Beiträge von KaMaMa

    Hallo Felli,


    auf dem zweiten Foto könnte man meinen, der schwarze Prothallus zieht sich zwischen zwei Flechten mit gleichem Thallus hindurch, sodass er eventuell zur gesuchten Art gehören könnte.

    (Im ersten Bild verläuft er zwischen zwei Arten. Zu welcher Art der Vorthallus hier gehört, wird hier nicht klar.)

    L. argentata hat einen schwarzen Vorthallus.


    Aber welche Lecanora das ist, ist für mich ohne gründliche Inspektion unter dem Mikroskop und Chemietests nicht festzumachen.

    Bestimmt kann Patrick nupharlutea hierzu und zu deinen anderen Funden mehr sagen, er hat sehr viel Erfahrung.


    Zum Parasiten kann ich nichts beitragen.


    LG, und ein schönes Osterfest wünscht

    Martin

    Hallo Felli,

    bei L. carpinea sollte die Apothecienscheibe C+ gelb bis orange reagieren. Das scheint hier nicht der Fall zu sein.

    Ist deine Chemie noch in Ordnung?

    Im Schlüssel wird bei Lecanora auch nach nach der P-Reaktion gefragt.

    Du zeigst diese Reaktion nicht, vermutlich weil du diese Chemikalie (Paraphenylendiamin) nicht hast, oder?

    Die Asci enthalten 8 Sporen, richtig?

    Ich würde auf L. albella tippen: Lager glatt bis warzig, Scheiben rosa bis bräunlich; stark bereift. Ap. realtiv dünn mit welligem, verschwindendem Rand. Lager K+gelb, P+ gelb/orange, C-, KC-, UV+ gelb/orange.

    Vergleiche doch mal damit.


    Was mich irritiert, ist das orange Hymenium, das in Lugol rot reagiert.

    L. albella besitzt, wie die meisten Lecanoren, ein farbloses Hymenium, das in IKI (J) blau reagieret. Da dein Fund befallen ist, tja, es wird nicht einfacher dadurch.


    LG, Martin

    Hallo Ernst erna52 ,


    schau mal bei Italic (Peltigera collina bei Italic) rein, da findest du auch Großaufnahmen der Isidien, neben Fotos der Unterseite.

    Auch die bretonische Seite hat immer schöne (Makro-)Aufnahmen zu bieten: Lichens marins - P. collina. Etliche der besten Aufnahmen bei Italic stammen von den Bretonen! Außerdem stellen sie immer Verlinkungen zu den wichtigsten Verwechslungsarten ein (in diesem Fall z.B. Nephroma parile). Diese Seite ist sehr gut und immer einen Besuch wert, wie ich finde.

    Ferner sind die Kurz-und-knapp-Artsteckbriefe bei der den Franzosen gut, auch in diesem Fall: AFL, Fiche zu P. collina.


    Ich will ja nicht unken, aber mich erinnert der Fund mit den großen, braunen Isidien an unsere Lieblings-Peltigera (P.p.)...

    Die Lappenränder sind bei deinem Fund manierlich nach unten gekrümmt und nicht aufsteigend und (fast) durchgängig mit grauen-oliven Soralen wie es bei P. collina zu erwarten wäre...


    LG und Frohe Ostern!

    Martin

    Hallo Paulis ,


    wieso sind die lichenisierten Pilze denn faul?

    Während die "normalen" Mykorrhizapilze an Gehölzen saugen, saugt die lichenisierte Verwandtschaft eben an Einzellern, die sie domestiziert, kümmert sich also darum, wie der Bauer um sein liebes Vieh.


    Wenn überhaupt etwas faul ist, dann die meisten Pilzfruchtkörper spätestens 'ne schlappe Woche nach ihrem Erscheinen! Die stinken ganz grauslich und meterweit gegen den Wind! ==Gnolm21


    KG, Martin

    Hallo Ernst,


    ein vorweg - bei mir gibt es kaum Usneen, deshalb kenne ich die Flechtenarten nicht.


    Mit deinen Angaben komme ich im deutschen Schlüssel ebenfalls bis zur Verzweigung U. barbata und U. dasypoga, soweit kann ich das nachvollziehen.

