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letzter Beitrag von Beorn am

Ersuche Hilfe bei Egerling

  • Servus,


    da ich sie nie live von jemandem gezeigt bekommen hab, tu ich mir bei den Egerlingen noch sehr schwer. Dieser hier wächst im Garten unter und auf dem Kiesparkplatz im Carport.


    Einziger Baum in der Nähe: Zwetschge, außerdem Rosen und andere Gartensträucher
    Größe: ca. 3-10cm
    Bei Schnitt rosa färbend, Verfärbung wird nach kurzer Zeit dunkelbraun
    Geruch erinnert mich an Parasol, also leicht nussig vor allem an den Velumresten. Am Stiel mild unauffällig. Einer davon roch aber auch etwas modrig. Meine Frau sagte: "riecht nach Pilz" :P


    So wachsen Sie:


    1. einer der unter dem Parkplatz stehenden kleinen Fruchtkörpern (eher leicht modriger Geruch) und schuppiger/aufgebrochener Hut


    2. unter dem großen Pilz auf dem Kies war noch ein kleiner verborgen, diese mit glattem graubraunem Hut



    Hab schon eine Vermutung, aber würde gerne erst eure Meinung wissen. Wenn ihr noch weitere Infos oder Fotos braucht, kann ich gerne noch einen Fruchtkörper entnehmen.


    ps. Mein Garten scheint ein Pilzparadies zu sein, dieses Jahr tauchte schon einiges auf: der zweite Wachstumsschub des Faltentintlings, ein Glimmertintling, der Champignon und noch zwei unbestimmte kleine Pilze. Einfach klasse wenn man das Wachstum jeden Tag beobachten kann. :alright:

  • Hallo Grafei,
    ich bin auch nicht der Sicherste bei den Champignons, wage aber dem Tipp, dass es sich bei deinem um den Stadt-Champignon (Agaricus bitorquis) handeln könnte. Der Hut, Fundort und das sichtbare Röten im Fleisch bei Deinen Schnittbildern passen gut dazu.
    Mal sehen ob einer der Cracks noch was dazu sagt... ;-)
    LG
    Wolfgang

    Meine Bestimmungen sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen, aber sie können sich bei näherer Prüfung trotzdem als völlig falsch herausstellen.

  • Hallo zusammen,
    Agaricus ist eine recht heftige Baustelle, und auch nicht so richtig mein Metier, aber ich denke hier hat Wolfgang völlig recht.
    Habitat, Habitus, das röten/bräunen im Schnitt und der in Resten zu erkennende aufsteigende Ring bringen mich zum gleichen Ergebnis.


    Gaaaaanz eventuell käme noch Agaricus bernardii in Betracht. Nur kenne ich dessen Variationsbreite so gar nicht und halte daher A.bitorquis für deutlich wahrscheinlicher.

  • Hallo.


    Sowohl für einen Zuchtchampi (Agaricus bisporus) als auch für einen Stadtchampi (Agaricus bitorquis) rötet das Fleisch eigentlich zu stark.
    Agaricus bitorquis müsste zudem einen deutlich doppelten Ring haben, der ist hier allerdings einfach.
    Agaricus litoralis wäre eine Möglichkeit, der rötet aber eigentlich auch eher schwach und färbt in der Stielbasis im Schnitt gerne etwas orangeockerlich.
    Eine spontane Idee wäre - trotz des seltsamen Standortes - der Salzwiesenegerling (Agaricus bernardii). Da müsste der Ring aufsteigend am Stiel sitzen. Bei Agaricus litoralis wäre er absteigend (hängend). Weitere arten, die mir nicht bekannt sind, darf man da aber auch gerne noch ins Spiel bringen.


    Edit: Ah, gut, daß du auch an A. bernardii denkst, Björn. :)
    Und vermutlich hast du recht, was die Ringposition betrifft, aber das würde ich gerne noch mal genauer sehen können. Manchmal wollen die einen gtlaube ich absichtlich verwirren, die Champis.



    LG; Pablo.


  • Wenns nur die Champis wären..... :freebsd:


    Das recht kräftige röten hat mich ebenfalls verwirrt, allerdings erwähnt Grafei in der Beschreibung ja auch ein umschlagen ins braune, was wieder in Richtung bitorquis deutet.

  • Guten Morgen,
    ihr seid euch ja gar nicht einig :D
    Sporenpulver ist braun, mit minimalem, dunklem Rotstich
    Der bruch kam beim auseinander schneiden zu stande als mir eine Hälfte ins Waschbecken fiel.
    Gewicht des Großen: 75g

  • Hallo zusammen!
    Hey hier ist ja noch richtig die Post abgegangen... :-) ;-) na ja, so ein bisschen wenigstens.
    Und von überhaupt nicht einig würde ich nicht sprechen Grafei. Ich lasse mich nämlich gerne von Pablo und Karl und ein bisschen ja auch schon von Björn belehren und schließe mich nun flux auch der bernardii-Fraktion an. Ist doch nun schon ziemlich einig ;-)
    LG
    Wolfgang

    Meine Bestimmungen sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen, aber sie können sich bei näherer Prüfung trotzdem als völlig falsch herausstellen.

  • Hallo!


