Beiträge von Tricholomopsis

    So unterscheiden sich die Geschmäcker. Für mich ist der Lachsreizker einfach nur widerlich – der hat eine seltsame, metallische Geschmackskomponente, die mich ansolut abstößt, dabei ist er bei mir ein Massenpilz. Fichtenreizker schmecken mir deutlich besser als Lachsreizker, Edelreizker sind aber deutlich wertvoller.


    Riesenscheidenstreiflinge esse ich nicht, weil sie zu selten sind. Safranscheidenstreiflinge sind für mich hingegen eine Delikatesse, an die der Perlpilz nicht ansatzweise herankommt. Kaiserlinge finde ich auch sehr delikat, aber in Deutschland sammle ich die natürlich nicht.

    Samtfußkremplinge sind für mich Notfallfutter. Wenn man sie so lange auskocht, dass sie keinen Geschmack mehr haben, kann ich sie essen. Als Wurstsalat dank des Auskochens und Essigs ja, aber der Aufwand – dann doch lieber eine Lyoner nehmen, schmeckt einfach besser, denn da habe ich einen Eigengeschmack.


    Deshalb wie oben schon geschrieben – das Etikett ungenießbar bekommen Pilze, die dem Autor nicht schmecken und eben die, deren Speisewert (generell oder dem Autor) unbekannt sind. Daher besser keine Eigenversuche ohne vorherige Recherche.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Welche Ansätze seht ihr, um Pilze im Naturschutz zu priorisieren, obwohl die Datengrundlage im Vergleich zu Botanik und Zoologie so lückenhaft ist?

    Liebe Ria,


    ich verweise hier einfach mal auf unser Pilzartenschutzprojektin Bayern: https://www.lbv.de/naturschutz/arten-schuetzen/pilze/


    Die BMG und der LBV haben gemeinsam diese Projekt beantragt und genehmigt/finanziert bekommen. Einer unserer Ansätze: das CHEGD-System in Bayern etablieren, damit Pilzhabitate des Offenlands als schützenswert eingestuft werden, die rein botanisch nicht geschützt würden. Wir sind noch in der ersten Projektphase. Ich bin schon serh gespannt, was wir konkret erreichen werden/können.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Björn,


    danke für das schöne Portrait! Ich möchte da noch auf die Schwesterart aufmerksam machen:


    "Entyloma majewskii and E. ficariae occur only on Ranunculus fi caria (including its three subspecies in the case of the latter smut). The main morphological differences between these two species are that the sori of E. majewskii appear as slightly bullate, circular or broadly elliptic spots on the leaves, evident on both sides of the leaves, while in E. ficariae these are flat, circular or angular, evident on both sides but more expressed on the abaxial side of the leaves. The spores of E. majewskii are crowded, globose, subglobose, ellipsoidal to slightly irregular, with one, rarely two flattened sides, 10.5–16.0(–17.5) × 10.5–17.0(–18.5) μm, with an evenly to usually unevenly thickened wall which is two-layered, 2.5–7.0 μm wide, including the even, 0.8–1.0 μm thick endospore.

    The spores in E. ficariae are loosely crowded or scattered in the host tissue, globose, subglobose, ovoid to broadly ellipsoidal, sometimes slightly irregular, 10.0–14.5(–15.0) × 11–16 μm, with an evenly 1.0–2.5(–3.0) μm thick, two-layered wall. The anamorph in E. majewskii is absent, but in E. ficariae is usually present [Entylomella ficariae (Berk.) Höhnel]."


    Quelle: Kálmán Vánky & Matthias Lutz (2010):Entyloma majewskii sp. nov. (Entylomataceae) on Ranunculus ficaria from Iran. Polish Botanical Journal 55(2): 271–279 (online unter http://bomax.botany.pl/cgi-bin/pubs/data/article_pdf?id=2234)


    Iran ist zwar weit weg, aber der Wirt ist der gleiche. Im Hinterkopf sollte man die Schwesterart haben, denke ich.


    Wer sich für Entyloma an Ranunculus s.l. interessiert, sollte auch unbedingt den Artikel von Jule (et al.) in der Persoonia beachten: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/a…344810/pdf/per-41-175.pdf


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Biotope, in denen Pilze wachsen sind oft als N2k Habitat oder sonstiges NSG geschützt, oft auch als Kulturdenkmal (Parks und Gärten mit alten Bäumen).


