Beiträge von Tricholomopsis

    Ich gestehe aber, dass ich noch Zweifel habe, weil die Lamellen wirklich sehr stark violett waren, der Hut schleimig, sie vereinzelt auf der Wiese wuchsen ... habe ich beim Ackerling so noch nicht gesehen. Hat der denn wirklich deutlich violette Lamellen?

    Zweifel sind immer angebracht und wichtig. Ich möchte aber nochmal versuchen, deinen Blick auf den Sporenabwurf zu lenken, den du klar am Ring sehen kannst. Die Sporen fallen auf den Ring von oben drauf, weshalb sie sich dort sammeln. Da siehst du einen Braunton ohne jedes Violett. Zumindest kannst du damit jeden Träuschling komplett ausschließen.


    Hut stark schleimig – das hängt von der Witterung ab. Ich sehe an den Pflanzen viele Wassertröpfchen, es hat also geregnet oder es gab sehr viel Tau. Da werden auch die Ackerlinge schleimig. Vereinzelt auf der Wiese? Die büscheligen, großen Voreilenden Ackerlinge, sie man gerne in Rindenmulch findet, sind eine andere Art aus dem Aggregat als die, die vom Habitus her schmächtiger sind. Vereinzelte Fruchtkörper sind für mich kein Ausschlusskriterium. Ich müsste da nochmal nachschauen, aber es gibt mindestens vier Voreilende Ackerlinge, was sich aus Kreuzungstests ergibt. Ich kenne noch eine Art mit etwas gelblichen Lamellen, Agrocybe xanthocystis, aus dem Komplex.


    Wie auch immer, für mich ist es einer der Voreilenden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus "Pilzfreund77",


    Krönchenträuschlinge haben einen ganz anderen Ring: dicker, nicht so häutig, dafür sehr deutlich auf der Ringoberseite gerieft. Hier sehe ich einen dünnen, häutigen Ring ohne Riefung auf der Oberseite. Damit fällt der Krönchenträuschling raus.


    Die Lamellenfarbe, die ich auf dem Bildschirm sehe, passt auch nicht, denn der Violettanteil müsste deutlich stärker sein. Es gibt Träuschlinge ohne Violett im Sporenpulver, aber die sehen anders aus (weißhütig, z.B. Stropharia melanosperma und ähnliche Arten). Zudem wäre auch da der Ring oberseits gerieft.


    Die Lamellenfarbe und die Art des Rings sind für mich ein klarer Hinweis zur Gattung Agrocybe, Ackerlinge.


    Du hast zudem ein wichtiges Merkmal übersehen oder ausgelassen: die Sporenpulerfarbe. Wenn du einen unbekannten Pilz bestimmen willst, dann mach immer einen Sporenabwurf, denn sonst entgeht dir ein sehr wichtiges Bestimmungsmerkmal. Hier siehst du es übrigens auch so auf dem Foto. Auf dem Ring siehst du den braunen Abwurf. Stropharia hätte ein violettschwarzes (oder als Ausnahme schwarzes) Sporenpulver.


    Auch das Sporenpulver passt auf Ackerling, die Makroskopie des Fruchtkörpers eh. Stropharia ist definitiv ausgeschlossen. Das zeigt mal wieder, dass KI keine Pilz ebestimmen sollte.


    Ergebnis: Agrocybe praecox agg. (mehrere, teils noch nicht beschriebene Arten), auf deutsch Voreilender Ackerling (im weiten Sinn).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich kenne Kriechwacholder, die "schon immer" ihr Gymnosporangium haben, schön mit verdickten Stämmchen am Befallsort, aber gestorben sind die nicht. Natürlich kann es ein Stressfaktor sein, der dann zuschlägt, wenn sich die Umweltbedingungen ändern und der Wort dann mit beidem zu kämpfen hat. Und wenn nicht gerade der befallene Wacholder und die Birne direkt beisammen stehen, schaukelt sich der Befall auch nicht auf. Ich finde die befallenen Blätter an den Birnbäumen richtig hübsch (siehe Foto oben, filigrane Kunstwerke).


