Hallo zusammen,
hier ein paar Impressionen von Besuch auf der Ostalb, Nachlese der gemeinsamen Erkundung mit Bernd / Felli .

Bild 1 Trockental auf der Ostalb, morgens mit bedecktem Himmel

Bild 1 Aus dem Boden am Hang der Magerwiese ragen kleinere Kalksteinbrocken und Felsen.
Sie sind der Grund, weshalb die Landwirtschaft hier am Hang nicht Fuß fasst und gottseidank den Schafen überlässt.
Die kurzgehaltene, lichte Vegetationsdecke, der magere Boden und die Kalkfelsen bieten unseren kleinen Freunden reichlich Fläche.
Auch ein Baumstubben hie und da wird großflächig von Flechten überzogen:

Bild 2 Schönes Ensemble von Becherflechten auf Totholz: Über die gesamte Höhe feinmehlig sorediös und langstielig;
einige Becher zeigen einen sich abrupt weitenden Übergang von Stiel zu Becher, deshalb vermutlich Cladonia fimbriata.
Einige Becherränder sprossen fingerartig, mansche bilden auf diese Weise Sekundärbecher.
Auch vermeintlich leere Flächen sind mit Flechten überzogen:

Bild 3 Trapeliopsis flexuosa (blaugrün), Placynthiella icmalea (braun) sind auf Totholz sehr häufig anzutreffen.
Bei derart kleinen Krusten muss man genau hinsehen (Bildeinsatz), um z.B. die kleinen schwarzgrünen Apothecien zu erkennen.

Bild 4 Die weiße Toninia (Thalloidima) candida mit den grau bereiften Apothecien (links der Bildmitte) und hellgraue Placocarpus schaerreri sind auffälligere Krusten an den Kalkfelsen.

Bild 5 Viele Krusten auf Kalk haben eine hellgraue bis weißliche Grundfärbung.
Hier streiten Krusten (L. radiosa und P. schaerreri) und Blattflechten (P. caesia) um Platz.
Die Flechten wachsen stellenweise dreilagig übereinander.

Bild 6 Flechtenreiche Kalkfelsen
Neben hellen Krusten coexisiteren auf Kalk auch viele schwärzliche Cyanoflechten.

Bild 7 Die gallertige Cyanoflechte Collema (Lathagrium) cristatum zeichnet sich u.a. durch die rinnigen, schmalen Lappen aus.
Am Thallusrand sind sie gut erkennbar. Dieser Thallus bildet ausnahmsweise sehr reichlich Apothecien.

Bild 8 Die kleinere Collema (Enchylium) polycarpon besteht in Aufsicht aus einer Masse schwarzer Apothecien.
Die Flechte ist deutlich seltener anzutreffen als C. cristatum.

Bild 9 Moose und Flechten - u.a. eine weiße Diplotomma venustum (rechts der Bildmitte).

Bild 10 Ein "Zweifarbiger Schönfleck" (Caloplaca / Leproplaca cirrochroa) bietet eine willkommene Abwechslung.
Die Flechte löst sich im Zentrum sorediös auf und wächst als Ring weiter. Ich sehe sogar drei Zonen und Farben.

Bild 11 Der "Tintenfleck" Placynthium nigrum fällt oft durch einen türkisen Prothallus auf.
Hier im feuchten Zustand ist diese Färbung kaum erkennbar, da durch den Wassergehalt zu dunkel.

Bild 12 Moose konkurrieren bei der Besiedelung der Kalksteinfelsen mit Flechten.
Falsche Rentierflechte (C. rangiformis) mit Becherflechten.

Bild 13 Die Moos-Krugflechte (Diploschistes muscorum) überwächst Moose, in ihrer Jugend parasitiert D. muscorum auf Cladonien.
Cladonienschuppen befinden sich rechts in unmittelbarer Nähe, womöglich auch unter dem Thallus!

Bild 14 An etwas schattigeren, feuchteren Stellen trifft man auf Flechten der Gattung Protoblastenia auf Kalk.
Charakteristisch sind die randlosen, orangen Apothecien. Die Gattung gilt als schwierig.
Der gelblich weiße Thallus könnte in Richtung P. calva weisen.

Bild 15 Noch ein wenig feuchter mag es die Jenaer Grubenflechte (Gyalecta jenensis) mit den weißlich berandeten, orangen Apothecien auf orangelichem Lager (Algenpartner = Trentepohlia).
Die schwärzliche Färbung kommt von aufgelagerten Cyanobakterien.

Bild 16 Synalissa ramulosa, das Beeren-Gallertkissen, bildet kleine halbkugelige Thalli.
Hier vom letzten Regen dick aufgequollen. Die Probe erweist sich leider als steril.
Die Wuchsform, der mikroskopisch rote Thallusrand und der Algenpartner (Gloeocapsa) sollten die Artbestimmung auch so absichern.

Bild 17 Magerwiese mit vereinzelt stehenden alten Bäumen.

Bild 18 Im Moos über dem Boden gedeiht Peltigera canina mit ihren üppigen, verfilzenden Rhizinen an der Unterseite.

Bild 19 Die alten Eichen sind auf der wetterabgewandten Seite, besonders in den tiefen Borkenrissen, mit schwefelgelber Chrysothrix candelaris verziert.
Die Flechte bleibt steril. Sie fluoresziert im UV orange; ferner kann sie auch mit KOH eine orange Farbreaktion zeigen.

Bild 20 Ramalina pollinaria ist hier an den Stämmen allgegenwärtig und bietet Rast- und Versteckmöglichkeiten.

Bild 21 Pertusaria coccodes mit zoniertem, ungewöhnlisch deutlich rosa-bräunlich gefärbtem Prothallus und braunen Isidien in der Thallusmitte.
Auffällig beim Tüpfeln ist die KOH-Reaktion K+, erst gelb, dann tiefrot (Norstictinsäure).

Bild 22 Ein weiterer Gast auf der sauren Eichenborke: Hypocenomyce scalaris bildet muschelförmige Schüppchen, die mit Hypochlorid blutrot reagieren.
Unterseits sind die Schuppen deutlich sorediös. Oft auch an Birnbaum und Kiefer zu finden.

Bild 23 Nicht allzu häufig anzutreffen ist Melanelixia subargentifera, eine olivbraune Blattflechte mit körnigen Soralen, feinen Härchen am Thallusrand und bereifter Oberfläche. Hierdurch außerhalb der Alpen gut kenntlich.

Bild 24 Die zierliche Anaptychia ciliaris ist heute nicht mehr wie früher weit verbreitet, sondern ist selten geworden.
Sie besitzt eine samtiges Tomentum, lange Wimpern ("Wimpernflechte") an den Lappenenden und bläulich bereifte Apothecien.

Bild 25 Epiphyten

Bild 26 Nach einem kurzen Schauer scheint die Sonne endlich

Bild 27 Den morschen Eichenstubben mit üppig Cladonia macilenta - fast neben dem Auto - entdecke ich erst auf dem Rückweg.
Ein hübsch bunter Abschluss für diesen Ausflug, wie ich finde.
Ich hoffe, der kleine Ausflug hat gefallen und eventuell Lust auf Flechten gemacht.
Anders als die meisten nicht lichenisierten Pilze sind sie ja immer da.
LG, Martin