    Servus Bernd,


    das ist nur teilweise so. Saure Magerwiesen beherbergen viele seltene und schützenswerte Pilzarten, sind botanisch aber oft eher uninteressant und daher nicht unbedingt geschützt. Oder denk an Gymnopilus flavus, der an Dactylis glomerata wächst.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Puccinia phragmitis bildet Aecien an diversen Ampferarten, so auch an Rumex obutsifolius. Ich stelle eine Aufsammlung vom 31.05.2025 vor (Herbar-Nr. CH2026053101). Dieser Rost ist bereits makroskopisch erkenn- und bestimmbar, denn er bildet weiße Aecien auf der Unterseite auffälliger Blattflecken aus. Entsprechend sind die Aecidiosporen farblos.


    Puccinia phragmitis ex Rumex obtusifolius s.l.


    Die Aecidiosporen sind farblos und ihre Oberfläche ist fein punktiert.


    Hier zwei Sporen und zwei Zellen des Aecienrandes.


    Von Mai bis Juni ist die Hauptsaison am Ampfer. Dieser Rost macht einen Wirtswechsel zu Schilf, wie der Name ja bereits aussagt. Bei mir ist Puccinia phragmitis häufig. Ich habe auch viele Schilfbestände in der Nähe der üblichen Bauernwiesen, da hier viele, kleinflächige Moorgebiete vorhanden sind – zudem Teiche und Tümpfel und natürlich die großen Seen. Die oben vorgestellte Kollektion ist aber aus Annabrunn bei Mühldorf am Inn.


    Die folgenden drei Fotos sind vom 9.6.2025, diesmal aus meiner Gegend:





    Gefunden auf einer gedüngten, klassischen Bauernwiese nahe der Windach (Lkr. Landsberg, Gemeinde Dießen, zwischen Dettenschwang und Obermühlhausen).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich habe Ramularia rubella an Rumex obtusifolius agg. heute beim Gassigehen aufgesammelt. Kurz zur Systematik – Ramularia ist die Nebenfruchtform der Gattung Mycosphaerella, hat aber als älterer Name ihr gegenüber Priorität. Die Familie, zu der sie gehört, heißt aber – auch wegen der Prioritätsregel – Mycosphaerellaceae. Sie ist Teil der Ordnung Mycosphaerellales und gehört zu den Dothideomycetes.


    Auf Ampfer sieht man sehr oft die typischen, rotrandigen Blattflecken. Aber sie alleine reichen nicht aus, denn beispielsweise Didymella rumicicola (Boerema & Loerakker) Qian Chen & L. Cai (= Phoma rumicicola) erzeugt genauso aussehende, rotrandige Flecken (und weitere Blattbesiedler an Rumex).


    Aber erstmal die Fotos:


    Die großen, mehr braunen Blattflcken zeigten auf der Blattunterseite deutliche, weiße Rasen aus Konidienträgern mit Konidien. Auf der Blattoberseite sind ebenfalls unterm Bino erste Büschel aus Konidienträgern zu sehen, aber offenbar reift bei dieser Kollektion die Blattunterseite zuerst aus. Die kleineren, innen weißen, auß0en roten Flecken waren meist noch "nackt", bei einem konnte ich aber auch schon erste Ansätze im Bino sehen.



    Die Sporen sind sehr charaktistisch mit ihrer Birnenform. Ich habe gemessen: (n = 30) 22,6–26,3–30,8 × 8,8–10,4–12,1 µm, Q = 2,16–2,54–2,93



    Die konidiogenen Zellen stehen in Büscheln und zeigen deutlich die Abbruchstelle, an der sich die Konidien gelöst haben. Beim Präparieren mit Tesafilm werden diese Nester aber gern gestaucht. Die konidiogenen Zellen sind etwas dickwandig und gerade bis etwas wellig, knorrig. Letzteres kann auch durch die Präparation verstärkt werden. In Kultur sehen sie in der Literatur schön gerade aus.


