Mastigosporium album ein anamorpher Blattfleckenerreger an Wiesen-Fuchsschwanz

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 2.501 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von boccaccio.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo ihr lieben,


    ich konnte es einfach nicht mehr ertragen, dass dieses Unterforum leer bleibt, deswegen habe ich mich entschlossen, dieses mal mit ein bisschen Leben zu füllen.


    Fangen wir mit einem Pilz an, der recht häufig, leider aber vollkommen unterkartiert ist. Ich rede von Mastigosporium album, einem sehr häufigen Blattfleckenerreger auf dem Gemeinen Wiesenfuchsschwanz Alopecurus pratensis. Die wenigen Fundpunkte in Deutschland sind ein Witz. Nur noch eine kurze Bemerkung zur taxonomischen Stellung der Pilzart. Diese ist unsicher, denn eine teleomorphe Form konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. Sicher ist, dass sie zu den Pezizomycotina gehört.


    Das Gras ist sehr einfach zu erkennen. Es kommt natürlich gerne an feuchten, nährstoffreichen Wiesen vor. Deswegen kommt die Pflanze sehr oft auf Feldrändern stark gedüngter Felder vor. Die einzige Verwechslungsmöglichkeit sehe ich bei dem Wiesenlieschgras Phleum pratense, das aber einen steiferen Blüten- und Fruchtstand, der auch gegabelte Spelzen hat.



    Bilder:


    Zuerst der Wiesenfuchsschwanz




    dann noch eins von einer sehr lieben Pilzfreundin von mir



    Die Blattflecken sind durch die ovale Form, der braunen Farbe mit dem gelben Hof gut zu erkennen. Die weißen Beläge sind die Konidien, bzw. Konidienträger. Es empfiehlt sich die Blätter nach Entnahme in einem geschlossen Plastikgefäß aufzubewahren, denn die Konidien sind leicht vergänglich. Die ideale Zeit die Pilze zu finden ist quasi jetzt, also von April bis Juni.



    Für die Mikroskopie empfiehlt es sich ein Präparat mit Tesa-Film zu machen. Die wunderschönen Sporen (max. 70 x 16 µm) sind eine erfolgreiche Nachsuche auf jeden Fall wert. :sun: Wenn ihr diese Sporen nicht nachweisen könnt, dann legt die Blätter mal über Nacht in eine feuchte Kammer oder einen verschlossenen, aufgeblasenen Plastikbeutel mit ein paar Tropfen Wasser drin. Wenn dann keine Konidien nachweisbar sind, dann haben die Blattflecken andere Ursachen.




    Ich hoffe, dass ich einige von euch zur Nachsuche animieren konnte. Wenn die anderen Blattfleckenerreger an den Standardsüßgräsern sich wieder ziegen, stelle ich die auch gerne vor.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

    Einmal editiert, zuletzt von Climbingfreak ()

    • Offizieller Beitrag


    Hi,


    danke für deine Antwort. 100fach reicht vollkommen. ;) Ich war letztes Jahr selber erschüttert, denn mit so nem trivialen Zeug kannst du ganz leicht Erstnachweise sammeln. :D Bei einem musste ich sogar Frank bitten, dass er die Art ins Mykis aufnimmt. :cool: Die anderen stelle ich dann vor, wenn ich sie dieses Jahr wieder finde. Kommt Zeit, kommt Blattfleck. :giggle:


    l.g.
    Stefan

  • Hallo Stefan,


    ein auch für mich richtig spannendes Thema :thumbup: Bitte führe dies weiter fort!


    Bei meinen Pflanzenexkursionen fallen mir natürlich immer wieder bei den verschiedensten Pflanzen die unterschiedlichsten "Dinge" auf. Gäbe es vielleicht irgendwie die Möglichkeit im Betreff nicht "nur" den wissenschaftlichen Namen des Pilzes anzugeben sondern vielleicht auch den Namen der Pflanze, evtl. sogar zusätzlich in Deutsch?


    Zumindest mir ;) würde es dann die Suche doch erheblich vereinfachen.


    Liebe Grüße


    Maria

    • Offizieller Beitrag


    Hi,


    klar, kann ich gern machen (zumindest bei den Pflanzennamen). Die Pilze haben alle keine Deutschen Namen. Wenn dir wieder an einer Pflanze ein "Ding" auffällt, dann mach ruhig Fotos und stell die ein. Das ist bestimmt spannend und auf alle Fälle kommen so spannende Diskussionen bei rum. :thumbup:


    l.g.
    Stefan

  • Hallo zusammen,


    auf der gestrigen Tour mit Björn ( boccaccio ) konnte wir ebenfalls eine Mastigosporium album finden.

    Zuerst dachte ich, dass der Fund nichts interessantes ist und Björn wusste auch nicht was es ist, aber jetzt hat sich dieser Fund als Erstfund (Korrektur: es gibt zwei Funde im Herbarium der Uni Duisburg/Essen Siehe hier) für NRW herausgestellt.

    Ich kann nicht beurteilen, ob die M. album selten ist, aber wer im Gras sucht der wird sicherlich fündig und wenn es eine andere Mastigosporium ist.

    Hier sind die Bilder:

    1.


    2.


    3.


    4.


    5. Die Konidien wurden ohne Anhängsel gemessen


    VG : Thorben

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    wie ich damals schon sagte. Die Art ist hoffnungslos unterkartiert, weswegen ich die auch damals vorstellte. In guten Jahren auf Wiesenfuchsschwanz ist die sehr häufig.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Stefan,


    Erst in diesem Jahr wurden mir die Augen geöffnet, so dass ich endlich die Pilze auf der Wiese gesehen habe, wo ich noch vorgestern dran vorbeigelaufen bin :haue:

    Ich denke, dass ich in den nächsten Jahren ihn ebenfalls häufiger finden werde, auch wenn in meinem Kartierungsgebiet die Wiesen rar sind.

    Vielleicht hat der ein oder andere auch Lust nach dem Pilz zu suchen und obendrein noch das Wiesenfuchsschwanz kennenzulernen.

    Ich kann es nur empfehlen und auch die Konidien sind ein Augenschmaus :thumbup:


    VG : Thorben

  • Moin, ich habe dieser Tage mal die Alopecurus auf meiner Wiese, auf der einen fetteren ist der ziemlich viel vorhanden, durchsucht, aber nichts gefunden. Nur degradierte Ährchen, was aber wohl eher kein Pilz sondern viral oder bakteriell verursacht sein dürfte.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    bei der Wiese, die ich durchsucht habe, war der Pilz auch nicht an jeder Pflanze zu finden. Es reichte aber eigentlich, wenn man dann einen Meter weiter die nächsten paar Büschel Gras bodennah durchsucht hat. Angenehmer Nebeneffekt: Man kann dann auch direkt noch nach möglichen Streifenbränden suchen :D


    Björn