    Der ungleichmäßige Dickenwuchs scheint dann auf U. barbata hinzudeuten.

    Die P-Reaktion am Längsschnitt halte ich für nicht eindeutig dem Mark zuordenbar.

    Wenn das Foto die Reaktion widerspiegelt, würde ich eher "Zentralstring P+ gelb" als Angabe erwarten, der wirkt kräftiger gelb als das Mark.


    Ich halte die Kontrolle eines Querschnittes in einem Tröpchen Reagenz unter der Lupe für günstiger, um die Reaktion von Rinde, Mark und Zentralstrang zu beobachten und zu unterscheiden.

    Am sichersten aber trennt man die drei Schichten zum Testen wohl komplett voneinander:

    Ast zerreißen, sodass der ZS herauslugt - hier ZS testen.

    Rinde abschaben und getrennt vom Rest testen.


    Das habe ich aber bisher nie gemacht, weil zu bequem. Dann weiß man aber nicht wirklich, was reagiert.

    Beispiel:

    Mark P+ gelb? Ich würde Zentrastrang P+ orange sagen. Das Mark ist allerdings gelb eingefärbt - vom Zentralstrang oder nicht? Unklar.


    Die nächste Probe (andere Usnea-Art) ist zufällig und günstigerweise so geschnitten, dass ein Markbereich ohne Cortex mit der Chemie in Berührung kommt und reagieren kann:

    Andere Usnea und K-Reaktion: Das Mark reagiert eindeutig ohne Kontakt zu Zentrastrang oder Cortex K+gelb. Relativ eindeutig, wie ich finde.


    Man könnte vielleicht mit der Rindendicke weiterkommen, wenn man mehrere Querschnitte vergleicht. Ev. hilft der Vergleich mit einer guten Bilddokumentation weiter.

    Da liegen die 8% von dir natürlich ideal zwischen den angaben der beiden in Frage kommenden Arten - wie könnte es auch anders sein?


    Angaben wie kantig, rund, etc. halte ich nur für jemanden, der die Flechten schon recht gut kennt für wirklich hilfreich. Ich strauchle hier immer, was ist genau gemeint. Gilt das immer, meistens, oft, etc?

    Vielleicht kommt man auch mit dem leicht rosa Zentralstrang weiter?


    Aber wer bestätigt bzw. korrigiert am Ende?

    Ich kann das leider nicht leisten... ==Gnolm23

    Trotzdem immer wieder spannend, die Usneen!


    LG, Martin

    Hallo Tuppi und andere,


    den Spezial-Faden gibt es eigentlich schon. Und oben angepinnt ist er auch: "Gestaltung und Bearbeitung, Tipps und Tricks"

    Da wäre die Diskussion besser aufgehoben, und wir anderen, die das nicht brennend interessiert, blieben davon verschont.


    LG, Martin

    Hallo Forum,


    heute habe ich mal eine hofferntlich banale Bilderanfrage.

    Leider habe ich versäumt von der Beobachtung eine Probe zu mitzunehmen, was ich natürlich bereuhe.

    Zuhause beim Fotosichten, ist mir die Kruste wieder aufgefallen. Vor Ort habe ich sie übersehen, da ich dort vermehrt auf Blatt- und Strauchflechten achtete.


    .

    Bild 1 Dorfstraße im Schwarzwald mit flechtenbewachsenen Straßenbäumen.


    An den Baumstämmen finden sich einige auffällige Krusten mit auffällig konvexen, schon bei kleine Exemplaren früh zusammenlaufenden Soralen. Hier ein paar Beispiele:

    Bild 2 Radial rissige Kruste mit ungezontem Rand und weißem Vorthallus. Die noch einzelnen Sorale wirken stark konvex, eventuell könnte man sie hemisphaerisch nennen.


    Bild 3 Kruste mit cremefarbenen, flächig zusammenlaufenden Soralen und weißem Vorthallus


    Bild 4 Kleine Kruste mit cremefarbenen, flächig zusammenlaufenden Soralen, Vorthallus weiß


    Ich denke, hier ein großes Exemplar der gleichen Art zu sehen:

    Bild 5 Große Kruste mit cremefarbenen, flächig zusammenlaufenden Soralen


    Zuerst dachte ich, Folgendes vor mir zu haben, aber das passt, glaube ich, nicht. Bei Lepra albescens (ungeprüft) bleiben die konvexen Sorale lange isoliert.

