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letzter Beitrag von Josef-08 am

Ist das nicht der "löwengelbe" ?

  • Hallo,


    Diesen Stielporling haben wir bei einer kleinen Exkursion am letzten Donnerstag gefunden.
    Nach langem hin und her (wobei wir uns etwas an der Farbe störten) sind wir schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um den Löwengelben Stielporling handeln müsse.


    Könnten wir damit richtig liegen oder gibt es hier noch andere Meinungen/Erkenntnisse?


    Gruß, Josef




  • Hallo Josef,


    ganz ehrlich stört mich die Farbe auch etwas. Ich hätte hier eher helle Exemplare vom Schwarzroten Stielporlling (Polyporus badius) in Betracht gezogen, aber auch nicht ohne "?", vor allem auch wegen der groben Porenschicht. Die Hutoberfläche paßt eher zum Schwarzfuß-Stielporling (P. melanopus), der hat aber eine scharfe Abgrenzung der Porenschicht und der schwarzen Stielfärbung. Der hat irgendwie von jedem etwas, aber nichts ist wirklich eindeutig.

  • Moin.


    Der >Löwengelbe< im weiteren Sinne könnte hier schon passen. :alright:
    Der tritt in recht verschiedenen Formen auf, so eben auch in einer ziemlich üppigen mit stark herablaufender Porenschicht. Das ist wohl vor allem abhängig vom Nährstoffangebot im Substrat. Jedenfalls wüsste ich nicht, daß man mittlerweile den einzelnen Erscheinungsformen wieder eine taxonomische Relevanz beimisst.
    Für den Kastanienbraunen scheinen mir die Poren etwas zu weit zu sein und die Hutoberflächen zu matt, aber das ist über Bilder schon schwer zu beurteilen. Festlegen mag ich mich anhand der Bilder hier auch nicht.



    LG; Pablo.

  • Hallo Holger, Hallo Jürgen, Hallo Pablo,


    Herzlichen Dank für Eure Hilfe, auch wenn anhand der Bilder keine endgültige Aussage getroffen werden kann.
    Bessere Bilder habe ich leider nicht. Von der Beschreibung her hätte halt der "Löwengelbe" am besten gepaßt.
    Da muß ich wohl das Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung abwarten, sofern ich sie erhalte.


    LG, Josef

  • Ich denke bei den Bildern an Polyporus tubaeformis - da passen sowohl die herablaufenden Poren als auch die Hutfarbe (im Jungzustand) und zudem die deutlich vertiefte Hutmitte.


    LG
    Christoph


  • Ich denke bei den Bildern an Polyporus tubaeformis - da passen sowohl die herablaufenden Poren als auch die Hutfarbe (im Jungzustand) und zudem die deutlich vertiefte Hutmitte.


    LG
    Christoph


    Hallo,


    wo hast du denn den ausgegraben? Von dem habe ich noch nie was gehört? :D


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,


    Ich habe gerade von meinem Bekannten, der den Pilz mitgenommen hatte, folgende Nachricht erhalten:


    "ich habe mir den kleinen Porling auch noch vorgenommen und verschiedene Literatur zu Rate gezogen.
    Ich bleibe bei meiner Meinung: Löwengelber Porling. Der kann sehr variabel sein.
    Polyporus melanopus kenne ich ebenso wie auch Polyporus badius(ein häufiger Pilz).
    Beide schließe ich aus, das sind überwiegend größere und kompaktere Pilze."


    Gruß, Josef


    @ Christoph:
    Die Vertiefung in der Mitte war nicht so ausgeprägt, wie das vielleicht auf den Bildern erscheint;
    jedenfalls nicht so, dass man sie als besonderes Erkennungsmerkmal heranziehen könnte.

  • Servus Stefan,


    Zitat

    wo hast du denn den ausgegraben? Von dem habe ich noch nie was gehört?


    Polyporus tubaeformis (P. Karst.) Ryvarden & Gilb., Synopsis Fungorum 7: 578 (1994)


    Du findest ihn sowohl im alten Ryvarden & Gilbertson (European Polypores) als auch im neuen Porlingsbuch von Ryvarden & Melo (Poroid Fungi of Europe).


