


    ja, feiner Röhrling. Ich packe eigentlich nur noch die jungen, fast noch kugelig geschlossenen Exemplare mit noch dünner und heller Röhrenschicht in den Korb. Die sind dann auch ordentlich pfeffrig frisch angebraten und z.B. zu einem Pilzgulasch (mit viel Zwiebeln und kleinen Kartoffelwürfeln, Majoran, Paprikapulver, Chili etc. + ganz wichtig viel frischer Petersilie on top) weiterverarbeitet sehr schmackhaft. Schlagen in der Disziplin m.M.n. jeden Steinpilz, nicht nur von der Konsistenz.


    Steinpilze und Maronen getrocknet betrachte ich als ziemlich gleichrangig auf sehr gutem Niveau.


    VG

  • Die nächste Pilzart war Semmelstoppelpilz.

    Leider ohne Wertung. Die Suppe war so bitter, dass wir sie nicht gegessen haben. ;(


    Ich weiß nicht was genau passiert ist. Meine Vermutung ist es, dass die getrockneten Semmelstoppelpilze nicht so lange halten wie bspw. Steinpilze. Getrocknete Pilze sind theoretisch endlos haltbar, falls knuspertrocken und luftdicht aufbewahrt. Das mag ja stimmen, aber ewig haltbar bedeutet nicht automatisch ewig lecker... Die Semmelstoppelpilze waren etwa 5 Jahre alt, die ganze Zeit luftdicht und an dunklem Ort gelagert. Ich habe noch nie erlebt, dass getrocknete Pilze schelcht oder bitter werden, auch nach 5 Jahren nicht. Die Fotos will ich dennoch mit euch teilen:


  • Goldröhrling (Suillus grevillei)

    Die Pilze waren auch schon ein paar Jahre alt wie die Semmelstoppelpilze. Ich glaube inzwischen geschmacklich zu merken, dass die getrockneten Pilze nicht so frisch (d.h. nicht vom Vorjahr) sind. Es gibt da einen Beigeschmack, der allerdings nicht sehr stört.
    Dennoch ergaben die Goldröhrlinge einen guten Geschmack mit angenehmen Pilzaroma. Die beiden Testesser vergaben 8 Punkte von 10.


    Getrocknete Goldröhrlinge:


    Wie immer, teils pulverisiert teils eingeweicht:


    Leckere Suppe/Eintopf:

  • Ich weiß nicht was genau passiert ist.

    Semmelstoppelpilze sind wie Pfifferlinge. Die werden immer bitter beim Trocknen (und manchmal auch beim Einfrieren). Einzige Ausnahme sind Trompetenpfifferlinge, die werden nicht bitter und schmecken danach wie Herbsttrompeten.


    Goldröhrlinge erinnern mich getrocknet immer an den Geschmack von frischen Maronenröhrlingen.


    LG Christopher

  • Ich habe schon davon gehört, konnte es aber aus eigener Erfahrung nicht bestätigen, zumindest nicht beim Einfrieren. Ich friere im Herbst öfters bereits gekochte Semmelstoppelpilze ein und esse sie in den nächsten Monaten. Sie sind immer gut gewesen, nie deutlich bitter. Wahrscheinlich spielen da die Temperatur in Gefriertruhe und Dauer der Lagerung eine Rolle. Ich vermute, dass je höher die Temperatur und länger die Lagerung, desto bitterer werden die Pilze. Meine Gefriertruhe ist extrem kalt, -24 bis -30°, vielleicht hatte ich deswegen nie solche Probleme.

    Goldröhrlinge wie frische Maronenröhrlinge? Ja, so etwa in die Richtung geht es :thumbup: Wir sind auf jeden Fall positiv überrascht gewesen.

  • Hallo,


    unsere Semmelstoppelpilze schmecken nie bitter, weder die frischen, noch die getrockneten. Wir lassen aber auch die alten Fruchtkörper im Walde stehen. :saint:


    Zum Sandröhrling ist unsere Erfahrung, dass er frisch recht wenig Geschmack entwickelt. Im Gegensatz dazu schmecken vorher getrocknete Sandröhrlinge in einer einfachen Sahnesauce (etwas Brühe, ordentlich Sahne, Salz, Pfeffer) auf Nudeln wie Morcheln. Wir finden sie dann absolut köstlich. ==Gnolm13


    Gruß

    Peter