Ungenießbare Pilze

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  • So unterscheiden sich die Geschmäcker. Für mich ist der Lachsreizker einfach nur widerlich – der hat eine seltsame, metallische Geschmackskomponente, die mich ansolut abstößt, dabei ist er bei mir ein Massenpilz. Fichtenreizker schmecken mir deutlich besser als Lachsreizker, Edelreizker sind aber deutlich wertvoller.


    Riesenscheidenstreiflinge esse ich nicht, weil sie zu selten sind. Safranscheidenstreiflinge sind für mich hingegen eine Delikatesse, an die der Perlpilz nicht ansatzweise herankommt. Kaiserlinge finde ich auch sehr delikat, aber in Deutschland sammle ich die natürlich nicht.

    Samtfußkremplinge sind für mich Notfallfutter. Wenn man sie so lange auskocht, dass sie keinen Geschmack mehr haben, kann ich sie essen. Als Wurstsalat dank des Auskochens und Essigs ja, aber der Aufwand – dann doch lieber eine Lyoner nehmen, schmeckt einfach besser, denn da habe ich einen Eigengeschmack.


    Deshalb wie oben schon geschrieben – das Etikett ungenießbar bekommen Pilze, die dem Autor nicht schmecken und eben die, deren Speisewert (generell oder dem Autor) unbekannt sind. Daher besser keine Eigenversuche ohne vorherige Recherche.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Also geschmacklos finde ich ausgekochte Samtfußkremplinge nicht. Sind auf meiner Zunge angenehm nussig und minimal herb, wobei letzteres vom Alter abhängig ist. Ich lege die dann gerne gewürfelt mit Weißweinessig, Olivenöl, Zucker, Salz, Pfeffer, Knoblauch, Basilikum, Oregano und Rosmarin ein. Ist dann ne feine Sache zur Brotzeit oder auch mal warm in eine Nudelsauce rein oder auf Pizza.


    Ist tatsächlich neben Reizkern der einzige Pilz den ich einlege. Alles andere ist mir dafür zu schade weil die wenigsten Pilze davon geschmacklich profitieren und die meisten Arten davon einfach zu "schwabbelig" werden. Beim Samtfußkrempling ist das hingegen ideal.


    Zum Riesenscheidenstreifling: Ja, habe den auch nur einmal probiert als er eine Massenblüte hatte. So selten scheinen die von der Verbreitung her gar nicht zu sein. 2023 standen sie im Herbst plötzlich überall rum. Seitdem nie wieder einen gesehen. Ist schon komisch bei manchen Arten. Beim Glattstieligen Hexenröhrling ist es ähnlich. Den gab es 2024 bei mir überall zu finden, zuvor nie gesehen und letztes Jahr auch wieder nicht. Versteh einer Pilze :D


    LG Christopher

  • Zur besseren Einordnung erzähle ich mal, woher ich weiß das ich bitter so stark schmecke:


    Wir mussten in einem Pharmakologie-Kurs Teemischungen zubereiten. Nicht der Mischmasch, den es im Supermarkt gibt, sondern richtigen Heiltee. Der muss so dosiert sein, das er auch genug wirksame Bestandteile enthält und weil die oft Pfui Bäh schmecken, gibt es Berechnungstabellen darüber, was man wie kombinieren kann.

    Da nun aber für jeden Mensch andere Mengen als bitter wahrgenommen werden, gibt es einen individuellen Bitterwert den man mit einrechnet, der aber erst extra bestimmt werden muss.

    Dafür wird Wermut (sehr bitter) mit Wasser verdünnt, ein Tropfen davon genommen und wieder auf neun Teile Wasser verdünnt, wieder ein Tropfen davon auf wieder neun Teile Wasser und so weiter. Am Schluss waren dann vier oder fünf Becher Wermutwasser, immer aufs zehfache vom vorherigen runterverdünnt. Man probiert dann den ersten, der eigentlich nach nichts schmecken sollte, und probiert sich dann hoch, bis man etwas leicht bitteres rausschmeckt Mit dem Wert rechnet man dann.

    Ich und noch ein weiterer Student haben aber schon bei der niedrigsten Verdünnung was geschmeckt. Daraufhin hat der Prof nochmal auf zwei Stufen runterverdünnt. Da war der Kollege dann raus, ich hab's aber immer noch schmecken können. Prof hatte keine Lust mehr und hat gesagt ich soll mit dem Wert weiter rechnen.

    Einige notorische Kettenraucher aus dem Kurs haben dagegen nicht mal beim ersten Glas was schmecken können.

    Der Unterschied im Geschmackssinn zwischen Ihnen und mir war über eine Million mal feiner.


    Das nur mal zur Anschauung, wie weit die Geschmäcker tatsächlich nachweislich auseinander liegen. Und das war jetzt nur für bitter.

  • Das nur mal zur Anschauung, wie weit die Geschmäcker tatsächlich nachweislich auseinander liegen. Und das war jetzt nur für bitter.

    Auch wenn das fürs Thema Pilze OT ist:


    Ich finde das mit dem Pheromon der weiblichen Fruchtfliegen faszinierend, dass manche Menschen in wahnwitzig geringen Konzentrationen im Wein wahrnehmen können.


    Ich selbst gehöre nicht dazu. Ich fische Fruchtfliegen aus meinem Wein raus und trinke weiter, ohne dass mir etwas auffällt.


    Bei bitter bin ich auch sehr sensibel, aber wie sich das im Vergleich zu deiner Wahrnehmung darstellt, weiß ich natürlich nicht. Allerdings mag ich das, zumindest bei Getränken (Pils, Stout, Monin Bitter, Tonic, usw.).


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo in die Runde,


    ich glaube es lässt sich pauschal nicht sagen. Ich denke es ist gut das Infragestellen von Ungenießbarkeit von Pilzart zu Pilzart zu durchdenken.


    Ein weiteres Beispiel ist der Spaltblättling der in verschiedenen Teilen der Erde auch als Speisepilz angebaut wird und hier in Deutschland allgemein als ungenießbar gilt. Und das hat einfach kulturelle Ursachen. Mit bestimmten Konsistenzen ist die deutsche Küche nicht gewohnt umzugehen.


    Liebe Grüße

    Ria

  • Echt? Ich kenne den Spaltblättling nur als Vitalpilz. Was macht man kulinarisch denn mit dem?

    Hier in dem Artikel den ich angehängt habe gibt es ein paar Erwähnungen. Meist wird er lange mitgekocht in Eintöpfen, oder Fleischgerichten, oder gemeinsam mit anderen Zutaten fritiert. Es geht beim Spaltblättling eher nicht um seinen Geschmack, da er geschmacklich eher neutral ist. Er wird als Konsistensgeber genutzt der den Geschmack annimmt von Gewürzen. Ähnlich wie die Gallertpilze die zu Speiszwecke genutz werden, aber die Konsistenz ist zäher, faserig.

  • Danke dir, ist ja interessant. Muss ich auch mal damit experimentieren, das Zeug wächst ja praktisch überall. Zäh-faserige Arten sind bei Pilzen ja immer ein guter Ansatz wenn man irgendwo Fleisch ersetzen will.


    LG Christopher