    Bild 6 L. albescens sieht völlig anders aus: Sie hat isolierte, weiße, konkave Soralen und kommt hier auch vor.


    Was meint ihr zu dieser Flechte an Ahornstamm im Schwarzwald neben der Dorfstraße in circa 840m Höhe?

    Vielleicht V. hemisphaerica? Sie kommt ja scheinbar in Norddeutschland öfter vor. Kennt jemand die Flechte in Bild 2-5?


    LG, Martin

    Hallo Ernst


    Longissima würde ich ausschließen.

    Ich frage mich, ob es wirklich keine Sorale gibt. Dein 5. Foto könnte ev. junge Sorale zeigen.

    Im Wirthschen Schlüssel gelange ich zu:

    Ohne Sorale, ohne Papillen => U.hirta.

    Ohne Sorale, mit Papillen => Basis geschwärzt oder nicht? => U.florida/U.intermedia

    Aber mit Soralen sind viele andere Arten möglich...

    Ohne jetzt alle Eigenschaften, Farbreaktionrn und Habitate gegenkontrolliert zu haben. Das muss man für die in Frage kommende Art im Anschluss noch machen.


    Um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen sind neben vielen Tests noch viele Vergleiche nötig. Ich schlüssle zudem gern zusätzlich mit Italic, um zu sehen, ob sich der Verdacht bestätigt.


    LG, Martin

    Hallo Ernst,


    Usnea ist echt nicht einfach, denn was sind jetzt Papillen, Fibrillen, Warzen, etc... An der Beantwortung, ob vorhanden oder nicht, hängt neben den Färbetests beim Schlüsseln alles ab. Ich habe auch Usnea und Bryoria herumliegen und drücke mich ein wenig davor.


    Ich könnte natürlich mit deinen Angaben zu schlüsseln versuchen, aber das kannst natürlich selber genauso und hilft dir vermutlich nicht. Also lasse ich es lieber.


    Anders gefragt, was bekommst du denn heraus, und wo ist dein Problem?


    LG, Martin

    Hallo,


    ich hatte den Fund zwar schon woanders kurz angedeutet, aber weil die Flechte so hübsch ist, zeige ich den Fund etwas genauer:

    In der Nähe von Freudenstadt (Schwarzwald, ca. 555 m H.ü.N.N.) in einem kleinem Weiler mit ca. 5 Häusern entlang eines Bergbaches schützt eine Silikatmauer die kleine, wenig befahrene Anliegerstraße vor Hangrutschungen.

    Bild 1 Schattiges Mäuerchen


    Solche "ungepflegte", schattige, etwas feuchte Mauern können wahre Schätze bergen.

    Neben diversen Peltigeren, Nephroma, Leptogium, Cladonien, sehe ich an mehreren Stellen diese hübsche Cyanokruste:

    Bild 2 Protopannaria pezizoides mit schwarztem Hypothallus, etwa 5 cm groß. Vor hier nehme ich eine kleine Probe.


    Bild 3 Ein weiterer Thallus


    Bild 4 Der Flechtenthallus kann reichlich dick werden


    Bild 5 Runde bis unförmige Apothecien mit gekerbtem Thallusrand sind kennzeichnend


    Der Thallus ist braun, krustig, mit breit aufsitzenden Apothecien mit brauner Scheibe und körnigem, gekerbtem Rand.

    Bild 6 Gekerbte Schüppchen auf Thallusoberfläche


    Bild 7 Anschnitt durch Thallus und Apothecium. Die Photobiontenschicht ist blaugrün.


    Bild 8 Der Thallus bleibt nass braun. Die Apothecien können zusammenwachsen und so 2-3 mm Größe erreichen


    Die Apothecien sind zäh und lassen sich nur in 3% KOH quetschen.

    Bild 9 Photobiont sind Cyanobakterien: Nostoc in Klumpen und kurzen Ketten


    Bild 10 Epihymenium braun, Ascus 8-sporig, Sporen elliptisch mit etwas angespitzten Enden, dickwandig mit warzig-blasigem Ornament in der Sporenhülle.

