Beiträge von KaMaMa

    Hallo,


    da ich mittlerweile mehrere UV-Taschenlampen (Preisklasse < 10 €) besitze, wollte ich mal einen Vergleich der UV-Anregung bei 395nm (Lampen A & B und bei 365nm (Lampe C) darstellen, da es vielleicht den einen oder anderen hier interessieren könnte.

    Natürlich sind die physikalischen Lichtleistungen etc. nicht direkt vergleichbar, aber letztlich ist nur der visuelle Eindruck entscheidend.


    Das Ergebnis entspricht den Erwartungen, da die langwelligen Lichtquellen bei 395nm einen nicht unerheblichen Anteil der Lichtleistung im sichtbaren violetten Spektralbereich abstrahlen, welcher bei der Beurteilung stören kann und dessen Leistung zudem auch für Anregung fehlt.



    Beispiel 1 - Rhizocarpon geographicum, Probe mit sehr viel eingelagertem Flechtenstoff.

    Bei der Rhizocarpon ist mit allen drei UV-Lampen die orange Fluoreszenz erkennbar, bei 365nm aber brilliant und ohne Violettüberlagerung.



    Beispiel 2 - Dünner, gelber Thallus von Chaenotheca furfuracea auf Rinde:

    Das Problem wird deutlich(er), wenn man kleinere Flechtenproben mit wenig Volumen anleuchtet.

    Die nicht fluoreszierende Umgebung im Bild reflektiert das sichtbare violette Licht.

    Der violette Anteil stört erheblich und überstrahlt die schwache Fluoreszenz, sodass davon nur wenig erkennbar ist.

    Mit Anregung bei 365nm ist die gelbe Fluoreszenz noch am deutlichsten erkennbar, gleichzeitig der störende violette Anteil am geringsten.



    Beispiel 3 - Dicker, ockerfarbener Thallus von Chaenotheca ferruginea auf Rinde:

    Es ist schwer, bei dieser Probe überhaupt eine Fluoreszenz bei "Anregung" mit 395nm zu erkennen.

    Das ganze Bild erscheint mehr oder minder violett.

    Nur Anregung bei 365 nm liefert eine deutliche orange Fluoreszenz.


    Alte Karmellen, aber im Bild gegenübergestellt nicht uninteressant...

    Letzlich ist (nur) eine Lampe mit Anregung bei 365nm zu empfehlen.


    Viele Grüße, Martin



    Taschenlampen:
    Lampe A (15cm-Klasse, 3x AAA) kann von Weißlicht auf "395nm" UV umgeschaltet werden und ist deutlich größer und lichtstärker als die beiden folgenden Lampen B & C.

    Lampe B ist eine reine UV-Quelle (10cm-Klasse, 1x AA) mit Abstrahlung laut Hersteller u.a. bei 395nm.

    Lampe C ist ebenfalls eine reine UV-Quelle (10cm-Klasse, Akku) mit Spezifikation 300nm - 365nm.

    Hallo Bernd ( Felli ),


    C. dolomiticola hat keine Randläppchen.

    Deine Flechte ist schön rosettig mit Randläppchen, vermutlich bist du irgendwo im Schlüssel falsch abgebogen.

    Ich vermute eher was in der Richtung C. saxicola s.lat. (Aggregat inkl. C. arnoldii* und sogar C. pusilla).


    Interessant finde ich dein Sporenfoto, denn es lassen sich dort zwei Sporentypen im Hymenium erkennen.

    Der eine Typ (links) besitzt große Sporen ohne ausgeprägt verdicktes Septum, interessant!

    Die anderen, "dominanten" Sporen (z.B. rechts) sind deutlich kleiner und elliptisch.

    Was nun: Unreife und reife Sporen oder Befall?


    Vielleicht lohnt es sich da nochmal genau nachzuschauen?


    LG, Martin


    lt. Wirth z.B. Auf Stein => 1* mit Ap. / 9* Ap. orange, K+ / 13* Sp. 2z / 14* ohne Wandverdickung an Sporenenden / 15* n. auf and. Flechten / 26 Th gelb-orange / 58 Thallus rosettig / 59* o. Sor. / 65 Septum nicht verdickt (Sporentyp links) => unwahrscheinlich, V. australis (alpin, extr. selten)

    sonst: 65* Septum verdickt / 66* Sp. n. rhomboid / 70* n. R. elegans / 71* n. am Meer / 72* Th. nicht tief orangeROT / 73* o. weißl. Pseudocyph. => C. saxicola-Komplex

    74* n. lachsfarben, n. C. pusilla (?) / ev. 75* Rosetten zusammenfließend / 76' Randlappen deutlich usw.

    Hallo Bernd / Felli ,


    da nur 4 Sporen voll ausreifen und die Medulla IKI+ amyloid reagiert, bleibt wohl nur D. muscorum übrig.


    Die Arten der Gattung sind abgesehen von der Substratwahl, der Sporenzahl im Ascus und der IKI-Reaktion der Medulla schwer unterscheidbar - die Angaben zu den Sporengrößen überlappen sehr stark und sind nicht hilfreich.

    Bei Italic wird aber die Dicke des Hymeniums für die beiden oben genannten Arten stark unterschiedlich angegeben.


    Vom Substrat her wäre ich auch sofort bei D. muscorum gewesen.