    Und wenn ich schaue, wie wir mit unseren Mitlebewesen umgehen, insbesondere, was die Ernährung angeht, wüsste ich nicht, warum ich den Phytoparasiten nicht ihre Nahrungsquelle Pflanze gönne. Wir bringen Pflanzen auch dazu, ihre Wuchsart zu ändern, um sie dann ganz abzurupfen und zu verzehren oder sogar die Knollen auszugraben (Kartoffeln) etc. Den Phytoparasiten gönnen wir aber nicht die vegane Ernährung? Kann ich so nicht nachvollziehen.


    Anders sieht es aus, wenn es sich um tödliche Parasiten handelt. Da aber das Umbringen des Wirts kontraproduktiv ist, passiert das meist nur, wenn entweder das System noch nicht coevolutiv eingependelt ist (z.B. wenn wir Menschen neue Phytoparasiten hier einschleppen, an die unsere heimischen Pflanzen nicht angepasst sind) oder wenn durch andere Faktoren der Wirt geschwächt ist. Meist sind es aber wir, die das verschulden (Globalisierung, dadurch Einschleppen von sog. Schadorganismen und die Geschwindigkeit des Klimawandels).


    Ich kenne den Birnengitterrost als recht harmlos, wobei hier bei mir vor allem Wildbirnen wachsen. Empfindliche Zuchtsorten kann ich nicht abschätzen, wie sie reagieren. Und ja, auch "Phytopilze" sind "echte Pilze". Mögen muss man sie nicht, aber "hassen"? Als Naturfreund oder -freundin finde ich das schade. Und Kotzsmileys finde ich auch nicht wirklich schön. Wer mal einen frischen Gymnosporangium clavariiforme gesehen hat und den nicht hübsch findet, müsste auch bei gelben Wiesenkorallen diese Smileys auspacken. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Griass Di Werner,


    das ist verrückt, du bist ja nicht weit weg. Aber ja, klar, es ist oft nur ein Blatt am ganzen Strauch betroffen (oder mal zwei oder drei). Man findet kein Pfaffenhütchen, das komplett befallen wäre. Ich finde die Art aber eigentlich immer bei mir, wenn ich beim Spazierengehen danach explizit suche.


    Ich hab gerade in die Rote-Liste-Zentrum-Datenbank geschaut. Ich habe bereits 30 Einzelfunde rund um Dettenschwang eingetragen. Dabei sind die meist Mehrfachfunde, weil ich ja nicht jeden Strauch einzeln punktkartiere. Irgendwann werden die auch in der Gesamtdatenbank erscheinen, sofern sie freigegegeben werden. Einige sind jetzt über ein Jahr alt. Den ersten habe ich am 27.4.2025 gefunden und eingetragen (vorher hatte ich auf die Art gar nicht geachtet). Freigegeben ist der Fund bis heute nicht. Irgendwann aber, vielleicht... Jedenfalls ist die Art bei mir wirklich sehr häufig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    am 1. Mai war ich nicht mit Freunden beim Morchelsuchen, sondern beim Pilzsuchen allgemein. Auf dem Kalvarienberg in Rott am Lech bin ich dann auch fündig geworden. Da war ein schöner Bestand von Leberblümchen (Hepatica nobilis). Ein Blatt hatte einen großen, braunen Fleck (ein ziemlicher Teil des gesamten Blatts). Und die Lupe zeigte kleine, schwarze Punkte. Das Mikroskop ergab dann das Bestimmungsergebnis: Septoria hepaticicola.


    Zur Systematik:


    Septoria hepaticola – Familie Mycosphaerellaceae – Ordnung Mycosphaerellales – Klasse Dothideomycetes – Abteilung Ascomycota


    Früher lief das als Nebenfruchtform von Mycosphaerella, aber seit die Anamorphen gleichberechtigt sind, gilt für Mycosphaerella nun der Name Septoria, da dieser Priorität genießt. Septoria im weiteren Sinn ist sehr artenreich, 1000 bis 2000 Arten schätzt man. Die Wirtspflanze hilft hier sehr bei der Bestimmung. Doch nun zu der hier vorgestellten Art:




    Wie man sieht, sieht man nur schwarze Kügelchen auf braunem, abgestorbenem Blattgewebe. Man könnte meinen, dass es sich um einen Besiedler toter Blattbereiche handelt, aber die Art dürfte erst das Substrat angreifen, die Blattflecken erzeugen und sich dann davon ernähren. Es ist also ein sogenannter Phytoparasit.