    Hymenium in IKI tiefblau reagierend (nicht gezeigt)


    .

    Bild 11 Freie Spore mit Ornament


    Bild 12 Achtsporiger Ascus in BWB angefärbt, Paraphysen septiert, kaum verzweigend


    Die Protopannaria kommt arktisch, in DACH (sub)alpin, seltener montan, auf saurem Substrat vor.

    Als Substrat dienen nackte Erde, Silikat, Erd- und Silikatmoose; feuchte, absonnige Stellen sind von ihr bevorzugt.


    Solche Funde lasse ich mir gefallen!


    LG, Martin

    Hallo Ernst,


    P. monticola kenne ich nicht.

    Bei der Angabe des dichten grauen Tomentums, der sonnigen Fundstelle und den schmalen Lappen (ich würde 2 cm schätzen), denke ich auch zuerst an P. rufescens.

    Die Flechte ist bei uns hier im Neckarland bis Mittelfranken recht häufig anzutreffen.


    LG, Martin

    Hallo!


    Das liebe ich an diesem Forum, dass es aufmerksame Leser gibt, die einen im Überschwang korrigieren:


    1) Der Einwand von Patrick war vollkommen berechtigt: Nephroma parile bestätigt sich.

    Wenn man die Flechte schon mal gesehen hat ist die Sache fast schon an den Übersichtbildern im Hauptbeitrag oben klar.

    Die Flechte besitzt neben den Randsoralen auch Sorale in der Fläche der Lappen, die Unterseite ist berindet ohne Adern und das Mark reagiert auf KOH gelb(lich).


    2) Nach gründlicher Suche an den Proben der grau-braunen, großlappigen Peltigera finde ich bei einer Probe (mit Apothecien) nun tatsächlich einige kleine Phyllidien/Isidien am Thallusrand.

    Diese Probe weist Rhizinen auf, die nicht nur deutlich dunkler als die Adern darunter sind, sondern auch diverse Formen annehmen, z.B. opinselartig auffasern, und trotzdem samtartig abstehende Härchen an der Basis besitzen.

    Deshalb tendiere ich mittlerweile auch, wie Ernst schon anregte, zu Peltigera praetextata.

    Nicht ganz einfach, wenn die sonst üppigen Isidien fehlen!


    Bild B1 Lange, dunkle Rhizinen auf hellen Adern, am Ende pinselartig auffasernd


    Bild B2 Winzige Isidien / Phyllidien am Thallusrand, unterschiedliche Rhizinen (auffaserndes, dunkles Rhizinenbüschelchen unscharf links) => also verm. doch Peltigera praetextata


    LG, Martin

    Hallo Patrick!


    Vielen Dank für den Einwand. Jetzt, was du es erwähnst, scheint die Sache klarer. Die Sorale gingen die meinen Geschmack ohnehin sehr weit in die Fläche des Thallus, was nicht gut passte. Mit einer Nephroma hatte ich aber gar nicht gerechnet. Die Beschreibung zur Art passt erstmal sehr gut. Ich schaue mir die Proben später nach der Arbeit genau an.


    Nephroma, nicht minder spannend. Eigentlich noch interessanter.


    LG, Martin

    Hallo Erwin,


    in der Tat! Womöglich war ich zu vorschnell...

    Jetzt hatte ich hier große Bestände aus vielen Lagern und ich habe nirgends Isidien gesehen, wie es sonst bei P. praetextata normal wäre.

    Die Rhizinen an den jungen Lappen sind durchweg weiß, einheitlich einfach und nirgends pinselartig auffasernd.

    Deshalb kam ich zu P. membranacae.


    Allerdings bin ganz deiner Meinung, dass die Unterscheidung sehr schwierig ist. Zumal ich schon Lager gesehen habe, da hätte ich aus der Ferne wegen der Längswülste auf P. membranacea getippt, um beim Näherkommen zu sehen, dass die Flechte über und über voller Isidien war.

    P. membranacea schon Isidien haben, das wird im Schlüssel nicht ausgeschlossen.

    Bei Wirth heißt es ja nicht ohne Grund, dass P. membranacea, P. canina und P. praetextata nur mit viel Erfahrung sicher getrennt werden können.