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    uiuiui! Da wäre ich ganz sicher dran vorbei gegangen. Der Thallus sieht makroskopisch erstmal sehr nach einer Lepraria aus und damit wenig einladend.

    Erschwerend kommt die Fundstelle knapp über Bodenniveau hinzu. Selbst, wenn man sich auf den Boden legt und die Stelle untersucht (Bild 2), muss man schon sehr genau aufpassen, um die filigranen FK zu erahnen/entdecken.

    Ich habe tatsächlich 3x im Foto suchen müssen, bis ich welche erkannt habe, obwohl ich wusste, was zu sehen sein soll.


    Respekt für deine Ausdauer!


    LG, Martin

    Hallöchen!


    Nachdem Bernd ( Felli ) schon einiges vom gemeinsamen Ausflug auf dem Albuch gezeigt hat, möchte ich nicht hintanstehen und einigen unserer Funde hier zeigen.

    Bild 1 Typischer Kalksteinfelsen der Schwäbischen Alb auf Magerwiese mit üppiger Moos- und Flechtenflora


    Bild 2 Bryobilimbia (Lecidea) hypnorum hatte ich hier ausführlich (mikroskopisch) diskutuiert. Ein sehr sehr schöner Fund im Moos!


    Und um erstmal bei Moosflechten zu bleiben:

    Bild 3 Eine düstere, üppig fruchtende Cyanoflechte (ev. Lathagrium cristatum) aus dem Dunstkreis Collema s.lat.


    Bild 4 Cladonien-Konglomerat im Moos: C. rangiformis (unten, weiß-grün gesprenkelt), eine olivgrüne bis braune C. furcata (rechts daneben), darüber Becherflechten und Säulenflechten.


    Bild 5 Ein Knäuel der grauen, kalkholden Nabelflechte Dermatocarpon miniatum (complicatum) mit vielen eingesenkten, schwarzen Perithecien.


    Bild 6 Flechte über Flechten: eine kreideweiße Diploschistes muscorum auf grüner Cladonia pocillum auf Moos auf Kalk


    Bild 7 Schön bizarr, weil direkt über Moos und vergrößert - D. muscorum


    Etwas Farbe gefällig? Direkt auf Kalkstein:

    Bild 8 Nicht zuletzt wegen des Farbspiels, gelb-orange Protoblastenia rupestris zwischen weinroten Teppichen aus nicht lichenisierter Trentepohlia iolithus. Eigentlich hatte ich auf eine violette Krustenflechte gehofft, aber die Trentepolia ist ohne Pilz auch sehenswert!


    Bild 8a: Trentepohlia iolithus


    Bild 9 Eine lachsrote Calogaya pusilla mit Apothecien


    Bild 10 Calogaya decipiens mit sorediös aufbrechender Thallusmitte


    Bild 11 Nochmals C. decipiens, hier in gelb-orange mit kräftig orangen Soralen an den Lappenspitzen.

    Im Hintergrund eine kleine, rot-orange Rusavskia elegans.

    Dazwischen kleinere, hellgraue Physcia caesia mit halbkugeligen Kopfsoralen.

    All das von winzigen, grauschwarzen Phaeophyscien umramt.

    Der Bildausschnitt ist in natura vielleicht nur 4 cm breit.


    Bild 12 Placocarpus schaerreri eine Lecanora muralis überwachsend, auf der sie in ihrer Jugend parasitiert hat.


    Bild 13 Leproplaca cirrochroa, sich im Zentrum sorediös auflösend und absterbend.

    Später wächst sie als Ring oder Kreisbogen weiter.


    Bild 14 Pyrenodesmia (ehem. Caloplaca) variabilis mit den typisch bläulich bereiften, weiß berandeten Apothecien auf braunem Thallus.


    Bild 15 Protoblastenia cf. lilacina mit endolithischem, unscheinbarem Thallus.

    Apothecien randlos, orange bis dunkel braun; jung eingesenkt, später sich wölbend, Gruben hinterlassend.

    Apothecien K+rot, nicht ausblutend, Thallus K-; Epihymeinum K-, Hypothecium rötlich; Sporen mit 15-18 x 8,5-10 µm reichlich groß.


    Bild 16 Dilpotomma hedinii - kreideweißer Thallus, oft nicht bis zum Rand rissig.

    Weiß berandete, aufsitzende Apothecien, Scheibe bereift, dadurch grau. Sporen braun, 4-zellig querseptiert, gebogen.


    Bild 17 Fast Doppelgänger zu Diplotomma: Eingesenkte Apothecien mit bereiftem Rand und mauerförmigen, hyalinen Sporen (um 26 x 15 µm).

    Eine auf Kalk lebende Rhizocarpon umbilicatum


    Bild 18 Die schwarze Placynthim nigrum ist im Mikroskop eine Farbexplosion; lediglich kräftiges Rot fehlt.

    Besonders die blauen Hyphen haben es mir angetan!


    Ein wenig auf Holz:

    Bild 19 Wie so oft bei Flechten - erst unter dem Mikroskop entpuppt sich ihre Schönheit:

    Die altes, eutrophiertes Holz besiedelnde Pseudothelomma ocellatum besteht aus kleine warzigen Areolen mit tief schwarzen Soredien und bleibt hierzulande steril. Ihr Mark reagiert auf Jod tief blau.


    Zum Schluss noch drei Bilder von Flechtenfunden auf Rinde:

    Bild 20 Melanelixia subargentifera besitzt einen flächenständige Sorale und Randsorale, ferner feine Härchen am Thallusrand.