    Makroskopisch reicht das natürlich nicht für die Bestimmung, aber mit einem Mikroskop ist es einfach:



    Hier sieht man, wie klein die Pyknidien sind. Die nadelförmigen, schmalen, langen Sporen machen es eindeutig. Hier nochmal größer:



    Die sehr schmalen, langen Sporen haben kein bis ein Septum, sind also ein-bis zweizellig. Die Breite geht bis knapp über 1 Mikrometer, sie sind also sehr schmal. Damit gibt es keine Verwechslungsart (laut Klenke & Kruse 2025).



    Es ergibt sich ein richtiger Verhau, ideal zum Mikadospielen.



    Und hier noch ein Schnitt durch ein Pyknidium. Man sieht so auch die konidiogenen Zellen.


    Blattflecken mal mit der Lupe anzuschauen, lohnt sich durchaus. Und findet man schwarze Punkte darauf/darin, dann einfach mal mitnehmen und näher anschauen! Mit dem tollen Schlüssel von Klenke & Kruse macht es einfach Spaß.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus "Bläuling",


    Babys und Leichen soll man nicht bestimmen... Wie kommst du auf "Waldchampignon"? Wegen des Rötens? Das machen auch andere. Waldchampignons haben eine andere Huthaut, schuppiger... Wie gesagt, das ist ein Pilzbaby, man sieht noch nicht alle Merkmale. Mich würde es aber nicht wundern, wenn hier später beim Auswachsen ein doppelter Ring zu sehen wäre. Agaricus bitorquis rötet gerne mal etwas stärker. Es kann aber auch was anderes sein, z.B. Agaricus vaporarius mit Sonnenband (Hutoberfläche...), wobei mir da der Hut auch zu glatt ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Jule hat im aktuellen Phytorundbrief auf diese Art aufmekrsam gemacht: Melampsora euonymi-caprearum. Ich finde diesen Rost sehr häufig bei mir. Ich muss eigentlich nur gezielt suchen, dann habe ich ihn. Selbst bei mir im Garten wächst er an meinem Pfaffenhütchen. Hier bildet er seine Aecien aus und wirtswechselt dann auf Weiden, wie der Name ja sagt (Salweide: Salix caprea, Pfaffenhütchen: Euonymus).


    Den Spruch "Pappel, Rose, Weide: meide!" beherze ich zumeist. Sprich an Salix kann ich diese Art nicht kartieren, am Pfaffnehütchen ist es dagegen einfach, denn es ist die einzige Melampsora an unserem Euonymus europaeus. Im Frühjahr kann man also die Verbreitung dieses Rostes auch als Amateur einfach untersuchen.


    Wie schaut der Pilz aus? Nun, wie Melampsora halt so ausschaut: "gschlamperte" Aecien, die einfach nur Kissen aus Sporenmasse sind:

    (Suchbild... das Blatt mit der gelb bepuderten Unterseite)



    Noch ein Suchbild, aber ein einfacheres. So kann man beim Spazierengehen den Pilz kaum übersehen.



    Er versteckt sich aber ganz gerne auf der Blattunterseite. Oberseits erkennt man die Blattflecken aber gewöhnlich auch:



    Dreht man das Blatt um, sieht es so aus:




    Hier nochmal die Kissen. Bärlauchsammler kennen das von Bärlauchblättern, da schaut es genauso aus (nur anderer Wir und andere, nicht unterscheidbare Melampsora-Arten).



    Wenn die Sporenkissen abgewittert sind, bleiben Punkte übrig, an denen die befestigt waren. Später sieht das dann so aus:




    Und noch drei Fotos (davon habe ich einen Beleg gemacht, weil es ein so üppiges Vorkommen war):





    Ich finde übrigens immer nur wenige Blätter pro Baum mit Befall. Die Art ist bei mir sehr häufig, tut dem Pfaffenhütchen aber praktisch nichts. In meinem Garten finde ich mal zwei, mal drei Blätter am ganzen Bäumchen. Sehr friedlich irgendwie.


    Im Mikroskop schauen die Sporen natürlich auch hübsch aus:


    Ich habe hier die gleichen zwei Aecidiosporen durchfokussiert, man schaut also in verschiedenen Schärfeebenen auf sie. Das Ornament ist richtig hübsch, finde ich.