    Diese Champis haben am Stiel Schuppen.Ich hätte sie spontan auf Großporigen Egerling (Großporiger Champignon) (Agaricus macrosporus) gesetzt.
    Die Maßangabe von 3-10cm läßt mich allerdings stutzen und an einen Feinschuppigen Egerling, (Agaricus squamulifer)denken.
    Der ist kleiner.Und auch die Einbeulung des Hutes,wie man es auf Bild 1 gut sieht, passt dazu.
    Man kann bei diesen Fotos das feste Fleisch dieser Pilze richtig spüren.
    Also ich denke,einer von den beiden ist das.Oder eben ein näherer Verwandter.Da lernt man eh nie aus und diese Pilzart ist sehr variabel.Und man hat ja auch nicht alle Literatur dazu. :shy:
    Den Dünen Egerling (bei Beorn- Salzwiesenegerling)(Agaricus bernardii) würde ich ausklammern wollen.Der kommt zu latschert daher.
    Gruß, Jens



    ps.
    Zitat:
    ...Hab schon eine Vermutung, aber würde gerne erst eure Meinung wissen. Wenn ihr noch weitere Infos oder Fotos braucht, kann ich gerne noch einen Fruchtkörper entnehmen....


    Was war deine Vermutung?

  • Hi.


    Ich glaube nicht, daß Agaricus bernardii immer stinken muss. Zumindest junge Fruchtkörper können vermutlich auch ganz normal riechen, wobei das wie bei den meisten Champis auch standortabhängig ist. Agaricus bitorquis hatte ich vor allem wegen der völlig anderen Ringstruktur ausgeschlossen, das ist bei Champis meistens ein sehr wichtiges Merkmal.
    Agaricus macrosporus (= Agaricus urinascens) ist eine der großen Arten auf Wiesenflächen mit Marzipangeruch und gilbenden Oberflächen (Hut und Stiel), und makroskopisch weitestgehend identisch zu Agaricus arvensis (Schafchampignon) und Agaricus osecanus (Rundsporiger Anischampignon). Der kann es hier - mit dem deutlich rötenden Fleisch - ja auch nicht sein.
    Agaricus squamuliferus kann schon ziemliche Brummer bilden:

    Manche Autoren trennen noch Agaricus benesii ab, aber die Trennmerkmale (Sporenform + Größe + Geruch) sind vermutlich nicht konsistent und dann kann man die beiden ganz gut synonymisieren.
    Den würde ich hier nicht kategorisch ausschließen wollen, auch wenn mir gefühlsmäßig Agaricus bernardii vom Gesamterscheinungsbild noch besser gefiele.
    Da müsste man dann auch mikroskopisch dran, aber bei Champis gibt es ja generell keine Garantie auf eine Bestimmung, auch mit Mikromerkmalen nicht.



    LG; Pablo.

  • Kann es sein dass ich zwei Arten hatte?
    Der auf dem Kies war der einzige mit glattem Hut und feinem Geruch. Die Verfärbung im Schnitt war allerdings identisch. Hutfarbe war eher grau, die anderen sind braun-grau.


    Die unteren sind alle nochmal gewachsen und jetzt 6-9 cm groß.
    Geruch irgendwo zwischen pilzig-nussig und leicht modrig.


    Agaricus macrosporus: Hut ist nicht weiß und Anis rieche ich auf keinen Fall.
    Ich tendiere immer mehr zu Agaricus squamulifer.
    a. bernardii ist die zweite Möglichkeit, aber es ist nur einer der noch vorhandenen Fruchtkörper, der richtig aufgesürungen ist. Die anderen haben sich gut gemacht und sind fein-schuppig konzentrischt. Der Geruch deutet auch mehr auf squamulifer hin.
    Agaricus squamuliferus (AGARICUS BENESII) soll ja erst im Spätsommer erscheinen und sehr selten sein?


    Hier nochmal ein paar Fotos.





    edit: a. bernardii war meine erste Vermutung.
    Bin jetzt ne Woche im Urlaub, mal sehen was danach davon noch da ist...

  • Hallo.


    Die Häufigkeit / Seltenheit vieler Champi - Arten kann man mal ignorieren. Wie oft ein Pilz dokuemtiert wurde, ist ja für die Bestimmung eines eigenen Fundes irrelevant.
    Im grunde gelten die meisten Champi - Arten vor allem deshalb als selten, weil sie halt kaum notiert / dokumentiert werden. Das liegt vor allem natürlich an der Problematik der Bestimmung.
    Erscheinungszeiten, die bei Champi - Arten in Büchern oder im netz irgendwo dabei stehen, sind ebenfalls irrelevant für die Bestimmung. Prinzipiell können alle Arten der Gattung das ganze Jahr über Fruchtkörper bilden, wenn ihnen die Witterungsverläufe passen und dem Organismus gerade danach ist. Phänologie ist aus ökologischen Gründen interessant, aber eine Bestimmung kann man bei keinem Pilz darauf aufbauen.


    Auch das mit dem aufplatzenden Hut ist so eine Sache: Das kann bei einzelnen Fruchtkörpern einer Art passieren, muss aber nicht. Andersrum ausgedrückt: Ich würde Agaricus benesii / squamulifer auch nicht nur aufgrund eines grob aufplatzenden Hutes ausschließen.
    Das ist wie mit den feineren Oberflächenschuppen bei Champis: Kann, muss aber nicht. Das ist eher selten ein Artmerkmal. Man betrachte dabei nur mal Agaricus bisporus (Zuchtchampi), den es nicht nur in verschiedenen Farben, sondern auch mit ganz unterschiedlicher Schuppenausprägung gibt. So wie es auch bei Agaricus urinascens und Agaricus arvensis ist (dort wurden schon Arten aufgrund der Schuppigkeit abgetrennt, aber das ist vermutlich nicht haltbar).


    Nein, was mich hier nach wqie vor mehr an Agarticus bernardii denken lässt, ist die aufsteigende Ringstruktur, die ziemlich "klotzigen" Fruchtkörper und das starke Röten.
    Ohne daß ich mir dabei sicher wäre, natürlich.



    LG; Pablo.

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