    Bild 21 Imshaugia aleurites wächst auf Kiefernborke rosettig, hat einen weißlichen Thallus mit schmalen Randläppchen und dicht stehend Isidien in der Lagermitte.

    (Thallus K+ gelb, P+ orange)


    Bild 22 Dickes, körnig-warziges Lager, hier auf Kiefer und steril - ziemlich sicher zu Chaenotheca chrysocephala gehörig.


    Das war nur ein kleiner Teil der gefundenen Flechten, aber mit die schönsten.

    Ich hoffe die kleinen, vielgestaltigen Wesen finden Gefallen und dürfen sich weiter fleißig ausbreiten - an ihnen soll es nicht liegen!


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    so ein Moosbecherling ist schon immer was besonderes und liefert tolle Sporenbilder.

    Schön eingefangen!


    Ich stellte dieser Tage die Flechten vom Ausflug ein, bin bald durch die Dinge durch. Die ein oder andere Überraschung war dabei (Rhizocarpon umbilicarum, Protoblastenia incrustans).


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    einer meiner ersten Funde von Bilimbia sabuletorum zeigte unterschiedliche Apothecien: Die jungen, kleinen Apothecein sehr hell, mit deutlichem Rand, später dann größerr, schon fast randlos und braun, noch später noch größer, kugelig, schwarz und ohne jeden erkennbaren Rand.


    Die folgenden Fotos sind alle vom (vermutlich) gleichen Thallus gemacht.

    Wegen dem Kontinum in Farbe und Rand gehe ich vom gleichen Thallus und unterschiedlichen Entwicklungsstadien aus.


    Bild BS1 Thallus auf Moos mit vielen, deutlich erkennbaren schwarzen Apothecien

    (an wenig befahrener Straße am Ortsrand, Kalksteinmauer, schattig, etwa Nordausrichtung).


    Bei genauer Betrachtung unter dem Stereomikroskop lassen sich unterschiedliche Stellen finden:

    BBild BS2 Weißliche, kleine Apothecien an etwas versteckten Stellen. Der Thallus ist auch etas blass.


    Bild BS3 Deutlich mit Rand...


    Bild BS4 Hier ein Abschnitt mit beigen Apothecien


    Bild BS5 Oder hier dunkler braune Apothecien mit etwas hellerem Rand, und ...


    Bild BS6 Schwarzbraun, leicht gewölbt, und letztlich


    Bild BS7 Schwarze, fast kugelförmige Apothecien.


    Wohl gemerkt: alles am gleichen Thallus.

    Es würde mich nicht wundern, wenn das Abdunkeln während der Reifung zum Schutz der Sporen geschehe und zudem abhängig von der lokalen Sonneneinstrahlung wäre.

    Ähnliches gilt ja auch für die sekundären Flechtenstoffe, welche zu Schutz der Photobionten im Cortex sonnenexponierter Flechten eingelagert werden.


    Ich habe nicht alle Variante der Apothecien auf Sporen untersucht.

    Gaben die blassen, flachen Apothecien deines Fundes schöne Sporen her?

    Dann handelt es sich vielleicht tatsächlich um eine Schattenvariante.

    Oder wir reden auch auch bei B. sabuletorum von einem Artenkomplex - wer weiß das schon so genau...


    ... natürlich gibt es noch weitere Flechtenarten, die auf Moos leben und sehr ähnlich aussehen.


    LG, Martin

    Hallo!


    Aktuell ein weiterer Doppelgänger im Moos auf Kalkfels aus der Schwäbischen Alb: Bryobilimbia (Lecidea) hypnorum.

    Schöner Fund und mikroskopisch recht leicht bestimmbar.


    Bild 10 Habitat: Kalkfels auf Magerwiese


    Bild 11 Lecidea hypnorum in situ mit häutigem, stellenweise warzigem Lager und dicht stehenden, sich gegenseitig überlappenden, bleibed berandeten Apothecien.

    Das Lager hat gut 5 cm Durchmesser.


    Bild 12 Das Lager ist unscheinbar und überzieht das Moos dünn.

    Die Apothecien können tuberculat fusionieren, und bilden dann unförmige, große Gebilde mit gemeinsamen Rand.


    Bild 13 Berandete, stark glänzende, schwarze Apothecien.


    Bild 14 Die Aufnahme in Auflicht glänzt unglücklich, zeigt jedoch schön den farblichen Übergang des Hypotheciums von Rotbraun nach Schwarzbraun.

    Ferner ein schwarzbraunes Excipulum und ein (gelb)braunes Epihymenium.

    Wichtig: Im farblosen Hymenium sind kleine, dunkle Stellen erkennbar!


    Die Sporen sind 2-zellig, gelegentlich auf 4-zellig, elliptisch, farblos, zu 8 in den Asci; um 15 x 5 µm groß.

    Junge Sporen zeigen ein feinwarziges Perispor.

    Damit gelangt man zum Schlüssel für Catillaria und dort in wenigen Schritten eindeutig zu Lecidea hypnorum.

    Für Lecidea hypnorum werden (oft, aber nicht immer vorhandene) körnige, violett-blau bis grün-braune Einschlüsse u.a. im Hymenium beschrieben, welche in KOH nach grün umfärben.