    Viel Spaß beim Suchen. Wenn die Art bei euch ähnlich häufig wie bei mir ist, dann müsst ihr nur ein paar Pfaffenhütchen genauer anschauen und schon habt ihr sie. Ich mache das wie gesagt meist nebenbei beim Gassigehen:


    Dackeldame Resi zeigt mir das Pfaffenhütchen, das ich als nächstes prüfen soll.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    dann ergänze ich das Portrait mit einem Fund, den ich am 7. Mai 2026 beim Gassigehen gemacht habe (Dießen, Abtsried):



    Im Gegenlicht sieht man eigentlich erst, wie stark die Blätter befallen sind (habe ich aber nicht fotografiert). Hier noch ein Blick in die offenen Sporenmassen durch das Bino:



    Und die zugehörigen Mikrofotos:



    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Steffen,


    Protokoll führe ich (meistens) auch. Aber für mich und für meine Statistik. Ich gebe da keine Kopie an die zu beratende Person heraus.

    Und ich lasse mir auch unterschreiben, wenn Ratsuchende vergammelte Pilze unbedingt wieder mitnehmen wollen. Zu meiner Sicherheit! Und das kommt nicht selten vor.

    Ich schaffe es zum Glück, da meist zu überreden, die Schwammerl dann bei mir zu lassen. Sollte aber jemand Pilze wieder mitnehmen wollen, die ich als nicht mehr verzehrbar einstufe (oder einen Giftpilz, weil er ihn kennenlernen wollte, also bestimmt haben wollte und jetzt daheim mit einem Pilzbuch nochmal nachbearbeiten möchte), dann gebe ich das auch nur gegen Unterschrift mit. Das ist in der Tat Selbstschutz.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Frank,


    ah, dachte ich mir. Danke für die Information. Also etwas, was noch zu klären ist. Dass es genetisch einKomplex ist, bestätigt zumindest etwas, dass es mehrere Arten sein könnten. Da ist also noch Forschungsbedarf. Da lohnen sich dann Sequenzen von spannenden Kollektionen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rainer,


    schau mal diese Bilder an:


    Gymnopus ocior (Penízovka hnědá, p. žlutolupenná)
    Roztroušeně se vyskytující druh lupenaté houby ze skupiny penízovky dubové (Gymnopus dryophilus). V jejím rámci se vyznačuje tmavěji hnědým kloboukem a…
    www.mykologie.net


    Ich vermute auch Gymnopus ocior, weil die Hüte der jungen Fruchtkörpern schon sehr dunkel sind (ohne Mikroskopie aber eben nicht sicher). Leider sind die Lamellen bei Gymnopus ocior nicht immer gelb, sie können auch weiß sein.


    Niedergedrückte Hüte gibt es bei den Waldfraunden immer wieder. Richtig genabelt sind sie auf deinem Foto aber nicht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus durnik,


    ich bin nicht bei der DGfM. Ich hätte aber als Pilzberater kein Problem damit, schriftlich zu bestätigen, dass "die mir vorgelegten Pilze, die ich zum Verzehr freigegeben habe, von mir als #Artenliste# bestimmt wurden und bei passender Zubereitung essbar sind".


    Ich verstehe aber die Schwierigkeit einer schriftlichen Bestätigung, denn die muss wasserfest sein. Nimm z.B. Perlpilze. Roh stark giftig. Bezeichne ich die einfach als essbar, bin ich schon halb dran. Dann werden die (roh) gegessen und auf die schriftliche Expertise verwiesen.


    Ich wäre daher sehr vorsichtig, was ich schriftlich bestätige. Bei der mündlichen Bestätigung sehe ich eher, dass die ratsuchenden anhand der Bestimmung nochmal im Pilzbuch zur Zubereitung nachlesen. Deshalb: Bestimmungsergebnis ist für mich schriftlich kein Problem. Deklaration als "essbar" ist schriftlich schwieirg. Wenn, dann mit allen Zusätzen, die wichtig sind. Rechtlich daher Grauzone und daher in der Prüfung und Praxis schwierig.


    Ich wurde übrigens noch nie nach einer schriftlichen Bestätigung gefragt und ich mache seit den frühern 90er Jahren Pilzberatung (erst im Namen der DGfM als deren PSV, dann im Namen der BMG bis heute).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich werde mir Band II auch zeitnah gönnen. Unabhängig davon: gibt es eine Begründung für die Synonymie? Nach Fraiture ist Lindtenria panphylensis ohne Schnallen, Lindtneria flava aber wie L. leucobryophila mit Schnallen.


