Beiträge von Schwammer-Dieter

    (gibt's genetische Daten zu diesen Formen?)

    Hallo Pablo,

    phylogenetisch schaut es zu Lepista nuda so aus:

    - Es existieren derzeit ca. 1000 Nucleotid-Sequenzen

    - Davon verwertbare 82 ITS1/2-Sequenzen

    - Andere Loci außer ITS1/2 sind vorhanden aber nicht aussagekräftig oder zu wenige Vergleichssequenzen vorhanden

    - die 82 ITS1/2-Sequenzen sind keiner var. oder f. zugeordnet - das heißt alle sind mit "Lepista nuda" benannt

    - es existieren weitere Sequenzen, die ähnlich sind und in Lepista nuda agg. fallen (mit Lepista spec. oder ähnlichen benannt)

    - Analysiert man diese, stellt man 4 Branches fest, die einen wesentlichen phylogenetischen Abstand haben. Diese könnte man als Stirps deuten.

    Es ist also so, dass momentan 4 Arten phylogenetisch unterschieden werden können. Diese müssten auch morphologische Unterschiede zeigen, die wohl noch nicht bekannt sind oder in 11 var. bzw. f. bereits beschrieben sind.

    Das bedeutet: Phylogenetisch kommen wir nicht weiter, weil für die 11 var. bzw. f. keine zugeordneten Sequenzen existieren.

    Und das widerum bedeutet: Momentan muss Lepista nuda morphologisch unterschieden werden - eine Sequenzierung bringt noch keine Aussage über die var. oder f.

    Beste Grüße

    Dieter

    Hallo,

    Aber bestimmt kommt noch jemand welcher sagt :"Da gibts doch jetzt 3 Arten ?"

    ;-)


    Ja, es ist momentan noch eine Art, aber der Tat gibt es hier Unterschiede, welche in "Monograph of Clavaria and allied Genera, (Annals of Botany Memoirs No. 1)" dort auf Seite 336-338 beschrieben sind. Es gibt auf Seite 338 einen kleinen Schlüssel, der Sporengröße, Astlängen und Astfarben unterscheided. Es gibt 8 Stück Var. / f. plus eine tropische Art.

    Beste Grüße

    Dieter

    Hallo Peter,

    ja, 1-3 sind Sandröhrlinge (Suillus variegatus). Hier gibt es wenn man es genau nimmt noch eine Forma zu unterscheiden - nämlich Suillus variegatus f. rubescens.

    Möchte man das tun, beobachte man die KOH-Reaktion: Bei KOH-Reaktion graulich bis lila/pink ist es Suillus variegatus f. rubescens, ansonsten Suillus variegatus f. variegatus.

    4 sind Kuhröhrlinge.

    Gruß

    Dieter

    Hi zusammen,


    1. klar.


    2. Stefan schrieb schon "Tricholoma terreum s. str.". Ja, "Tricholoma terreum" wird auch gern ein "agg." hinten angestellt, wegen der unklaren Unterscheidung von terreum und myomyces (und evtl. weiterer var. und f. der beiden).

    Heilmann-Clausen et. al fanden in der Studie in Persoonia. 2017 Jun; 38: 38–57 bereits heraus, dass phylogenetisch kein Unterschied zwischen Tricholoma terreum und Tricholoma myomyces besteht. Auch ich sehe das nach eigener Recherche so. Deshalb gibt es für mich keinen Tricholoma myomyces mehr, allerdings einige ehemaligem var. davon als nun non var. Die gezeigten sind also wahrscheinlich Tricholoma terreum, könnten aber auch Tricholoma bonii sein (welcher inzwischen in Deutschland nachgewiesen wurde). Die morphologischen Unterschiede sind etwas strittig, jedoch ist man sich über die längeren Sporen und das höhere Q der Sporen bei Tricholoma bonii einig. Schön wär's gewesen, wenn man Tricholoma myomyces vergessen könnte (dann wär es einfach immer Tricholoma terreum), doch leider muss man nun, wenn man es genau wissen will wohl immer mikroskopisch ran.


    3. Chroogomphus rutilus agg. ist klar.

    Nach der phylogenetischen Trennung nach Scrambler et al. (2018) IMA Fungus 9(2): 271–290 kristallisierten sich 7 Arten heraus, die in Europa bislang nachgewiesen wurden. Einer - der Filzige Gelbfuß scheidet für den oben gezeigten Kandidaten aus - bleiben also 6 Arten:

    Chroogomphus mediterraneus

    Chroogomphus britannicus

    Chroogomphus purpurascens

    Chroogomphus rutilus

    Chroogomphus fulmineus

    Chroogomphus subfulmineus


    Chroogomphus fulmineus und Chroogomphus subfulmineus scheiden wegen der oben genannten Fleischfarbe schon aus. Bleiben noch 4 Arten. Stefan nannte ja schon die Melzer-Reaktion. Bleibt diese aus, ist es Chroogomphus mediterraneus. Ist eine Blaufärbung vorhanden, geht es nur mikroskopisch für die Unterscheidung der restlichen 3 weiter.