    Bild 15 Junge Sporen mit feinwarzigem Perispor in Ascus. Rechter Ascus mit 4-zelliger Spore.


    Bild 16 In Wasser: Violette Körner im Hymenium auf Ascuswand, Paraphysenwand (in Wasser) und im braunen Hypothecium.


    Bild 16 Umfärben der Körner durch KOH-Zusatz nach blaugrün (Farbwert pH-abhängig).


    Die Flechte lebt montan bis alpin u.a. auf Moos an Kalkfelsen, auf basenreichen Böden, selten an der Stammbasis von Bäumen.


    LG, Martin

    Hallo Ernst,


    vorneweg: Heterodermia kenne ich nicht. Ferner: eine Heterodermia im Thüringer Wald wäre ein überaus außergewöhnlicher Fund.

    Von der Gattung sind lt. DFD von 2013 nur 2 Arten in D in den Alpen nachgewiesen und gelten als extrem selten - aber das weißt du ja sicher.

    In der Kartierung der Roten Liste ist ein Fund für den südlichen Schwarzwald eingetragen.

    Die "maulbeerartigen Gebilde" halte ich schlicht für Gallen, Sorale sind es nicht.


    Meiner unmaßgeblichen Meinung nach könnte dein Fund also eine noch junge Physcia adscendens sein, die mit einem gallenbildenden Pilz befallen ist.

    Wie ich finde passt der gesamte Habitus, inkl. der langen dunklen Cilien und helmförmigen Lobenenden bestens zu P. adscendens:

    In einigen deiner Fotos lassen sich sogar die typischen aufsteigenden Loben, deren Enden sich nach unten neigen und später die typischen helmartigen Strukturen bilden (z.B. in Bild 5), deutlich erkennen. Auch die Loben selbst sind, wie es sein soll. konvex gewölbt, mit randlich nach unten weisenden Rändern.


    Die Rhizinen bei H. speciosa (der "häufigeren" Art), sind bräunlich bis schwärzlich, robust und auffasernd bis verzweigend (hier und hier).

    Was du in Bild 4 als dunkle Rhizinen mit einem Kreis markierst, entspricht dem nicht.

    (Könnten das Springschwanz- oder Milbenhinterlassenschaften sein?)


    Die Oberfläche ist maculat (letzte Foto unten), was ebenfalls sehr gut zu Physcia a./t. passt, nicht aber zu H. speciosa:


    Eine elfenbeinweiße bis cremefarbene Oberfläche sehe ich nirgends.

    Auf den Bildern liegt eine (grau-)grünliche Oberfläche vor, was zu trockenen Physcien passen würde.


    Der Tüpfeltest K+gelb an der Unterseite überzeugt mich nicht. Die Loben von Physcia adscendens / tenella sind so dünn, das die Reaktion in Windeseile auf den Cortex übergreift, der kräftig K+gelb reagiert und nach unten durchweicht.

    Wenn du den Versuch wasserdicht machen möchtest, kontrolliere die Reaktion besser unter dem Mikroskop.


    Ich würde mal als die Fruchtkörper in den Gallen mikroskopisch untersuchen, das könnte interessant(er) sein.


    LG, Martin

    Hallo,


    noch ein Nachtrag zum Ausflug zur Ostalb, mein aktuelles Aha-Erlebnis:

    Unter den Proben befand sich noch ein kleines Rindenstück einer der Eichen, das ich wegen merkwürdiger kleiner ockergelber Flecken mitgenommen hatte.


    Bild 1 Licht stehende, alte Eichen mit tiefen Borkenrissen, u.a. mit Chrysothrix candelaris, der Borken-Schwefelflechte, oder kurz dem "Eichengelb" :gzwinkern:


    Bild 2 Da ist doch noch was anderes? Schwer erkennbar..


    Bild 3 Kleine, ocker Flecklein in großer Zahl...


    Bild 4 Vergrößerter Ausschnitt: Die ocker Flecklein haben einen Durchmesser von < 1/2 mm.


    Farbe und Struktur sind zuhause unter dem Stereomikroskop mit reichlich Licht besser erkennbar:

    Bild 5 Wo ist der Thallus?


    Bild 6


    Bild 7 Stellenweise fehlt die gelbliche Färbung und geht ins Grüne über.


    Wozu rät der Schlüssel immer zuerst bei gelblichen Flechten? KOH drauf!

    Bild 8 Die ocker Stellen aus Bild 7 reagieren K+ kräftig violett! Damit hatte ich nicht gerechnet...

    Aber sind das junge, kleine Thalli, oder Sorale, oder was anderes?

    Ch. ferruginea ist auf diesen Eichen oft zu finden - an der Stelle hier fehlten die Apothecien-Stecknadeln völlig.


    Bild 9


    Der Caloplaca-Schlüssel führt recht schnell zu einem überaus plausiblen Ergebnis:

    Caloplaca lucifuga (Lichtfliehender Schönfleck), jetzt offenbar umgruppiert zu Lendemeriella lucifuga.

    Die Flechtenbibel weiß dazu folgendes:

    "Thallus nicht erkennbar, .. Sorale ocker, .. K+ violettrot, .. gewöhnlich nicht zusammenfließend (Anm.: die Sorale), aus der Baumrinde hervorbrechend, flach bis gewölbt .. Meist auf alten Eichen .. Steril." und: "In lichten Wäldern .. am Stamm alter Quercus in tiefen Borkenrissen, .. z.B. im Chrysotrichetalia cand.-Ges. .."