    Das hier wundert mich deshalb:

    Lindtneria flava wird mit den schnallenlosen Basidien und den pseudoporoiden Fruchtkörpern (der Originalbeschreibung folgend) als Art anerkannt.

    Klingt für mich verwirrend. Wurde diskutiert, warum Fraiture in seiner Arbeit nicht recht hat?


    Sorry für die Nachfrage, aber ich habe den Band II eben noch nicht, sonst würde ich selber nachlesen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rainer,


    Trichterlinge hätten herablaufende Lamellen (oder zumindest breit angewachsene). Hier sind die Lamellen ganz klar nach oben hin angeheftet. Die Stielform lässt halt schlecht den Hut vom Stiel unterscheiden, aber die Lamellen bilden um den Stiel einen klaren "Graben".

    Nabelinge haben richtig bogig herablaufende Lamellen.

    Beides fällt also definitiv raus.


    Du hast hier einen Vertreter der Gattung Gymnopus, einen der Waldfreunde. Für die genaue Art müsste man die Cheilozystiden genauer anschauen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    heute habe ich beim Gassigehen einen wunderschönen Befall eines Löwenzahns mit puccinia silvatica gefunden und mitgenommen. Ich mache daraus – zusammen mit früheren Aufsammlungen – ein kurzes Artportrait. Dieser Rostpilz erzeugt deutliche Wucherungen an den Blättern, also verdickte Bereiche an den Blattflecken. Zuerst findet man dort die Spermogonien (Foto vom Fund von heute, auch die ersten Mikrofotos danach):



    Die Spermogonien sind diese kleinen, oranglichen Punkte auf dem jungen Blattfleck. Im Mikroskop sieht das dann so aus:



    Kleine, unterschiedlich geformte Konidien. Man findet auch Konidienträger:



    (ein Konidienträger in zwei Schärfeebenen)


    Man findet in diesem Stadium schon die schönen gelben bis orangefarbigen Pigmente, jedenfalls in den Konidienträgern.


    Zurück zur Makroskopie (Fotos aus dem Mai 2025):


    Man erkennt´deutlich befallene Pflanzen schon "im Vorbeigehen" durch die vielen Blattflecken.



    Hier beginnen die Aecien breits, sich zu öffnen.







    Selbst die Hochblätter des Blütenstands können betroffen sein





    Hier sind die Aecien richtig schön reif.


    Jetzt wieder zum Fund von heute, Fotos mit dem Bino:



    Und etwas näher herangeholt:



    Es gibt allerdings mehrere Rostpilze an Taraxacum, also an Löwenzahn. Puccinia variabilis bildet hierbei ebenfalls Aecien, aber keine so deutlich angeschwollenen Blattflecken. Zudem bildet sie auch Uredien und Telien aus, macht also keinen Wirtswechsel, sondern zeigt alle Stadien gleichzeitig. Da aber zunächst nur Aecien vorhanden sein können, also Uredien und Telien noch fehlen, sollte man sicherheitshalber immer mikroskopieren, denn Puccinia silvatica zeigt die typischen abfallenden "Plättchen" an den Aecidiosporen, die bei Puccinia variabilis fehlen:



    Hier sieht man schön ein "Plättchen" an der Aecidiospore rechts oben (am oberen linken Sporenrand). Die Plättchen fallen leicht ab, weshalb man sie dann überall im Präparat einfach so finden kann:





    Besonders gut gefallen mit immer die dickwandigen Zellen des Aecienrands, der reif nach hinten umgeklappt ist. Hier im Mikroskop schön zu sehen.


    Und noch ein paar Fotos von einem Fund von 2025 (zu den Makrofotos oben zugehörig):


    Fein warziges Sporenornament und zwei Plättchen an der Spore.



    Es gibt noch Puccinia taraxaci, wie der Name schon besagt, an Löwenzahn. Diese Art bildet aber keine Aecien am Löwenzahn aus, sondern Uredien und Telien. Man kann diese Art daher gar nicht mit Puccinia silvatica verwechseln.


    Puccinia silvatica wirtswechselt zu Seggen, z. B. zu Carex brizoides. Bei mir ist Puccinia silvatica doch ziemlich häufig – ich finde sie immer wieder mal. Vermutlich habe ich sie sogar im Garten, habe da allerdings nur ein junges Stadium mit Spermogonien gefunden und der Rasenmäher hatte dann die weitere Entwicklung verhindert. In der gesamten Umgebung ist dieser Rost aber so gut verbreitet, dass ich deshalb kein schlechtes Gewissen habe (ich muss dazu sagen, dass ich gar nicht gemäht hatte, daher den Pilz nicht retten konnte).


