Hallo Andre!
Erstmal die gute Nachricht: Steinpilze sind weit verbreitet und nicht selten. Sie zu finden ist also nicht schwer. Schwerer ist eher, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Steinpilze - egal welche Art - erscheinen in Schüben, die idR. nur wenige Tage anhalten. Zwischen den Schüben ist dann wieder ein paar Wochen bis Monate (je nach Witterung) Pause. In schlechten Jahren kann es auch passieren, dass es nur einen Schub gibt. Hinzu kommt, dass nicht zwingend jede Stelle schieben muss, wenn gerade eine andere Stelle aktiv ist. Gerade zu Beginn erfordert das Sammeln von Steinpilzen deshalb Geduld und regelmäßige Waldbesuche. Man muss A) Stellen finden und B) den Rhythmus der Pilze kennenlernen, aber auch lernen, welche Wetterverhältnisse erfolgversprechend sind.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn's im ersten Jahr gar nicht oder nur mit wenigen Funden klappt, dann nicht aufgeben, sondern in den folgenden Jahren weitermachen und lernen.
Wann und wo man suchen sollte, hängt davon ab, welche Art von Steinpilz du finden möchtest:
- Kiefernsteinpilz (Boletus Pinophilus): Oft die erste Art im Jahr, in wärmeren Regionen und bei passender Witterung teils schon Ende März bis April zu finden. Generell eher selten zu finden, sollte deshalb geschont werden. Wie der Name sagt, eher an Kiefer gebunden.
- Sommersteinpilz (Boletus Reticulatus): Ab Mai zu finden, eher zur Monatsmitte bis zum Ende des Monats. wärmeliebend und ausschließlich an Laubbäume gebunden: Eiche, Buche, Linde. Haselnuss ist auch möglich wenngleich selten.
- Fichtensteinpilz (Boletus Edulis): Manchmal ab Mitte bis Ende Juni zu finden. Meist erst ab Ende Juli bis Mitte August. Kann mit so ziemlich allem Symbiose eingehen und ist daher sowohl im Nadel- als auch Laubwald zu finden.
Für den Sommersteinpilz sind Mischwälder aus Buche und Eiche toll, die sowohl jungen als auch alten Baumbestand haben und die relativ licht sind, sodass viel Sonne und Regen zum Boden kommt. Gras ist kein Problem, anderes Unkraut sollte sich maximal vereinzelt zeigen. In einigen meiner besten Habitate für Sommersteinpilze ist reichlich Gras vorhanden (nicht flächendeckend, mehr so "Insel-artig") und sie wachsen auch durchaus im Gras. Auf freiem oder bemoosten Boden findet man sie natürlich leichter. Was für mich als Anzeiger für Sommersteinpilzstellen gut funktioniert sind Grüne Knollenblätterpilze. Die Giftzwerge kommen in ausnahmslos jedem meiner Sommersteinpilz-Habitate vor und haben mir auch schon mehrfach den Weg zu neuen Habitaten gezeigt.
Fichtensteinpilze kommen gerne im selben Habitat wie die Sommersteinpilze vor, wobei sie durchaus auch mal in unmittelbarer Nähe auftauchen können. Mengenmäßig treten sie aber im Nadelholz häufiger auf - den Sommersteinpilz wirst du dort hingegen nie finden. Vor allem in mittelalten Fichtenschonungen sind nach meiner Erfahrung im Spätsommer bis Herbst extrem ergiebige Funde in toller Qualität möglich. Achte dabei auf Stellen ohne Unkraut (nur Moos oder blanke Nadelstreu). Halte am besten nach Fliegenpilzen Ausschau. Diese zeigen nicht nur passende Bodenverhältnisse an, sondern geben oft auch das Signal, dass die Fichtensteinpilze bald auftauchen könnten. Anzeiger für Fichtensteinpilzstellen sind Pfefferröhrling und Mehlräsling. Wenn diese Arten vorhanden sind, gibt es an der Stelle fast immer auch Steinpilzvorkommen - nur eben nicht zwingend zur gleichen Zeit. Kiefernwälder sind wie schon erwähnt wurde auch gute Habitate.
Vielleicht helfen dir ja meine Erfahrungswerte etwas weiter.
Viel Erfolg und Liebe Grüße
Christopher