    Chrysothrix candelaris ist vor Ort reichlich an den Eichen vorhanden.


    Erstaunlich, was man alles finden kann, wenn man (sehr) genau hinschaut.


    LG, Martin

    Nachtrag:


    In und auf so einer Placnythium-Probe gibt es allerhand zu finden:

    Während er im feuchten Zustand meist pechschwarze erscheint, sind im trockenen Zustand oder bei Betrachtung unter dem Mikroskop, olivbraune, berindete Auswüchse (Isidien) auf der Oberfläche zu erkennen, von Thallus zu thallus mal mehr, mal weniger.

    Diese Isidien starten kugelförmig, wachsen aber zu koralloiden Strukturen aus.

    Die stark strukturierte Oberfläche bietet auch zahlreichen Cyanobakterien Unterschlupf.

    In einer Quetschprobe ist deshalb gerne allerhand Fremdmaterial, z.B. diverse bunte Cyanobakterein (z.B. Gloeocapsa) enthalten.

    Bild A1 Thallusfragment (Kratzprobe) von P. nigrum mit schwarzen Apothecien und (wenigen) olivbraunen Isidien


    Wenn du so ein Thallusstückchen (am Besten natürlich durch einen Fruchtkörper) mit der Doppelklingentechnik zerteilst und das planparallele Schnittgut in Wasser bettest, kannst du den Thallusaufbau gut studieren.


    Bild A2 Die Apothecien sind gar nicht so schwarz und ganz klassisch aufgebaut.

    Die Asci enthalten 1-3-fach querseptierte, hyline Sporen.


    Ich merke, dass ich gar keine vorzeigbaren Fotos besitze. Sollte die Flechte bei Gelegenheit ordentlich präparieren.

    Das macht immer Spaß, schon aufgrund der vielen Strukturen und Farben!


    Im Übrigen ist P. nigrum sehr variabel, da es ein Artenaggregat ist.


    LG, Martin

    Hi Bernd,


    es freut mich, wenn es erfreut.

    Du wolltest ja gerne die Fotos sehen: Deshalb dieses.


    Ich freue mich auf das nächste Mal.


    LG, Martin

    Guten Morgen Bernd,


    ich sehr auch eine Pleurosticta:

    Im Bild (leider etwas unscharf) geht der Thalia links am Rand sogar ins Grünlich über. Er zeigt zudem die Körnigkeit, die auf die zu erwartenden schwarzen Pyknidien zurück gehen könnte.

    Die Reaktion K+ gelb nach rot im Mark würde auch passen.


    Das Hymenium habe ich noch nie kontrolliert, da die Flechte schon makroskopisch, auch ohne Chemie, eigentlich gut ansprechbar ist. Aber es gibt immer Ausnahmen. :gzwinkern:


    LG, Martin

    Hallo zusammen,


    hier ein paar Impressionen von Besuch auf der Ostalb, Nachlese der gemeinsamen Erkundung mit Bernd / Felli .

    Bild 1 Trockental auf der Ostalb, morgens mit bedecktem Himmel


    Bild 1 Aus dem Boden am Hang der Magerwiese ragen kleinere Kalksteinbrocken und Felsen.

    Sie sind der Grund, weshalb die Landwirtschaft hier am Hang nicht Fuß fasst und gottseidank den Schafen überlässt.

    Die kurzgehaltene, lichte Vegetationsdecke, der magere Boden und die Kalkfelsen bieten unseren kleinen Freunden reichlich Fläche.


    Auch ein Baumstubben hie und da wird großflächig von Flechten überzogen:

    Bild 2 Schönes Ensemble von Becherflechten auf Totholz: Über die gesamte Höhe feinmehlig sorediös und langstielig;

    einige Becher zeigen einen sich abrupt weitenden Übergang von Stiel zu Becher, deshalb vermutlich Cladonia fimbriata.

    Einige Becherränder sprossen fingerartig, mansche bilden auf diese Weise Sekundärbecher.


    Auch vermeintlich leere Flächen sind mit Flechten überzogen:

    Bild 3 Trapeliopsis flexuosa (blaugrün), Placynthiella icmalea (braun) sind auf Totholz sehr häufig anzutreffen.

    Bei derart kleinen Krusten muss man genau hinsehen (Bildeinsatz), um z.B. die kleinen schwarzgrünen Apothecien zu erkennen.


    Bild 4 Die weiße Toninia (Thalloidima) candida mit den grau bereiften Apothecien (links der Bildmitte) und hellgraue Placocarpus schaerreri sind auffälligere Krusten an den Kalkfelsen.


    Bild 5 Viele Krusten auf Kalk haben eine hellgraue bis weißliche Grundfärbung.

    Hier streiten Krusten (L. radiosa und P. schaerreri) und Blattflechten (P. caesia) um Platz.

    Die Flechten wachsen stellenweise dreilagig übereinander.


    Bild 6 Flechtenreiche Kalkfelsen


    Neben hellen Krusten coexisiteren auf Kalk auch viele schwärzliche Cyanoflechten.

    Bild 7 Die gallertige Cyanoflechte Collema (Lathagrium) cristatum zeichnet sich u.a. durch die rinnigen, schmalen Lappen aus.

    Am Thallusrand sind sie gut erkennbar. Dieser Thallus bildet ausnahmsweise sehr reichlich Apothecien.