    Systematik:

    Puccinia silvatica – Gattung Puccinia – Familie Pucciniaceae – Ordnung Pucciniales – Klasse Pucciniomycetes – Abteilung Basidiomycota



    Liebe Grüße und viel Spaß beim Suchen nach dieser häufigen, auffälligen Art,

    Christoph

    Servus Hilmi,


    du brauchst gar keinen Streit zu schlichten, weil gar kein Streit existiert – jedenfalls definitiv nicht von meiner Seite. Wir tauschen nur Argumente aus. Ich sage ja nicht, dass Björn oder andere Phytofreundinnen und -freunde irgendwas nicht dürfen ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Puccinia aegopodii ist ein Rostpilz ohne Wirtswechsel. Er bildet am Giersch nur Telien aus (selten auch mal Urdeosporen, die mit gebildet werden – nach Klenke & Scholler 2015, habe ich noch nicht gesehen). Man findet die Telien ab April als schwarze Flecken an Blattstielen, -adern und Blattspreite:








    Zunächst sind die Telien durch ein dünnes, grau-silbriges Häutchen geschützt, welches dann aufplatzt. Unterm Bino sieht man bereits die Sporen. Der Befall kann die Blätter auch deformieren.


    Im Mikroskop sieht das dann so aus:




    Die Telien sind teils recht abeneuerlich geformt. Telien bilden Teleutosporen – das sind dickwandige Dauersporen, aus denen sich später Basidien entwickeln. Dieser Rost bildet also keine Spermogonien, keine Aecien und auch keine eigentlichen Uredien aus, sondern nur Telien und natürlich Basidien.


    Puccinia aegopodii ist sehr häufig und man findet diesen Rost eigentlich immer irgendwann, wenn man ihn gezielt sucht. Septoria aegopodii kann makroskopisch ähnlich aussehen (nicht aber unter dem Bino), bildet aber kleinere, schwarze Pünktchen. Die Mikroskopie ist hier eh ganz anders (entweder als Coelomyzet, also imperfekt oder als Mycosphaerella-Hauptfruchtform mit Asci etc.).


    Systematik:

    Puccinia aegopodii – Gattung Puccinia – Familie Pucciniaceae – Ordnung Pucciniales – Klasse Pucciniomycetes – Abteilung Basidiomycota


    Viel Erfolg beim Suchen und Kartieren,

    Christoph

    Servus Henrik,


    damit ich es verstehe... du hast gar kein tieferes Interesse an Porlingen an sich, weshalb bei Ischnoderma dein Interesse in den Keller sackt?! Du bist nur an Ganoderma lucidum interessiert (zum Sammeln, Nutzen, Tee draus machen?), willst aber Porlinge an sich nicht bestimmen können? Wenn ich das so richtig interpretiere, gilt das gleiche wie bei klassischen Speisepilzen: keine Verzehr- oder Teekochfreigabe nur nach Foto. Man kann den echten Reishi auch bestellen/kaufen, muss da keine seltenen Pilze wild sammeln.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: ich sehe da auch eher eine Ischnoderma als eine Ganoderma

    Servus Björn,


    vielleicht sollten wir die Diskussion auch auslagern – die Mods könnten einen eigenen Thread daraus machen.

    zunächst einmal empfinde ich persönlich die Formulierung "Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden" als sehr stark; das klingt für mich so, als würde der Liebe Gott höchstselbst jedes Mal ein Hundewelpen ertränken, wenn man Caeoma allii-ursini benutzt.

    Unabhängig davon, ob man an Gott glaubt oder nicht... aber doch keine Hundewelpen!!!???!!! Die Formulierung ist gar nicht so stark gemeint. Mir ging es nur um den Nomenklaturcode. Und da geht es eben darum, welche wissenschaftlichen Bezeichnungen Vorrang haben und welche nicht mehr verwendet werden sollen ("dürfen" wäre hart ausgedrückt, ich schrieb aber deshalb auch nur "sollen"). Beispiel: Hauptfruchtform hieß früher z. B. Hypocrea rufa, die Nebenfruchtform war Trichoderma viride. Diese Doppelnomenklatur war allgemein üblich. Jetzt soll der Gattungsname Hypocrea nicht mehr verwendet werden, weil Trichoderma älter ist. Vorher hatte laut Code die Hauptfruchtform immer Priorität. Der Code legt also fest, wie welche Namen gebraucht werden sollen.


