Hallo Joana,
das liest jetzt außer uns beiden sowieso keiner mehr zu Ende, daher im Klartext.
Du mahnst Respekt an. Respekt ist genau das, was ich mir generell wünsche. Auch gegenüber Menschen, die andere Positionen vertreten als man selbst. Ich wünsche mir, dass persönliche Lebensrealitäten und Erfahrungen nicht als Unwissenheit diskreditiert werden, nur weil sie der eigenen Meinung und einer aktuellen Lehrmeinung widersprechen. Theorie und Praxis liegen oft weit auseinander.
Vielleicht hast du meine Kommentare nicht richtig gelesen. Ich sprach immer nur von meinen Erfahrungen hier in meinen Wäldern und von der hier praktizierten Forstwirtschaft. Ich sprach nicht davon, dass es hier bei mir in 10 Jahren keine Bäume mehr gibt, sondern davon, dass es keine vermarktungsfähigen Fichten mehr geben wird. Andere Baumarten als Fichten gibt es hier ohnehin kaum. Das hat nichts mit Glauben zu tun. Das ist bittere Realität.
Beispiel:
Blöderweise lernt niemand daraus. Die hiesigen Fichten-Plantagen sind krank und sterben vor sich hin. In 10 Jahren sind sie Geschichte. Die Forstwirtschaft in meinem Umkreis beschränkt sich auf das Verwerten von Holz, preisgünstig, durch den Einsatz schwerer Technik. Von den Erträgen beschaffen die Forstämter technische Geräte. Die sind nach 10 Jahren abgeschrieben, der Wald ist weg, und dann?
Es stimmt das die Fichtenmonokulturen besonders betroffen sind, was ich definitiv nicht glaube ist das die in 10Jahren schon weg sind. Wenn man aktuell Forst studiert hört man oft den Spruch "eure Generation wird die sein, die ihr ganzes Leben noch Fichte erntet und den Waldumbau voran treibt". Ein Försterleben ist nichts im Vergleich zu den Zeiträumen im Wald, aber mehr als 10Jahre. ...
und
... In 10Jahren wird es noch Bäume geben, wie gesagt, 10Jahre ist ein Wimpernschlag für den Wald....
und
...Kurzfristige Gewinne gibts jedenfalls nicht im Forstbereich, Forst ist immer ein Generationenvertrag, es wird nicht von Jahr zu Jahr sondern in 10Jahres Abständen (Forstinventur) geplant, darin werden dann z.b. Pflegemaßnahmen festgelegt, nach 10Jahren kommt wieder einer von der Forstinventur, schaut sich den Bestand an und legt die Maßnahmen für die nächsten 10Jahre fest. Ganz im Gegenteil, Zukunft & Rolle des Waldes ist fundamental für alle Überlegungen. So wird je nach Waldfunktion der Wald unterschiedlich behandelt. "wirtschaftlich verwertbar" wird der Wald immer sein, dafür ist der Begriff viel zu breit und beinhaltet auch nicht-Holz-Produkte.
Es ist doch eigentlich ganz einfach. Es braucht die Einsicht, dass es die kurzfristigen Gewinne nicht wert sind, die Zukunft des Ökosystems Wald aufs Spiel zu setzen. Es braucht Respekt vor und einen anderen Umgang mit der Natur.
Zu deinem letzten Absatz möchte ich sagen, vielleicht braucht es auch die Einsicht, das Forstwirtschaft nicht umsonst ein Studium ist, dass die Dinge eben NICHT einfach sind, sondern komplex und vielschichtig. Sie sind komplexer als von mir hier dargestellt, aber ich wollte diesen Beitrag jetzt auch nicht ausarten lassen. Wichtigste take-home message: Es gibt nicht "die Forstwirtschaft".
Liebe Grüße,
Joana
Alles anzeigen
Besser als weitere Argumente, die meine Beobachtung untermauern würden und die du nicht glauben magst, ist die Online- Pressemitteilung über Thüringen-Forst bei MDR Thüringen von diesem Wochenende.
Zitat:

Offenbar war meine Einschätzung eine Punktlandung. Kein Holz, kein Geld kein Plan für die nächsten Jahre - ohne Strategie wohl eher für Jahrzehnte. Der Generationenvertrag Forst ist hier geplatzt. Das gewählte Foto zeigt meine Lebensrealität 2024. Kahlschlag, tote Bäume und das Fichtensterben in den verbliebenen Beständen geht weiter, großräumig.
Die Forst-Theorie der Zehnjahresintervalle hilft da kein bisschen. Für diese Situation gibt es keine standardisierten Erhebungen. Die marktfähigen Fichten sind in 5 Jahren weg. Bis zur einer weiterten möglichen Vermarktung von Bäumen werden mehrere Jahrzehnte vergehen. Erst einmal ist Kahlschlag angesagt. Wenig Totholz wurde dem Boden gelassen. Die Hitze steht über den Flächen, die Böden an den ohnehin steilen humusarmen Südhängen erodieren zusehend. Es ist höchste Zeit darüber zu entscheiden, was der neue Wald in der Zukunft leisten, wie er aussehen soll und wie die Umgestaltung vonstatten gehen soll. Ich beklage, dass hier in den letzten Jahren lediglich tote Fichten vermarktet und gejagt wurden, ohne dass eine Strategie für die Zukunft entwickelt wurde.