    Servus Josef,



    "ich habe mir den kleinen Porling auch noch vorgenommen und verschiedene Literatur zu Rate gezogen.
    Ich bleibe bei meiner Meinung: Löwengelber Porling. Der kann sehr variabel sein.
    Polyporus melanopus kenne ich ebenso wie auch Polyporus badius(ein häufiger Pilz).
    Beide schließe ich aus, das sind überwiegend größere und kompaktere Pilze."


    Polyporus badius und Polyporus melanopus schließe ich ja auch aus. Es ist auch gut möglich, dass es eine aberrante Form von Polyporus varius ist. Polyporus tubaeformis wird im Alter ähnlich wie Polyporus badius schön dunkelrotbraun, jung ist er aber ähnlich blass wie dein Fund. Möglicherweise sind die Poren etwas zu groß für Polyporus tubaeformis.


    Ich würde mir nicht zutrauen, die Kollektion ohne Mikroskop zu bestimmen, da es für Polyporus varius doch sehr untypisch ist. Ich bin mir mit Polyporus tubaeformis auch nicht sicher. Der wird nur meist verkannt, weil er unter deutschsprachigen Mykologen wenig bekannt ist, aber bei uns vorkommt und auch in Bayern (als Beispiel) nachgewiesen ist. Wäre der Pilz älter, wäre es sehr einfach - bleibt der Hut blassgelblich bis ockerfarben, ist es P. varius, wird er rotbraun ist es P. tubaeformis.


    Zitat


    Die Vertiefung in der Mitte war nicht so ausgeprägt, wie das vielleicht auf den Bildern erscheint;
    jedenfalls nicht so, dass man sie als besonderes Erkennungsmerkmal heranziehen könnte.


    Das ist das Problem der Foto"bestimmungen" ;) Man sieht einen vertieften Hut und geht davon aus, dass alle so seien.


    LG
    Christoph

  • Hi.


    Na klar! Der Stielporling, der immer vergessen wird, und lange Zeit auch als Phantom bzw. reine Wuchsform von Polyporus melanopus mißinterpretiert wurde.
    Das könnte hier tatsächlich ganz gut passen. Für mich ist der noch so ein Phantom, wie Polyporus melanopus (der aber ganz anders aussehen müsste) oder - wo wir schon dabei sind - das andere Phantom mit ähnlichem Aussehen: Polyporus hygrocybe.


    Durchs Mikroskop zu gucken wäre hier sicher nicht verkehrt: Mittels Sporenquotient (incl. überwiegende Sporenform und Sporenlänge) sowie Schnallen +/- sollte sich der gut festnageln lassen.



    LG; Pablo.

  • Hallo Christoph,


    danke für die Aufklärung. Ich habe beide Bücher nicht; das einzige zu Cortis und Porlingen, was ich habe ist, ist GPBW und PDS. Ansonsten habe ich sehr kompetente Pilzfreunde in der Umgebung, die ich bei interessanten Pilzfunden kontaktieren kann, bzw. in die Hand drücken kann. :)


    Ich bin mal gespannt, ob die Art auch in Sachsen vorkommt.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Servus Stefan,


    Polyporus tubaeformis kommt bestimmt in Sachsen vor. Ich kenne ihn aus dem Bayerischen Wald und das ist ja nicht sooo weit weg. ;)


    Servus Pablo,


    Polyporus tubaeformis ist übrigens wirklich sehr nah mit Polyporus melanopus verwandt - mittlerweile wurde Polyporus ja (auch) zerlegt und die Schwarzfüßler finden sich in einer eigenen Gattung Picipes, während Polyporus varius zu Cerioporus gestellt wurde:


    Zmitrovich IV, Kovalenko AE (2016): Lentinoid and polyporoid fungi, two generic conglomerates containing important medicinal mushrooms in molecular perspective. International Journal of Medicinal Mushrooms. 18(1):23-38 (über researchgate als pdf abrufbar).