    Hier geht es allerdings um ein Aggregat, da hast du natürlich recht. Schaue ich aber den Gattungsnamen Caeoma in der MycoBank näher an, erfahre ich, dass der Typus der Gattung Caeoma berberidis ist. Daher ist Caeoma ein Synonym der Gattung Puccinia. Diese Roste an Bärlauch sind aber keine Puccinien, sondern Melampsoren, eingedeutscht verpluralt.


    Schaue ich unter Caeoma allii-ursini nach – https://www.mycobank.org/details/708/117544 –, dann steht zumindest in der MycoBank Caeoma allii-ursini (DC.) G. Winter (?), also unklar, ob das so überhaupt korrekt sei. Als heterotypisches Synonym, aber "current name" wird hier Aecidium allii-ursini Pers., Synopsis methodica fungorum: 210 (1801), genannt. Die Gattung Aecidium wiederum ist ein Synonym von Puccinia.


    Unabhängig von den Gepflogenheiten der Phytofreundinnen und -freunde, finde ich es wissenschaftlich korrekt, möglichst dem Nomenklaturregeln zu folgen. Jetzt dürfte nicht klar sein, was "Caeomia allii-ursini s.str." ist, als Aggregatsname hat es aber so Tradition. Verwirrend ist es dennoch, wenn man so das Ganz eigentlich in die Gattung Puccinia stellt, denn dass das keine Puccinia ist, sollte klar sein.


    Immerhin ist das Aggregat klein, die Gattungszuordnung ist klar (Melampsora) und man kann schauen, was der älteste Name innerhalb des Aggregats ist. Bei mir sträuben sich etwas die Nackenhaare, eine Melampsora der Gattung Puccinia zuzuordnen (über ein Synonym der Gattung), um Tradition zu wahren.


    Ich habe nachegschaut, alle Arten des Aggregats wurden von Klebhahn beschrieben: Klebahn, H. 1902. Kulturversuche mit Rostpilzen. X. Bericht. Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten. 12:17-44

    Und alle auf S. 25. Man könnte also den ersten der drei Namen verwenden.


    Das Argument der Schlampigkeit/Schludrigkeit kann ich wiederum gut nachvollziehen. Aber das betrifft eigentlich alle Aggregate, auch da, wo Bestimmung nicht so schwierig ist. Was wurde alles als Armillaria mellea kartiert? Dabei ist bei mir Armillaria mellea extrem selten (zu kalt hier, ich habe sie bei mir noch nie gesehen, nur in tieferen Lagen). Man trennt dann die Karten zwischen Armillaria mellea s.str. und Armillaria mellea agg. Bei diesen Melampsora-Arten ist es eigentlich sogar einfach, das zu entscheiden. Wird als Wirt Allium ursinum eingegeben, ist es immer das Aggregat, es sei denn, man schriebt explizit dazu, dass sequenziert wurde. Das lässt sich also problemlos beheben. Analog die Mehltaue auf Gräsern: Blumeria graminis agg. – da wird ja auch kein anderer Aggregatsname eingeführt, um zu verhindern, dass s. str. und s. l. verwechselt werden. Zum Glück kann man hier zumindest teilweise anhand des Wirts dann sogar eine Kleinart zuweisen. Aber eben nicht bei allen Wirten. Man müsste dann eigentlich bei allen solchen Aggregaten eine Alternativnomenklatur einführen. Statt Blumeria garminis hier also Erysiphe graminis agg, uim klarzustellen, dass nicht Blumeria graminis s.str. gemeint ist, obwohl es ja gar keine Erysiphe ist (DeCadnolle hat die "Art" aber als Erysiphe beschrieben und meinte damals einfach Mehltau an Gras. Das wäre aber m.E. sehr verwirrend. Warum dann in diesem einen Fall, bei anderena ber nicht? Weil es Tradition ist und sich die, die es machen, was dabei denken? Das ist alles unbestritten, muss aber nicht in sich logisch sein. Wie du selber schreibst, ist das ein schwaches Argument.