    Von dem, was du an Bildern zeigst, meine ich auch, dass es die gleiche Flechtenart sein sollte, wie mein Fund.


    Was meinst du mit kurze Rhizinen? Die Rhizinen sind, wie auf dem Foto zu sehen über 5mm lang.

    Das wäre zumindest kein Widerspruch zur Angabe "5-8 mm" (Wirth) für P. membranacea, passt allerdings auch für die anderen zwei Peltigeren ("meist bis 6 mm").


    Tja, wie so oft ist die Sachlage nicht eindeutig.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    ja P. membranacea ist eigentlich auch sicher (Korrektur: so sicher dann ahlt auch wieder nicht). Die trocken grau-braunen Thalli werden feucht tiefbraungrün. Sie besitzen auf der Oberseite randlich Filz und wegen des dünnen Thallus zeichnen sich die Adern auch der Oberseite durch Längswülste deutlich ab. Der Lappenrand ist am Rand nach unten eingebogen, wie man es von P. praetextata, P. canina und P. membranacea kennt. Die Unterseite ist weißlich mit hellen Adern, die zum Zentrum hin ocker, dann graubraun werden. (Feucht etwas rosa am Rand in Apotheciennähe). Die Rhizinen dick, einfach, unverzweigt mit samtig abstehenden Härchen.


    Bild A1 P. membranacea angefeuchtet


    Bild A2 Unterseite


    Bild A3 (Junge) Rhizinen mit samtigem Härchenbesatz



    Ich frage mich eher, ob sich womöglich noch mehr Arten unter den Beobachtungen verbergen.

    Wir werden sehen...


    LG, Martin

    Hallo,


    gestern war ich im Schwarzwald unterwegs und bin dort an einer schattigen, bemoosten Silikatmauer am Wegrand auf zahlreiche Peltigeren gestoßen - so viele, dass ich nach wenigen Metern mental überlastet und nicht mehr aufnahmefähig war. Man schaut gar nicht mehr richtig hin und bereut natürlich gleich wieder. In einer kleinen, unbenutzen Parkbucht dann sogar drei Arten direkt nebeneinander. Etwas weiter oben am gleichen Weg war eine schwach bemooste Gartenmauer ähnlich dicht bewachsen, bis über die Kante auf die stark besonnte Horizontalfläche, neben der Kalksplitt ausgebracht war (vorletztes Bild). Aber auch P. neckeri und P. collina wachsen dort sogar am Rand des Kalksplitts...
    Anzahl und Dichte der Flechten war zu viel für mich, Stack-Overflow... :haue:


    Trotzdem: Eine für mich neue Art habe ich vor Ort gleich erkannt, weil leicht kenntlich, Peltigera collina weil durch ihre Sorale sehr auffällig: Nephroma parile.

    Ich vermutete neben P. collina (z.B. Bild 3, 4, 9 - tatsächlich Nephroma parile), P. membranacea (Bild 1, 2, 8, tastsächlich P. praetextata), P. neckeri (Bild 5, 7) auch P. rufescens (Bild 13).


    [Einschub zur nachträglichen Korrektur: Die vermeintliche P. collina stellte sich nachträglich eindeutig als Nephroma parile heraus (Danke Patrick für den Hinweis , s.u. Beitrag #8!) und P. membranacea als P. praetextata (Danke Ernst für die mahnenden Worte (s.u. Beitrag #5). Das kommt davon, wenn a) der Wunsch Vater des Gedankens ist und man b) noch vor der sauberen Bestimmungsarbeit Unsinn verzapft. Es zeigt sich, dass man zur Bestimmung auch bei Peltigera idealerweise eine Kollektion mehrerer Thalli braucht und vollständig untersuchen sollte, ehe man sich eine Meinung bildet. Das gilt halt nicht nur für Pilze.]


    Einige Pröbchen habe ich mitgenommen, jetzt steht Bestimmungsarbeit an.


    Eindrücke:

    Bild 1


    Bild 2


    Bild 3


    Bild 4


    Bild 5


    Bild 6 Drei Arten nebeneinander


    Bild 7 Irgendwo waren auch schwärzliche Apothecien zu sehen, leider nicht auf diesem Foto...