    Ich mache diese Unterscheidung jedoch gaaaanz anders und viel schneller: Wenn ich einen Chroogomphen finde, dann unterscheide ich: Madig oder nicht - und wenn nicht dann freu ich mich auf das Abendessen ;-)


    Beste Grüße

    Dieter

    Das finde ich auch Claudia,

    aber wir wissen nicht wie es weiter geht wenn die Upload-Filter Pflicht werden. Wir ahnen es jedoch.

    Aber ich will nun keine politische Diskussion hier anfachen... Also... warten wir erst mal ab.

    Beste Grüße

    Dieter

    07.10.2018: Wieder ein paar Erstfunde - Teil 2

    Liebe Pilz-Freunde,
    dies ist Teil 2 des Berichtes vom 07.10.2018
    .

    Teil 1 findet Ihr hier

    Fundnummer: 2018-10-07-1050

    Das ist die mit Abstand häufigste Art der Gattung. Einfach initialmorsche Äste, Stämme usw. von Nadelbäumen umdrehen, schon hat man sie in Massen. Fruktifiziert nahezu ganzjährig. Kenntlich am Standort Nadelholz in Kombination mit gelbem Harz an den Haaren, das aber sehr schwach ausgeprägt sein kann, hier aber deutlich ist. Die Nebenfruchtform ist häufig auch dabei, optisch winzige schwarze Pünktchen Namens Cheiromycella microscopica. Mikroskopisch attraktiv, hier aber nicht dabei gewesen, bzw. nicht danach geschaut.

    Harzhaariges Hyalinbecherchen (Hyaloscypha aureliella):
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    Fundnummer: 2018-10-07-1117
    Dies war damals für uns beide ein erfeulicher Erstfund. Heute kennen wir 2 Standorte davon.
    Zwergschüppling (Pholiota scamba)
    :
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    Fundnummer: 2018-10-07-1128

    Für uns ein Erstfund, doch sicher nicht selten. Man muss rote Arcyrien aber immer unters Mikroskop legen, um bei der Art sicher zu sein.

    Weinroter Kelchstäubling (Arcyria affinis)
    :
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    Fundnummer: 2018-10-07-1211
    Schnell nebenbei der Olivgelbe Holzritterling (Tricholomopsis decora):
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    Und zum Abschluss dann noch etwas kniffeliges...

    Fundnummer: 2018-10-07-1304

    Zu diesem Samthäubchen habe ich herausgefunden, dass die Unterscheidung velutipes - brunneidisca irgendwie nur sehr marginal möglich ist.
    Als Unterschiede steht in FE zusammengefasst ungefähr das:
    "velutipes: eher magere Standorte, Sporen nie (sub)mitriform, in KOH etwas dunkler
    brunneidisca: eher fettere Standorte, auch auf Dung, Sporen oft (sub)mitriform, in KOH etwas heller"

    Rein vom Standort her eher velutipes, aber da die Sporen z.T. klar mitraförmige Konturen haben muss ich das brunneidisca nennen. Die sind auch klar breiter als meine bisherigen velutipes-Funde aber auch velutipes soll so breite Sporen haben können. Trotzdem wegen der Sporenform komm ich da nicht vorbei an brunneidisca, also muss das so sein, auch wenn mir die Unterscheidung nicht so ganz 100% sauber erscheint.

    Linsensporiges Samthäubchen (Conocybe brunneidisca)
    :
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    Das war's für heute....
    Und wieder freuen wir uns auf Eure Kommentare.
    Beste Grüße
    Dieter & Matthias

    07.10.2018: Wieder ein paar Erstfunde - Teil 1

    Liebe Pilz-Freunde,
    es hatte nur wenig geregnet, als ich und Matthias die heutige Tour planten. Doch "ein Bisschen was geht immer" dachten wir uns.
    Und so war es auch. Kommt mit uns und seht was wir alles entdeckten.

    Wegen der Menge müssen wir diesen Bericht diesmal auf 2 Teile aufteilen.
    Teil 2 findet Ihr hier

    Wir schreiben den Bericht wieder zusammen.
    Wie immer: Meine Texte sind schwarz, Matthias' Texte sind grün. ;-)
    Meine Bilder sind mit einem schwarzen
    , Matthias' Bilder sind mit einem grünengekennzeichnet.

    Fundnummer: 2018-10-07-0939

    Ich kenne die Art bisher vor allem von Wiesen, hier ist ein grasiger Waldwegrand auch ausreichend gewesen. Wuchs da in erstaunlichen Mengen.


    Weißes Spitzkeulchen (Clavaria falcata)
    :
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    Fundnummer: 2018-10-07-0957
    Eine Freunde für mich, da ein Erstfund.
    Krönchen-Glockenschüppling (Pholiotina vexans)
    :
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    Sporen:
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    Cheilozystiden:
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    Fundnummer: 2018-10-07-1003
    Ein Schnappschuss einer Russula die wir mal nicht bestimmten, da wir zeitlich ausgelastet waren.
    Täubling (Russula spec.):

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    Fundnummer: 2018-10-07-1022

    Dieser Risspilz-Fund war eine kleine Sensation.