    Wobei "Polyporus" melanopus deutlich anders als "P." tubaeformis aussieht. Ich habe P. melanopus aber auch erst wenige Male in der Hand gehabt. Der Stiel ist schon ganz anders, viel länger, gerne knorrig verdreht. Polyporus hygrocybe habe ich noch nicht (bewusst) in der Hand gehabt. Leider komme ich nicht an die Originalbeschreibung ran.


    Die Kollektion ist wirklich interessant und gehört dringend mikroskopiert. Wenn Josef einen Beleg gemacht hat, kann ich gerne reinmikroskopieren ( Josef - wenn du ihn verschicken willst - es kann aber natürlich auch jemand anders machen).


    LG
    Christoph


  • Die Kollektion ist wirklich interessant und gehört dringend mikroskopiert. Wenn Josef einen Beleg gemacht hat, kann ich gerne reinmikroskopieren ( Josef - wenn du ihn verschicken willst - es kann aber natürlich auch jemand anders machen).
    ...................
    Polyporus tubaeformis wird im Alter ähnlich wie Polyporus badius schön dunkelrotbraun


    Hallo Christoph,
    Leider hatte ich selbst kein Exemplar des Pilzes mitgenommen und die Stelle ist etwas weiter weg, so dass nicht einfach so wieder hinkomme.
    Mein Bekannter (PSV, mit entsprechender Literatur), der den Pilz mitgenommen hatte, war sich offenbar so sicher, dass er mikroskopieren nicht für erforderlich hielt und den Pilz inzwischen entsorgt hat. Sollte ich in den nächsten Tagen doch noch zu der Stelle kommen und den Pilz wiederfinden, werde ich mich gerne mit Dir in Verbindung setzen.
    Kann/soll ich die Pilze trocknen?


    Die älteren Fruchtkörper waren zwar schon etwas bräunlicher (siehe 1. Bild, 2. Pilz von links), aber nicht so intensiv rotbraun wie beim P. badius. Den P. badius hatte ich schon mal in der Hand.


    Gruß, Josef

  • Hallo, Josef!


    Es kommt drauf an...
    Man kann nicht von jedem PSV erwarten, auch die entsprechende Spezialliteratur für so ein eher ausgefallenes Fachgebiet im Schrank zu haben. Mit "Pilze der Schweiz" oder "Großpilze Baden-Württembergs" ist dem nicht wirklich beizukommen. ;)
    Das müsste schon zumindest eines der Ryvarden - Werke ("European Polypores" oder das neuere "Poroid Fungi of Europe") sein oder der Fungi - Europaei - Band von Annarosa Bernicchia. In den meisten anderen Bestimmungsbüchern (selbst bei Jahn zB) sind einfach viel zu wenig Arten drin.


    Interesse an einer Probe hätte ich natürlich auch, aber zweimal verschicken tut nicht wirklich not.
    Christoph ist auch in dem Bereich noch mal eine zuverlässigere Adresse als ich.



    LG; Pablo.


  • Hi,


    stell mal nicht dein Licht so untern Scheffel. :) Zumindest wärst du Nr. 2, dem ich meine Cortis/Porlinge anvertrauen würde und bei dem ich mir auch sicher wäre, dass da was gescheites bei rumkommt.


    Wer Nr.1 für mich ist, brauche ich ja nicht zu sagen. "The Master of Cortis" schlechthin.


    l.g.
    Stefan

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    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Hallo, Stefan!


    Dann unterschätzt du eine ganze Menge an richtig guten "Holzpilzlern" in Deutschland (und europaweit sowieso).
    Nur sind manche halt nicht so präsent in diversen Foren oder im Internet generell, aber bis ich so weit bin wie zB ein Harald Ostrow werden noch sehr viele Jahre vergehen. ;)



    LG, Pablo.


  • Das war keinesfalls böse gemeint. Ich habe halt nur gerne feste Ansprechpartner, das ist alles. Zudem kannte ich Frank schon, bevor ich mich hier im Forum angemeldet habe. :cool: Europäische Mykologen kenne ich kaum welche; das ist wahr.