    Bild 8


    Bild 9


    Bild 10


    Dazwischen auch noch diese Schönheit:

    Bild 11 Ob Protopannaria pezizoides oder Psoroma hypnorum, da muss ich noch die Sporen befragen.


    Bild 12


    Bild 13


    Bild 14 Ein letzte Foto auf dem Weg zurüch zum Auto.


    LG, Martin

    Hallo,

    ernsthaft, blaue Apothecien? Die sehen aus, wie eingebaut. Heute ist doch aber schon der 4.4.!


    Da würde ich von einem Befall ausgehen. Es wäre interessant, dem nachzugehen.


    LG, Martin

    Hallo Inge,


    die KI in allen Ehren, aber sehr viel erkennt man auf den Fotos nicht gerade, insbesondere keine Fruchtkörper, Sorale, oder sonstiges.

    Lobothallia radiosa kommt eigentlich auf kalkhaltigen Gestein, insbesondere auf reinem Kalkstein vor, wie du ja selber schreibst. Auf Holz??


    Der gezonte Rand der dünnen knorpeligen Kruste mit den radialen Rissen erinnert mich am ehesten an Lepra albescens (wohnt eher schattig), ev. auch Lepra amara. Beide kommen auf Rinde vor, warum nicht auf Holz? Amara geht auch auf Gestein über. Ich würde im Dunstkreis von Lepra / Pertusaria suchen.


    Bestimmt weiß Patrick etwas dazu - eil zuhülf, nupharlutea !


    LG, Martin

    Hallo,


    vor einigen Wochen ist ein neues, englischsprachiges, zweibändiges Flechtenwerk erschienen namens "Lichens of Ireland & Great Britain" resp. "Léicin na hÉireann agus na Breataine". ==Gnolm7

    Keine Angst, der Text ist komplett in Englisch gehalten.


    Nach einem ersten allgemeinen, einführenden Teil (Biologie und Ökologie) folgen im zweiten Teil drei Abschnitte zu den Flechtenarten, dort eingeteilt in a) Krustenflechten, b) Cladonien, c) Blatt-, Strauch und Bartflechten. Jeder der drei Teile wird jeweils von einem visuellen Schlüssel eröffnet. Ein dichotomer Schlüssel fehlt allerdings. Soweit nichts Neues.


    Wirklich interessant wird es im zweiten Band mit dem 3. Teil, der Flechtenmikroskopie behandelt: Nach einer Einführung in die Grundlagen (Das Mikroskop, Probenpräparation, Spottests an kleinen Proben (Krustenflechten!), Haltbarmachung, Färbetechniken, Ascus-, Sporen-, Hyphentypen, Algen und Cyanobakterien, Flechtenbaupläne und Histologie, folgen knapp 100 Seiten mit sehr guten Mikroskopfotos an Querschnitten und Quetschproben zu vielen unterschiedlichen Flechtenarten.


    Teil 4 gehört den lichenicolen Pilzen, Teil 5 der Geschichte der Lichenologie, zu hinterst natürlich Anhang und Index.


    Einband vorne


    Einband hinten


    Inhaltsverzeichnisse


    Beispielseite zum visuellen Schlüssel


    Beispielseiten zu Artbeschreibungen, 1-2 Arten pro Seite.


    Beispielseiten zur Mikroskopie, Artenteil


    970 Seiten, kompakte 21 x 15 x 6 cm (Höhe x Breite x Dicke), derzeit ca. 120€ + Versand.

    Ein etwas größeres Format hätte dem Werk nicht geschadet.

    Sehr gut gemacht, insbesondere der Mikroskopieteil ist neu und interessant, wenn man tiefer in die Flechtenmikroskopie einsteigen möchte.