    Ramularia rubella ist sehr häufig, aber man muss eben immer reinmikroskopieren. Selbst die Sichtung des weißen Rasens im Bino reicht nicht, denn es gibt weitere Ramularien an Rumex. Die haben allerdings mehrzellige Konidien. Die großen, einzelligen, oft birnenförmigen Konidien lassen Ramularia rubella aber sofort erkennen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich hatte den Fund schon bei der Bestimmungshilfe, da noch jung. Passt aber auch hier gut hinein:







    Der Rasen auf der Blattunterseite ist noch nur mit der Lupe zu erkennen, die Blätter sind aber durch blassere Farbe und längere Stiele im Bestand sofort zu erkennen. Die Blattränder biegen sich auch schon nach unten. Fund vom 7.4.2026.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    dann möchte ich dieses Portrait durch meinen Fund von heute ergänzen. Dieser Brandpilz wächst nämlich in meinem Garten. 2021 hat ihn Werner Edelmann entdeckt. Er war zu Besuch und hat sofort meinen Garten nach Phytos abgesucht. Heuer war er wieder an der gleichen Stelle – Scharbockskrautbestand neben meinem Komposthaufen. Ich habe das Blatt aber auf der Wiese fotografiert, da es unter den vielen Blättern im Bestand untergegangen wäre.



    Die Schwielen waren schon vor Wochen zu sehen. Ich habe sie ausreifen lassen, bis sie sich geöffnet haben:



    Unterm Bino sieht man schon die vielen Sporen:



    Im Mikroskop ist es eine wahre Schönheit:



    Ein, zwei bis drei Sporen, die von helleren Zellen umgeben sind. Einfach hübsch. Schön, sowas im Garten zu haben. Die Art soll ja eigentlich selten sein. Vielleicht wird sie auch übersehen. Hätte ich nicht gewusst, wo sie wächst, hätte ich sie nicht gesehen. Ich musste sie heute suchen, obwohl ich den genauen Wuchsort kenne, denn das befallene Blatt wurde von vielen gesunden einfach überwuchert und ich musste richtig wühlen. Karl W – hast du mittlerweile mehr Glück gehabt?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Sabine,


    versetz dich bitte einfach mal in Autoren/-innen von Pilzbüchern hinein. Man zeigt eben auch "schöne" Pilze jenseits der Speisepilzecke, von denen man als Autor keine Ahnung hat, ob giftig oder nicht. Was macht man dann? "Kein Speisepilz" ist oft zu lang (Buchlayout), "Speisewert unbekannt" ist auch zu lang und vielleicht falsch, dennirgendwer kennt den Speisewert vielleicht aus Selbstversuchen, "giftig" ist zu hart, denn vielleicht ist auch das falsch. Meist bleiben dann eben drei Kategorien: 1. essbar 2. giftig 3. ungenießbar

    Daraus zu schließen, die Schubalde "ungenießbar" sei rein geschmacklich oder von der Konsistenz her nicht zum Genuss geeignet, ist dann ein gefährlicher Schluss. Wenn man sich da hinein verköstigen will, so aus Neugierde, dann würde ich vorsichtig(!) mal den Michael-Hening-Kreisel nehmen, was da als essbar steht. Wenn mein Wunschpilz dort als essbar steht, nachrecherchieren, ob man heute mehr weiß als damals. Und wenn nicht und du meinst, neugierig zu sein, dann wäre ein Kostversuch eher möglich als einfach so was "ungenießbares" zu probieren.

    Ich esse gerne Grünspanträuschlinge, die sind in aktuellen Büchern meist ungenießbar. Bei Stropharia ist auch nichts Tödliches bekannt und er wurde früher als Suppeneinlage verwendet. Oder Lacrymaria lacrymabunda. Wurde früher gegessen, schmeckt nicht aufregend, eher fad, aber essbar. Butterrüblinge stehen in vielen älteren Büchern als essbar drin. Junge und festfleischig finde ich sie o.k., alt aber... nun gut...


    Durch Literaturvergleich kannst du eher erkennen, wo Autoren ihren persönlichen Geschmack einfließen lassen und der Pilz wohl ungiftig ist und bei welchen Arten man halt kaum was weiß. Je seltener ein Pilz, umso weniger wurde er verzehrt, umso eher kann ein Gift vorhanden sein, das man noch nicht kennt. Graue Wulstlinge sind häufig, wurden oft gegessen, sind unproblematisch (wenn man sie erkennt), für mich im Geschmack aber richtig widerlich.