    Bild 8 Die kleinere Collema (Enchylium) polycarpon besteht in Aufsicht aus einer Masse schwarzer Apothecien.

    Die Flechte ist deutlich seltener anzutreffen als C. cristatum.


    Bild 9 Moose und Flechten - u.a. eine weiße Diplotomma venustum (rechts der Bildmitte).


    Bild 10 Ein "Zweifarbiger Schönfleck" (Caloplaca / Leproplaca cirrochroa) bietet eine willkommene Abwechslung.

    Die Flechte löst sich im Zentrum sorediös auf und wächst als Ring weiter. Ich sehe sogar drei Zonen und Farben.


    Bild 11 Der "Tintenfleck" Placynthium nigrum fällt oft durch einen türkisen Prothallus auf.

    Hier im feuchten Zustand ist diese Färbung kaum erkennbar, da durch den Wassergehalt zu dunkel.


    Bild 12 Moose konkurrieren bei der Besiedelung der Kalksteinfelsen mit Flechten.

    Falsche Rentierflechte (C. rangiformis) mit Becherflechten.


    Bild 13 Die Moos-Krugflechte (Diploschistes muscorum) überwächst Moose, in ihrer Jugend parasitiert D. muscorum auf Cladonien.

    Cladonienschuppen befinden sich rechts in unmittelbarer Nähe, womöglich auch unter dem Thallus!


    Bild 14 An etwas schattigeren, feuchteren Stellen trifft man auf Flechten der Gattung Protoblastenia auf Kalk.

    Charakteristisch sind die randlosen, orangen Apothecien. Die Gattung gilt als schwierig.

    Der gelblich weiße Thallus könnte in Richtung P. calva weisen.


    Bild 15 Noch ein wenig feuchter mag es die Jenaer Grubenflechte (Gyalecta jenensis) mit den weißlich berandeten, orangen Apothecien auf orangelichem Lager (Algenpartner = Trentepohlia).

    Die schwärzliche Färbung kommt von aufgelagerten Cyanobakterien.


    Bild 16 Synalissa ramulosa, das Beeren-Gallertkissen, bildet kleine halbkugelige Thalli.

    Hier vom letzten Regen dick aufgequollen. Die Probe erweist sich leider als steril.

    Die Wuchsform, der mikroskopisch rote Thallusrand und der Algenpartner (Gloeocapsa) sollten die Artbestimmung auch so absichern.


    Bild 17 Magerwiese mit vereinzelt stehenden alten Bäumen.


    Bild 18 Im Moos über dem Boden gedeiht Peltigera canina mit ihren üppigen, verfilzenden Rhizinen an der Unterseite.


    Bild 19 Die alten Eichen sind auf der wetterabgewandten Seite, besonders in den tiefen Borkenrissen, mit schwefelgelber Chrysothrix candelaris verziert.

    Die Flechte bleibt steril. Sie fluoresziert im UV orange; ferner kann sie auch mit KOH eine orange Farbreaktion zeigen.


    Bild 20 Ramalina pollinaria ist hier an den Stämmen allgegenwärtig und bietet Rast- und Versteckmöglichkeiten.


    Bild 21 Pertusaria coccodes mit zoniertem, ungewöhnlisch deutlich rosa-bräunlich gefärbtem Prothallus und braunen Isidien in der Thallusmitte.

    Auffällig beim Tüpfeln ist die KOH-Reaktion K+, erst gelb, dann tiefrot (Norstictinsäure).


    Bild 22 Ein weiterer Gast auf der sauren Eichenborke: Hypocenomyce scalaris bildet muschelförmige Schüppchen, die mit Hypochlorid blutrot reagieren.

    Unterseits sind die Schuppen deutlich sorediös. Oft auch an Birnbaum und Kiefer zu finden.


    Bild 23 Nicht allzu häufig anzutreffen ist Melanelixia subargentifera, eine olivbraune Blattflechte mit körnigen Soralen, feinen Härchen am Thallusrand und bereifter Oberfläche. Hierdurch außerhalb der Alpen gut kenntlich.


    Bild 24 Die zierliche Anaptychia ciliaris ist heute nicht mehr wie früher weit verbreitet, sondern ist selten geworden.

    Sie besitzt eine samtiges Tomentum, lange Wimpern ("Wimpernflechte") an den Lappenenden und bläulich bereifte Apothecien.


    Bild 25 Epiphyten


    Bild 26 Nach einem kurzen Schauer scheint die Sonne endlich


    Bild 27 Den morschen Eichenstubben mit üppig Cladonia macilenta - fast neben dem Auto - entdecke ich erst auf dem Rückweg.

    Ein hübsch bunter Abschluss für diesen Ausflug, wie ich finde.


    Ich hoffe, der kleine Ausflug hat gefallen und eventuell Lust auf Flechten gemacht.

    Anders als die meisten nicht lichenisierten Pilze sind sie ja immer da.


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    für die makroskopischen Tüpfelreaktionen verwendet man bei Flechten immer 20% - 30%ige KOH. 3% sind zum Einweichen von fest verklebten Paraphysen gut, also wenn sich das Hymenium nicht gut quetschen lässt; und für Farb- und Lösungsreaktionen in dünnen, gequetschten Schichten unter dem Mikroskop Epihymenium, Excipulum, Kristalle, etc...


    Für die Überprüfung der Fluoreszenz verwende 365nm!