    Aggregate, die Vertreter mehrerer (zwei) Gattungen beinhalten, ist natürlich noch schwieriger. Da bleibt vermutlich nichts anderes übrig, als einen Kunstnamen für das Aggregat zu schaffen. Ich würde da dann aber weniger einen scheinbar nomenklaturkompatiblem Namen wählen, sondern deskriptiv "Aecidium-Stadium an..." statt "Aecidium ranunculi-acris" wählen, denn letzteres suggeriert, dass es die Puccinia ist und nicht der Uromyces, wenn man Aecidium in der Mycobank nachschlägt. Und letzten Endes ist dieses "Aggregat" ja auch nichts anderes als eben genau das: verschiedene Arten aus zwei Gattungen, die eben genau dieses Stadium an den Blättern des Scharfen Hahnenfußes bilden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    laut Lutz ez al. (2004) handelt es sich hierbei um Helicobasidium purpureum, nur eben um das anamorphe Stadium, wie Björn schon schreibt. Auch Mycobank stellt Tuberculina persicina als Synonym unter Helicobasidium purpureum. Letzterer Name hat Priorität (one fungus, one name). Der Hyperparasit heißt demzufolge Helicobasidium purpureum, der Name Tuberculina persicina soll nicht verwendet werden. Helicobasidium purpureum ist in seiner Nebenfruchtform ein häufiger Hyperparasit, man übersieht ihn nur leicht. Ich würde gerne mal die Hauptfruchtform finden. Das ist mir bisher nur bei der sehr nah verwandten Art Helicobasidium longisporum gelungen.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Literatur:

    Lutz et al. (2004): Tuberculina-Helicobasidium: Host specificity of the Tuberculina-stage reveals unexpected diversity within the group. Mycologia 96(6): 1316-1329.

    Servus Björn,


    danke für das schöne Portrait. Ich würde nur empfehlen, einen anderen Namen zu verwenden. Es gilt ja mittlerweile "one fungus, one name". Die "Gattung" Caeoma ist daher der falsche Name, Melampsora wäre korrekt. Da, wie du ja richtig schreibst, mehrere Arten an Allium im Aecienstadium ununterscheidbar sind, muss man eben einen Aggregatsnamen verwenden, z. B. Melampsora allii-fragilis agg. Dieses Aggregat umfasst dann auch weitere Arten wie Melampsora allii-populina oder Melampsora salicis-albae. Man kann als Aggregatsnamen entweder die häufigste der Arten an Bärlauch verwenden oder den ältesten Namen.


    Mir ist klar, dass früher als Sammelbegriff Caeoma allii-ursini verwendet wurde. Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    bei mir beginnt gerade die Saison für Uromyces ficariae, weshalb ich dieses Portrait erstelle. Dieser Rostpilz vollzieht keinen Wirtswechsel, sondern bildet direkt seine Telien auf Ficaria verna, dem Scharbockskraut. Man findet ihn daher in Form von bäunlichen Anschwellungen an den Blättern und Blattstielen, die schließlich aufbrechen und die Teliosporen freigeben:


    Fund von heute (26.4.2026) – Telien an der Blattunterseite (sind auch auf der Blattoberseite vorhanden), oben noch verschlossen bzw. sich gerade öffnend, weiter unten am Blatt komplett offen.


    Geschlossene und offene Telien an der Blattunterseute und am Blattstiel (26.4.2026)


    Hier ein Foto vom 10.5.2025, also vom letzten Jahr. Wenn Uromyces ficariae richtig ausgereift ist, ist er schon fürs bloße Auge auffällig. Die Kollektion von heute (die beiden ersten Fotos oben) hatte ich zufällig mitgenommen, da Blattflecken vorhanden waren. So habe ich mit der Lupe dann die Telien entdeckt. Im Mai letzten Jahres war alles reifer (da später im Jahr) und somit viel auffälliger.


    Im Mikroskop findet man dann die schönen, großen, einzelligen Teliosporen:






    Uromyces ficariae ist sehr häufig und wer auf die Art achtet, soltle sie auch finden.


    Es gibt weitere Uromyces-Arten an Scharbockskraut, die dort aber nur die Aecien bilden und dann wirtswechseln. Durch die Telien ist Uromyces ficariae daher unverwechselbar. Aecien bildet diese Art gar nicht aus.


    Liebe Grüße,

    Christoph