    Kurz gesagt: Literaturvergleich und Vorsicht. Im Zweifelsfall nicht probieren.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich habe gesehen, dass bei den Pilzportraits auch Peronospora-Arten vorgestellt werden, hätte aber nicht gedacht, sie bei den Ascomycota suchen zu müssen. Mein Vorschlag: neben Basidio- und Ascomycota noch eine dritte Rubrik für alle weiteren Pilz und pilzähnlichen Organsismen zu definieren. Es fällt mir schwer, Oomycota bei den Schlauchpilzen zu verorten ;-).

    Da vielleicht auch Chytridiomycota, vielleicht auch mal ein Glomus oder eine Endogone portraitiert werden, wäre so eine Kategorie hilfreich.

    Nur so als Vorschlag an die Forfenleitung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thorben,


    vielen Dank für die hilfreiche Antwort! Ich hatte schon überlegt, eine Sequenz machen zu lassen. Jetzt warte ich erstmal, was sich bei der Bearbeitung deines Belegs ergibt. Wenn es keine aktuell bekannten Verwechslungsarten gibt, kann ich den Fund auch kartieren. Ein Beleg ist eh vorhanden, falls sich später ergebensollte, dass es weitere ähnliche Arten gibt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus "Pilze_Münsterland",


    ich traue mir ehrlich gesagt nicht zu, Nitrathelmlinge makroskopisch sicher zu bestimmen. Zu viele ähnliche Arten. Euer Foto erinnert mich an Mycena silvae-nigrae: https://mycena.no/silvaenigrae.htm Das Habitat scheint aber Laubwald zu sein? M. silvae-nigrae wächst gernan Picea.


    Mycena abramsii kenne ich mehr mit Grautönen. Ich will aber nicht ausschließen, dass er auch mal so aussehen kann. Aber ohne Mikroskop finde ich's schwierig.


    Pholiotina aporos mikroskopiere ich auch immer (geht ja sehr schnell, Sporen ohne Keimporus). Pholiotina vexans kann z.B. sehr ähnlich ausschauen. Wenn ich aber im Frühjahr so kräftige Fruchtkörper finde, war das immer Ph. aporos. Also rein der Wahrscheinlichkeit wegen gehe ich da mit.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thorben,


    etwas sehr ähnliches hat ein Freund von mir an Berberis aufgesammelt und mir vorbeigebracht. Die Borsten habe ich nicht fotografiert (könnte ich nachholen, habe einen Beleg gemacht), aber die konidiogenen Zellen und die Konidien. Ich kam auch bei Dendrophoma cytosporoides heraus. Die beiden Anhängsel erreichen nicht ganz 1 µm Länge. Ich habe die Kollektion mit der einschlägigen Literatur vergleichen, vor allem mit Crous et al. (2012) – https://www.researchgate.net/p…dial_appendages_Persoonia

    Und da sind die Konidien etwas kürzer und gedrungener.


    Hier erstmal die Fotos:





    Ich komme bei den Konidien auf 4,1–5,4–6,1 (–7,8) × 1,3–1,5–1,8 µm (ohne Anhängsel) und Q = 2,6–3,7–4,8 (–5,6)


    Ich hatte die Kollektion wegen des etwas größeren Quotienten erstmal bei "cf" belassen. Hast du Erfahrung in der Gruppe, also der Gattung Dinemasporium s.l.? Kannst du das bestätigen oder sind die Konidien deiner Meinung nach in der Form zu verschieden?


    Bei der Zuordnung zu Dinemasporium im weiten Sinn bin ich sehr sicher und eigentlich bleibt nichts als Dendrophoma übrig, aber ich habe da eben zu wenig Erfahrung.