    Das gibt es in Form preiswerter Taschenlampen, die um so besser funktionieren, je dunkler es drum herum ist. Die langwelligeren (Taschen)Lampen regen kaum an und haben zudem einen.zu hohen Violett- und einen zu klrinen UV-Anteil im Spektrum und sind schlecht geeignet.


    Übrigens fahre ich morgen wahrscheinlich in die Ostalb, das Wetter soll ja nicht so schlecht werden.

    Es gefällt mir dort einfach zu gut, als dass ich die freien Tage unverrichtet verstreichen lassen wollte.

    Falls du dort in der Nähe sein und Lust haben solltest, melde dich gerne.

    Ansonsten schau ich mir wahrscheinlich die restlichen Bäume zur Rechten an, die wie letztes Mal nicht links liegen müssen, und gucke, was sich sonst noch finden lässt...


    LG, Martin

    Hallo!


    Ah - C. ferruginea, das kann sehr gut sein! Die wegen ihrer bunten Thallusfärbung ist es eine oft schon aus der Ferne gut erkennbare Stecknadel. Makroskopisch damit recht gut ansprechbar.

    Mich hat erst der hochvergroßerte, rosa-braune Thallus irritiert: Ich kenne die Flechte weiß-grau bis schwach grünlich mit mehr oder minder kräftig ocker-orangen Stellen, die mit KOH tiefrot reagieren. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man intensiv orange Flecken vor allem auf dem von dir nicht so stark vergrößerten Foto sehr gut.

    Auch das Mazaedium reagiert kräftig rot bei KOH-Zugabe!


    Sollten die brauen Bereiche deiner Probe entsprechend mit KOH reagieren, ist die Sache nochmals bestätigt. Die pigmenttragenden Stellen können übrigens in UV deutlich orange fluoreszieren:


    LG, Martin

    So, nochmal in Ruhe:

    Für die Gattung Diplotomma gilt, wie bei vielen anderen Gattungen, Hymenium J+ blau und natürlich auch K/J+ blau.

    Das wird für die einzelnen Arten im Schlüssel bei Diplotomma nicht weiter erwähnt, ist für alle gleich.

    Gemeint ist die Lugol-Reaktion der Medulla, die von Art zu Art unterschiedlich ausfallen kann.

    Mark J+ blau gilt z.B. für D. lutosum; sie gilt als extrem selten, kenne ich deshalb ich auch (noch) nicht.

    Ansonsten kann D. porphyricum (an Meeresküsten) im Mark J+ blau reagieren, muss aber nicht.

    Für alle anderen Arten von Diplotomma gilt J- für die Medulla!


    Die Information geben auch die Italiener bei Italic 8 weiter mit entweder "Medulla white, I+ blue." ansonsten "medulla white, I-".


    Da die Medulla normalerweise weiß ist und der von dir gezeigte Bereich transparent und zudem auch Sporen enthalten sind, vermute ich, dass du die kräftige blaue Reaktion im Hymenium zeigst. Sie ist völlig typisch für alle Diplotommaarten. Da ein Hymenium-Querschnitt meist auch Medulla im unteren Bereich anhaften hat, kannst du dort mal schauen, ob eine Blaufärbung zu erkennen ist.


    Normalerweise prüfe ich makroskopisch mit einem kleinen Würfelchen Medulla in einer Lugol-Pfütze, ob eine deutliche Reaktion eintritt oder nicht, das ist recht zuverlässig:

    Bild A1: Medulla J+ lila bei Lecidea confluens an Probenwürfelchen in Lugolpfütze auf Objektträger über Papier für den Weißabgleich


    Ich glaube nicht, dass die Medulla J-, aber bei K/J+ blau reagieren würde.


    Bei manchen Arten kann man unter dem Mikroskop dann mehrere Jod-Reaktionen gleichzeitig verfolgen:

    Bild A2 Quetschprobe von Bellemerea alpina: Hymenium J+, Sporen(halo) J+ lila und Medulla J+ lila

    Hallo Bernd,


    ich bin etwas irritiert, so eine intensive Reaktion kann ich doch kaum übersehen haben. Diese tiefblaue Lugolreaktion, die du zeigst, ist sie am Mark oder womöglich am Hymenium erfolgt? Hymenium J+ blau wäre ja normal für alle Diplotommarten.

    Relevant ist die Reaktion in der Medulla!


    LG, Martin

    Hallöchen!


    Hier noch eine mir neue Flechtenart von der Schwäbischen Alb - diesmal einer Stecknadel, die Fellis scharfes Auge bei der gemeinsamen Tour entdeckt hat.

    Fundbedingungen sind sehr ähnlich zu der vordem beschriebenen Diplotomma venustum, nur das Substrat sind diesmal die vereinzelt stehenden Eichen auf der Magerwiese, nicht die flachen Kalksteinbrocken.

    Bild 1 Habitat der Stecknadelflechte: Einzeln stehende, Eichen im besten Alter mit tiefriessiger Borke.


    Auf der lichtreichen Eichenstämmen finden sich neben der mehrfach beobachteten Stecknadel etliche Blatt- und Strauchflechten wie Melanelixia subargentifera, Pleurosticta acetabulum, Evernia prunastri, Physconia enteroxantha (gebliche Bortensorale) und sehr viele Ramalina pollinaria; ferner auch großflächige Thalli von Chrysothrix candelaris (feinpulverig, goldgelb) und Candelariella cf. vitellina.