    Morphologische Daten:

    Fundort: 533 müNN, ca. N49.916, O12.292, Leonberg, MTB 6039, bei Kiefern in einem feuchten, etwas sandigen Graben eines Wegrandes
    Fundzeit: 07.10.2018
    Wuchsform: gesellig
    Hutform: jung spitzkegelig, alt ausgeflacht mit Buckel
    Huthaut:
    rot-braun, nach außen hin heller werdend, radialfaserig, etwas glänzend
    Hutrand: nicht behangen, kantig
    Lamellen: cremeweiß, Zwischenlamellen, bauchig
    Lamellenschneiden: fein weißlich beflockt

    Lamellen-Stielübergang:
    tief ausgebuchtet angewachsen
    Stiel: bräunlich-beige, nach unten hin weiß werdend
    Stielbereifung: nur oben bereift
    Stielbasis: nicht oder sehr leicht verdickt
    Fleisch: ohne Besonderheiten
    Größe: Hutdurchmesser ca. 2 cm, Stiellänge ca. 4 cm, Stieldurchmesser ca. 4 mm
    Sporenpulverfarbe: nicht getestet
    Geruch:
    spermatisch
    Geschmack: nicht getestet

    Mikroskopische Daten:
    Sporen 8-10 x 4,5-5,5µm, Zystiden dickwandig, in KOH leicht gelb, bis 60µm lang

    Zur Fundzeit war diese Pilz noch unbeschrieben. Doch Ditte hatte die Beschreibung zufälliger Weise gerade in Arbeit zu einer Veröffentlichung in Mycologia Bavarica.
    Inzwischen ist die Beschreibung in Ditte's wundervollem Artikel in der Mycologia Bavarica, Band 20, 2020 - Seiten 13-101 erschienen - worauf wir hiermit verweisen.

    Zur interessanten Etymologie teilte und Ditte mit:
    "Die Art heißt nach dem griechischen Titan Astraios, Gott der Abenddämmerung, da die Art meist erst spät im Jahr fruktifiziert und die Hüte zum Rand hin ausblassen wie das Licht am Abend. Auf Deutsch könnt ihr sie also den Astraios-Risspilz nennen."

    Wieder ein Beispiel dafür, dass selbst noch viele Großpilze bei uns im gut durchforschten Deutschland noch unbeschrieben sind. Jedenfalls war er das zum Zeitpunkt des Findens noch nicht. Genau hinsehen kann sich also lohnen, nicht nur bei Inocybe.

    Hier also nun der Pilz mit dem wunderschönen neuen Namen Astraios-Risspilz (Inocybe astraiana):
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    Cheilozystiden in KOH:
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    Pleurozystiden in KOH:

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    Sporen in KOH:

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    Weiter zum Teil 2

    Hallo,

    eine Frage: Würde der auch in einem Moor wachsen?

    Psathyrella panaeoloides ist von der Ökologie nicht so wählerisch. Offenland sollte schon sein, und nicht bis Unterkante Oberlippe im Wasser.

    Außerdem schaut es phylogenetisch so aus, dass die in der /panaeoloide-Klade mehrere Arten versteckt sein könnten, die evtl. auch in der Ökologie unterschiedlich sind.

    Psathyrella panaeoloides erscheint schon früh im Jahr und ist nicht besonders selten.

    Beste Grüße

    Dieter

    Hallo Pablo und vielen Dank,
    ich weiß nicht ob die graue Form Kartoffel-Schüsselschwindling (Calyptella gibbosa (Lév.) Quél., Enchir. fung. (Paris): 216 (1886)) tatsächlich eine eigenständige Art ist.
    Diese Seite sagen eher nein:
    pa-691.html#
    Beschreibung Cyphellaceae Becherartige Basidiomyceten - Fredis Pilzseite
    Auf jeden fall können diese "Arten" alles von ganz weiß bis sehr grau - siehe hier:
    Beschreibung Cyphellaceae Becherartige Basidiomyceten - Fredis Pilzseite - das bild oben links.

    Bestritten ist eben auch der Unterschied der Sporengrößen zwischen weiß und grau - also brächte wohl die Untersuchung nicht viel.

    Hier jedoch wird das Gegenteil ausgesagt:
    09 pilz lehmann.pdf
    und auch hier wird das Gegenteil im Schlüssel ausgesagt:

    sydowia-beihefte_4_0001-0144.pdf

    Wie Du siehst schlüsselt man hier aber ganz klar an Calyptella gibbosa allein schon wegen der Haare am Becher vorbei...

    Was sagt die Genetik?
    Zu Calyptella gibbosa gibt es leider kein Sequenzen. Zu Calyptella capula gibt es einige Sequenzen und es gibt auch nahe stehende "Calyptella sp.", sodass sehr wahrscheinlich ist, dass es sich hier eher um ein aggregat handelt.

    Hier ist wohl noch größerer Klärungsbedarf vorhanden, den ich wohl mit diesem einen Fund nicht einmal per Sequenzierung klären könnte... :-(

    Beste Grüße
    Dieter