    Aufsammlung vom 4.4.2026, aus München Stadtgebiet, an Berberis vulgaris-Zweigen, Beleg Nr. CH2026040402


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    gestern habe ich ein Efeublatt mitgenommen, das einen deutlichen, nekrosen Blattfleck am Blattrand mit kleinen, schwarzen Punkten an der Oberseite aufwies. Unter dem Bino zeigt sich sofort, dass die "Punkte" Setae beseitzen, also kleine, schwarze Borsten. Nicht viele, aber sie sind erkennbar – es handelt sich um Colletotrichum trichellum. Das alles ist sehr klein, weshalb die Setae auf dem Foto (wegen meiner Auflichtbeleuchtung) nicht gut zu sehen sind, aber dafür git es ja auch Mikrofotos:




    Es gibt an Efeu ja noch weitere (mehr oder weniger deutliche) Blattflecken erzeugende Arten mit "schwarzen Punkten", so z. B. Asteromella hederacea, Boeremia hedericola, Chaetopyrena hedera-helicis, Microdiplodia riofrioi, Phyllosticta concentrica, Pyrenochaeta helicina oder Macrophoma ulcinjensis.


    Von diesen Arten haben nur Chaetopyrena hedera-helicis und Pyrenochaeta helicina Borsten. Erstere hat zweizellige, zylindrische Konidien (12–15 × 2–3 μm), die Pyrenochaeta helicina bildet Pycnidien auf der Ober- und Unterseits der Blattflecken und die einzelligen Konidien messen13–16 × 3–4 μm.


    Ich habe an meiner Kollektion gemessen: 19,4–22,3–24,9 × 4,4–4,6–4,9 μm. Die Gattung Colletotrichum ist sehr groß und viele Arten müssen zur Bestimmung sequenziert werden und/oder in Kultur genommen werden (z. B., um die Haustorien genau zu sehen, die auch Artmerkmale zeigen). Hier geht es aber (m.E.) klassisch, denn es gibt nicht sooo viele Arten mit gebogenen Sporen, dann der Bezug zum Wirt Hedera helix mit Blattnekrosen (die Art kommt wohl auch auf anderen Wirten vor, aber an Hedera gibt es m.W. nur diese eine Colletotrichum-Art) und dann sind die Sporen eben nicht nur schwach gebogen, sondern zudem teils etwas eingeschnütz (rote Pfeile oben). Das zeigt auch die Abbildung 4 (fig. 4 l) in dieser Publikation: https://mycokeys.pensoft.net/article/161122/ (Norphanphoun et al. 2025).


    Kurz gesagt: findet ihr mit der Lupe / unterm Bino auf den Blattflecken Pycnidien/Acervuli mit Borsten, dann lohnt ein Bestimmungsversuch. Colletotrichum trichellum gilt als generell häufig. Ich bin auf die Art gestoßen, weil ein Freund von mir aus München sie dort gefunden hat und mich diesbezüglich kontaktiert hat. Das hat mich animiert, selber nachzusuchen und bei der zweiten beiläufigen Gassigeh-Stichprobe wurde ich schon fündig. Die Blattflecken sind groß, unregelmäßig, gerne eben auch am Blattrand, nicht so, wie man es von Boeremia hedericola kennt (früher "Phoma" hedericola). Wobei dazu zu sagen ist, dass nicht jede "Phoma" mit Blattflecken an Efeu diese Art ist. Da sist aber ein anderes Thema.


    Colletotrichum ist übrigens die Nebenfruchtform der Gattung Glomerella – Colletotrichum wurde aber früher als Gattung beschrieben, weshalb hier der frühere Name der Nebenfruchtform Priorität hat. Systematisch wird die aktuell wie folgt eingeordnet: Glomerellaceae, Glomerellales, Hypocreomycetidae, Sordariomycetes, Ascomyota.


    Viel Spaß beim Suchen und Kartieren,

    Christoph

    Servus beinand,


    der Neotypus wurde von Antonin et al (2019) festgelegt: https://www.sciencedirect.com/…abs/pii/S1878614618302411