    Die besagte Stechnadel fällt entgegen den mir bislang bekannten Arten insbesondere durch einen sehr dicken, scholligen Thallus auf, der große Teile der Borkenrisse überziehen kann.

    Bild 2 Auffällig grobe, schuppig-schollige, grünliche bis bräunliche Kruste an den Flanken eines tiefrissigen Eichenstammes.


    Die niedrigen Fruchtkörper heben sich optisch durch einen gelben Ring um das Mazaedium vom Thallus ab:

    Bild 3 Thallus mit zahlreichen Fruchtkörpern in Aufsicht


    Bild 4 Thallus in direktem Sonnenlicht


    Unter dem Stereomikroskop zuhause lassen sich die Strukturen besser darstellen.

    Die Fruchtkörper wirken mit etwas dicklichen Stielen relativ robust.

    Bild 5 Schuppig-scholliger Thallus graugrün bis (oliv)braun, Stiele im unteren Abschnitt glänzend nougat-braun, oberer Teil tiefschwarz, ebenso die Köpfchen.

    Mazaedium braun; Stecknadeln bis etwa 1mm hoch. Köpfchen kugelig (jung) bis linsenförmig (wenn älter und weit geöffnet).

    Bildausschnitt ohne auffällig gelbe Bereifung.


    Man muss nicht lange suchen, es finden sich auch die intensiv gelb bereiften Fruchtkörper, insbesondere bei etwas schmäleren und damit vermutlich jüngeren Exemplaren.

    Bild 6 Gelbe Bereifung an Unterseite des Köpfchens und am Rand der Oberseite deutlich erkennbar.

    Das Mazaedium ist deutlich braun gefärbt.


    Bild 7 Stelle u.a. mit sehr jungen, noch intensiv bereiften und vollständig geschlossenen Fruchtkörperchen (Bildmitte und links davon)


    Einen Fruchtkörper in Wasser zerquetscht, lassen sich u.a. die Sporen schnell beurteilen:

    Bild 8 Sporen einzellig, braun, schollig ornamentiert. Die Sporen sind breit elliptisch bis subglobos.

    Ich messe 7-10 x 6-8 µm, was reichlich groß ist (Italic gibt 6-7 µm an), aber mit den angegebenen Maßen breit überlappt.


    Bild 9 Die Sporen sind subglobos bis breit ellipsoid.


    Der Algenpartner ist trebouxioid.


    Viel genauer musste ich nicht schauen, die Sache ist vermutlich klar: Chaenotheca phaeocephala.

    Die Stecknadelflechte auf besonnter Eichenrinde ist charakterisiert durch braunes Mazaedium mit einzelligen, braunen Sporen an gestielten Fruchtkörpen.

    Damit als Chaenotheca qualifiziert.

    Unter den gelb bereiften Chaenothecen zeichnet sie sich durch den oliv-grauen körnigen bis schollig-schuppigen Thallus, die "derber"en (sic) Apothecien und die großen Sporen aus.

    Der Schlüssel bei Wirth et al. in DFD führt zur dieser Art mit folgender Beschreibung : "Thallus .. dicklich, schuppig bis warzig, zus. hängend, braunoliv bis olivgrau. Ap.köpfchen obkonisch bis linsenförmig, 0,1-0,3 mm breit. Stiel 0,06-0,1 mm dic, meist nur oben grüngelb bereift, auch unbereift. Ap. meist etwas derber .."

    Und in der Artbeschreibung ebendort heißt es : "V.a. auf tiefrisser Borke alter Quercus-Stämme in lichten .. parkähnlichen Beständen .., an absonnigen, .. lichtreichen .. luftfeuchten, etwas kontinental getönten Orten, besonders in kollinen und submontanen .. Lagen .. meist nur mit wenigen Begleitern, v.a. .. Chrysothrix candelaris."


    Jetzt bin ich mal gespannt, was die beiden Bernde dazu meinen.

    1. Bernd ( Felli ), kommst du zum gleichen Ergebnis?

    2. Bernd ( kruenta ) - du steckst doch mittlerweile am tiefsten in den Stecknadeln drinnen. Passt das so?


    Liebe Grüße, Martin


    LG, Martin

    Das schreckt mich nicht: Zähe Fruchtkörper bin ich von den Flechten her gewöhnt.

    Bedauerlich, dass keine Telemorphe dabei war. Das hatte die Bestimmung vermutlich (oder zumindest vielleicht) etwas vereinfacht.


    LG, Martin

    Hall Dirk ( Jonny70 ),


    recht herzlichen Dank für den Link zu den Franzosen! Die Beschreibung dort passt schon sehr gut zum Fund und ist überaus plausibel.

    Unter den Synonymen taucht Sarea tatsächlich mit auf, da lag ich so falsch also gar nicht:

    Zythia resinae (Ehrenb.) P. Karst. = Biatorella resinae (Fr.) Th. Fr. = Pycnidiella resinae (Ehrenb.) Höhn. = Sarea resinae (Fr.) Kuntze = Tromera myriospora (Hepp) Anzi = Tromera resinae (Fr.) Körb. = Tromera xanthostigma A. Massal.


    Liebe Grüße vom mittleren Neckar!

    Martin



    Bezüglich deinem Reminder: Keine Angst, ich will und werde die Kügelchen nicht essen! :gfreuen: