Ein Wochenende in Bayern

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 713 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Bläuling.

  • Hallo zusammen,


    da die Pilzsaison in Karlsruhe bisher praktisch ausgefallen und auch die Frischpilzaustellung der Trockenheit zum Opfer gefallen ist, haben SimonMycet und ich das freigewordene Wochenende kurzerhand genutzt, um in den bayrischen Pilzgründen zu wildern.


    Wir verbrachten ein tolles Wochenende am Spitzingsee und konnten dank des Kurztrips doch noch einige schöne Pilze in diesem Jahr finden.

    Besonders habe ich mich auch darüber gefreut, dass ich meine neue Mikroskopkamera ausgiebig testen konnte.


    Gerne möchte ich Euch an unseren Funden teilhaben lassen.


    Da ich mich erst seit kurzem intensiver mit dem Mikroskopieren beschäftige, eine Frage vorab:

    Sporen von Täublingen schaue ich mir in Melzer an, Sporen von Cortinarien in verdünntem KOH. Ist es üblich, die Sporen auch in diesen Medien zu messen oder sollte man in einem zweiten Präparat in Wasser messen? Würde mich sehr interessieren, wie Ihr das handhabt.


    Nun zu unseren Funden. Wir freuen uns über Einschätzungen und Verbesserungsvorschläge. Gerade bei den Cortinarien stehen wir noch am Anfang:


    01. Albatrellus citrinus – Zitronengelblicher Porling


    02. Amanita muscaria – Fliegenpilz


    03. Cystoderma carcharias – Starkriechender Körnchenschiermling


    04. Clitocybe nebularis – Nebelkappe, die hat mich im ersten Moment verwirrt, da ich sie bisher nicht so bräunlich kannte.


    05. Hygrophorus agathosmus – Wohlriechender Schneckling


    06. Hygrophorus discoideus – Braunscheibiger Schneckling, ein Erstfund


    07. Mycena rosella – Rosa-Helmling, leider nicht ganz scharf


    08. Tricholoma vaccinum – Bärtiger Ritterling


    09. Conocybe rugosa – Runzeliger Glockenschüppling


    10. Handkea utriformis – Hasenstäubling


    11. Lactarius scrobiculatus – Grubiger Milchling, war extrem häufig mit teils riesigen Exemplaren

    Sporen: 7,0-7,7-8,4 x 5,5-6,0-6,6 µm, Q: 1,17-1,28-1,36


    12. Lactarius intermedius – Grubiger Tannen-Milchling, dagegen nur dieser Einzelfund

    Sporen: 7,2-8,1-9,2 x 6,1-6,5-6,8 µm, Q: 1,10-1,25-1,35


    13. Lactarius badiosanguineus – Braunroter Milchling


    14. Russula fuscorubroides – Stachelbeer-Täubling mit neuem Namen laut Kibby

    Sporen: 7,8-8,7-10,0 x 7,0-7,6-8,0 µm, Q: 1,10-1,15-1,21, (n=17)


    15. Russula viscida – Lederstiel-Täubling

    Sporen: 8,8-9,2-10,6 x 6,9-7,3-8,5 µm, Q: 1,17-1,25-1,36, (n=21)


    16. Armillaria ostoyae – Dunkler Hallimasch


    17. Boletus edulis – Gemeiner Steinpilz, ganz vereinzelt frische Exemplare


    18. Lepista nuda – Violetter Rötelritterling


    19. Gyromitra infula – Bischofsmütze, ein weiterer Erstfund


    20. Multiclavula mucida – Holz-Flechtenkeule, ein weiterer PersEr, leider nur mit Schnappschuss


    21. Direkt vor der Rückfahrt noch Infundibulicybe geotropa – Mönchskopf, etwas lebhaft gefärbt, mit kurzen kräftigen Stielen und teils kaum ausgeprägtem Buckel. Uns fiel jedoch keine Alternative ein.


    Nun zu den Cortinarien, bei denen praktisch alle außer C. varius und C. glaucopus Erstfunde waren.


    22. Cortinarius varius – Semmelgelber Schleimkopf

    Sporen: 9,5-10,6-11,7 x 5,5-6,4-7,3 µm, Q: 1,50-1,67-1,78


    22. Cortinarius glaucopus – Reihiger Klumpfuß

    Sporen: 7,5-8,0-8,5 x 4,5-4,9-5,2 µm, Q: 1,49-1,63-1,85



    23. Nur wenige Meter von der vorherigen Kollection entfernt mit kräftigeren Violetttönen, etwas anders gefärbten Hüten und etwas kleinen Sporen, trotzdem C. glaucopus?

    Sporen: 6,1-7,0-7,5 x 4,1-4,4-4,8 µm, Q: 1,46-1,58-1,71, (n=21)


    24. Cortinarius variecolor – Erdigriechender Schleimkopf

    Sporen: 9,5-10,5-11,4 x 5,1-5,7-6,1 µm, Q: 1,70-1,84-1,96, (n=28)


    25. Cortinarius elegantior – Strohgelber Klumpfuß


    26. Cortinarius odorifer – Anis-Klumpfuß


    27. Cortinarius caesiocanescens – Violettgrauer Klumpfuß

    Sporen: 8,4-8,9-9,5 x 4,9-5,2-5,5 µm, Q: 1,58-1,71-1,88, (n=15)


    Eine zweite Kollektion, bei der wir ebenfalls bei C. caesiocanescens landeten.


    Zum Abschluss ausnahmsweise noch etwas, das kein Pilz aber dennoch ein Erstfund ist: Der Alpensalamander


    Ich hoffe es hat Euch gefallen. Für mich war der Ausflug eine tolle Entschädigung für das bisher miserable Pilzjahr im Karlsruher Raum. Die Hoffnung stirbt zuletzt, so hoffe ich noch auf Funde im November.



    Viele Grüße

    Luca

  • Hallo Luca,


    danke fürs Mitnehmen auf eure Tour!


    Schöne Sachen habt ihr da gefunden.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Luca,


    vielen Dank fürs Mitnhemen und für die schönen Pilze.


    Ich möchte dich was zu den Lactarius-Exemplaren fragen (Bild 11 und 12), falls du Zeit für eine Antwort findest.

    Hast du die 2 Arten makroskpisch trennen können oder war es nur mikroskopisch möglich?

    Mein Fund hat nämlich die gleiche Hutfarbe wie dein Tannenmlichling, der Hutrand geht eher in die "flaumige Richtung" wie bei deinem Grubigen Milchling. Baumparter meines Fundes: eine nette Mischung von Tannen und Fichten :)


    Danke und LG

    Paulis

  • Hallo Paulis,

    Hast du die 2 Arten makroskpisch trennen können oder war es nur mikroskopisch möglich?

    Direkt nebeneinander haben sich die beiden Arten farblich tatsächlich deutlich unterschieden. L. scrobiculatus ist viel kräftiger gelb. Außerdem fand ich den lachsrosa Farbton in den Lamellen von L. intermedius auffallend. Bei L. scrobiculatus konnte ich das nicht beobachten. Einen flaumigen Hutrand darf L. intermedius meines Wissens gerade jung auch haben.


    Anhand der Sporen sind mir bei den beiden Arten kaum Unterschiede aufgefallen. Das Ornament schien mir bei L. intermedius feiner.


    Viele Grüße

    Luca

  • Hallo,


    Eine sehr schöne Tour! Danke für die Präsentation. :thumbup:


    Den Ausführungen zur Unterscheidung L.scrobiculatus - L.intermedius kann ich noch hinzufügen, dass erster „zusammenfließende“ bräunliche Haar-Büschel auf der Hutoberfläche bildet, sofern der Regen die nicht unkenntlich macht. Beim Tannenbegleiter konnte ich das noch in keinem Altersstadium beobachten.


    VG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

    Einmal editiert, zuletzt von Steigerwaldpilzchen ()

  • Danke sehr, Luca und Steigerwaldpilzchen.


    Entschuldigung, dass ich daraus eine Bestimmungsanfrage mache :gkopfwand: . Letzte Frage, versprochen

    Kann eine Geschmacksprobe was bringen? Gestern gemacht: es dauert bei meinem Pilz etwa länger bis man eine gewisse Schärfe spürt. Bleibt dann als Nachgeschmack im Mud lange anhaltend, mit einer bitteren Note. Bringt diese Information was?

    P.S.: Regen war im Spiel


    Danke für euer Unterstützung und eure Zeit

    VG Paulis

  • Hallo Paulis,


    Müsste man testen ob es da konstante Unterschiede gibt. Erst unangenehm bitter, dann scharf kenne ich jedenfalls selbst ebenfalls so von L.scrobiculatus. L.intermedius hatte ich mir bisher verkniffen zu probieren.


    Weil Beide früher nicht getrennt wurden gibt es dazu kaum Info. Da aber der Sammelart ebenso konstanter Geschmack bescheinigt wurde, glaube ich nicht ganz an einen relevanten Unterschied. Aber, gern selbst im wissenschaftlichen Ansporn testen, denn Bücher wissen auch nur was mal ausprobiert wurde.


    VG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • Hallo Luca,



    einen wunderbaren Ausflug hast Du gamcht. Und uns hast Du dran teilhaben lassen. Danke Dir dafür.



    Hallo Werner,


    ja da hast Du recht. Es lohnt immer sich Bayern mal zu Gemüte zu führen. Es gibt dort sooooo schöne Ecken. Tolle Schlösser, tolle Wälder auch ist soooo herrrlich schön dört. Vor allem die Gemütlichkeit.

    Liebe Grüße vom


    Bläuling


    Meine Bestimmungsversuche sind KEINE Verzehrfreigaben



    Schipse: 100-10 Startgebühr für APR 2024= 90 + 2 = 92

    Schipse: 92-10 Startgebühr für APR 2025 = 82