    Mittlerweile wurde eine weitere, neue Art aus dem Komplex aus Spanien beschrieben – Clitocybula ellipsospora: https://micologiaiberica.org/w…litocybula-Santamaria.pdf (open access). Dort ist auch ein aktueller genetischer Baum inkl. Neotypus von Cl. lacerata enthalten. Dort ist die von uns als Cl. lacerata vorgestellte Kollektion noch als Cl. cf abundans bezeichnet worden (leider haben die Autoren unseren Artikel nicht gelesen / beachtet). Es wird aber bestätigt, dass unsere Cl. lacerata zusammen mit dem Neotypus im Baum erscheint, also Cl. lacerata s.str. entspricht. Es deutet sich aber auch hier an, dass das immer noch ein kleines Aggregat ist, also aus zwei oder drei Arten bestehen könnte/dürfte. Clitocybula familia ist im Baum weit weg von Cl. lacerata.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Björn,


    oh, ich bin direkt auf "Sonstiges" gegangen und hatte nicht bemerkt, dass das eine Unterkategorie von Ascomyzeten war :saint:


    Stimmt, den Wirtswechsel hatte ich vergessen, anzugeben. Dafür kann ich direkt die Verwechslungsart an Prunus zeigen, denn Tranzschelia discolor wächst in meinem Garten an Prunus domestica:


    Tranzschelia discolor ex Prunus domestica – roter Pfeil: Keimpore am Septum. Man sieht oben rechts auch die apikal verdickte Zellwand, noch deutlicher aber oben links (und die blassere hier anders geformte, untere Zelle). Das Ornament ist auch gröber, plackenartig, finde ich.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    gestern, am 9.4.2026 habe ich bei einem Gassigang Tranzschelia pruni-spinosae mitgenommen. Die Art möchte ich hier kurz vorstellen. Sie kommt bei mir massenhaft am Gelben Buschwindröschen, Amenone ranunculoides vor, welches ebenfalls entlang der Windach und den Zuflüssen (z. B. am Hauser Bach) flächendeckend wächst – Bayern, Lkr. Landsberg am Lech, Nebenfluss der Ammer.



    Hier das Ambiente mit Dackeldame Resi und viel Gelben Buschwindröschen am Hauser Bach.



    So sieht das dann aus, wenn man näher hingeht.


    Und hier sieht man schon ein betroffenes Blatt (unscharf, da wegen des verlängerten Blattstiels weiter oben, nicht mehr in der Schärfeebene). Das Foto ist von der Windach (ich war am Zusammenfluss des Hauser Bachs und der Windach beim Gassigehen, die Fotos sind nicht weit entfernt voneinander gemacht worden).


    Hier sieht man klarer die befallenen Blätter (die, mit den hellen Pünktchen). Man erkennt den Befall im Stehen oder beim beiläufigen Entlangschlendern, denn die Blätter ragen meist aus dem Bestand hervor und sie sind gerne etwas deformiert und haben ein etwas blasseres Grün mit matterer Oberfläche.


    Mit einer Lupe (oder dem Bino, wie hier) siehtn man dann, dass blattober- und (!) blattunterseits kleine, dunkle Spermogonien (Stadium 0) zu finden sind. Blattunterseits findet man dann auch die "weißen Flecken bzw. Beulen", die sich bei Reife Öffnen und dann bekränzte Gruben bilden – das sind die Aecien (Satdium I). Mit einer Präpariernadel kann man sehr leicht eine gelbe Sporenmasse aus diesen "Gruben" herausziehen. Mann muss also nicht einmal schneiden. Die Präparation ist denkbar einfach. Ich schaue mir aber gerne auch die Zellen an, die die Becherränder bilden, weshalb ich beides präpariere:


    Oben Aecidiosporen – oben links und in der Mitte dieselben Sporen in zwei Schärfeebenen (um das Sporenornament zu zeigen), oben rechts eine weitere Aecidospore, die sehr schön die teils verdickte Wand zeigt (auch ein Merkmal von T. pruni-spinosae).

    Unten: Becherrand aus fast farblosen, dickwandigen Zellen mit starkem Ornament an der Oberfläche.


    Auch ohne Mikroskop ist die Art leicht zu erkennen, denn die Spermatogonien sieht man schon in der Lupe. Ochrospora ariae kann auch an Anemone ranunculoides vorkommen, hätte aber nur blattoberseits Spermatogonien. Puccinia singularis bildet keine Aecien aus. Zudem sind da die Blätter nicht so stark verändert.


    Wer bei sich keine Gelben Buschwindröschen hat, wird natürlich auch den Parasiten nicht finden. Da bei mir lokal das Gelbe Buschwindröschen sehr häufig ist, ist auch die Tranzschelia sehr häufig. Bei mir ein Massenpilz. Bei euch sicher auch?!