    Hallo Erwin,


    ganz so steht das bei Italic nicht.


    o) Für Baeomyces carneaus ist angegeben "Spot tests: thallus K+ yellow turning red, C-, KC+ red, P+ orange, UV-; apothecial disc C+ red, K+ rapidly blood-red.", ist also sogar etwas ausfürlicher angegeben als bei Wirth-Hauck-Schultz, wo nur steht "Thallus K+ rot". Von einer roten Reaktion des Thallus ist die Probe weit entfernt.

    o) Für Baeomyces rufus hingegen heißt es: "Spot tests: thallus K+ yellow, C-, KC+ yellow, P+ orange-yellow, UV+ pale yellow; mature apothecia C+ red." Die Reaktion der reifen Apothecien auf KOH wirtd leider nicht erwähnt, ich würde aber eine leichte rote Reaktion dort nicht ausschließen.

    o) Weiter wird bei W-H-S noch eine Variante von B. rufus miterwähnt, die hier besser passt: B. rufus var. callianthus mit der Angabe: "wenn Apothecien +/- rosarot", also nicht braun, und (dort) "K+ gelb, dann rot: var. callianthus". Auch hier reagiert der Thallus auf KOH gelb, nur die Apothecien rot.
    Für diese bei Italic auf Artniveau gehobene Flechte Baeomyces callianthus heißt es dort passend zum Fund: "Spot tests: thallus K+ yellow, C-, KC+ yellow, P+ orange-yellow, UV-; disc of apothecia K+ orange, then blood-red."


    Wenn also nicht der Thallus tiefrot reagiert, würde ich B. carneus ausschließen. Zudem heißt es weiter zu B. carneaus: Apothecien quasi sitzend, höchstens kurz gestielt - nicht alle so lang gestielt, wie in den Beispielen, die du zeigst. Der Thallus ist sehr hell, Schizidien sehr häufig.

    Ich würde aus all diesen Gründen bei deinem Fund zu B. callianthus tendieren.


    LG, Martin



    P.S.: Es gibt tatsächlich Baeomyces, deren Thallus sehr schnell tiefrot auf KOH reagiert. Wegen der sitzenden Apothecien und dem ungewöhnlichen Thallus habe ich eine ganze Weile gebraucht, um überhaupt auf die Gattung Baeomyces zu kommen. Die K+rote Reaktion war sehr eindrucksvoll:

    Bild A1 Spottests an Baeomyces-Thallus mit K+ tiefroter Reaktion (links oben). Die Reaktion ist jeweils auf einem Objektträger über weißem Papier durchgeführt, indem eine kleine abgetrennte Thallusprobe (Mark und Rinde sind getrennt beobachtbar) unter der Lupe und wachsamen Auge in ein Tröpfchen Reagenz geschoben wird. Über dem weißen Papier ist die Reaktion sehr gut beobachtbar.

    Hallo Wolfgang,


    genau so ist das, die Natur ist SEHR viel komplexer, als man mit ein paar Worten beschreiben könnte. Das Bild, das wir uns von ihr machen, ist immer stark vereinfacht.


    Die Lava reißt beim Aussteigen durch die Deckschichten von diesen Gesteinen Material ab und nimmt davon in Form fester Einschlüsse (Xenolithe) und geschmolzenen Materials auf. Dies tut Lava normalerweise immer in irgendeiner Form. Die basaltische Lava als Grundmaterials sollte aber erstmal kalkfrei sein.

    Wobei das für Lava im allgemeinen auch nicht immer stimmt. So gibt es in Tansania (?) am Rande des westafrikanischen Grabenbruchsystem den Ol Doinyo Lengai, der ausschließlich "kühle" Karbonatlava führt. Das ist aber weltweit ziemlich einzigartig und nicht ganz verstanden.


    Die Zusammensetzung von Böden ist viel komplizierter, da hier alles erdenkbare zusammenkommt, was Wasser, Wind, Gletscher und andere Transportvorgänge (z.B. Rutschungen) mit sich führten. Den pH von Böden kann man messen. Allerdings ist die Messgröße der pH vom Boden, nicht vom anstehenden Gestein. Sieht am von Gesteinsrohböden ab, geht der Einfluß der organischen Komponenten (Humus) maßgeblich mit ein.


    Für saxicole Flechten, also Flechten, die direkt auf oder sogar im freiliegenden, nackten Felsgestein wachsen, ist die Zusammensetzung des felsigen Untergrundes, ihres Substrates, eine wichtige Einflussgröße.


    Ein spannendes Thema, über das man gerne mehr erfahren möchte.


    Was bleibt2? Im Zweifel also immer auf Kalk testen! ==Gnolm10


    LG, Martin