Du schreibst, der historische Vergleich mit dem Bayrischen Wald sei interessant, aber nicht der Standard. Allerdings: beim Standard können die raschen Veränderungen in Folge der Klimakatastrophe gar nicht eingepreist sein. Und genau damit haben wir es zu tun. Mit einer Situation, die vom Standard abweicht und auf die trotzdem reagiert werden muss. So rasch wie möglich.
Beispiel 2
Auf meine Wahrnehmung zur Sicherung der Jagd, die eine ganz persönliche ist und nur die hiesige Region betrifft, schreibst du zunächst:
Wahrnehmung hat auch mit Wissen zu tun. So wirst du mir sicherlich zustimmen, das jeder Anfänger zum Thema Pilze, erstmal (wenn überhaupt) bei vielen Fruchtkörpern einfach nur "das ist ein Pilz" erkennt. Ein Fortgeschrittener spricht über Bestimmungsmerkmale, Habitat & Habitus, Sporenpulverfarbe und vieles mehr. Er sieht den Pilz anders, er nimmt anders wahr. Genauso ist das im Forst & Jagdbereich auch. Genau deswegen schicke ich dir hier lange Antworten, weil ich merke, dass das Wissen fehlt um sich wirklich unabhägig eine fundierte Meinung zu bilden. Ich möchte nicht das du am Schluss sagst "Forstwirtschaft/Jagd ist toll" sondern meine Idee war neutrales aber wissenschaftlich korrektes Wissen anzubieten, was du damit machst ist deine Entscheidung.
Du unterstellst, dass mir das Wissen um mir eine Meinung zu bilden. Das ich nicht weiß, wie die Jagd abzusichern ist, wo und wie ich mir Informationen beschaffen über anstehende Jagden beschaffen kann und dass ich nicht in der Lage bin, Flatterbänder, Bekanntmachungen und Warnschilder zu erkennen. Allerdings ist mir die Theorie bestens bekannt. Hierzu brauch ich kein Forststudium sondern muss nur die einschlägigen Gesetze lesen. Deshalb habe ich noch einmal klargestellt:
Ich spreche von meinen ganz persönlichen Erfahrungen mit den forstlichen Aktivitäten hier im Umkreis von vielleicht 15-20 Quadratkilometern. Deine kann ich nicht beurteilen. Ich nehme jedenfalls mit, dass die von dir beschriebenen aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und die gängige Praxis hier vor Ort nicht übereinstimmen.
Ich bin vermutlich ein paar Jahre älter als du, aber noch nicht in so schlechter Verfassung, dass ich mein Umfeld nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Mir ist bekannt, dass vorgeschrieben ist Jagdtermine bekanntzugeben, auf angrenzenden Straßen Warnschilder anzubringen und die Zufahrtswege zu Jagdgebieten durch Flatterbänder/Warnschilder abzusperren. Das alles gibt es hier gar nicht oder nur ausnahmsweise und dann völlig unzureichend. Alle, die wie ich regelmäßig in den Wald gehen, monieren das.
Du hast wie folgt reagiert:
Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Ich studiere jetzt Forst im 5ten Jahr (Master) und bin in der Praxis aktiv, es ist völlig logisch das ich "besser Bescheid" weis als du.
Also wieder: Du studierst und alle, die nicht Forstwirtschaft studieren, können kein Gesetz lesen, haben keine Ahnung, wie man Flatterbänder erkennen und sonstige Informationen über Jagdereignisse erlangt.
[...] Aber ernsthaft, du glaubst nicht wirklich, dass ich die nicht existierende Warnschilder und Flatterbänder nicht wahrnehme, weil mir das Forststudium fehlt? [...]
[...] Vielleicht wurde das bei dir nicht gemacht, vielleicht ist es aber auch einfach deine Warnehmung und eigentlich wäre die Information verfügbar gewesen, ich weis es nicht. [...]
Ich meinte generelle Informationen, wie sie z.b. im Tagesblatt, Zeitung, Internet, Gesprächen zwischen Dorfbewohnern usw. verfügbar sind.
Lg,
Joana
PS: Ich wünsche mir einen respektvolleren Ton von dir, optimalerweise den gleichen Respekt den ich auch dir gegenüber zeige. 
Alles anzeigen
Letztlich relativierst du die Annahme, dass ich keine Warnschilder erkennen kann, unterstellst aber, dass ich nicht in der Lage bin, mir wichtige Informationen zu beschaffen und mahnst gleichzeitig einen respektvollen Ton an. Das ist seltsam.
Wie respektvoll findest du es eigentlich, jemandem den du nicht kennst mehrfach zu unterstellen, dass seine Wahrnehmung falsch ist und dass er schon deshalb keine Ahnung haben kannst, weil er nicht Forstwissenschaft studiert hat?
Im Gegensatz dazu ist es definitiv nicht respektlos, eine andere Meinung zu vertreten und Dinge infrage zu stellen.
Nachdem ich das klargestellt habe noch eine inhaltliche Frage:
Du schreibst in einem Post, dass Rückepferde bezüglich der Bodenverdichtung problematischer wären als technisches Gerät wie Rückeraupen. Da würde mich die Quelle sehr interessieren. Die Revierförster, die ich dazu befragt habe, haben mich ausgelacht. Über belastbare Informationen zu diesem Thema würde ich mich daher sehr freuen.