    Nicht richtig ist, dass ich ausschließlich Leute aus den Foren kenne. Aber wenn Namen nicht regelmäßig in der ZMykol, Tintling oder Boletus auftauchen, wirds natürlich für mich schwer diese zuzuordnen. :shy:


    l.g.
    Stefan

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    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Sollte ich in den nächsten Tagen doch noch zu der Stelle kommen und den Pilz wiederfinden, werde ich mich gerne mit Dir in Verbindung setzen.
    Kann/soll ich die Pilze trocknen?


    Servus Josef,


    getrocknet würde völlig reichen. Bei den Temperaturen, die manchmal herrschen, ist das frisch Verschicken etwas gefährlich und hier auch nicht wirklich nötig.


    (Wenn du - falls du nochmal hinkommst - den Beleg aber lieber z.B. an Pablo schicken willst, ist das für mich gar kein Problem.) ;)


    LG
    Christoph

  • Hallo Christoph, Hallo Pablo,


    Ich war gestern wieder in der Nähe der Fundstelle und wollte auf der Rückfahrt noch dort vorbeifahren, wurde aber vom Regen überrascht.
    Jetzt hat es sich hier richtig eingeregnet und an rausfahren/-gehen ist derzeit nicht zu denken.
    Eigentlich wollte ich mich ja mit dem "Löwengelben?" mit ??? zufriedengeben, da Baumpilze (ausser den essbaren) bisher nicht so interessant für mich waren.
    Aber jetzt habt Ihr mich doch etwas neugierig gemacht. Ich hoffe, dass ich doch noch dort hin komme.
    Ich denke, dass ich gestern an anderer Stelle jetzt doch noch einen "richtigen" Löwengelben gefunden habe.
    Der sieht doch schon etwas anders aus, falls er es überhaupt ist (....ich bin da jetzt ein bisserl unsicher geworden).
    Fotos anbei.


    Herzliche Grüße
    Josef




  • Servus Josef,


    ja, der sieht seht typisch für einen jungen Löwengelben aus.


    Zitat

    da Baumpilze (ausser den essbaren) bisher nicht so interessant für mich waren.
    Aber jetzt habt Ihr mich doch etwas neugierig gemacht.


    Wunderbar :) . Pilze sind doch generell interessant und Porlinge ganz besonders :giggle: (mir geht es jedenfalls so)


    LG
    Christoph


  • Hallo,


    ich bin äähm etwas positiv überrascht. :alright: Ich habe aus deinen bisherigen Antworten auch genau das rausgelesen. Ich wusste gar nicht, dass du dich auch mit Porlingen intensiver beschäftigst. :shy: Was aber auch kein Wunder ist, denn das passt nicht wirklich in mein Interessensfeld (Ritterlinge, Risspilze, Tintlinge, Phytos und fundbezogen auch mal nen Cortinarius). Ich hab das ganze "Drumrum" ausgeblendet. Nimm mir bitte "meine Unwissenheit" nicht krumm. ;)


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Hallo Christoph,


    Herzlichen Dank.


    Ich habe inzwischen meinem Bekannten nochmals wegen des Mikroskopierens angesprochen.
    Er hat mir mitgeteilt, er habe von den 2 größten Pilzen (da sei die Chance auf Sporen am größten) Präparate gefertigt. Leider habe er keine einzige Spore finden können, somit könne er ihn nicht sicher von P. melanopus trennen, der deutlich kleinere Sporen habe als P. varius. Er habe jedoch Schnallen gefunden, so dass er P. badius ausschließen könne, da dieser keine Schnallen habe.


    Dann müßte ich also, falls ich nochmals zu der Stelle komme, insbesondere auch nach älteren Exemplaren Ausschau halten.


    VG, Josef

  • Hi.


    In der Tat, die vom neuen Fundort sehen echt typisch für Polyporus varius aus. :alright:
    Ohne Sporen könnte es schwierig werden, P. varius, P. tubaeformis und P. hygrocybe mikroskopisch zu trennen. In dem Fall wären die Makroskopischen Detials wieder umso wichtiger. Das wäre dann eine Erfahrungssache und ein Fall für jemanden, der alle Arten schon mal in der Hand und unterm Mikro hatte. Damit wäre ich jedenfalls raus für eine Bestimmung. :eyesshut:



    LG; Pablo.

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