    Viel Spaß beim Suchen und Finden,

    Christoph

    Servus Raphael,


    leider kann ich literaturtechnisch auch nicht viel mehr beitragen. Ich kenne die Arbeit von Roy Watling "Studies in the genera Lacrymaria & Panaeolus", hier online: https://journals.rbge.org.uk/notes/article/view/3161/2981


    Da wird L. glareosa aber nur erwähnt und wurde folglich von Watling als Art anerkannt.


    Dann natürlich Nagy et al. (2012) – https://www.researchgate.net/p…nZSI6InB1YmxpY2F0aW9uIn19


    Dort taucht L. glareosa in dem DNA-Stammbaum auf.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Vitus,


    da ich nicht in einer Kiefernregion lebe, sehe ich Amyloporia xantha eher selten. Ich hatte aber bei allen Funden einen deutlichen Geruch nach Zitronen bzw. Zitronenschalen. Ich finde den Geruch frappierend. Ich kann aber eben wegen zu weniger Eigenfunde nicht sicher sagen, ob der Geruch auch mal schwach ausgeprägt sein kann oder fehlen kann. Ich kenne die Art nur mit zumindest blassem Gelbton und immer mit schön "antrodioid" knotig-geschichteten Fruchtkörpern, was hier ja auch der Fall ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Lacrymaria glareosa passt m.E. sehr gut. L. pyrotricha kenne ich am Hutscheitel lebhafter, deutlicher orange und die kenne ich zudem nur mit recht großen, kröftigen Fruchtkörpern. Für Lacrymaria lacrymabunda passt mir die ganze Farbgebung nicht. Daher bin ich hier auch bei L. glareosa. Toller Fund!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan und Björn,


    vielen Dank für die Bestätigung!


    Bei den Konidienmaßen könnte der Reifegrad eine Rolle spielen. Soweit ich das auf den Bildern beurteilen kann, hängen die alle noch an ihren Konidienträgern.

    Genau das ist/war auch meine Vermutung. Und ja, stimmt, alle Sporen waren an den Konidienträgern (bis auf wenige, einzelne, die beim Präparieren abgebrochen sind). Ich werde die noch im Gelände vorhandenen Blätter einfach ausreifen lassen und dann nochmal mitnehmen und nachmikroskopieren. Es war meine erste Peronospora, die ich mikroskopiert habe. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    heute beim Gassigehen sind mir Pflanzen des Scharbockskrauts (Ficaria verna) aufgefallen, deren Blätter länger gestielt waren als die anderen, zudem blasser und matter an der Oberseite waren. Unterseits sind sie weiß, im Bino sind die Konidienträger gut zu sehen. Die Fotos habe ich daheim gemacht und ich hatte die Blätter in ein Wasserglas (als Vase" gegeben), um sie später mikroskopieren zu können. Deshalb sind zwei der Blätter etwas nass ;)



    Es fehlt der Vergleich mit gesunden, satt grünen Blättern. Man kann es aber gut erkennen, denke ich. Die Blattränder sind etwas nach untern gebogen.


    Im Mikroskop sieht das so aus:







    Präparation: Simplest per Tesafilm – dann mit Ölimmersion angeschaut, also Tesa statt Deckgläschen. Daher ist die Bildqualität nicht optimal, aber das Präparieren geht so halt sehr einfach.


    Ich wäre makroskopisch durch das Befallsbild bei Peronospora ficaria. Allerdings geben Klenke und Scholler Konidienmaße von "im Mittel 25,8–27,7 × 20,8–22,0 μm" an. Meine sind aber ca. 20 – 23 × 16 – 19 μm groß. Das passt irgendwie gar nicht. Fast kugelrund wie bei P. illyrica sehe ich die Konidien hier aber auch nicht, zumal die auch viel breiter wären nach Klenke & Scholler.


    Daher meine Frage an die Spezialisten: sind die Sporenmaße sehr variabel, v. a. von jung zu alt? Oder passt die Bestimmung nicht? Es sind noch genügend befallene Blätter vor Ort. Ich kann sie da noch ausreifen lassen.


    Liebe Grüße,

    Christoph